Bewertung: 8

Review: #4.14 Der Totengräber und andere Rückkehrer

Foto: David Boreanaz, Bones - Copyright: 2008 Fox Broadcasting Co.; Michael Yarish/FOX
David Boreanaz, Bones
© 2008 Fox Broadcasting Co.; Michael Yarish/FOX

Erneut schnappt sich der Grave Digger jemanden aus dem Team. Dieses Mal trifft es Booth, und im Gegensatz zur Folge #2.09 Ein Totengräber und die noch Lebenden kann man dieses Mal ganz sicher nicht von einer Kopie der tollen CSI-Episode unter der Regie von Quentin Tarantino sprechen. Booth ist zwar auch an einem Ort gefangen, doch ist er bis auf eine kurze Zeit am Anfang der Folge nicht irgendwo begraben. Er befindet sich stattdessen auf einem Schiff und bekommt dort unerwartete Hilfe eines alten Freundes.

"Der Totengräber hat Booth!"

Der Grave Digger ist zurück. Nachdem er letztes Mal Brennan und Hodgins entführt und Booth verzweifelt nach seiner Partnerin gesucht hat, werden in dieser Episode die Rollen getauscht. Nun befindet sich Booth in der Hand des Grave Diggers und ist auf die Hilfe von Brennan angewiesen.

Im Gegensatz zur Episode #2.09 "Ein Totengräber und die noch Lebenden" kann sich Booth jedoch ziemlich schnell aus seinem Grab befreien, welches dieses Mal nicht mit Erde zugeschüttet ist, sondern vom Grave Digger auf ein Schiff gebracht wurde, das nach einer gewissen Zeit explodieren wird. Dadurch hat der Grave Digger seine Taktik leicht geändert, was ich darauf zurückführe, dass es ihm bei Booths Entführung mehr darum geht, die Beweise, welche sich bei Hodgins befinden, zu beschaffen.

Für die Folge fand ich die Änderung im Verhalten des Grave Diggers sehr gut. Denn schließlich will niemand die gleiche Story nur mit umgekehrten Rollen vorgesetzt kriegen. Anderseits sehe ich genau bei diesem Punkt auch die Schwachstelle der Episode. Der Grave Digger hat immer nach demselben Muster gemordet. Er hat seinem Namen entsprechend, die Opfer bei lebendigem Leib begraben und keines konnte sich bis jetzt aus eigener Kraft aus dem Grab befreien. Booth dagegen fiel dies verhältnismäßig leicht. Er konnte sich relativ schnell aus der Kapsel befreien und sich somit frei auf dem Schiff bewegen. Auch hat der Grave Digger dieses Mal die Stunden bis zum Tod des Opfers nicht nach der ihm bleibenden Luft bemessen, sondern so lange bis das Schiff explodieren wird. Das Wieso über diese Handlungsänderung des Serientäters kommt meiner Meinung nach in dieser Folge nicht einmal zur Sprache. Doch schlussendlich überwiegen für mich die positiven Punkte dieses Dilemmas. Denn gerade weil der Grave Digger seine Vorgehensweise geändert hat, wurde uns eine hervorragende Folge "Bones" präsentiert.

"Hodgins haben sie doch auch verdächtigt – Du denkst, er hat die Beweise? – Ich weiss, dass du sie nicht hast!"

Dass Hodgins seine Entführung schwer zu schaffen macht, war mir damals eigentlich schon klar. Dies wurde zum Schluss der Folge #2.09 "Ein Totengräber und die noch Lebenden" auch sehr deutlich dargestellt. Nur dass die Auswirkungen immer noch so extrem sind, hat mich nun doch etwas überrascht. Vor allem da diese Probleme bei Hodgins nie wirklich thematisiert wurden. Dass er in der Zeit zwischen diesen zwei Folgen versucht hat, Beweise zu finden, um den Grave Digger zu enttarnen, finde ich absolut realistisch, genauso, dass er diese Beweise vor dem FBI und vor dem Team geheim gehalten hat.

Was für mich eher unverständlich ist und meiner Ansicht nach nicht wirklich zu Hodgins Charakter passt, ist, dass er sich so sehr gegen die Herausgabe der Beweise sträubt, als Booth in Lebensgefahr schwebt. Würde er sachlich und rational argumentieren, zum Beispiel indem er Bones klar zu machen versucht, dass, wenn sie auf die Forderungen des Grave Diggers eingeht, dieser Booth doch nicht freilassen würde, wäre Hodgins Verhalten verständlich. Doch genau das tut er nicht. Er reagiert vollkommen emotional, und das einzige was er will, ist, den Grave Digger zu schnappen. Für meinen Geschmack könnte sich Hodings hier etwas mehr für Booths Schicksal einsetzten, vor allem da die beiden so etwas wie eine Männerfreundschaft aufgebaut haben.

