Bewertung: 9

Review: #2.06 Ein unendlicher Kreis

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Dark
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Diese Episode vereint genau die Elemente, die "Dark" so vortrefflich einzusetzen weiß. Sie ist die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft in einem. Gleichzeitig verbindet sie alle Elemente der Handlung und könnte aber genau so gut als Stand-Alone-Episode durchgehen.

Wir schreiben den 20. Juni 2019 und die Ahnung, dass es sich um ein erzählerisches Meisterwerk handeln wird, wenn "Dark" uns den Beginn seiner Geschichte zeigt der jedoch so viel mehr ist und ebenso den Mittelpunkt und das Ende von allem darstellt bewahrheitet sich ohne Zweifel. Das Gefühl, gemeinsam mit dem Jonas aus dem Jahr 2019 aufzustehen, vollkommen unbeschwert, frei von Sorgen und nur mit dem Gedanken an seine Liebe zu Martha, ist erfrischend. Wie schon so häufig kann man sich auf Louis Hofmann verlassen. Er versteht sich ohne Probleme darauf, die Unterschiede zwischen den beiden Jonas-Figuren herauszuarbeiten, die in dieser Episode vertreten sind. Das jüngere Ich mit einem Lächeln, stets unsicher im Umgang mit Martha, das ältere Ich mit einem traurigen Glimmen in den Augen, da dieser Jonas bereit ist sein Leben zu opfern.

Man vermag nicht zu sagen, wo der unendliche Kreis seinen Ursprung nimmt, denn die Episode verwendet erneut das Bootstrap-Paradox, um zu demonstrieren, dass es den Charakteren schier unmöglich ist, aus der Geschichte und ihren alten Verhaltensmustern auszubrechen. Der Lauf der Dinge nimmt daher seinen Gang und wie sich herausstellt, hat Adam Jonas nicht die ganze Wahrheit gesagt. Er will um jeden Preis in einen dritten und letzten Zyklus starten und daher will er ebenso, dass alles so geschieht, wie es sich schon immer zugetragen hat. Während des Schauens hadert man mit sich und spekuliert, ob es Jonas tatsächlich gelingen könnte, die Geschichte zu verändern. Einerseits fühlt man so stark mit Jonas, dass man ihm einen kleinen Funken Glück mehr gönnt als jedem anderen. Andererseits erscheint es zu unwahrscheinlich, dass an diesem Punkt der Geschichte eine entscheidende Veränderung vorgenommen werden könnte. Dies ist mein einziger Kritikpunkt an der Episode, da es ein klein wenig vorhersehbar ist, dass Jonas den Lauf der Dinge nicht zu verändern vermag.

Die Szenen mit Jonas und Michael wissen in jeder Sekunde zu berühren und mit jedem Wort, das Jonas zu seinem Vater spricht, wird die Tragweite des Geschehens deutlicher. Ganz nach dem Großvater-Paradox beginnt der Kreislauf von neuem: es ist Jonas, der seinen Vater dazu bringt, Selbstmord zu begehen, es ist Jonas, der Mikkel dazu bringt, in die Vergangenheit zu reisen, es ist Jonas, der nun zu diesen Entscheidungen steht und damit dem Kreislauf der Dinge in eine neue Runde schickt.

Ich bin mir noch immer nicht sicher, welche Komponente Claudia in der ganzen Geschichte spielt. Wiederholt hat sie bereits betont, dass sie das Licht zu Adams Schatten darstellt, doch man weiß einfach nicht, wem der beiden man trauen kann. Ganz offenkundig hält Adam mit einigen Geheimnissen hinterm Berg, was umso mehr Neugierde schafft, da er sein jüngeres Ich doch eigentlich einweihen könnte. Claudia wurde uns in letzter Zeit auf einem viel weniger zwielichtigen Weg gezeigt, weshalb man gewillt ist ihr zu vertrauen, doch nach dem Ausgang des Finales von Staffel 1 ist klar, dass auch sie Jonas hinters Licht geführt hat/ führen wird.

Während man die unendliche Geschichte von Jonas und Mikkel fabelhaft in Szene setzt, stellen die restlichen Figuren auf der Party der Nielsens einen schaurig schönen Kontrast dazu dar. Jeder von ihnen trägt sein Laster, wahrt aber vor den anderen den Schein. Zu Beginn der Serie hätte man durchaus denken können, dass erst mit dem Tod von Michael das Glück der Windener Familien zu bröseln begann, doch nun steht fest, dass auch hier der Anfang der Geschichte viel weiter zurückreicht. Es gab einige wunderbare Déjà-vu-Momente:

  • Hannah und Ulrich führen den gleichen Dialog, wie in 1986.
  • Hannah erstarrt nach dem Gespräch mit Michael beim Anblick von Mikkel, da ihr die Ähnlichkeit unterschwellig bewusst geworden sein muss.
  • Jonas spricht zu Martha genau die Worte, die in den Köpfen der beiden nachhallen, wenn sie aus ihrem Traum hochschrecken.


Außerdem:

  • Im Jahr 1921 sehen wir die erwachsenen Versionen von Magnus und Franziska.
  • Dass es sich bei Adam tatsächlich um Jonas handelt, beweist dann wohl auch die Halskette.
  • Aleksander a.k.a. Boris Niewald hat 1986 also einen Mord begangen.


Fazit

Diese Episode stellt den bisherigen erzählerischen Höhepunkt der Staffel dar, da man aufzeigt, dass man alles bis ins kleinste Detail bereits vorab durchdacht hat, weshalb man die kleinen Steinchen nun nahtlos zu einem großen Mosaik zusammenfügen kann.

Marie Florschütz - myFanbase

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