Bewertung: 7

Review: #9.01 Booth und Bones und das gebrochene Herz

Foto: Mather Zickel, Bones - Copyright: 2013 Fox Broadcasting Co.; Patrick McElhenney/FOX
Mather Zickel, Bones
© 2013 Fox Broadcasting Co.; Patrick McElhenney/FOX

Nach dem spannenden Finale der achten Staffel wurde die neunte Staffel gespannt erwartet. Vor allem deswegen, weil alle wissen wollen wie Brennan mit Booth‘ Hochzeitsrückzieher umgehen wird und wie Booth sein Geheimnis vor den anderen und vor seiner Freundin bewahren wird.

"Got the guy he?" – "Yeh we got the guy. Thanks to you." – "I didn't do anything. I mean seriously, if anyone asks I didn't do anything."

Da der Zuschauer vor allem wissen wollte, wie es in der Beziehung zwischen Brennan und Booth steht und wie der Fall um Christopher Pelant weitergeht, hatte der Fall der Woche in dem Auftakt der neunten Staffel sicherlich einen schweren Stand. Die Autoren ihrerseits wollten die Spannung natürlich noch ein wenig hoch halten und nicht gleich zu Beginn das Geheimnis welches Booth mit sich trägt lüften und Christopher Pelant zur Strecke bringen, also musste ein guter bis sehr guter Fall her. Mit einem Fall, in welchen die CIA involviert ist, mit einer harten Anwältin, die diesen Beruf mit sarkastischen Sprüchen auf die Schippe nimmt und einem Gastauftritt von Freddie Prinz Jr. ist es den Autoren von "Bones" wieder einmal gelungen, dass man es gar nicht vermisst hat, dass die Suche nach Pelant vorerst mal auf Eis gelegt wurde.

Der Fall war spannend aufgebaut und als Zuschauer hatte man die ganze Zeit das Gefühl, dass irgendwann mal ein großer Knall kommt und das Team eine nationale oder sogar internationale Verschwörung aufdecken würde. Natürlich wurde genau dieser Eindruck noch verstärkt, als Danny Beck auftaucht und Booth feststellt, dass das Opfer ein Mitarbeiter der CIA war. Umso besser fand ich die Auflösung des Falles und die Tatsache, dass das Opfer nicht direkt wegen seines geheimnisvollen Berufes, sondern aus Eifersucht umgebracht wurde. Etwas womit wohl weder die Zuschauer noch die ermittelnden Beamten gerechnet hätten. Ein weiterer Pluspunkt des Falles war die Anwältin und Mutter der Hauptverdächtigen, Lily Thorn. Während die Tochter eher farblos blieb, konnte der Charakter der Mutter absolut überzeugen. So mimt Marianne Thorn in den Verhören ihrer Tochter, nicht die Mutter, sondern die taffe Anwältin, die mit ihren Sprüchen so richtig dem Klischee dieser Berufsgattung entspricht und diese dadurch so mit einer gehörigen Portion Sarkasmus auf die Schippe nimmt. Im weiteren Verlauf des Falles merkt man dann jedoch, dass Marianne eben nicht nur Anwältin, sondern auch Mutter ist und das Opfer mit ihrer teuren Aktentasche geschlagen hat, da sie davon ausgegangen ist, dass er ein Freier ihrer Tochter wäre, von der sie glaubt, dass sie sich prostituiert. Und so schlägt dann bei der Verhaftung der Mutter ein weiteres Klischee zu, nämlich dasjenige, dass erfolgreiche Geschäftsleute schon vormittags an der Bar ihren Martini schlürfen und eigentlich bemitleidenswerte Persönlichkeiten sind. Gezeigt wird dies dadurch, dass Marianne noch, mit auf dem Rücken gefesselten Händen, versucht ihren Martini fertig auszutrinken.

