Bewertung: 7

Review: #1.04 Flucht aus dem Drachenhaus

Um die Mordvorwürfe gegen ihren Bruder zu entkräften, betätigt sich Sookie als Detektivin und sucht gemeinsam mit Bill den Vampirclub Fangtasia auf. Dort passt Sookie so gar nicht hinein. Einerseits ist sie viel zu höflich und wendet die üblichen Benimm-Floskeln an, die ihr nur ungläubige, abfällige Blicke einbringen, andererseits verhält sie sich gegenüber dem Obervampir Eric längst nicht so unterwürfig wie alle anderen im Club und reagiert auf ihn mit einer gewissen Portion Sarkasmus. Diese Mischung aus deplatzierter Bravheit und mangelnder Fügsamkeit wird recht überzeugend dargestellt. Mit ihren telepathischen Kräften ist Sookie dem gebieterischen Eric sogar für einige Augenblicke überlegen, denn sie weiß von Vorgängen in seinem Club, die er nicht ahnt, und sieht Gefahren, die ihm nicht bekannt sind. Man gewinnt als Zuschauer zum ersten Mal wirklich den Eindruck, dass Sookie in der Vampirwelt den einen oder anderen Stein umdrehen kann und uns interessante Verbindungen zwischen der Kellnerin und den Blutsaugern erwarten, die im großen, grauen Raum zwischen Freundschaft und Feindschaft angesiedelt sind.

Auch von Bills hypnotischen Fähigkeiten bekommen wir einen Eindruck, als er diese bei einem Polizisten anwendet. Obwohl der Polizist dabei körperlich keinen Schaden nimmt, wird daran, wie er anschließend wimmernd in der Nacht steht und in die Hose macht, deutlich, dass es keine angenehme Erfahrung ist, so vollkommen unter der Macht eines anderen Wesens zu stehen und dadurch seinen freien Willen zu verlieren. Auch dies ist ein überzeugender Moment.

Weiterhin können wir langsam nachvollziehen, was Tara eigentlich an Jason findet, obwohl dieser wieder einmal für die grotesken und sexlastigen Momente sorgt, die ihn nicht gerade intelligent, tiefgründig oder einfühlsam erscheinen lassen. Er trauert mehr um sein bestes Stück, das durch eine Dauererektion ramponiert wird, als um seine ermordete Geliebte Dawn. Ein Blick in Taras Kindheit verdeutlicht jedoch, dass die Familie Stackhouse für sie immer eine Zuflucht vor ihrer alkoholabhängigen Mutter war und Jason einen Teil dieser Zuflucht darstellte. Er war in gewisser Weise ihr Beschützer. Da erscheint es nicht mehr so verwunderlich, dass sie diese Gefühle für ihn entwickelt hat, auch wenn er als Erwachsener eine ziemliche Katastrophe ist. Die Frage muss wohl lauten, wie lange diese Gefühle bei Tara noch vorherrschen, denn Jason befindet sich auf einer eindeutigen Abwärtsspirale und braucht selber einen Beschützer, vor allem vor sich selbst.

Indessen erscheint Sam in dieser Folge so seltsam wie nie zuvor. Wie er sich im Bett der ermordeten Dawn wälzt, wirkt schon abartig, zumindest aus menschlicher Sicht. Das ist dann auch der Knackpunkt. Es gab schon in den bisherigen drei Episoden einige Andeutungen, die Sam in Verbindung mit dem Hund, der sich immer in Sookies Nähe aufhält, gebracht haben und den Verdacht nähren, dass er selbst dieser Hund ist. Schreibt man Sam also tatsächlich eine solche tierische Seite zu, ist sein Verhalten in Dawns Schlafzimmer schon anders zu bewerten.

Alles in allem ist dies die bisher beste Episode der noch blutjungen Serie (ja, das war ein Wortspiel). Man bekommt langsam mehr Zugang zu den Charakteren und findet sich in die Handlung ein. Warten wir es ab.

Maret Hosemann - myFanbase

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