Bewertung: 5

Review: #5.13 Die Geheimnisse und ein Zahnarzt

Die Folge konnte leider qualitätsmäßig nicht annähernd an diejenige von letzter Woche anknüpfen. Booths Bruder Jared taucht wieder auf und hat eine Hiobsbotschaft sowie eine Frau mit im Gepäck, und plötzlich tauschen Booth und Brennan ihre Rollen betreffend ihren Ansichten zum Thema Liebe.

"Did you clean the victim's theeth?" – "A small sign of respect for a dentist."

Der Fall in dieser Folge war meiner Meinung nach eher unspektakulär, obwohl er anfangs Ansätze zeigte, die durchaus hätten interessant werden können, wären sie weiterverfolgt worden.

Da in dieser Episode die Liebe als Schwerpunkt gesetzt wurde, hätte ich mir gewünscht, dass dies auch beim zu lösenden Fall spürbar geworden wäre. Schließlich wären die Ansätze ja zur Genüge vorhanden gewesen. Da war ein Freund, der zwei Jobs angenommen hatte, um Dans Zahnmedizinstudium zu finanzieren, da war ein Footballkollege, der mit Dan eine heimliche Beziehung geführt hatte, und da war noch dessen Ehefrau, die bemerkt haben könnte, dass sich ihr Mann eher zu Männern als zu Frauen hingezogen fühlt. Klar, der Überraschungseffekt bei der Auflösung war gegeben, indem eben nicht einer der Hauptverdächtigen beziehungsweise einer der Beziehungspartner des Opfers als Täter überführt werden konnte, sondern dass es der Bauarbeiter war, der die Platten im Garten verlegt hatte. Außerdem hatte dieser Dan nicht aus irgendwelchen beziehungstechnischen Gründen umgebracht, nein, der Hintergrund war rein wirtschaftlich.

Dieses Ende hätte mich nicht einmal groß gestört, wäre nicht die Spannung schon früher weg gewesen. Ich hätte mir gewünscht, dass die Spannung mit den verschiedenen Beziehungen, die das Opfer geführt hatte, weiter aufgebaut worden wäre und somit das Thema Liebe auch im zu lösenden Fall an Bedeutung gewonnen hätte. Somit hätte sich der Zuschauer auf einen der Hauptverdächtigen versteifen können, und der Überraschungseffekt wäre somit gelungen. So aber war es ein hin und her zwischen ehemaligen und aktuellen Liebhabern, einem Bauarbeiter sowie der Dentalhygienikerin von Dan, die zum Schluss noch als Mittäterin entlarvt wurde. Für mich sind Brennan und ihr Team ohne konkrete Beweise von einem Verdächtigen zum anderen gesprungen und haben somit den Zuschauer nicht nur verwirrt sondern den Fall, damit auch noch langweilig gestaltet.

"I thought you believe in love at first sight." – "Only in movies, right, not for Jared."

Kommen wir zu dem Teil, der mir an der Folge sehr gut gefallen hat. Einerseits weil ich mich immer freue, wenn Booths Bruder bei "Bones" auftaucht, anderseits weil mir Booths Reaktion auf Jareds Hochzeitspläne wirklich gut gefallen hat, und auch wenn es vielleicht nicht auf den ersten Blick offensichtlich war, meiner Meinung nach ist die Reaktion so unglaublich typisch für Booth. Denn auch wenn er und Jared sicher nicht eine Vorzeigefamilie sind, so sind sie doch Brüder und schon rein diese Tatsache genügt, damit Booths Beschützerinstinkt geweckt ist.

Ich wäre überrascht gewesen, hätte Booth bei Jareds Verlobten keine Überprüfung durchgeführt, genauso wie ich überrascht gewesen wäre, wenn Jared es nicht herausgefunden hätte. Somit war diese Storyline eigentlich vorhersehbar und trotzdem waren es gerade diese Szenen, die mir in der Episode am besten gefallen haben.

Manche mögen genauso wie Brennan das Argument in den Raum werfen, dass Booth doch derjenige ist, der an die Liebe auf den ersten Blick glaubt und er derjenige ist, für den Gefühle im Leben eine große Rolle spielen. Wieso sollte also gerade er nicht glauben, dass sein eigener Bruder sich auf den ersten Blick in eine Frau verliebt hat? Doch ich denke, um den Gedanken, dass sich Jared verliebt hat und in Sachen Beziehungen sesshaft wird, ging es Booth im ersten Augenblick überhaupt nicht. Sein erster Gedanke gilt nicht den Gefühlen, die Padme und Jared füreinander entwickelt haben, sondern er will vermeiden, dass sein jüngerer Bruder verletzt wird.