Ein weiterer Pluspunkt den der Fall zu bieten hatte, war der leider viel zu kurze Gastauftritt von Freddie Prinz Jr. als CIA-Agent Danny Beck. Mir hat vor allem sehr gut gefallen, dass die Chemie zwischen Booth und Danny sofort gestimmt hat. Man hat in dem Moment als die beiden gleichzeitig ihre Waffen runternehmen gemerkt, dass sie Freunde sind und sie gute gemeinsame Erinnerungen verbindet. Auch, dass Booth nicht versucht hat Danny aufzuhalten oder ihm weiter nachspioniert hat, war ein Zeichen, dass er erstens weiß, dass Danny ihm sowieso nichts verraten wird, da er das nicht kann und zweitens, dass sein Freund nicht weiter, als das ihn und das Opfer den gemeinsamen Arbeitgeber verbindet, in den Fall verwickelt ist. Trotz diesen Punkten merkt der Zuschauer, dass zwischen den zwei Männern eine gewisse Anspannung herrscht, da sie in diesem Fall nicht zusammen ermitteln, sondern es Danny um etwas anderes geht, was er Booth jedoch nicht verraten kann. Die Spannung fällt dann bei der Szene in Booth‘ Büro von beiden ab und es bleibt einfach eine schöne Männerfreundschaft zurück, die den Wunsch weckt, dass der Gastauftritt von Freddie Prinz Jr. in der Rolle des Danny Beck bei "Bones" nicht einmalig bleibt.

"What's the problem Booth? What do you need? One more fling before settling down?"

Angela nervt langsam gewaltig. Es ist kaum zu glauben, wie die Autoren es geschafft haben, diesen Charakter seit Anfang der achten Staffel kaputtzuschreiben. Am Anfang der Serie war Angela immer diejenige die das emotionale, das menschliche, das Verständnisvolle, den Gegensatz zu all dem Rationalen in das Labor gebracht hat. Sie war diejenige, die Brennan und den anderen Wissenschaftlern öfters gezeigt hat, dass nicht alles immer nur schwarz oder weiß ist, dass es andere Sichtweisen gibt, dass die Gefühle, Schwächen und Stärken der Menschen nicht außen vor gelassen werden dürfen. Nun ist sie diejenige geworden, für die es nur noch schwarz oder weiß gibt, diejenige, die den gesunden Menschenverstand scheinbar verloren hat und nur noch eine Sichtweise sieht, nämlich die ihre. Ihre Loyalität für Brennan in allen Ehren, aber das hier geht jetzt langsam wirklich zu weit. Sogar Hodgins, Cam und Daisy weisen mehr Feingefühl im Bezug auf Booth‘ Handlungen auf als Angela und gerade sie mit ihrer "guten" Menschenkenntnis, sie, die Booth nun auch schon eine Weile kennt, seine Prinzipien, seine Weltansichten und seine Gutherzigkeit oft erfahren durfte, sollte sehen, dass er, dem es immer wichtig war verheiratet zu sein, der das sowohl bei Parkers Mutter, bei Hannah und auch bei Brennan oft unter Beweis gestellt hat, nicht einfach so aus einer Laune heraus handelt. Gerade sie sollte sehen, dass Booth genauso verletzt ist wie Brennan, dass es ihm unendlich schwer fällt, das zu tun, was er gerade tut und somit sollte sie sehen, dass mit Booth irgendetwas nicht stimmt und seine Entscheidung von außen beeinflusst wird.

Und abgesehen davon, dass Angela wohl ihre Menschenkenntnis vollkommen verloren hat, hört sich weder auf Hodgins oder auf Cam, die mehrfach betonen, dass Booth für sein Verhalten sicherlich sehr gute Gründe hat, ja nicht einmal auf Brennan, deren innere Stimme ihr irgendwie sagt, dass Booth Verhalten nicht daher kommt, dass er sie verletzen will. Angela sieht nur, dass Brennan verletzt wurde und denkt wohl sie wäre eine gute Freundin, wenn sie nun Booth verurteilt und ihm irgendwelche Vorwürfe macht, die die Situation für Booth und Brennan nur noch schlimmer machen. Eigentlich sollte sie als gute Freundin von Brennan diese trösten, ihr jedoch auch Hoffnung machen, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen, ihre Kenntnisse über Booth überdenken und Brennan dabei bestärken Vertrauen in ihren Freund zu haben. Eben genau das was alle anderen Freunde von Brennan und Booth tun.

"Don't call me father Master Seargant, I'm not a priest anymore." – "I'm not in the army anymore, that makes us even."

