Bewertung: 8

Review: #2.01 Nichts als Blut

Liegt es an mir oder ist die Serie über die Sommerpause irgendwie besser geworden? Es lag sicher auch an der Sommerpause, über die ich mich, ohne die Serie zu sehen, vielleicht war das der entscheidende Vorteil, irgendwie mehr mit "True Blood" angefreundet und eine gewisse Freude im Hinblick auf die neue Season aufgebaut habe. Als ich dann endlich die Episode sah, konnte ich es kaum noch erwarten und wurde auch nicht enttäuscht. Gelungener Auftakt, in dem es die Serie sogar zum allerersten Mal geschafft hat, mir ein paar Emotionen zu entlocken. Trotz allem gab es auch wieder die serientypischen WTF-Momente, die "True Blood" so außergewöhnlich und spannend machen.

We also recycle in this house.

Wow, Bill hat in dieser Staffelpremiere eine vollkommen andere Seite an sich offenbart. Zumindest ist mir diese sehr lustige und trockene Art von ihm in der ersten Staffel nicht wirklich aufgefallen. In dieser Folge sorgte er bei mir aber gleich für mehrere Lacher, die mir zeigen, dass die Storyline mit Jessica, die in den Büchern ja überhaupt nicht vorkommt, eine großartige Entscheidung war. Es ist einfach unglaublich süß mit anzusehen, wie der altbackene Bill sich um einen rebellischen Teenager kümmern muss.

In der Sookie/Bill-Story gab es insgesamt einige Momente, die zeigen, dass "True Blood" trotz der vielen gruseligen Horror- und (teilweise ebenso gruseligen) Sexszenen eben doch auch viele Elemente einer "ganz normalen Dramaserie" hat. Dazu gehörten unter anderem Jessicas Reaktion ("No!!! Old!"), als Sookie vermutet, Bill habe mit ihr geschlafen, als Sookie Bill fragt, ob Jessica etwas mit dem letzten Mord zu tun haben könnte (erst ein deutliches "No!", dann ein etwas schwächeres "Probably not...") und die Szene gegen Ende, als Sookie und Bill in Streit geraten und sie sagt, dass sie ihm nicht mehr vertrauen könne usw. Da kam ich mir doch gleich vor wie im normalen Network-Fernsehen. Solche Szenen gibt es in jeder Dramaserie, in der es um Beziehungen geht, früher oder später mal, da sie eben auch im normalen Leben auftreten (gut, dann meist nicht, weil der Freund den Großonkel brutal ermordet hat, der einen als Kind missbrauchte). Das machte das Paar einfach sofort um einiges authentischer und brachte es mir deutlich näher.

Das erklärt sicher auch die Tatsache, dass "True Blood" die erste Szene gebracht hat, die mich wirklich emotional berührte. Als Sookie und Bill sich am Ende gegenüber standen und sie ihm unter Tränen gestand, dass sie ihre Beziehung nun in Frage stellt, und ihn anfleht, etwas zu sagen, hatte das bei mir durchaus den gewünschten Effekt. Dann das sehr bewegende Liebesgeständnis. Das war ganz großes Kino und ich bin dankbar für diese Szene, denn bisher ging mir dieses Paar so ziemlich am Allerwertesten vorbei. Natürlich muss "True Blood" so eine schöne, emotionale Szene gleich mit einer seltsamen, befremdlichen Sexszene auflösen, wie es für die Serie typisch ist. Ein wenig wie bei einer Comedy, die gerade eine schöne, bewegende Szene gezeigt hat und diese am Ende durch einen Witz auflösen muss, damit es ja nicht zu emotional wird... Doch das kann ich verzeihen.

Nobody needed towels!

Maryann ist ja wirklich interessant. Was will sie von Tara, warum will sie, dass Eggs und sie zusammenkommen, und warum ist sie deshalb gleich so brutal? Alles Fragen, die mich tatsächlich interessieren, von daher keine schlechte Idee, diesen seltsamen Charakter einzuführen. Was auch immer sie vorhat, bei Tara wirkt es. Und ganz ehrlich ist es auch nicht soo schlecht, dass sie sie mal von ihrer Mutter wegholt, ihr ein wenig Selbstvertrauen gibt und v.a. der Mutter mal aufzeigt, was sie für eine furchtbare Person ist. Ihre Motive dürften allerdings nicht sonderlich fromm sein, welche das sein könnten, kann ich mir bisher jedoch nicht ausmalen. Tara geht aber schon ein wenig naiv an die ganze Sache heran, was für sie ein wenig untypisch ist. Aber wahrscheinlich genießt sie auch einfach mal die Ruhe und Geborgenheit, die sie bei Maryann bekommt.

Otherwise it ain't love.

