Bewertung: 4

Review: #5.09 Heute: Leiche in Öl

In dieser Episode dreht sich der Fall um Videospiele, und wie so oft greift "Bones" damit ein aktuelles Thema, nämlich die Sucht nach Videospielen, auf. Damit aber nicht genug, auch ein anderes interessantes Themengebiet, dasjenige von autistisch kranken Menschen, wird angeschnitten, und nebenbei wird noch ziemlich offensichtlich etwas Werbung für den kommenden Kinofilm "Avatar" gemacht. Eine ganze Menge interessanter und spannender Faktoren, die in dieser Folge untergebracht wurden. Leider konnten sie nicht so vereint werden, dass sich die Episode zu einem Highlight entwickelt hätte.

"That was Steves job. His vacation, his avacation was gaming." – "He was a professional gambler?" – "Videogaming."

Die Leichen bei "Bones" sind öfters nichts für schwache Nerven, aber in dieser Episode kann man die gefundenen Überreste definitiv als sehr eklig beschreiben. Nicht das dieser Einstieg in die Folge störend gewesen wäre, im Gegenteil bei mir hat die Szene zwar ein "wähh" hervorgerufen, aber gleichzeitig hat sich auch die Vorfreude auf einen spannenden Fall breitgemacht. Diese Erwartung wurde leider, trotz mehreren guten Ansätzen, nicht erfüllt, so dass ich am Schluss feststellen musste, dass der Anfang mit der ekligen Leiche für mich noch eine der besten Szenen darstellte.

Oft werden die Folgen bei "Bones" unter ein Thema gestellt, welches sich wie ein roter Faden durch die ganze Episode hindurchzieht. Mit den Themen Videospiele sowie Autismus wurden auch dieses Mal zwei interessante Gebiete aufgegriffen, die auf alle Fälle Potential dazu gehabt hätten, die Folge zu einem Highlight zu machen. Vielleicht waren zwei oder je nach Betrachtungsweise sogar drei Themengebiete in einer Folge zuviel, denn keines davon konnten sich als roter Faden etablieren und dies, obwohl es meiner Meinung nach genügend potentielle Handlungsstränge gegeben hätte. Die Sucht nach Videospielen hätte doch bei Booth wenigstens ansatzweise Verständnis hervorrufen müssen, schliesslich hatte er in seiner Vergangenheit mit einer Spielsucht zu kämpfen, und beim autistischen Jungen hätte ich mir mehr Interaktion zwischen ihm und Brennan gewünscht, denn auch hier sind zweifellos Parallelen zu erkennen.

Doch zurück zum Fall. Auch hier fand ich den Ansatz grundsätzlich gut und die Spannung konnte durch die verschiedenen Konkurrenten und Mitstreiter um den Punkterekord des Videospiels gut aufrechterhalten werden. Vielleicht waren deswegen der Schluss und damit auch die Entlarvung des Mörders für mich eher enttäuschend. Ich fand es schade, dass in den letzten fünf Minuten klar wird, dass die Liebe des Vaters zu seinem Sohn so gross ist, dass er dafür einen Mord begeht. Denn auch dies wäre doch ein Themengebiet gewesen mit dem man locker eine ganze Folge hätte füllen können, und es wäre gleichzeitig eine Chance gewesen wieder einmal die Beziehung zwischen Booth und Parker aufzugreifen.

Grundsätzlich waren also Ansätze für einen spannenden und mitreissenden Fall vorhanden. Doch da sich die Autoren nicht an einen roten Faden hielten, sondern verschiedene Aspekte miteinander vermischten, habe ich mir nach dem Ende der Folge sofort ausgemalt: was wäre gewesen wenn...

"Basketball, football, hockey that's a sport. Board games, fishing: not a sport."

Was wäre gewesen wenn der Fall bei Booth Erinnerung an seine Spielsucht hervorgerufen hätte? Was wäre gewesen wenn Brennan sich vermehrt mit dem autistischen Jungen auseinandergesetzt und festgestellt hätte, dass die rationale und gefühlskalte Art ihr vielleicht gar nicht so fremd ist? Was wäre gewesen, wenn Booth mehr mit dem Vater sympathisiert hätte, da er selber einen Sohn hat und für diesen wohl auch alles erdenklich Mögliche tun würde? Und zum Schluss frage ich mich wie hätte sich nur eines der drei Szenarien auf die Beziehung zwischen Booth und Brennan ausgewirkt?

Denn von dieser Beziehung war in dieser Episode nicht viel zu spüren. Die Beiden sind mehr oder weniger die ganze Folge lang damit beschäftigt über ihre Meinungsverschiedenheit betreffend der Definition von Sport zu streiten. Die Unbeschwertheit, die diese kleinen Streitigkeiten zwischen Brennan und Booth der Folge verliehen hat, hat mich grundsätzlich nicht einmal gestört, denn es ist ja nicht das erste Mal, dass sich Brennen und Booth nicht einig sind und im Laufe einer Episode immer wieder die Gelegenheit ergreifen, dem anderen mit kleinen Sticheleien klar zu machen, dass er im Unrecht ist. Doch normalerweise haben diese Meinungsverschiedenheiten einen charakterbezogenen Hintergrund, wie beispielsweise Booths religiöser Glaube oder Brennans Überzeugung, dass es sich bei der Psychologie um keine Wissenschaft handelt. Ob Schach oder Fischen nun eine Sportart ist, war ein guter und lockerer Einstieg in die Folge, doch als Handlungsstrang für Booth und Brennan finde ich es doch etwas mickrig.

