Bewertung: 6

Review: #3.13 Das Urteil in der Geschichte

Mit der aktuellen Folge ist die Geschichte um Brennans Vater erst einmal – juristisch – zu Ende gebracht worden. Aber auf welche Weise das geschehen ist, hat mir doch einiges Stirnrunzeln verursacht. Zach macht auf einmal Fehler? Und das war nur der offensichtlichste Wackler einer Handlungsführung, die aber mal eines deutlich bewiesen hat: "Bones" ist keine Gerichtsshow.

Man muss schon einige Kröten schlucken, um mit dieser Auflösung zufrieden zu sein. Zuallererst: Der letztendlich unglaublich simple Trick, mit dem Brennan ihren Vater vor einer Verurteilung bewahrt, kommt mir vor wie ein Dolchstoß in den Rücken des amerikanischen Rechtssystems – sollte er denn nicht nur innerhalb der Fiktion möglich sein. Begründete Zweifel, weil mal eben jemand eine Hypothese herbeikonstruiert – ohne handfeste Beweise! – wo ein anderer als Mörder infrage kommt? Die Methode hat bei den "Zwölf Geschworenen" funktioniert, aber da wurde der alternative Beweis auch sehr viel überzeugender geführt.

Klar, wir reden hier über eine Serienfolge, und da geht es auch und sehr um Effekte. Aber in diesem Fall muss man sein Gehirn schon irgendwo zwischenlagern, um das Ganze so zu akzeptieren. Immerhin geht es hier um den Mord an einem hohen Tier des FBI – von entsprechendem öffentlichen und medialen Interesse, das auch Druck auf eine korrekte Verhandlungsführung ausgeübt hätte, war ebenfalls nichts zu sehen. Und gab es da nicht einen zweiten Mord, der dem an Kirby voranging? Von dem hörte man nichts mehr.

Auch die Hakenschläge der Story führten entweder ins Leere oder nicht mal dahin: Dass Angela die Aussage verweigerte (lustig immerhin die kleine Kabbelei um die korrekte Auslegung der Verfassungszusätze), rückte zwar die Perspektive ein wenig zurecht, was die merkwürdige Konstellation "Brennan vs ihr eigenes Team" angeht. Aber der Effekt verpuffte doch recht schnell. Und sehr idiotisch fand ich dann die Enthüllung, dass ausgerechnet Zach da etwas übersehen hatte. Mehr als ein retardierendes Moment für die Handlung kam bei dieser Wendung auch nicht heraus. Und überlegt sich keiner, dass Max Keenan doch de facto ein sehr gefährlicher Mann ist? Wie Sweets während der Verhandlung ja dargelegt hat, folgt Brennans Vater einem ganz eigenen Rechtsempfinden, und er hat wenig Skrupel, diejenigen höchstpersönlich und in formvollendeter Selbstjustiz zu bestrafen, die seiner Familie gefährlich werden. Dass das einem speziellen Ehrenkodex nach und besonders in der amerikanischen Gesellschaft mit einigem Verständnis betrachtet wird, mildert vielleicht die Umstände. Fahrlässig ist es dennoch, einen solchen Mann unbelehrt wieder unter die Leute zu lassen. Na denn.

Insgesamt hat mich die Folge doch sehr unbefriedigt zurückgelassen. Die Verhandlung war fast schon eine Farce, die Momente des comic relief (die flüsternden Booth und Brennan im Gerichtssaal etc.) waren für sich zwar verlässlich unterhaltsam, funktionierten aber innerhalb des Themas nicht wirklich. Letzteres ist mit dieser Episode immerhin abgeschlossen: Max ist frei, Sweets wurde quasi ins Team adoptiert, und mit diesen positiven Ergebnissen ist die Bühne frei für das Finale der Staffel und den zu erwartenden Showdown mit dem Gormogon-Killer, der kürzlich doch etwas sehr aus dem Fokus gerückt war.

Melanie Holtmann - myFanbase

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