Sehr gut hat mir Aldo gefallen und ich hoffe, er wird noch in mancher Episode der neunten Staffel zu sehen sein. Seine Interaktion mit Brennan war fast genauso gut wie diejenige mit Booth und sein Charakter ist durch den Witz, welchen er in den richtigen Momenten versprüht, die Ernsthaftigkeit mit der er Booth und auch Brennan zuhört und mit den guten Ratschlägen, die vollkommen ehrlich gemeint sind, absolut liebenswert. Und auch wenn wir in den letzten acht Jahren schon eine ganze Menge über Booth Vergangenheit als Scharfschütze, seine Prinzipien und sein Glaube an Gott erfahren durften, so hoffe ich doch, dass einem Aldo hier noch einen etwas tieferer Einblick in diese Vergangenheit gewährt. Auch, dass Aldo zwar ein ehemaliger Priester ist, sich jedoch jetzt nicht unbedingt mehr wie ein solcher verhält, sondern zum Freund von Booth geworden ist, bei dem er eben nicht beichten, sondern mit dem er über seine Probleme reden kann, hat mir sehr gut gefallen. Und ich denke, mit seiner Einstellung zur Religion und zu Gott kann er sogar bei der ungläubigen, rationalen Brennan punkten. Denn seine Aussagen über Booth haben Brennan wohl den letzten Kick gegeben, den sie gebraucht hat, um endgültig das zu glauben, was sie eigentlich nie bezweifelt hat, dass Booth sie liebt, und dass es für sein merkwürdiges Verhalten einen guten Grund gibt.

"I'll die for you. I love you"

Die Situation in der Booth und Brennan stecken, könnte eigentlich als ausweglos beschrieben werden, ausweglos bis zu dem Zeitpunkt, zu dem sie Pelant endlich hinter Gittern wissen. Ich glaube es gibt kaum eine Entscheidung wie diejenige, Brennan nicht einzuweihen und sie im Ungewissen zu lassen, ja sie sogar zu verletzen, die Booth je so schwer gefallen ist. Aber egal wie sehr sein Privatleben, sein eigenes Glück auf dem Spiel steht, er würde deswegen nie unschuldige Menschen gefährden und auch wenn Brennan und Booth vom Charakter her oft so komplett unterschiedlich sind, so würde auch sie, in dieser Situation genauso handeln wie er. Im Unterschied zu Brennan, die zwar absolut keine Ahnung hat was genau vorgeht, die jedoch mit allen über ihren Schmerz sprechen kann, hat Booth dieses Privileg nicht. Er kann sich niemandem anvertrauen, musste dies jedoch dringend tun, da er sonst an diesem Geheimnis wohl zerbrochen wäre. Also hat er Aldo, seinen ehemaligen Priester beim Militär dafür ausgewählt und ich glaube diese Gespräche haben Booth nicht nur Kraft gegeben, sondern ihm auch bestätigt, dass er trotz allem, trotz dem Schmerz den er Brennan zuführt, trotz der Verurteilung durch Angela, das Richtige tut. Denn wie Aldo so schön sagt, wüsste Brennan davon, würde sie von ihm erwarten, dass er genauso handelt.

Für Brennan ist die Situation natürlich genauso schwierig. So kennt sie Booth nun seit acht Jahren, sie kennt seine Moralvorstellungen und weiß, was er sich so sehnlichst wünscht: Eine Familie und zwar eine ganz traditionelle, eine in der er mit der Liebe seines Lebens verheiratet ist. Dass er sich genau das wünscht, weiß Brennan nicht erst, seit sie mit ihm zusammen ist, hat sie es doch in der jahrelanger Freundschaft, die der Liebesbeziehung vorausging, mehrmals mitgekriegt. Booth hätte ja schließlich Parkers Mutter geheiratet, auch wenn er sie nicht unbedingt geliebt hat, aber es war eine Sache der Ehre und bei Hannah war es für Booth ein Trennungsgrund, dass diese ihn nicht heiraten wollte. Und jetzt, da sich Brennan endlich dazu durchgerungen und Booth einen Heiratsantrag gemacht hat, den er zuerst auch freudig angenommen hat, macht er plötzlich einen Rückzieher. Man kann Brennan hier nicht vorwerfen, dass sie verletztet ist und den Fehler beziehungsweise den Grund für Booth Rückzieher bei sich selber sucht. Betrachtet man die ganze Situation sogar noch etwas näher, so war der Heiratsantrag für Brennan ein riesengroßer Schritt, den damit hat sie nicht nur einer ihrer Standpunkte über Bord geworfen, nein sie hat auch in gewisser Weise zugegeben, dass sie sich wünscht ihr Leben mit Booth zu verbringen, und dass sie dies in einer Weise äußern will, die sich nicht rational erklären lässt. Denn eine Hochzeit und damit das Versprechen einer ewigen Bindung ist für Brennan nicht rational begründbar. Und jetzt lehnt Booth diesen Antrag plötzlich und ohne gute Begründung ab und Brennan sucht nun verzweifelt nach einer Erklärung, die nicht auf irgendwelchen Gefühlen beruht, denn ihre Gefühle sagen ihr eigentlich schon lange, dass sie Booth vertrauen kann, dass er einen guten Grund für sein Verhalten hat, und dass er dieses ihr auch erklären wird, sobald er kann. Doch Brennan ist immer noch eine rationale Persönlichkeit und hat nie gelernt sich auf ihre Gefühle zu verlassen, wieso sollte sie das in einer für sie so schwierigen Situation nun tun?

