Bewertung: 9

Review: #6.15 Unter Waffen

"Chicago Fire" befindet sich in der sechsten Staffel und schafft es immer noch sehr gut, uns Zuschauer emotional zu packen. Auch wenn #6.15 The Chance To Forgive nichts mit dem noch bevorstehenden Finale zu tun hat, hätte man diese Episode ohne Weiteres dafür nutzen können.

Schüsse beim Einsatz

Bei den Einsätzen von Wache 51 ist es keine Seltenheit, dass diese sehr gefährlich sind. Bereits dreimal haben wir während eines Einsatzes einen Feuerwehrmann verloren. Natürlich sollte man gerade in diesem Beruf immer mit dem Schlimmsten rechnen, doch hier wirkte es erst einmal nicht dramatisch. Man ging davon aus, dass irgendwelche Rohre im Keller geplatzt sind und dadurch ein Brand im Keller entstanden ist. Damit will ich nicht sagen, dass so etwas nicht auch gefährlich werden kann, aber ich denke, die Gefahr wäre deutlich besser kalkulierbar. Vermutlich wäre dies auch so gewesen, allerdings sollte man immer auf das Schlimmste gefasst sein.

Dass das Schlimmste dabei allerdings Schüsse sind, damit hat wohl niemand gerechnet. Ich kann mich an Episode #4.13 Unter Beschuss aus der vierten Staffel erinnern, in der auch Schüsse während eines Einsatzes gefallen sind. Bei diesem wurde allerdings niemand verletzt und der Schütze konnte gefasst werden. Doch diesmal ist die Ausgangslage eine völlig andere. Denn hier wurden die Schüsse nicht von einem Schützen abgegeben, sondern von geladenen Waffen, die sich verselbstständigt haben und so einen Feuerwehrmann schwer verletzt haben: Brian 'Otis' Zvonecek. Für mich persönlich lag die Dramatik vor allem darin, dass sowohl Otis als auch Stella Kidd durch die Kugeln zu Boden gegangen sind und man wirklich mit dem Schlimmsten rechnen musste!

Eine weitere dramatische Szene ist für mich die, die wir bereits aus dem Staffel-2-Finale, aus dem Staffel-3-Finale und dem Staffel-5-Finale kennen: Ein Großteil der Wache steht vor dem Gebäude und hat Angst um ihre Freunde und Kollegen. Ganz ähnlich hat es sich auch diesmal abgespielt und wieder war es jemand, der seinen Kollegen und Freunden zur Hilfe kommen wollte: Kelly Severide. Ich fand diese ganzen Szenen sowohl dramatisch als auch unglaublich toll dargestellt. Denn auch wenn Kellys Handeln nicht mit Worten thematisiert wurde, so wusste man doch, dass er wahnsinnige Angst um Stella hatte. Darauf gehe ich später noch etwas genauer ein.

Noch während des Einsatzes haben wir erfahren, dass der Teenager Patrick mehrere geladene Waffen in seinem Schrank hatte, die hochgegangen sind. Bei so etwas frage ich mich wirklich immer wieder, was in einem Menschen vorgeht. Waffenbesitz ist ja so gesehen nichts Schlimmes, doch es kommt immer darauf an, wie man damit umgeht. Vor allem wenn man andere Menschen dadurch in Gefahr bringt und man darf nicht vergessen, dass Patrick dies sogar absichtlich verschwiegen hat. Vielleicht wäre es gut gewesen, wenn man ihn doch erst einmal für mehrere Stunden ins Gefängnis gesteckt hätte. Vielleicht hätte ihm das geholfen, seine Schuld so wieder 'gut zu machen'. Sein versuchter Selbstmord hat ja gezeigt, dass er unglaublich unter seiner Tat gelitten hat, schließlich ist seine Mutter dabei auch gestorben.

"Da ist wahrscheinlich... nichts"

Seit dem Start der Serie ist Otis der Charakter, der immer irgendwie für sein Handeln und für seine Ideen belächelt wird. Obwohl er ein festes Mitglied der Truppe ist und schon längst kein Anwärter mehr, wird er immer noch als solcher angesehen. In gewisser Weise kann man sogar verstehen, dass er mit seinem richtigen Namen angesprochen werden will, da er sich nicht mehr als Anwärter ansieht, sein Spitzname aber genau das verdeutlicht.

Eigentlich hätte man sich auch denken können, dass in kurzer Zeit etwas sehr Schlimmes passieren wird. Ich hätte aber nie erwartet, dass das so schlimm wird. Nachdem Otis getroffen worden ist, dachte ich tatsächlich, er wäre tot. Zum Glück konnte man ihm noch helfen. Ich finde es aber gut, dass sich sein Genesungszustand anscheinend über mehrere Wochen erstrecken wird.

Der Handlungsstrang um ihn bedient für mich sehr viele Facetten, bei denen ich es toll finde, dass sie einmal thematisiert werden. So auch seine Beziehung zu Lily, die nach einer der letzten Episode nicht mehr allzu rosig und gefestigt aussah. Ich hätte mir zwar gewünscht, dass man es in einer der letzten Episoden nochmals angesprochen hätte, dass sie nach Hawaii will, aber darüber kann ich hinwegsehen, denn man konnte sehen, wie sehr sich die beiden mögen. Bleibt zu hoffen, dass Lily stark genug ist, wenn Otis' Genesungsprozess länger andauert.

