Bewertung: 8

Review: #5.03 Verlass mich nicht!

Foto: Daniel Gillies, The Originals - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Daniel Gillies, The Originals
© Warner Bros. Entertainment Inc.

In den letzten beiden Folgen haben wir erfahren, wo die Charaktere nach dem Zeitsprung stehen und wie es um New Orleans steht. Nur um einen der Originals ist es bis jetzt sehr ruhig geblieben: Elijah. Dabei war es doch am spannendsten, wie es Elijah all die Jahre ohne seine Erinnerungen ergangen ist. Tatsächlich bekommen wir mit #5.03 Ne Me Quitte Pas nun eine komplett auf Elijah zentrierte Folge, die auf ganzer Linie überzeugen kann und beweist, dass Daniel Gillies eine Episode auch problemlos fast alleine tragen kann.

"We choose who we are."

Die größte Überraschung dürfte wohl gewesen sein, wie schlecht Marcel die ganze Gedankenmanipulation geplant hat. Ich bin davon ausgegangen, dass er eben irgendwie Elijahs Gefühle für seine Familie unterdrückt. Aber nein, Elijah wird ohne Erinnerungen an seinen Namen oder daran, dass er ja ein Vampir ist, in einen Bus gesetzt. Da hätte man sich doch denken können, dass das keine gute Idee ist. Klar, als Urvampir kann Elijah nicht allzu leicht umgebracht werden, trotzdem hätte man ihm zumindest die ganze Vampir-Existenzkrise ersparen können. Überhaupt können sie von Glück reden, dass Elijah Antoinette getroffen hat, denn sonst würde er sich vielleicht weiter durch die Straßen morden.

Antoinette übernimmt die Rolle einer Mentorin und führt Elijah in ihren besonderen Lebensstil ein. Ein ziemlich klassisches Vampirdasein in der Nacht, dafür aber nur mit sanften Morden, ohne Gewalt. Sie schafft es, Elijah die schönen Seiten des Vampirdaseins aufzuzeigen. Damit tritt Antoinette an die Stelle der Regeln und Prinzipien, die Elijah im Laufe der Jahrhunderte um seine Person gebildet hat. Und es ist offensichtlich, dass er solche Einschränkungen braucht, denn kaum ist Antoinette nach Marcels kurzem Besuch weg, schon versinkt Elijah auf der Suche nach Antworten wieder in einem Strudel der Gewalt. Nur scheint er sich selbst nicht wiederzuerkennen, wie er da auf der Tanzfläche des Clubs steht, umgeben von Leichen. So ist es wohl nicht nur Marcels Bitte, die Elijah dazu bringt, die Stadt zu verlassen und nach Frankreich zu gehen.

Ich muss zugeben, dass mir dieser neue Elijah sehr gut gefällt. Vermutlich haben wir ihr noch nie so frei und glücklich erlebt. Denn dieser Elijah hat nicht die Last von über einem Jahrtausend an Gräueltaten zu tragen. Dieser Elijah hat keine rote Tür, hinter der sich die Dinge verstecken, die er im Namen von "Always and forever" getan hat. Er kann frei sein Leben genießen, ohne an seine Familie denken zu müssen. Kann mit Antoinette glücklich werden. Doch so sehr ich es Elijah auch gönne, sein für Vampirverhältnisse tadelloses und glückliches Leben zu führen – es fühlt sich einfach nicht richtig an. Es ist zwar keine wirkliche Scheinwelt, in der er da lebt, trotzdem werden ihm durch die Gedankenmanipulation Erinnerungen verwehrt, die einen großen Teil seines Wesens ausmachen. Mal ganz davon abgesehen, dass die Mikaelsons ohne Elijah einfach nicht richtig funktionieren.

"I'm taking my brother home tonight."

Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis Elijah die Realität wieder einholt. Und zwar in Form von Klaus, der erstmal punktgenau Elijahs Heiratsantrag torpediert - typisch. Mit ihm wird man auch gleich aus der netten kleinen Traumwelt gerissen, in die man im Laufe der Folge versunken ist. Denn so schön es auch war, diesen losgelösten Elijah zu erleben, die Mikaelsons existieren noch, ob er sich nun an sie erinnert oder nicht. Man konnte sich schon denken, dass Elijah nicht gerne mit Klaus mitgehen wird, das hat das Aufeinandertreffen der beiden aber nicht leichter gemacht.

Die Beziehung zwischen Elijah und Klaus ist für mich die zentralste in der Serie. Irgendwie kommt es immer auf die beiden zurück. Wie zwei Seiten einer Münze, eine impulsiv, die andere kalkulierend. Kein Wunder also, dass es Klaus ist, der seinen Bruder aus seinem neuen Leben zurückholen möchte. Und wie passend, dass es genau in der Bar ist, in der sie sich schon mehrmals begegnet sind. Nur, dass Elijah dieses Mal ganz genau weiß, wer ihm da gegenübersteht. Ich bin mir nicht ganz sicher, was genau Klaus von seinem Auftritt erwartet hat. Dass Elijah ihn endlich als seinen Bruder erkennt? Dass die Erwähnung an seinen Familienschwur ihn aufrüttelt? Dass er noch etwas für Hayley empfindet? Eigentlich hätte ihm doch klar sein müssen, dass es nicht so einfach wird, Elijah zum Mitkommen zu überreden. Denn dieser Elijah fühlt nichts mehr für seine Familie. Er hat vielleicht die Geschichten und Legenden der berüchtigten Mikaelsons in Erfahrung gebracht, doch ohne emotionale Komponente ist das nicht viel wert. Trotzdem ist noch genug vom alten Elijah da, als dass er ganz genau weiß, wie er seinen Gegner ausschalten kann. Und genau das tut er dann auch.