Doch zum Schluss siegen die Gefühle über die Vernunft. Sicherlich hat ihr bei diesem Entscheid auch das Gespräch mit Cam und vor allem dasjenige mit Aldo geholfen, denn beide haben ihr vor Augen geführt, dass Booth momentan auch unglücklich ist, dass es für sein Verhalten einen sehr guten Grund geben muss, und dass er sie ganz bestimmt heiraten würden, wenn er könnte. Doch eigentlich waren diese Gespräche nur Bestätigungen, für das was Brennan schon lange gefühlt hat, nämlich dass sie Booth vertrauen kann. Diese Erkenntnis führt zu einer wundervollen Schlussszene dieser Episode, die mehr aussagt über Booth und Brennans Beziehung als jede Hochzeit oder Liebeserklärung und vor allem sagt sie mehr über Brennans Gefühle für Booth aus, als es ein Antrag jemals könnte.

Randnotizen

  • Leider kamen Caroline Julian und Sweets in dieser Episode viel zu kurz und ich hätte mir anstatt Angelas nerviges Getue gewünscht, mehr von "Mama und Papa Booth" und deren Sorge um "ihr Kind" zu sehen. Doch diese eine Szene, als die zwei in Booth Büro sorgenvoll auf ihn warten, war einerseits die witzigste der ganzen Folge und anderseits ist mir dabei richtiggehend das Herz aufgegangen, denn dabei wird klar, wie wichtig Booth den beiden ist und wie sehr ihnen sein Glück am Herzen liegt.
  • Auch Daisy hatte dieses Mal keine tragende Storyline, sorgte aber wie immer mit ihrer skurrilen Art für den einen oder anderen Lacher. Und in den Szenen, als sie Cams Witz nicht auf Anhieb versteht oder als sie mit Brennan und Angela in der Bar über Brennans Beziehungsprobleme spricht, wird wieder einmal die Ähnlichkeit zu Brennan hervorgehoben und das lässt mich immer wieder aufs Neue schmunzeln, wenn ich daran denke, wie sie so häufig anderen auf die Nerven fällt, jedoch eigentlich gar nicht viel anders ist, als jemand den alle schätzen und bewundern.



Fazit

Beim Start der neunten Staffel haben die Autoren wiedermal das meiste richtig gemacht. Sie haben die momentan angeschlagene Beziehung von Brennan und Booth in den Mittelpunkt gerückt, haben am Ende der Folge eine gute Lösung gefunden, das Geheimnis um Pelant und Booth noch etwas aufrecht zu erhalten, ohne jedoch die Beziehung von Booth und Brennan kriselnd in die nächste Episode zu führen, was für eine Crime-Serie der Beziehung zu viel Platz eingeräumt hätte. Zusätzlich konnte die Episode von zwei Gastdarstellern profitieren, die mit ihren Charakteren absolut begeistern konnten. Einzig die Sache mit Angela haben die Autoren nun komplett verbockt und so sorgt dieser Charakter, der leider in der Brennan/Booth Storyline auch noch etwas zu präsent aufgetreten ist, für den Punkteabzug.

Maria Schoch - myFanbase

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