Bewertung: 5

Review: #1.10 Alpha und Omega

Foto: Louis Hofmann, Dark - Copyright: Stefan Erhard/Netflix
Louis Hofmann, Dark
© Stefan Erhard/Netflix

Nachdem ich die erste Staffel von "Dark" bisher sehr genossen habe, lässt mich das Ende dann leider etwas ernüchtert zurück. Zwar bleibt sich das Finale über weite Teile hinweg treu, doch die letzten Minuten und auch die CGI-Spielereien haben mich ziemlich abgeschreckt.

Durch die vielen Sprünge in der Zeit ergibt sich bei dieser Episode ein ganz anderes Bild, als es bei der vorletzten der Fall war. In #1.09 Alles ist jetzt hatten wir klare harte Schnitte, nun spielt fast jede Szene wieder in einem anderen Jahr und #1.10 Alpha und Omega wirkt dadurch um einiges unruhiger. Es macht erst einmal nichts, dass das Finale etwas unstet daherkommt, dadurch greift man nur wieder auf, wie verworren die drei Zeitebenen miteinander sind. Dies weiß Jonas sehr gut in Worte zu fassen, als er Ines wütend konfrontiert, weshalb sie nicht dafür gesorgt hat, dass Mikkel gerettet wird. Im Allgemeinen ist dies wieder eine sehr düstere Episode, die im speziellen von Jonas getragen wird. Nach dem abgebrochenen Versuch, Mikkel zurück ins Jahr 2019 zu holen, setzt Jonas nun erneut zu einer Rettung an. Ihm ist dabei ganz klar, dass sein eigenes Leben dadurch ausgelöscht wird. Sehr leise verabschiedet er sich daher, er bricht mit Bartosz, wie er es zuvor bereits mit Martha getan hat, er sucht den Ort auf, an dem Michael sich erhängt hat und zu guter Letzt umarmt er seine Mutter und versichert, dass sich alles um Guten wandeln wird. Erneut muss man Louis Hofmann zu seinem Schauspiel gratulieren. Genau so sanft, wie er sein Leben zu opfern bereit ist, weiß er hart und verängstigt zu sein, als Jonas sich plötzlich in der Folterkammer/ dem Zeitreisebunker wiederfindet. "Dark" greift dabei sehr schon seinen eigenen Leitsatz auf, laut dem man nicht frei in seinem Handeln und alles bereits vorbestimmt ist. Dies ist ein erster Hinweis darauf, dass die Geschichte sich in eine ganz andere Richtung entwickeln wird, als der nicht mehr ganz so fremde Fremde der sich tatsächlich als Jonas zu erkennen gegeben hat beabsichtigt. Indem er sich weigert, sich selbst zu befreien, spielt er dem Kreislauf der Dinge unwillentlich in die Hände. Beinahe schon blind ist der erwachsene Jonas für seine eigenen Fehler und so versteht er nicht, dass er mit der Platzierung von H.G. Tannhaus' Apparat nicht für die Zerstörung, sondern für Ursache des Wurmloches sorgt. Es passt sehr gut ins Bild und ist wohl Teil von vielen Zeitreisegeschichten, dass es den Figuren nicht gegeben ist, aus der nicht enden wollenden Verkettung zu entkommen. Dabei zielt "Dark" nicht nur auf die neue Erschaffung seines Erkennungsmerkmales ab, sondern zeigt auch, dass es nicht nur die Zeit ist, innerhalb der die Figuren sich immer wieder um sich selbst drehen, es sind auch ihre Charaktereigenschaften, die sie nie abzuschütteln wissen. Bei Jonas ist dies die Bereitschaft, das eigene Leben zu opfern, Hannahs Verharren in Rachsucht haben wir bereits in der letzten Episode erlebt, ganz zu schweigen von Noahs grausamen Experimenten, die sich durch alle Ebenen der Triqueta ziehen. Genau wie Tannhaus sagt, haben wir es mit einem Paradox zu tun.

