Bewertung: 8

Review: #6.07 Am Abend

Die Sterberate unter den Hauptcharakteren erreicht in dieser Staffel eine beachtliche Höhe. Nach Luna, Terry und Truman Burrell - Niall könnte ja noch leben, also lassen wir ihn aus dieser Aufzählung heraus, - trifft es nun Nora, die meiner Ansicht nach den beeindruckendsten Abgang hinlegt, was vor allem Alexander Skarsgård zu verdanken ist, der uns Zuschauern Erics Verzweiflung förmlich spüren lässt. Der Moment, in dem Nora in Erics Armen zerfällt, ist traurig und widerlich zugleich, da Vampire nun einmal auf höchst unappetitliche Art sterben. Wie oft wird einem schon die Kombination aus traurig und widerlich geboten?

Liebe in Zeiten der Pest

Wir erleben den erhofften Rückblick in Noras und Erics Vergangenheit, der uns deutlich macht, warum sich die beiden so nahe stehen, wie es nicht bei allen Vampirgeschwistern der Fall ist. Es war Eric, der wollte, dass Godric Nora verwandelt. Eric hat sie "gefunden" und in ihr jemanden gesehen, mit dem er die Jahrhunderte verbringen möchte. Sein Versprechen an Nora, dass sie ewig leben würde, konnte er allerdings nicht halten. Nora stirbt schließlich doch noch an einer heimtückischen Krankheit, so wie es vor fast 350 Jahren passiert wäre, hätte Eric nicht in ihr Schicksal eingegriffen.

Die Lösung aller Probleme?

Sookie verlässt die Elfenzwischenwelt, um Arlene beizustehen, während Warlow dort zurückbleibt, um vor Bill sicher zu sein. Um eine etwas schwierige Begrifflichkeit zu klären: diese Zwischenwelt, die aussieht wie ein sonnenüberfluteter Friedhof, ist der Ort, an dem Sookie das erste Mal gelangte, nachdem Bill sie versehentlich fast getötet hätte (#3.07 Am Boden der Tatsachen). Der Übergang in die richtige Elfenwelt, die wir zu Beginn der vierten Staffel kennen gelernt haben, ist nicht mehr möglich, da die Pforten geschlossen wurden. Wie sich dieser Zwischenort offiziell nennt, weiß ich auch nicht, aber momentan dient er als Warlows Versteck.

Bill ist überzeugt davon, dass Warlows Blut die Lösung aller Probleme darstellt und den Erhalt der Vampirrasse sichert, aber so langsam frage ich mich, ob Bill sich nicht etwas zu sehr auf diese Option versteift. Es ist Fakt, dass Warlows Blut die Sonnenempfindlichkeit beendet, aber macht es auch immun gegen Hepatitis V? Momentan geht die größte Gefahr für die Vampire nicht von der Sonne aus, die schon immer da war, sondern von diesem neuen Virus, den es bald in jedem Getränkemarkt zu kaufen gibt. Bill wird möglicherweise durch die Vision, in der er Eric, Jessica und Co. im Sonnenlicht hat verbrennen sehen, in die Irre geführt und übersieht die eigentliche Katastrophe. Schon Russell Edgington wurde das beharrliche Streben nach der Fähigkeit, im Sonnenlicht zu wandeln, letztlich zum Verhängnis.

Sarah an der Macht

Sarah reagiert auf die Entdeckung, dass Burrell einen Kopf kürzer gemacht wurde, wie erwartet: sie fühlt sich nur noch mehr bestärkt, die Vampirrasse auszurotten. Sarah hat in ihrem religiösen Fanatismus längst schon den Punkt erreicht, an dem sie quasi alles, was um sie herum geschieht, als göttliche Bestätigung ihres Handelns interpretiert. Sie lässt sich durch nichts und niemanden mehr von ihrem Weg abbringen. Das muss Jason am eigenen Leib erfahren, als er auf ihren Befehl hin blutend in eine Zelle voller hungriger Vampirinnen gestoßen wird. In antiker Zeit wurden Christen den Löwen zum Frass vorgeworfen, nun hetzt eine fanatische Christin ihrem Ex-Lover hungrige Blutsauger auf den Leib. "True Blood" kann so wunderbar zynisch sein. Wir müssen mindestens noch bis zur nächsten Episode warten, um zu erfahren, ob die Vampirin Violet, die Jason für sich beansprucht, dies tut, um ihn zu beschützen, oder ob sie einfach nur nicht teilen will. Violet ist so etwas wie die Camp-Queen, die älteste und stärkste Vampirin im Lager. Es dürfte interessant werden, wenn sie demnächst auf Pam trifft, die sich gerade mit Sex aus ihrer Einzelhaft freikauft.