Booths Beschützerinstinkt zieht sich wie ein rotes Band durch die ganze Serie. Schon oft konnten wir beobachten, wie er um Brennan oder andere Mitglieder des Teams zu beschützen, völlig irrationale Handlungen vorgenommen hat. Auch konnte man in der Folge #4.14 Der Totengräber und andere Rückkehrer beobachten, dass dieser Charakterzug von Booth sicher keine neue Erscheinung ist, sondern schon in seiner Vergangenheit eine große Rolle gespielt hat. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, ist es nur logisch, dass er die Frau, die sein Bruder für ewig an sich binden will, überprüft um sicherzugehen, dass sie auch gut genug für Jared ist.

"Rhubarb!" – "Ah Rhubarb, the victim was killed by rhubarb?" – "Approximately 10 kilo" – "Alright, I'm usually pretty good with following you jumping your little brain but you totally left me in the dust on this one." – "If you're gonna acquire for me the rhubarb I can deliver on to you a skeleton free of clay. Rhubarb!"

Endlich kommt von den Assistenten wieder einmal Vincent Nigel-Murray zum Zuge. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich ihn schon ein bisschen vermisst habe. Seine ausschweifenden und nebensächlichen Bemerkungen zu diesem und jenem bringen mich immer wieder zum Lachen. Aus diesem Grunde war ich am Anfang etwas enttäuscht, dass er sich in dieser Folge mit seinen absolut belanglosen Bemerkungen ziemlich zurückgehalten hat. Doch meine Enttäuschung war schnell verflogen, und Vincent Nigel-Murray konnte mich auch mit ganz anderen Wesenszügen begeistern.

Anfangs fand ich, dass seine Klagen betreffend zu wenig Lob von Brennan, welches die anderen Assistenten scheinbar vermehrt zu hören kriegen, seinen Charakter verweichlichen. Doch im Laufe der Folge und vor allem beim zweiten Mal schauen ist mir aufgefallen, das eher das Gegenteil der Fall ist. Vincent zeigt endlich einmal, wie wichtig es auch ihm ist, dass er und seine Arbeit im Jeffersonian anerkannt werden, und dass auch er ab und zu gerne hört, dass seine Einfälle und seine Arbeit genial sind.

Dass er die Kritik gleich bei Brennan platziert hätte, wäre natürlich vorteilhaft gewesen, hätte seinem Charakter aber etwas Unglaubwürdiges verliehen. Schließlich sind meiner Ansicht nach, seine meist nicht relevanten Bemerkungen, neben der Hoffnung dadurch Anerkennung zu ernten, auch ein Ausdruck seiner Unsicherheit. Von diesem Punkt aus betrachtet, war es klar, dass er das Problem zuerst bei Cam und Hodgins anspricht, und nicht gleich Brennan damit konfrontiert. Denn, dass sie auf seine Bemerkungen am Rande nicht reagiert, war sicherlich nicht verwunderlich, wissen doch die meisten Menschen, welche Brennan kennen, dass man bei solchen Dingen von ihr nur eine Reaktion erwarten kann, wenn man sie direkt darauf anspricht. Diesen Part übernimmt schließlich Cam, welche auch in dieser Folge zeigt, welche Eigenschaften sie als Leiterin des Institutes auszeichnen. Durch Vincents Bemerkungen sowie durch sein Verhalten, hat sie erkannt, wie wichtig ihm dieser Punkt ist und sofort konfrontiert sie Brennan damit.

Da Vincent in dieser Episode vor allem damit beschäftigt ist, in der Gunst von Brennan aufzusteigen, ist der Humor, der sonst, natürlich ungewollt, von ihm ausgeht, etwas auf der Strecke geblieben. Schließlich gab es dann doch noch ein/zwei Szenen in denen er mit Humor trumpfen konnte. Dieses Mal weniger mit seinen ausschweifenden Bemerkungen sondern mit seinen sprunghaften Gedanken und seinen genialen Einfällen. Ich denke da vor allem an die Säuberung der Knochen, bei der er zuerst mit einer elektrischen Zahnbürste zu Werke geht und dann schließlich auf die Idee mit dem Rhabarber kommt. Zwei absolut geniale Szenen, bei denen aber auch Hodgins und vor allem Cam viel zum Gelingen beigetragen haben.

"But you say in matters of the heart..." – "Ahh, the heart is just a muscle, you see I'm learning from you."