"They say, Elijah Mikaelson was his North Star, that he guided Klaus through the darkest parts of his pathetic life. So to renounce that family, to renounce him the way that I did? I saw it. I watched the light vanish from his eyes. This legendary Niklaus Mikaelson was broken."

Das Gespräch von Klaus und Elijah hat den Höhepunkt der Folge gebildet. Nicht zuletzt, weil es Joseph Morgan und Daniel Gillies immer wieder schaffen, die bedeutenden Momente zwischen den beiden Brüdern mit so einer unglaublichen Intensität zu spielen. Auch wenn das in diesem Fall bedeutet, dass der emotionale Teil nur von Klaus kommt und man dabei zuschauen kann, wie er von Elijah eiskalt abserviert wird.

Klaus fährt die üblichen Geschütze auf, wenn es darum geht, unwillige Geschwister zu überreden (genug Erfahrung hat er damit ja). Erst normal fragen, dann drohen, der Appell an die Familientreue, die Erinnerung an glorreiche Zeiten und zuletzt echtes Flehen. Es ist schwer zu sagen, was am meisten weh getan hat. Das "You love us. You love me."? Klaus' Erinnerung daran, dass sie immer Schulter an Schulter gemeinsam durch die Jahrhunderte gegangen sind? Seine Verzweiflung über Hayleys Verschwinden? Oder doch das "Please, Elijah" ganz am Schluss? Nur spricht Klaus gerade eben nicht mit seinem Bruder, sondern mit einem Mann, der die Sache ganz rational betrachtet und für sich keinen Nutzen sieht. Elijah Mikaelson ist tot und der neue Elijah hat kein Interesse, daran etwas zu ändern.

"Goodbye, Elijah Mikaelson."

Nachdem sich Elijah von seinem Bruder und seiner Familie losgesagt hat, steht ihm eigentlich nichts mehr für seine Zukunft mit Antoinette im Weg. Okay, die beiden haben voreinander geheim gehalten, was sie über seine Identität wissen, aber das wird schnell vergeben und vergessen. Meiner Meinung nach etwas zu schnell, denn so gut mir Elijah und Antoinette zusammen auch gefallen, ich vertraue ihr nicht so recht. Schließlich sah es bei ihrer ersten Begegnung so aus, als wüsste sie bereits ganz genau, wer da in ihre Gasse gelaufen ist. Und dann ist da noch die Sache mit ihrer Familie. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass es die französische Familie ist, die Klaus am Anfang der Staffel ausrotten wollte. Auf jeden Fall bin ich mir sicher, dass da noch einiges mehr dahinter steckt, als wir bis jetzt wissen. Fürs Erste ist das Elijah aber herzlich egal. Er ist bereit für sein neues Leben und lässt seine letzten Erinnerungen an eine Zeit davor herrlich dramatisch zusammen mit sich selbst in Flammen aufgehen.

Randnotizen:

  • Passenderweise bedeutet der Titel der Episode auf Deutsch "Verlass mich nicht".
  • Für Klaus ist der Bruch mit seinem Bruder doppelt bitter, nachdem ihm Hope in der letzten Folge schon so eine Abfuhr erteilt hat. Mal sehen, wie er damit jetzt umgeht.
  • Ganz nebenbei muss man es ihm lassen, dass er Antoinette nicht gleich umgebracht hat, als sie sich als Problem herausgestellt hat. Sonst hatte Klaus ja noch nie ein Problem damit, Elijahs Freundinnen loszuwerden.
  • Ich kann nur nochmal sagen, wie begeistert ich von Daniel Gillies' Performance bin. Er hat die Chance, Elijah mal ganz ohne seine selbstauferlegte Zurückhaltung zu spielen, voll ausgenutzt und trotzdem noch genug von "alten" Elijah durchscheinen lassen.
  • Ist es reiner Zufall, dass sich Elijah schon in Staffel 4 ein Happyend in Manosque vorgestellt hat und Antoinette jetzt genau dort lebt? War das nur ein weiterer Wink mit dem Zaunpfahl, dass Haylijah vorbei ist oder steckt da mehr dahinter?
  • So theatralisch Elijahs Selbstentflammung auch war, ihm macht das Feuer vielleicht nichts aus, aber falls das komplette Gebäude brennt, hat Antoinette ein großes Problem.
  • Nachdem bekannt geworden ist, dass Elijah schon länger über seine Familie Bescheid weiß, stellt sich natürlich die Frage, wie das mit den Szenen aus der ersten Folge zusammenpasst. Ich persönlich gehe davon aus, dass er von Rebekah und Klaus zwar gehört hat, jedoch nicht wusste, wie sie aussehen.



Fazit

Man hat eine ganze Episode verwendet, um Elijahs Geschichte zu erzählen. Ich finde diese Entscheidung absolut gerechtfertigt, auch wenn man damit einiges an Zeit für die eh schon knapp bemessene letzte Staffel verliert. Schließlich brauchte man genug Hintergrund, um Elijahs Entscheidung, sich von seiner Familie komplett loszusagen, nachvollziehen zu können. Trotzdem kann und darf das nicht das Ende sein. Früher oder später muss Elijah den Weg zurück zu den Mikaelsons finden und ich bin gespannt, wie man das anstellen wird.

Denise D. - myFanbase

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