Bewertung: 6

Review: #6.02 Gruppentherapie

Foto: David Duchovny, Californication - Copyright: Paramount Pictures
David Duchovny, Californication
© Paramount Pictures

Da "Californication" in jeder Staffel immer konstant die Nebendarsteller austauscht, ist so eine zweite Episode eigentlich wie eine zweite Episode einer neuen Serie. Man hat erst mal ein paar Grundlagen gelegt und muss diese nun weiter ausbauen. Diese Episode macht genau dies, erweitert aber auch den Nebendarstellercast noch mal und hat somit damit zu kämpfen, richtig in Gang zu kommen, weil einfach zu viel Neues passiert, das man selbst auch erst mal ordnen muss.

Let's get serious

Wir starten direkt mit einem Einblick ins Happy Endings und erleben Hank in einer sehr skurrilen Runde, wo ausgerechnet Gabriel versucht, Hanks Problem auf den Grund zu gehen. Dem fehlte etwas der Ernst und die Szene hatte zwar einige interessante Aspekte und mit der sexsüchtigen Patientin durchaus Witz, doch sie ging insgesamt etwas sehr lang. Was zu erwarten war, tritt hier aber auch schon auf. Hank wird von einer Patientin namens Faith angefahren und er sucht später das Gespräch mit ihr. Die Figur Faith ist durchaus interessant, würde mir aber mal wieder viel besser gefallen, wenn sie Hank gegenüber mehr Vorbehalte hätte und diese am Anfang nicht nur formuliert, um interessanter zu wirken. Das war schon bei Abby Rhodes meine Hoffnung. Bei Faith scheint sich das jetzt auch schon ganz schnell wieder zu erledigen oder die Autoren spielen erst mal nur mit der Möglichkeit. Wahrscheinlich wird aber mein Wunsch, dass Hank endlich mal homophob lebt, weiterhin nicht erfüllt bleiben. Er jedenfalls träumt schon wieder von Faith (was ja erlaubt sein soll), wird dann quasi vergewaltigt und zieht für sich die Konsequenz, dass er vollkommen falsch im Happy Endings ist. Als er fliehen will, hält Faith ihn aber auf und erzählt ihre Geschichte. Den Rest kann man sich dann eigentlich denken, aber ich warte natürlich erst mal ab, was die nächste Episode bringt. Faith ist mir bis hierhin jedenfalls sympathisch, weil sie nicht ganz so abgedreht wirkt, wie die anderen neuen Charaktere.

I want a Gaygent!

Charlie nutzt seinen Besuch bei Hank gleich, um Robbie Mac für sich zu gewinnen. Dieser sucht aber einen empathischen Agent, der die gleiche sexuelle Orientierung hat. Charlie behauptet also ganz vorsichtig, dass er schwul sei und ahnt nicht, welche Auswirkungen das haben wird. Da kann man versuchen, so viele Fragezeichen wie möglich hinter eine Aussage zu setzen, wenn die Info erst mal weitergegeben wird, gehen auch die Fragezeichen verloren. Die Medien beschäftigen sich also schnell mit Charlies Outing und dieser muss nun zusehen, wie er mit der auf ihn zurollenden Lawine nun umgeht. Wie ich Charlie kenne, versucht er die Lüge erst mal aufrecht zu erhalten, um Robbie Mac betreuen zu können. Inwieweit er sich dann den ganzen Männern erwehren kann, wird sicherlich noch viel Witz mit sich bringen. Gespannt bin ich auch, wie Hank oder Marcy diese Neuigkeit aufnehmen.

Let me taste you again

Marcy wird es vielleicht gar nicht so sehr interessieren, ist sie doch ziemlich entschlossen, sich nicht mehr auf die Männer einzulassen. Doch als Stu sie mit den richtigen Drogen und ein paar wirklich widerlichen Begehrlichkeiten konfrontiert, lässt sie sich doch erst mal umstimmen. Ich finde Stu wirklich so dermaßen unattraktiv, dass es mich auch regelrecht schüttelte, als er Marcy umgarnt. Dirty Talking ist da gar kein Ausdruck. Marcy lässt es schließlich geschehen und hasst sich dann als Mutter, weil Stuart inzwischen einige weitere Worte kennt und jetzt gerne wissen will, was diese vibrierende Stange ist. Also ich will in 15 Jahren nicht der Psychotherapeut von Stuart sein müssen. Marcy jedenfalls ist sehr wankelmütig. Sie will eigentlich ihre Ruhe haben, aber ihre Bedürfnisse hat sie auch. Ich bin mal gespannt, welche Frau sie vielleicht demnächst in Betracht ziehen könnte, um ihr Dilemma in eine andere Richtung zu drehen.

I'm gonna answer it!

Karen erhält einen überraschenden Anruf mit der Aussicht auf einen neuen Job und macht sich sofort zu einem Gespräch auf, obwohl sie vollkommen stoned ist. Manchmal ist es aber die richtige Entscheidung, einfach mal loszulegen und nicht nachzudenken. Das Gespräch ist zwar eigentlich alles andere als beispielhaft, doch ehrlich wehrt am längsten und in Kalifornien sind die Maßstäbe wohl eh ganz anders. Man muss eben wissen, wie man richtig feiert, um einen Job zu bekommen. Einzige Bedingung: "Don't fuck my husband!" Tja, hier schneiden sich endlich mal zwei Storylines der Staffel, denn wie man kurz darauf sieht, ist Karen nun mit der Einrichtung des Hauses von Atticus Fetch beauftragt. Das dürfte interessant werden, wobei ich hier schon mal sagen muss, dass ich mir wirklich nicht vorstellen kann, dass Karen auch nur einen Moment lang auf Atticus stehen könnte.

I want the experience, I want to start living.

Becca macht einen wirklich beängstigenden Eindruck und Hank tut mir in dieser Hinsicht wirklich leid, denn mit ansehen zu müssen, wie seine Tochter einen Lebensweg eingeht, der einem gar nicht gefallen kann (allein der Typ war wirklich nicht das, was man sich als Schwiegersohn wünscht), ist schon heftig. Ich weiß auch nicht, ob mir das etwas zu krass ist. Natürlich kann man das Bedürfnis verstehen, eigene Erfahrungen sammeln zu wollen. Warum man dafür aber nicht auch mal auf die andere Seite des Tellers schauen kann, ist mir schleierhaft. Das wahre Leben hat auch noch ganz andere Geschichten jenseits des Sex, Drugs and Rock'nRolls zu bieten. Ich habe Becca immer als die viel zu erwachsene Moralinstanz von Hank gesehen. Dass sie hier nun weiter in seine Welt eintauchen will und offenbar vor allem die negativen Seiten sucht, gefällt mir erst mal nicht. Aber ich hoffe, dass die Autoren hier eine gute Idee haben, die mich zufrieden stellen wird. Wahrscheinlich reicht es auch schon, wenn es in jeder Folge eine Becca-Hank-Szene gibt. Die sind eigentlich immer stark.

Fazit

Die Episode konnte nicht mit dem Staffelauftakt mithalten. Man ist noch zu sehr beschäftigt, die neuen Charaktere einzuführen und die Geschichten in Gang zu bringen, sodass es etwas an der nötigen Dynamik fehlt, um eine wirklich gelungene, kurzweilige Episode hinzuzaubern. Die Zukunft ist aber vielversprechend.

Emil Groth – myFanbase

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