Bewertung: 4

Review: #4.08 Copkiller

Das war sie also: die Abschiedsfolge von John Seda und seiner Figur Antonio Dawson aus der Chicago-Serie "Chicago P.D.". Sein Abschied aus der Polizeiserie und sein Wechsel hin zum neusten Ableger aus dem Chicago Universum, "Chicago Justice", war bereits länger kommuniziert worden und auch bereits in der vorherigen Episode angedeutet worden. Die Entscheidung für diesen Wechsel sehe ich bisher sehr neutral. Wäre John Seda komplett ausgestiegen, hätte mich dies definitiv getroffen, da er in meinen Augen durch seine Verbindung zu Gabby eine wichtige Verbindungsfigur für die einzelnen Ableger ist. Da ich auf "Chicago Justice" bisher noch keinen Blick werfen konnte, bleibt meine Meinung also zunächst neutral, da noch nicht abzusehen ist, ob das Potenzial einer Figur wie Antonio Dawson in der neuen Serie genutzt werden wird.

Aber vielleicht ist genau dieser Verbindungsaspekt der Grund, dass man Antonio den Arbeitsbereich wechseln lässt. "Chicago PD" wurde durch ihn und Hank Voight installiert, "Chicago Med" über Will Halstead als Bruder von Jay und "Chicago Justice" musste bis dato ohne familiäre/private Beziehungen auskommen. Vermutlich sahen die Macher also keine sinnvollen Verknüpfungspunkte. Aber wie gesagt, das sind nur Vermutungen, da die Überschneidungen von "Chicago PD" und "Chicago Justice" mehr als offensichtlich sind.

Abschied von Antonio

Aber kommen wir zum eigentlichen Aspekt zurück: die Abschiedsfolge für Antonio Dawson. Dafür, dass Antonio immer die Kernfigur war, die die Serien miteinander verband und die die Intelligence Unit zusammenhielt, war dieser Abschied schlichtweg dürftig. Dies ist meiner Meinung nach Folge eines wesentlichen Kritikpunkts, den ich generell am Polizei-Ableger habe. Die Fälle der Woche nehmen so viele Minuten ein, dass die Figuren und ihre privaten Sachen regelrecht in den Hintergrund gerückt werden. Höchstens mal ein, zwei Minuten am Anfang und dann die obligatorischen letzten fünf Minuten, in denen sich Unit geschlossen oder vereinzelt im Molly's einfindet. Klar, es ist eine Polizeiserie, dort kann ich keine klassische Dramaserie erwarten. Dennoch gelingt es "Chicago Med" und allen voran natürlich der Urmutter "Chicago Fire" viel besser Raum für Geschichten und Charakterentwicklungen einzuräumen. Das Highlight sind daher stets die Folgen, in denen die Fälle der Woche mit einem Mitglied der Unit persönlich verwoben ist. Denn das sind die Folgen, in denen die einzelnen Figuren scheinen können und in denen man sie als Zuschauer endlich zu packen bekommt.

Warum also hat man Antonio zum Abschied nicht so eine Folge gewidmet? Der Fall der Woche ist nicht uninteressant, immerhin knüpft er nahtlos an das große Thema dieser Staffel bisher an, nämlich die Fehde Polizei vs. 'die Schwarzen'. Ein Sniper hat es auf Polizisten abgesehen und der Verdacht kommt unweigerlich auf die Banden, die Chicago beherrschen und vielleicht Rache an der Polizei nehmen wollen. Letztlich ist der Täter ein Weißer, der in die Fußstapfen seines toten Vaters treten wollte, aber von der Polizei Akademie geflogen ist. Zusätzlich psychisch beeinträchtigt wollte er so Rache an einer Berufsgenossenschaft nehmen. Diese Grundidee war eigentlich perfekt, denn so musste die Unit eng zusammenrücken, denn auch sie standen schließlich im potenziellen Fokus des Snipers. Doch Hank und Alvin waren als ehemalige Kameraden des toten Vaters des Täters wesentlich mehr involviert als es Antonio letztlich war. Stattdessen war er nur ein Teil des Ganzen, der auch verzichtbar gewesen wäre.

