Bewertung

Review: #7.02 Puppenmord

Nach dem Staffelauftakt, der sich rund um Castles Verschwinden gedreht und den Zuschauer eigentlich nur mit vielen Fragen zurückgelassen hat, thematisiert glücklicherweise auch die zweite Episode der siebten Staffel die Monate, in welchen Castle auf mysteriöse Weise als verschwunden galt. Nebenbei muss aber natürlich auch der Alltag weitergehen und so arbeitet das Team auch an einem neuen Mordfall.

"Missing Time, Make-up, non of this makes any sense. What's a CEO of a Toy Company doing secretly dressing up as a old man."

Der Fall stand zwar nicht im Zentrum der Episode, da den Zuschauer sicherlich vor allem interessierte warum Castle für mehrere Monate verschwunden war, konnte aber trotzdem überzeugen, da er Spannung, Mysterium und Witz gut vereint hat. So wird bereits der Schauplatz für die Mordaufklärung hervorragend gewählt, denn nicht nur Castle ist scheinbar begeistert, als er die Spielwarenfabrik, dessen Inhaber ermordet wurde, betritt, sondern auch Kevin kann seine Finger bei dem Besuch nicht von den Spielsachen lassen, was zu wirklich witzigen Szenen führt und die Folge so schön auflockert, da der Part um Castles Verschwinden sich doch eher düster und ernst gestaltet.

Dass der Tote als Undercover-Boss, was übrigens eine schöne Anspielung auf die beliebte Sendung, welche überall auf der Welt ausgestrahlt wird, war, ein Drogenschmuggelring, der seine Firma als Kurier missbraucht, untersuchte, war für mich wirklich überraschend und die Spannung bis zur Auflösung des Falles wurde schön aufgebaut. Dies hat dazu geführt hat, dass der Fall nicht als störende Unterbrechung der Storyline um Castles Verschwinden angesehen wurde, sondern als eigenen spannenden und interessanten Handlungsstrang.

"Where is this photo taken?" – "Montreal" – "Montreal. What the hell was I doing in Montreal?"

Trotzdem hat man als Zuschauer natürlich vor allem auf Hinweise von Castles Verschwinden gewartet und von daher war es mehr als richtig von den Autoren, dass sie diesem Handlungsstrang in der Folge gebührend Zeit einräumten. Doch obwohl es einige neue Erkenntnisse gibt, unter anderem wo sich Castle während einiger Zeit seines Verschwinden aufgehalten hat, so wirft auch die zweite Folge mehr Fragen als Antworten auf, was ich aber als sehr positiv werte, da dadurch das Potential dieses Handlungsstrang nicht gleich wieder verschenkt wird, sondern diese Geschichte hoffentlich konsequent weiterverfolgt wird und uns noch ein paar spannende und mysteriöse Minuten "Castle" beschert. Doch beginnen wir am Anfang und zwar mit Castles Aussetzung einer Belohnung an jedermann, der irgendeine Information zu seinem Verschwinden beiträgt. Diese Belohnung beziehungsweise das Resultat daraus, führt auch zu einigen witzigen Szenen, vor allem diejenige als Captain Gates Castle rügt, weil er die Telefonnummer der Polizei für die Hinweise angegeben hat und diese nun völlig überlastet mit Anrufen sind. Castle freut sich aber so darüber, dass es Hinweise gibt, dass er Captain Gates kurzerhand einen Kuss auf den Mund drückt. Der Gesichtsausdruck von Gates dabei ist einfach bezaubernd und unglaublich witzig.

Die Belohnung führt dann natürlich erstmals zu diversen falschen Hinweisen, bevor Castle einen ernstzunehmenden Hinweis erhält. Die daraus folgende Alien Geschichte hätte wohl witzig sein sollen, war für mich aber dann zu übertrieben und völlig überflüssig. Hätte man diese Storyline irgendwie weiterverfolgen wollen und so Castles Begeisterung für alles Übersinnliche und Übernatürliche einfließen lassen, dann hätte man das Ganze über einen etwas längeren Zeitraum thematisieren müssen und nicht gleich bei der ersten Begegnung klarstellen sollen, dass sich das Ganze wohl um eine Einbildung eines "Verrückten" handelt. Dafür gefiel mir der Teil der darauf folgte umso besser. Durch die neuen Erkenntnisse um Castles Verschwinden sowie das erneute Auftauchen des falschen Jenkins hat man dem Zuschauer einige Brocken an Informationen hingeworfen, ohne die Spannung aus dem Fall zu nehmen. Im Gegenteil man hat diese noch erhöht, so dass man jetzt nicht nur wissen will, wo Castle in den paar Monaten gewesen ist und was mit ihm in dieser Zeit passiert ist, sondern man will natürlich auch unbedingt herausfinden, was genau passiert ist, als er elf Jahre alt war. Das Ereignis, von dem er bisher noch niemandem erzählt hat und das der wahre Grund ist, weswegen er ein Autor geworden ist.