Um Burrells Tod vor der Öffentlichkeit zu verbergen, bittet Sarah einen Senator um Hilfe, der für uns kein Unbekannter ist: David Finch. Dieser Politiker war schon in der ersten, in der dritten Staffel und in der fünften Staffel zu sehen, so dass wir seine Verlogenheit kennen. Öffentlich gibt er sich streng konservativ und vertritt eine vampirfeindliche Politik, während er hinter verschlossenen Türen Lafayette für Sex bezahlt hat. Ich betone immer wieder gerne, wie toll ich es finde, dass in "True Blood" ständig Fäden zusammenlaufen und sich scheinbar unwichtige oder zumindest eher nebensächliche Charaktere als Teil des großen Ganzen erweisen, so dass wir sie nicht grundlos kennen gelernt haben, selbst wenn wir sie zeitweise mal vergessen hatten.

Camp-Romanze

Jessicas und James' Annäherung ist wahrlich keine Überraschung. Man kann verstehen, dass sich Jessica in ihrer von Schuldgefühlen und Zweifeln geplagten Lage zu einem Artgenossen hingezogen fühlt, der ihr bewiesen hat, dass Vampire selbstlos und menschlich sein können. Jessica war noch nie mit einem Vampir liiert, von daher ist das sicherlich ein wichtiger Entwicklungsschritt für sie. Es hinterlässt aber einen faden Beigeschmack, dass Jessica ausgerechnet Jason, der sein Leben riskiert, weil er sie aus dem Camp befreien will, dazu benutzt, mit James alleine sein zu können. Jason hat Jessica zuletzt nicht sonderlich gut behandelt, aber er hat sich dafür entschuldigt und ihr mit seinen Taten bewiesen, dass sie ihm viel bedeutet. Er hat es nicht verdient, Schmiere zu stehen, während Jessica und James die Stabilität des Konferenztisches austesten.

Wenn Wölfe lügen

Alcide versucht seinem Rudel weiszumachen, dass er Sam und Nicole getötet hat. Dummerweise haben Rikki und Co. sowohl Nicole als auch deren Mutter Mary in ihre Gewalt gebracht, so dass Alcide nun ziemlich schlecht vor seinen Leuten dasteht.

Alcide hat als Anführer bislang komplett versagt. Er wollte das Rudel übernehmen, um es von den Abwegen wegzuführen, auf die J.D. es gebracht hat, doch in der kurzen Zeit, in der Alcide die Führungsrolle bekleidet, hat das Rudel ein Kind entführt (Emma), mehrere Menschen getötet (Nicoles Freunde) sowie weitere Personen verletzt und bedroht (Sam, Lafayette, Nicole). Das ist keine erfreuliche Statistik. Alcides ursprüngliche Absichten waren gut, aber statt auch nur ansatzweise einen neuen Geist in dieses Rudel zu bringen, hat er sich eigentlich nur aufgespielt und so auch bei den Zuschauern viele Sympathiewerte eingebüßt. Dass er das Ruder noch einmal herumreißen und mehr Vernunft und Friedfertigkeit in dieses Rudel bringen kann, scheint fast unmöglich, aber vielleicht gelingt es ihm wenigstens noch, Nicole und ihre Mutter zu retten.

Das Rudelmitglied, das es Alcide besonders schwierig macht, ist Rikki. Entweder, die Rolle der First Lady ist ihr zu Kopf gestiegen, oder aber sie fühlt sich von Alcide nicht genug geschätzt und beachtet, seit er der Anführer ist, vielleicht trifft auch beides zu, auf jeden Fall verhält sie sich ausgesprochen feindselig. In der fünften Staffel gehörte sie zu den Vernünftigen, weil sie kein Vampirblut trinken und J.D. nicht folgen wollte, doch davon ist nicht mehr viel geblieben. Womöglich will sie nun selbst das Rudel übernehmen.

Werwölfe sind von Natur aus schwierig, das haben wir inzwischen gelernt. Sie neigen zu aggressivem und misstrauischem Verhalten und sind nicht sonderlich gebildet. Deshalb brauchen sie einen fähigen, disziplinierten Anführer, der sie in die richtige Richtung lenkt, und ein solcher ist Alcide bislang nicht.

Maret Hosemann - myFanbase

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