Brennans Reaktion auf Hodgins Verhalten ist für mich absolut verständlich. Ich denke, irgendwo in ihrem Innern kann sie nachvollziehen, was er getan hat, und dass er die Beweise vor dem FBI verheimlich hat, ist für sie wohl auch noch kein Vertrauensbruch. Dass er die Beweise jedoch vor ihr verheimlich hat, dagegen schon. Für mich persönlich wird dieser Vertrauensbruch jedoch zu wenig thematisiert. Brennan erwähnt in einer Szene vor Hodgins und Angela, dass sie ihm nicht mehr vertraut, aber anschließend ist dieses Thema wieder abgehakt und wird nicht mehr aufgenommen.

Auch scheint Hodgins zwischenzeitlich zu vergessen, dass Brennan damals mit ihm im Auto saß und mit ihm zusammen lebendig begraben wurde. Sie war genauso Opfer wie er, und auch sie will, dass der Grave Digger geschnappt wird. Im Gegensatz zu Hodgins ist bei Brennan die Sorge um Booth jedoch größer als der Wunsch, den Grave Digger zu enttarnen.

"Jetzt hör mal zu, Brennan, jemand den du liebst, ist lebendig begraben, du darfst ihn retten, egal wie irrational das ist."

Brennan versucht während der ganzen Folge krampfhaft, ihre Gefühle und ihre Angst zu verbergen. Wie sie einmal in der Episode #1.21 Der Soldat auf dem Grab betont hat, versucht sie, sich emotional von ihren Fällen abzugrenzen, um ihre Arbeit richtig zu machen. Sie versucht diese Methode auch hier anzuwenden, was ihr natürlich nicht gelingt. Schließlich ist dies nicht irgendein Fall, hier geht es um Booth. Genau dies macht Angela Brennan klar, indem sie ihr sagt, dass, egal was sie tut um Booth zu retten, es der richtige Weg sei, weil es beim Retten eines geliebten Menschen nicht um rationales Denken geht.

Brennans Reaktion auf Angelas Aussage, ist für mich so unglaublich typisch für Bones. Sie streitet sofort ab, dass sie Booth liebt, weil sie denkt, dass Angela ihr unterstellen will, dass sie mehr für Booth empfindet als Freundschaft. Erst durch Angelas Worte, dass sie alle Booth lieben, wird Brennan klar, was ihre Freundin ihr damit sagen will, und sie entscheidet sich gegen die rationale Vorgehensweise und wählt die Emotionale, nämlich diejenige, die in ihr die Hoffnung weckt, Booth lebend wieder zu sehen.

Diese irrationale Seite von Bones ist meiner Meinung nach am deutlichsten in ihrem Gespräch mit Booths Bruder Jared erkennbar. Schon nur ihre Bitte an ihn, nämlich, dass er die Leiche von Agent Vega aus dem FBI-Besitz stehlen soll, ist so gar nicht Brennans Art. Außerdem scheint sie bei ihrer Bitte absolut keine Skrupel zu haben, auch wenn sie genau weiß, dass Jared damit seinen Job aufs Spiel setzt. Als er sich zuerst etwas windet und sagt, dass er versucht mit ein paar Telefongesprächen die Leiche freizubekommen, rastet Bones geradezu aus: "Booth hat dich niemals, niemals hängen lassen, du bist ein egoistischer Feigling. Du hast ihn als Bruder nicht verdient." Diese Worte zeigen deutlich wie verzweifelt Brennan ist, und dass sie alles tun würde um ihren Partner zu finden.

Diese Worte sind es aber auch, die Jared dazu bewegen, die Leiche illegal vom FBI zu beschaffen und ins Labor zu bringen. Ich denke Brennan hat ihm klar gemacht, was Seeley all die Jahre immer für ihn getan hat und das er nun einmal an der Reihe ist, egal welchen Preis er jetzt dafür zahlen muss. Am Schluss ist dieser Preis ja auch ziemlich hoch, so wie es aussieht, wird Jared unter Arrest gestellt und verliert wohl seinen Job. Ich hätte hier gerne noch Booth Reaktion auf die Tat seine Bruders gesehen und möchte wissen wie es mit Jared weitergeht. Es bleibt zu hoffen, dass dies in einer der nächsten Folgen thematisiert wird.

"Wer ist da? – Ich bins! – Wer ist ich? – Der beste Kumpel, den du je hattest, hast du jedenfalls gesagt!"

Der Part von Seeley Booth hat mir in dieser Episode mit Abstand am besten gefallen. Wieder einmal wird hier dem Zuschauer ein Einblick in Booths Scharfschützenvergangenheit gezeigt, und wieder einmal wird klar, wie er die Dinge, die damals passiert sind, noch nicht verarbeitet hat.