Jason muss also erst seiner kleinen Schwester erklären, was Liebe eigentlich ist. Musste noch jemand bei dieser Szene schmunzeln? Es ist schon ein wenig absurd, aber gerade deswegen hat es mir irgendwie gefallen. Dass Jason wohl nicht erkannt hat, dass die Anti-Vampirsekte nicht nur für Liebe, sondern v.a. auch Hass steht, sei ihm hier auf Grund der offensichtlich geringen Erfahrung, die er bisher mit Liebe gemacht hat, verziehen. Seine Ausrede, dass die Kirche ja nicht nur für Vampirhass steht, ist allerdings Schwachsinn. Natürlich kann man das "wenn man jemanden liebt, liebt man alles an ihm" im weitesten Sinne auch auf diese Kirche anwenden, aber der Vampirhass ist schon eine der wichtigsten Positionen der Kirche und da kann man nicht sagen "Ja, alles andere ist ja super und diese andere Kleinigkeit übersehe ich mal". Freue mich aber irgendwie schon auf diese Storyline und das nicht nur, weil es wohl bedeutet, dass wir Ryan Kwanten vorerst nicht mehr in abartigen Sexszenen begutachten dürfen werden. Steve Newlin ist bisher ja der typische, schmalzige Politiker, deshalb bin ich wirklich gespannt, was die Serie aus diesem Widerling macht. Meine Vermutung, es ist irgendetwas Perverses. Wie ich darauf komme? "True Blood" - 'nuff said.

Oh, shushing won't do any good, sweetheart.

Letzte Szene. Muss ich wirklich noch mehr sagen? Fast hätte Alexander Skarsgård einen nordischen Halbgott im Kino dargestellt, aber in meinen Augen ist er in dieser Serie nicht nur ein halber. Die Lässigkeit und Überheblichkeit, die er ausstrahlt, als er mit Alufolie in den Haaren, einem Friseurumhang und Flip-Flops die Treppe heruntersteigt, ist einfach nicht mehr von dieser Welt. Großartige Ideen, mit denen die Serie hier spielt und einen so furchterregenden Charakter einfach nur genial macht. Ich könnte jetzt wahrscheinlich noch seitenweise über diesen Schauspieler und seinen Charakter schreiben, aber der Sabber würde wahrscheinlich meiner Tastatur schaden. Daher nur noch so viel: Love it!

Super, dass Lafayette der Serie weiterhin erhalten bleibt, da er einfach perfekt hineinpasst und ein Abgang von ihm traurig wäre. Bei der Kerkerszene musste ich ja zuerst an "Saw" denken und diese gruselige Ungewissheit hatte definitiv ihren Reiz. Die Auflösung, dass Eric und Konsorten dahinter stecken, hat mir auch gefallen. Lafayette wird sicher dort sein, weil sie vermuten, dass er etwas mit Eddies Tod zu tun hat. Zumindest würde mir das plausibel erscheinen. Die Mordszene am Ende war dann wieder abartig und übertrieben billig - typisch "True Blood" eben und deshalb perfekt passend. Erics Aufzug, als er den Kerl mit Leichtigkeit herumschleuderte und ihn dann mal so eben umbrachte, tat sein Übriges.

Randgeschehen

  • Okay, Sam und Maryann - creepy... Was ich davon halten soll... Bisher keine Ahnung. Aber Sam war ja extrem eingeschüchtert von ihr. Ich weiß nicht, worauf man damit hinaus will, außerdem wüsste ich gerne, was Maryann nun wirklich von Sam will. Bisher kann ich mir keinen Reim daraus machen, aber die kommenden Episoden werden hier sicher Aufklärung bringen.
  • Das Morden geht weiter... Bin gespannt, was sich diesmal ergibt. Vielleicht könnte Maryann etwas damit zu tun haben, immerhin scheint sie zu einigem bereit zu sein, was Tara angeht.
  • Sookies Szene in Adeles Zimmer war sehr rührend und hat mir gefallen. Hatte die liebe Oma schon fast wieder vergessen und fand es daher gut, wie sie nochmal in Erinnerung gerufen wurde. Die ganze Sache mit Bartlett hatte ich ebenfalls wieder vergessen, wurde aber in dieser Episode bereits fast komplett aufgeklärt. Mit dem Testament wird Bill ja sicher nichts zu tun gehabt haben. Daher ist es schon seltsam, dass er Sookie sein Vermächtnis hinterlässt, aber vielleicht ist es auch nur das gute alte schlechte Gewissen.



Fazit

Insgesamt sehr gelungene Episode und das Ende brachte die absolut beste Szene der Folge und definitiv eine der besten der Serie. Ich hätte den Rest sicherlich noch mehr genießen können, wenn ich nicht die ganze Episode über darauf gewartet hätte, Eric zu sehen. Lösung: Einfach nochmal anschauen. Freu mich schon drauf!

Nadine Watz - myFanbase

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