So gut wie ich Booths Reaktion auf Jareds Neuigkeiten nachvollziehen konnte, so schwer fiel mir dies im Bezug auf Brennans Wandlung betreffend ihrer Einstellung über die Liebe. So schön ihr Trinkspruch auf Jareds und Padmes Verlobung auch war und so sehr mir gefallen hat, dass sie gerade so etwas von Booth gelernt hat, so unecht war Brennan für mich in dieser Szene. Wie der Beschützerinstinkt etwas ist, dass Booth Charakter auszeichnet, ist der Drang alles immer wissenschaftlich erklären zu müssen, eine Eigenschaft von Brennans Charakter. Die Veränderung ihres Verhaltens im sozialen Bereich sowie die maßgebliche Beteiligung Booths daran, ist etwas das mir an der Serie "Bones" unglaublich gut gefällt. Ich verfolge jedes Mal begeistert, wie Brennan immer öfters ihre rationale Seite ablegt und ihre emotionale zum Vorschein bringt. Doch in dieser Episode ging mir alles etwas zu schnell und am Schluss dachte ich, ich hätte eine andere Person als Temperance Brennan vor mir.

Ich kann, außer der Schlussszene vielleicht, nicht eine konkrete Szene nennen, die dazu geführt hat, dass ich die Veränderung in Brennans Verhalten absolut nicht nachvollziehen konnte. Es sind vielmehr alle Szenen zusammen, und dass sich dieses überhaupt nicht rationale Verhalten, von Brennan während der ganzen Folge immer weiter gesteigert hat um schließlich in einer vollkommen emotionalen Rede über die Liebe den Abschluss zu finden.

Grundsätzlich habe ich überhaupt nichts dagegen einzuwenden, dass Booth und Brennan eine Folge lang mal die Rollen tauschen und Booth eher rational und Brennan eher emotional agiert. Doch im Gegensatz zu Booth, der in der Folge eine Entwicklung durchmacht und zum Schluss auch wieder zu seinen alten Charakterzügen zurückfindet, ist bei Brennan genau das Gegenteil der Fall. Sie versucht Booth mit dessen Argumenten, welche sie wohlgemerkt bis dahin nie wirklich akzeptieren konnte oder wollte, von der Liebe zwischen Jared und Padme zu überzeugen.

Sowohl Booth wie auch Brennan betonen in dieser Folge, gegenüber dem jeweils anderen, dass sie etwas voneinander gelernt haben. Brennan von Booth, dass die Liebe nicht nur eine chemische Reaktion ist, sondern auch etwas mit Gefühlen zu tun hat und Booth von Brennan, dass es sich bei dem Herzen nur um einen Muskel handelt. Auch wenn aus dieser Bemerkung sicher ein ironischer Unterton herauszuhören war, ist nicht zu bestreiten, dass auch Booth viel von Brennan profitiert und gelernt hat. Doch die Tatsache, dass die Beiden durch ihre Partnerschaft und ihre Freundschaft zueinander unglaublich viel voneinander profitieren und lernen können und sich dadurch sicherlich weiterentwickeln haben, muss meiner Meinung nach nicht auf diese plumpe Art, wie in dieser Folge gezeigt wurde, betont werden. Denn genau diese Punkte werden dem Zuschauer immer wieder klar, wenn er Booth und Brennan in gemeinsamen Szenen beobachten kann. Schließlich besteht die besondere Freundschaft und Partnerschaft der Beiden doch genau darin, dass sie die Meinung des anderen respektieren und von dieser profitieren, ohne dass sie dabei ihre eigenen wesentlichen Charakterzüge verlieren.

Fazit

Die Folge war für mich, vor allem nach dem zweiten Mal schauen, eher enttäuschend. Brennan hat einen ihrer wesentlichen Charakterzüge viel zu schnell aufgegeben und hat nicht ein einziges Mal ihre sonst so rationale Art gezeigt. Beim Fall wurde meiner Ansicht nach, durch die viel zu oft wechselnden Verdächtigen, die Spannung viel zu früh weggenommen und daher konnte auch die überraschenden Wendung zum Schluss bei mir nicht mehr für Begeisterung sorgen. Für Höhepunkte in dieser Folge sorgte bei mir einzig die Booth/Jared Storyline sowie die Szenen zwischen Cam und Vincent Nigel-Murray, die für ein bisschen Humor in der sonst eher langweiligen und witzlosen Folge sorgten.

Maria Schoch - myFanbase

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