"You kidding, Avatar?" – "Yup" - "There are over 10 000 entries for 500 tickets." – "And you won?" -"Yes"

Der Handlungsstrang, welcher mir in dieser Episode am besten gefallen hat ist derjenige rund um den Film Avatar. Die Begeisterung die Sweets, Hodgins und Fisher wegen diesem Film an den Tag legen, fand ich schon witzig. Dass sie sich deswegen auch noch zu einer Zweckgemeinschaft zusammenschliessen und gegenüber Cam diverse Ausreden erfinden um gute Plätze bei der Premiere zu erhaschen, war für mich der Höhepunkt der Folge. Cam war, trotz viel zu wenig Präsenzzeit, auch in dieser Episode wieder grandios. Wenn nicht schon ihr Blick und ihre Gestik mich zum Schmunzeln bringen, dann ganz sicher ihr Part in den Dialogen mit den verschiedenen Charakteren.

Leider hat jedoch auch dieser gute und lustige Handlungsstrang einen Schwachpunkt und der kommt in Gestalt von Dr. Lance Sweets daher, welcher sich in dieser Folge absolut untypisch verhält. Wäre es bei dem Zweckbündnis mit Hodgins und Fisher sowie beim Ausreden Erfinden um unbemerkt von der Arbeit wegzukommen geblieben, so wäre der Charakter Sweets in dieser Folge, wie so oft, einfach grossartig gewesen. Doch leider blieb es nicht dabei. Als Sweets mit Anstehen für einen der besten Plätze für die Premiere des Films Avatar an der Reihe ist, taucht ein Mädchen auf, welches sofort mit dem Psychologen anfängt zu flirten. Auch dies wäre noch nicht wirklich schlimm, würde Sweets seinem Charakter entsprechend reagieren und sie freundlich aber bestimmt zurückweisen, da er ja mit Daisy eine Beziehung führt.

Sweets erwähnt zwar gegenüber dieser fremden Frau, dass er eine Freundin hat, steigt jedoch auf ihre Flirtversuche ein und es kommt später sogar zu einem Kuss. Das Lächerlichste an der ganzen Geschichte ist für mich der Auslöser für die ganze Flirterei: Fishers Geständnis mit wie vielen Frauen er schon Sex gehabt hat. Und dieses Geständnis macht Sweets scheinbar so eifersüchtig, dass er diese fremde Frau nicht konsequent zurückweist und auf ihre Flirtversuche einsteigt.

Für mich gibt es hier mehrere Gründe, weshalb dieses Verhalten so absolut untypisch für Sweets ist. Da ist die Eifersucht auf Fisher im Bezug auf Frauen. Abgesehen davon, dass Sweets nicht der Typ ist, der noch nie eine Freundin gehabt hat, entspricht es überhaupt nicht seinem Charakter auf Sexgeschichten eines anderen eifersüchtig zu sein. Es gibt Momente in denen Sweets vielleicht auf Booths Selbstsicherheit oder auf Brennans Klugheit eifersüchtig ist, doch es hat nie irgendwelche Anzeichen gegeben, dass Sweets sich wünscht ein Mann zu sein, der jeden Tag eine andere Frau in seinem Bett hat. Im Gegenteil, Sweets wurde dem Zuschauer als Charakter präsentiert, der sich eine stabile Beziehung sowie Freunde denen er vertrauen kann wünscht und genau dieser Wunsch ging mit der Beziehung zu Daisy und mit seiner Integration im Team des Jeffersonians in Erfüllung. Wieso also würde er dies wegen einer flüchtigen Bekanntschaft aufs Spiel setzen?

Diese Punkte werden Sweets von Hodgins wieder ins Gedächtnis gerufen, was zu einer der schönsten Szenen der ganzen Folge führt. Hodgins der Sweets klarmacht, dass ihn mit Daisy etwas verbindet, was Fisher mit all diesen Frauen niemals haben wird und schliesslich wie die zwei ohne Fisher, der sich mit der Frau im Zelt vergnügt, ins Kino gehen um sich die Premiere von Avatar anzuschauen. Eine wirklich gelungene Szene, von der Art ich mir in dieser Folge mehrere gewünscht hätte.

Fazit

Bis zu dieser Folge konnte mich die fünfte Staffel von "Bones" nur in Begeisterung versetzen. Leider wurde dieser Begeisterung nun ein kleiner Dämpfer versetzt und ich kann nur hoffen, dass dieses Zwischentief nicht länger als eine Folge lang anhält und "Bones" wieder zu dem zurückfindet was die Serie ausmacht: der rote Faden, welcher sich durch eine Folge hindurchzieht, Brennan und Booths Beziehung, die sich mit jeder Folge weiterentwickelt und mit Charakteren, die sich und damit ihren Eigenschaften treu bleiben.

Maria Schoch – myFanbase

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