Emotionale Momente

Dennoch bietet die Episode natürlich kleinere Momente, die das Thema Abschied in den Fokus nehmen. In der letzten Episode war es bereits das Gespräch mit Hank, in dem er Antonio zuspricht, dass er das Zeug hat, seine eigene Abteilung zu leiten. In dieser Episode ist es das Entsetzen der Einheit, dass sie einen Freund verlieren werden und schließlich das Gespräch zwischen Antonio und Jay, das humorvoll, aber auch tiefgründig einen Blick auf eine tolle Männerfreundschaft und Kollegenbeziehung wirft. Diese waren allesamt perfekt, aber echt zu wenig. Am Ende hält Antonio noch eine Rede, die so kurz war, dass es fast schon lächerlich war.

Das war es also mit einer Figur, die am Anfang von "Chicago PD" in meinen Augen das tragende Element neben Hank Voight war. Ihre anfängliche Abneigung gegeneinander, bedingt durch ihre unterschiedlichen Herangehensweisen und ideologischen Überzeugungen, die sich aber immer mehr zu einer Beziehung voller Respekt und Unterstützung entwickelte, war durchaus eine der besten Entwicklungen dieser Serie. Man kann sicherlich nicht verleugnen, dass seine Figur zuletzt etwas in den Hintergrund geriet. Vielleicht ist der Neuanfang bei "Chicago Justice" daher wirklich der richtige Schritt. Schön war auf jeden Fall noch die Szene, als die Unit mit der Mutter des am Ende toten Snipers am Mahnmal für die im Dienst gefallenen Polizisten steht und Antonio andächtig seine Finger auf den Namen seiner Kollegin Julie legt. Hier wurde noch mal ein wichtiger Bogen zum Anfang der Serie geschlagen.

Zwei Entwicklungen mit Potenzial?

Unabhängig von Antonio und dem Fall der Woche, werden zwei weitere wichtige Handlungsbögen in Gang gesetzt, die hoffentlich in ihrem Potenzial aufgehen. Zum einen ist das der auftauchende Vater von Erin, was definitiv viel für eben diese Fälle mit persönlichem Hintergrund erhoffen lässt und zum anderen die Beförderung von Kim in die Unit. Kim ist mir eine der liebsten Figuren in der Serie, daher habe ich mich ehrlich mit ihr gefreut. Frauenpower für die Unit!

Hoffentlich kann mit Kims Beförderung ein weiteres leidiges Thema für immer ad acta gelegt werden. Am Anfang hatten die zwei Streifenpolizisten (in Person vom Kim und Kevin), die immer mal wieder zur Unterstützung der Unit hinzugezogen wurden oder sich lustige Schlagabtausche mit Trudy Platt lieferten, noch Sinn. Jedoch mehr und mehr wurde aus diesem Duo nur noch Kim mit wechselnden Partnern und da haben wir wirklich eine ganze Reihe mitgemacht. Mit Sean Roman wurde eine Liebesgeschichte aus dem Hut gezaubert, die sang- und klanglos im Sande verlief, mit Julie Tay wurde Kim endlich eine Figur mit Potenzial zur Seite gestellt, nur um sie wenige Folgen später wieder abzuziehen. Dann jetzt der Höhepunkt im negativen Sinne mit Mike Sorensen, der ein Widerling vom Feinsten war, aber ebenfalls nach nur wenigen Folgen abgesägt wurde. Daher ist mit Kims Beförderung nun meine stille Hoffnung, dass die zwei Streifenpolizisten wieder zwei von vielen werden und dass der Fokus vollständig auf die Unit rückt.

Fazit

Antonio Dawsons Abschiedsfolge aus "Chicago PD" fällt mehr als dürftig aus. Seine Abschiedsszenen sind zwar allesamt berührend, aber auf Grund des viel Raum einnehmenden Falls der Woche definitiv zu wenig. Eine so entscheidende Figur wie Antonio hätte definitiv noch besondere Momente verdient gehabt. Der Fall der Woche ist zwar storytechnisch spannend und emotional aufgeladen, aber leider nicht speziell auf Antonio zugeschnitten worden. Hoffnung machen dagegen zwei weitere Aspekte: bei Erin steht neues Familiendrama ins Haus und Kim wurde endlich verdientermaßen befördert. Vielleicht können die beiden Streifenpolizisten damit endlich beiseite gelegt werden, denn das Figurenrepertoire ist ohnehin schon groß genug und die Fokussierung auf die Vorhandenen wäre definitiv ertragreicher als ständig neu eingeführte Figuren.

Lena Donth - myFanbase

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