Da Castle nicht zu den verschwiegensten Personen gehört und seine und Becketts Beziehung auf Vertrauen und Ehrlichkeit basiert, kann ich mir nur vorstellen, dass es sich bei diesem, in der Vergangenheit zurückliegenden Ereignis, um ein sehr prägendes und für Castle sehr schlimmes handelt. Warum er es gerade diesem falschen Jenkins anvertraut hat und was dieser in Castles Leben bereits für eine Rolle gespielt hat und noch spielen wird, bleibt offen und ist für mich mit der Frage, was Castle dazu bewogen hat diese Aufnahme für Beckett, Martha und Alexis zu machen, eine der spannendsten Aspekte in diesem Handlungsstrang. Ich kann jetzt nur hoffen, dass man diese Storyline konsequent weiterverfolgt und dem Zuschauer immer wieder so Häppchen vor die Füße wirft, dass er im Fall "Castles Verschwinden" mit raten und mit fiebern kann und so diesen Handlungsstrang bis zu seiner Auflösung, die sich hoffentlich noch etwas hinziehen wird, weiterhin so spannend bleibt.

"I can't imagine what it was like for you. All those nights not knowing" – "I was lucky you came back."

Beckett und Castles Beziehung ist natürlich durch Castles Verschwinden schon extrem belastet und dies wird nach dieser Folge auch nicht besser, ist doch nun die Erkenntnis da, dass Castle teilweise wahrscheinlich freiwillig fortgegangen ist, da er etwas vergessen wollte. So ist es nur begreiflich, dass Beckett nun etwas Zeit braucht und nicht gerade am nächsten Tag heiraten will. Ehrlich gesagt bin ich froh darüber, dass sich die beiden nun einmal mit etwas anderem auseinandersetzen müssen, als mit ihrer Gästeliste, mit der Blumenwahl oder mit dem geeignete Ort für die Hochzeit. Mit dieser Storyline wird wieder einmal in den Vordergrund gestellt, was für ein starkes Paar die beiden sind und wie sehr sie sich gegenseitig auch in Krisensituationen den Rücken stärken. Und dass sie eben auch in schwierigen Zeiten zueinander halten, sich aber auch Zeit nehmen, solche Ereignisse zu verarbeiten. Solche Momente habe ich mir eigentlich in der ganzen letzten Staffel gewünscht, stattdessen wurde einem andauernd nur kitschige Liebesszenen und Hochzeitsvorbereitungen vorgesetzt. Ich kann nur hoffen, dass man aus diesen Fehlern gelernt hat und uns in der siebten Staffel wieder das Paar präsentiert, das wir in der fünften kennenlernen durften. Ein Paar, dass sich liebt, einander vertraut, aber auch auf eigenen Füssen stehen kann und so die eigenen Persönlichkeit nicht aus den Augen verliert. Und vor allem ein Paar, dass den Schwierigkeiten nicht aus dem Weg geht, dass versucht Lösungen zu finden und nicht immer vorgibt, dass es in der Beziehung nur Sonnenseiten gibt.

Randbemerkungen und persönliche Notizen

  • Leider wurde nur ganz am Rande erwähnt, dass Lanie und Esposito nun wieder offiziell ein Paar sind. Schade ich hätte gerne, wenigstens in Rückblicken, gesehenen, wie das passiert ist. Hoffe aber, dass die beiden diese Staffel wieder etwas vermehrt in die Handlungsstränge eingebunden werden.
  • Martha wurde zwar nicht wirklich in die Storyline eingebunden, konnte aber wenigstens mit einer witzigen Szene auftrumpfen. Ihr Date, den sie bei der Trauerbewältigung kennengelernt hat und dem sie nun nicht berichten kann, dass ihr Sohn wieder aufgetaucht ist. Einfach Herrlich.
  • "It's canada how risky could it be?" Eine witzige Szene, die eine schöne Anspielung darauf ist, dass sich die Amerikaner immer wieder über ihren Nachbarn lustig machen.
  • Ist nur mir oder sonst noch jemandem aufgefallen, dass Becketts Absätze an den Schuhen immer höher werden. Sie sieht zwar gut darin aus, doch frage ich mich, wie sie in diesen Schuhen die Verfolgung eines Verdächtigen aufnehmen kann. Es ist zwar nur ein kleines Detail, doch scheint mir Polizeiarbeit in solchen Schuhen doch sehr unrealistisch zu sein.

Fazit

Die Folge hat schön den Handlungsstrang um Castles Verschwinden weitergeführt und die Autoren haben es geschafft, diesen noch spannender, noch mysteriöser und noch verwirrender zu gestalten, als im Staffelauftakt. Auch der Fall, welcher nebenbei wieder ein Hauch von Alltag vermitteln soll, war gut gewählt und hat sich nicht nur als Lückenfüller, sondern als eigenständiger Handlungsstrang mit interessanter und spannender Ermittlung und Aufklärung präsentiert. Der Auftakt der siebten Staffel ist den Machern von "Castle" geglückt und ich hoffe nun, dass das Potential, welches uns bis jetzt aufgezeigt wurde, weiterverfolgt wird. Denn so könnte man die schlechte sechste Staffel ausgleichen und "Castle" würde wieder zu der alten Stärke zurückfinden.

Maria Schoch - myFanbase

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