Durch die aktuelle Situation bekommt die Freundschaft von Otis und Joe Cruz eine ganz andere Bedeutung. Die beiden sind schon lange beste Freunde, doch erst jetzt wird uns richtig bewusst, wie wichtig sich die beiden sind. Joe stellt sich immer als harter Kerl hin, aber in meinen Augen hat er ein weiches und sehr liebevolles Herz. Das zeigt sich eben nicht nur in der Sorge um Otis, sondern auch welche emotionale Welle er bei Patrick durchlebt. Es ist vollkommen verständlich, dass er extrem wütend auf Patrick reagiert hat, vor allem, dass er nicht von der Polizei belangt werden kann. Man merkt Joe seine Angst und auch Hilflosigkeit total an. Doch ich bin sehr froh, dass er sich an das erinnert hat, was ihn ausmacht: Sein Herz.

Seine Sorge um Otis führt ihn in die Kapelle des Krankenhauses und dort trifft er auf den Vater von Patrick. Dieser fühlt sich unglaublich schuldig, dass er seinen Sohn so schlecht zu kennen scheint und dessen Tat nicht verhindern konnte. Ich denke, das hat Joe dazu gebracht, über Patrick nachzudenken. Eigentlich ist es nicht überraschend, dass er sich umbringen wollte. Auf ihm lastet schwere Schuld, denn bei diesem Hausbrand kam auch seine Mutter ums Leben. Ich denke, dass Joe genau der richtige gewesen ist, der Patrick dazu bewegen konnte, sein Leben nicht wegzuschmeißen, einfach weil er seinen Schmerz nachempfinden konnte.

Bleibt zu hoffen, dass Otis bald wieder auf die Beine kommt. Momentan sieht das ja nicht so aus. Vielmehr wirkt es so, als könne er seine Beine nicht mehr spüren, sodass doch eine Wirbelsäulenverletzung vorliegt. Auf der einen Seite wünsche ich mir natürlich von Herzen, dass das Ganze nur vorübergehend ist. Auf der anderen Seite wäre es natürlich auch sehr interessant zu sehen, wie man mit dieser Möglichkeit umgehen würde. Vielleicht war es auch ein schlechtes Zeichen, dass man die Rüsttruppe wieder aufstocken will, um den Ausfall von Otis zu kompensieren.

"Ich kann das nicht nochmal"

Der Einsatz brachte nicht nur Otis als Opfer, denn auch Kelly hat etwas gespürt, was er wahrscheinlich nicht mal in Worte fassen kann. Schon länger bemerkt man, dass zwischen ihm und Stella etwas ganz Besonderes ist, bei dem Kelly aber nicht aussprechen kann, was er fühlt.

Als Stella aber in dem Haus ist und man anfangs nicht weiß, was nun mit ihr und Otis ist, überkommt Kelly eine panische Angst. Wenn man bedenkt, dass er zwei sehr wichtige Menschen in kurzer Zeit auf grausame Weise verloren hat. Zum einen ist da natürlich Anna Turner, die den Kampf gegen den Krebs verloren hat und zum anderen Leslie Shay, die bei einem Einsatz ums Leben kam. Beide waren unglaublich wichtig für Kelly und selbst wenn man für einen kurzen Moment gedacht hat, dass er bei seinem Satz "Ich kann das nicht nochmal" Anna meint, so glaube ich, dass Shay hier eine größere Rolle gespielt hat. Denn ähnlich wie sie, geriet auch Stella bei einem Einsatz in Gefahr. Ich fand es herzzerreißend, wie Kelly nicht in der Lage war, mehr als diesen Satz sagen. Das zeigt einfach, wie wichtig ihm Stella ist.

Ich bin froh, dass man es jetzt nicht noch eine weitere Episode hinausgezögert hat, bis die beiden zu ihren Gefühlen stehen. Ich bin mal gespannt, was uns in den kommenden Episoden erwarten wird. Auf jeden Fall muss ich sagen, dass die Autoren hier alles richtig gemacht haben.

Randnotizen

  • Sylvie ist nicht schwanger, muss aber auch hinnehmen, dass Antonio Dawson ein Blind Date hat. Dabei sah es in der letzten Episode so aus, als würden die beiden nun fest zusammen sein.
  • Ich finde es gut, dass Otis' Krankheit doch nochmal angesprochen wurde, ebenso, dass er seinen Spitznamen behält. Ich wünsche mir irgendwie, dass er erfährt, wie viel er wertgeschätzt wird.
  • Ich finde es immer wieder toll, dass Connie nicht mal etwas sagen muss, sondern ihre Blicke wahre Bände sprechen.



Fazit

Wow! Diese Episode hat mich so wahnsinnig emotional gepackt, wie schon lange nicht mehr. Ich liebe solche Episoden bei "Chicago Fire", da sie einmal mehr unterstreichen, wie der Zusammenhalt der Wache ist. Ich hoffe man hält dieses Niveau, da es unglaublichen Spaß macht!

Daniela S. - myFanbase

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