Die Frage ist nun, wer hier nun eigentlich gegen wen die Oberhand behaupten will. Zuletzt ging ich davon aus, dass es heißt: Fremder gegen Noah. Nun sieht es allerdings so aus, als wäre Claudia die Strippenzieherin hinter der Seite, auf der der erwachsene Jonas steht. Da sie die Baupläne an Tannhaus gegeben hat, wusste sie offenbar, dass die Maschine dazu dienen wird, das Zeitreiseportal überhaupt erst zu kreieren. Warum ist sie an den Zeitreisen interessiert? Während man bei Noah durchaus eine Art krafthaften Wahn ausmachen kann, wirkte Claudia bisher immer recht bodenständig. Zwar fehlt ihr genau wie Noah eine einfühlsame und menschliche Note, doch ihre Motive liegen noch immer im Dunkeln. Was mich ebenfalls ein wenig stört ist die Frage nach dem Atomkraftwerk. Bis auf das eingebrachte Cäsium bleibt weiterhin offen, ob es noch einen anderen Zusammenhang zu den Windener Höhlen gibt.

Nun wären wir bei dem Teil der Geschichte, mit dem ich mich leider gar nicht anfreunden kann. Als der erwachsene Jonas die Maschine in Gang bringt und man mit graphischen Tricks die bisher zum Glück ausgeblieben sind punkten will, geht der Plan vollends nach hinten los und das nicht nur, weil der Fremde genau für das Gegenteil von dem gesorgt hat, was er erreichen will. Die zuckenden Blitze, die schwarzen Kugeln/ Löcher, der Riss in der Zeit, durch den Mads fällt und zu allem Überfluss das Portal, durch das Jonas und Helge rutschen, ist einfach zu viel des Guten. Ich mag mich damit abfinden können, dass die Experimente von Noah und Helge funktioniert haben und man den toten Mads mit dem gruseligen Apparat tatsächlich durch die Zeit schicken konnte, doch besonders der Austausch von Helge und Jonas ist eine Enttäuschung. Während ich mir noch vorstellen kann, dass der kleine Helge aus dem Jahr 1986 von Noah abgeholt und 33 Jahre zurückgebracht wird, ist mir schleierhaft, was man mit Jonas' Reise ins postapokalyptische Winden bezwecken will. Man bricht hier aus der Triqueta aus und zeigt uns Jonas in der Zukunft, also im Jahr 2052, wodurch die Science-Fiction-Serie schlagartig einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit einbüßt.

Weitere Verknüpfungen

  • Charlotte hält an den polizeilichen Ermittlungen fest und entdeckt Ulrich auf den Polizeifotos aus dem Jahr 1953. Ihre Ungläubigkeit war äußerst treffend. Ulrich sieht auf den Bildern zudem tatsächlich wie das Monster aus, das er in Egons Augen zu sein scheint.
  • Genau wie Jonas seiner eigenen Zukunft nicht entkommen kann, ist dies auch Helge nicht möglich. Sein älteres Ich stirbt bei dem Versuch, die Vergangenheit zu ändern. Ob es Jonas' älterem Ich genauso ergangen ist?
  • Was ist nun mit Bartosz und Noah? Ist Bartosz tatsächlich die junge Version von Noah? Oder ist er nach Helges Tod nur der neue Handlanger des Priesters?
  • Von Peter haben wir zuletzt nur wenig gesehen, man fragte sich allerdings immer, weshalb er so neben der Spur ist. Die Antwort darauf gibt es nun und seine Ungläubigkeit gepaart mit Entsetzen über den urplötzlich auftauchenden Mads ist ganz wunderbar in Szene gesetzt.


Fazit

Das Staffelfinale reicht nicht an die Erwartungen heran, die ich an die letzte Folge der Staffel gestellt hatte. Dabei stört besonders die Schlussszene, die oberflächlich betrachtet zwar gut zu dem bedrückenden Winden zu passen scheint, aber der Schwenk in die Postapokalypse kommt einfach viel zu holprig daher und hinterlässt einen sehr bitteren Beigeschmack.

Marie Florschütz - myFanbase


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