Normalerweise bin ich sehr skeptisch wenn Übernatürliches in eine Serie eingebaut wird, in welcher dies nicht das Hauptthema ist. Doch in dieser Folge war das Auftauchen von Teddy als Geist absolut erklärbar, und die Storyline war so gut umgesetzt, dass mich der übersinnliche Hauch hier überhaupt nicht gestört hat. Booth setzt sich in dieser Folge hauptsächlich mit seiner Vergangenheit, beziehungsweise mit dem Verlust eines Kameraden auseinander. Er versucht natürlich, so schnell wie möglich von dem Schiff, auf welchem er gefangen ist, zu fliehen, fragt sich jedoch nicht ein einziges Mal, wer ihn dahin gebracht hat oder wer verantwortlich für die Situation ist, in welcher er sich befindet. Viel mehr konzentriert er sich auf den aufgetauchten Geist in Form seines alten Kumpels Teddy.

Teddy taucht auf, als Booth sich aus der Kapsel, in der er auf dem Schiff gefangen ist, befreien kann. Als erstes denkt Booth, dass er an Halluzinationen leidet und Teddy eine Illusion von ihm ist. Doch im weiteren Verlauf des Geschehens berührt Booth Teddy an der Schulter und muss erstaunt feststellen, dass sich diese Berührung für ihn sehr real anfühlt. Diese Szene, in welcher Booth vor sich zugibt, dass Teddy keine Illusion sondern ein Geist ist, gehört in dieser Episode zu meinen Lieblingsszenen. Man kann hier sehr gut beobachten, wie der emotionale Teil von Booths Hirn den rationalen übertrumpft. Booth braucht in dieser Situation jemanden, der ihm hilft, aus dieser lebensbedrohlichen Lage zu entkommen, deswegen projiziert sein Unterbewusstsein einen alten Freund herauf. Jemanden, der ihm mit Rat und Tat zur Seite steht und ihm einige Dinge vor Augen führt, mit denen er innerlich schon länger kämpft. Da Teddy Booth scheinbar eine Menge bedeutet hat und er sich bis heute die Schuld an dem Tod des jungen Mannes gibt, ist es sicher kein Zufall, dass Booths Unterbewusstsein gerade diesen Jungen heraufprojiziert.

"Sie gibt mir die Schuld an deinem Tod. – Das ist doch verrückt! – Das ist nicht verrückt. Ich geb mir auch die Schuld."

Dass sich Booth die Schuld an Teddys Tod gibt, ist ein typischer Charakterzug des FBI Agenten. Wie man in den paar Rückblenden sieht, stand Teddy in der Army unter Booths Kommando, und dieser fühlte sich natürlich verantwortlich für seinen Schützling. Für Booth, welcher ja seinem Umfeld gegenüber immer einen großen Beschützerinstinkt an den Tag legt, ist es sicher besonders schwer ein solches Erlebnis zu verarbeiten. Sein Beschützerinstinkt wird auch in dieser Folge hervorgehoben. Denn obgleich er wohl in seinem Innersten weiß, dass Teddy nur ein Hirngespinst seiner Fantasie ist, versucht er trotzdem, diesen zu beschützen. Aber auch dieses Mal scheitert dieser Versuch, und Booth versteht endlich, dass der Tod von Teddy nicht seine Schuld war. Es scheint fast so, als habe Booths Unterbewusstsein die ganze Situation mit Teddy auf eine andere Art noch einmal durchleben müssen, damit es damit abschließen kann.

Die Schlussszene am Friedhof finde ich wunderschön. Einerseits die Szene zwischen Teddys Freundin und Booth, anderseits diejenige zwischen Booth und Brennan: "War's deine Schuld? – Nein, er ist im Krieg gefallen. Es war nicht meine Schuld." Dieser Dialog zeigt schön, dass Booth mit der Schuldfrage abschließen konnte und sich nun auch endlich mit Claire unterhalten kann. Denn für mich ist klar, dass sie nicht Booth die Schuld an Teddys Tod gibt. Vielmehr hat er sich diese selber gegeben und war einfach überzeugt davon, dass dies alle anderen auch tun.

Dass Teddy auf dem Friedhof auch noch Brennan erscheint, ist für mich ein perfekter Schluss. Denn, dass Brennan zwar ohne ihr Wissen einem Geist begegnet, spiegelt doch genau das wieder, was sich über die ganze Folge gezeigt hat. Wir durften einmal eine Temperance Brennan erleben, die vollkommen irrational und emotional reagiert hat.

Fazit

Diese Episode hat meines Erachtens zwar ihre Schwachstellen, die jedoch durch eine richtig gute Storyline um den Charakter Seeley Booth ausgebügelt wurden. Außerdem bekommt der Zuschauer eine Temperance Brennan zu sehen, die für einmal ihre rationale Seite beiseite legt um ihren Partner, der ihr zweifelsohne sehr viel bedeutet, zu retten.

Maria Schoch - myFanbase

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