Bewertung: 8

Review: #2.22 Tom Connolly (Nr. 11)

Ich muss gestehen, nach diesem Finale bin ich baff. Mal eben wurde die gesamte Prämisse der Serie über Bord geworfen und ich bin gespannt, was man aus der neuen Situation machen wird. "The Blacklist" mit einem definierten Fall der Woche kann es nach dieser Episode jedenfalls nicht mehr geben.

"You’re already in their hands. The only thing they haven’t done is close their fists."

Der Kabal holt zum letzten großen Schlag gegen Elizabeth aus und schafft es nicht nur, sie zu diskreditieren, sondern ihr Gesicht am Ende auch auf die Top Ten der meistgesuchten Verbrecher des FBI zu bringen. Als sich die Verschwörung langsam aber sich vor dem Zuschauer ausbreitet, da staunt man nicht schlecht, zu was Connolly und seine Organisation alles fähig war und noch immer ist. Nicht nur, dass sie binnen kürzester Zeit einen Plan ins Rollen gebracht haben, der eine FBI Agentin, die ihnen hätte gefährlich werden können, aus dem Weg schafft. Was mich viel mehr schockiert, ist dass Connolly seinen Freund aus dem Jugendalter, Harold Cooper, tatsächlich eine lebensbedrohende Krankheit andichtet und ihn und seine Familie im Glauben lässt, nicht mehr lange zu leben zu haben.

Es wird lange schon angedeutet, dass der Kabal mächtige Männer und Frauen in etlichen Schlüsselpostionen der Gesellschaft hat, doch der kleine Monolog von Connolly, als er Cooper klar macht, dass er ihn und seine gesamte Task Force in der Hand hat, über jede Schwäche eines jeden einzelnen seiner Agents bestens Bescheid weiß und auch nicht zögert, sie von jetzt auf gleich verschwinden zu lassen, zeigt noch einmal, wie weitreichend tatsächlich der Einfluss der Schattenorganisation ist.

Dass Reddington am Ende elf der angeblich besten Reporter zusammenkommen lässt, um ihnen das Fulcrum zu übergeben, war definitiv überfällig, denn es schützte ihn schon lange nicht mehr. Die Zeit, die Liz ihm damals beim Direktor verschafft hatte, war längst abgelaufen und so tut er gut, die Informationen weiter zu geben, auch wenn ich mir sicher bin, dass dem Kabal schon etwas einfallen wird, um diese unter Verschluss zu halten oder zu relativieren.

Ein großes Ziel hat der Kabal jedoch erreicht. Elizabeth Keen ist außer Gefecht und befindet sich nun auf der Flucht vor ihren ehemaligen Kollegen. Dass ihr sowohl Ressler, als auch Cooper in Schlüsselsituationen zur Seite stehen und sie fliehen lassen, zeigt, wie viel den Mitgliedern die Task Force bedeutet hat. Auch wenn sie oft wie zusammengewürfelte Agenten wirken, die privat nicht viel miteinander zu tun haben, so wird hier doch deutlich, dass man Respekt voreinander hat und Loyalität etwas ist, das man sich mühevoll erarbeitet hat. Ressler wird nun keine andere Wahl haben, als Liz aufzuspüren und wegen Mordes an Tom Connolly vor Gericht zu stellen, immerhin ist er nun Leiter der Task Force. Wobei sich ja die Frage stellt, existiert die Task Force noch, jetzte da Reddington den Kontakt abgebrochen hat?

"I never wanted you to be like me."

Neben enorm viel Action gibt es in dieser Episode auch ein paar leisere Töne. Die Geschichte rund um Tom und Liz hätte ich gerne unter den Tisch fallen lassen, aber ich muss gestehen, hier in dieser Episode gibt Liz' Rückkehr in die Arme ihre Ex-Mannes Sinn. Als sie zum ersten Mal sein Boot betritt, will sie einfach nur seine Hilfe und hat keine andere Person mehr, an die sie sich wenden kann. Als sie das zweite Mal das Boot betritt, sieht sie zum ersten Mal ihr Leben vor ihren Augen zerbröseln. Sie sehnt sich nach einem letzten Mal Normalität und findet diese im Bett von Tom. Für einen Moment existieren nur die beiden. Es ist ein Abschied… kein Abschied voneinander, aber ein Abschied für Liz. Ein Abschied von ihrem alten Leben. Ich denke nicht, dass wir Ryan Eggold zum letzten Mal gesehen haben und rückblickend war es durchaus interessant, was man mit seinem Charakter noch angestellt hat.

Leise Töne gibt es auch dieses Mal von Raymond Reddington. Er tut alles in seiner Macht stehende, um Liz aus der Situation zu retten und gesteht ihr dabei auch, dass er ihr "sin eater" ist, im übertragenen Sinn jemand, der die Sünden eines anderen auf die eigene Kappe nimmt und somit diese Person entlastet. Wie sich herausstellt, hat Reddington Liz' Erinnerngen nicht blockieren lassen, um sich selbst zu schützen, sondern um sie zu schützen, denn nicht Reddington ist für den Tod von Liz' Vater verantwortlich, sondern sie selbst. Liz hatte ihn in der Nacht des Feuers erschossen, als er handgreiflich gegenüber ihrer Mutter wurde. Natürlich wissen wir immer noch nichts über die genauen Hintergründe. Noch immer ist nicht erklärt, was es mit Katarina Rostova auf sich hatte, was sie wusste und wie Reddington wirklich in das ganze Geschehen passt. Nach dieser Episode ist er jedoch im gewissen Maße rehabilitiert, auch bei Liz.

Es werden gerade so viele Informationen geliefert, dass es am Ende nachvollziehbar ist, dass Liz sich wieder dem Mann zuwendet, mit dem sie zwischenzeitlich gebrochen hat. Wen hat sie jetzt auch noch, an den sie sich wenden kann. Mit dem zugegeben vollkommen aus dem Nichts kommenden Mord an Connolly hat sie sich in eine Situation gebracht, aus der sie nicht wieder herauskommen kann. Ich verstehe noch immer nicht, warum sie die Waffe gezogen und abgedrückt hat. Natürlich, man könnte jetzt kritisch sein und lamentieren, dass der Charakter vollkommen irrational handelt, weil die Geschichte es eben so will. Ich bin aber heute, nach diesem aufwühlenden und spannenden Finale nicht mehr gewillt, andauernd zu lamentieren und kritisieren. Vielmehr freue ich mich darauf, dass "The Blacklist" wieder das geworden ist, was es bislang war – gute Unterhaltung mit spannenden Fällen und einem gut aufgelegten James Spader.

Randnotizen

  • Tom hat endlich seine SS-Tätowierung entfernen lassen. Wurde aber auch Zeit. Das Ding hat mich jedes Mal gestört, wenn er im Bild war.
  • Die musikalische Untermalung mit Rocket Man war mir persönlich dieses Mal zu fröhlich. Natürlich passt der Song zur Situation, aber ich hätte mir an dieser Stelle etwas schwereres, düsteres gewünscht.
  • Am Ende hängt Liz' Bild neben dem von Raymond Reddington auf der Liste der zehn meist gesuchten Verbrecher. Ein genialer Einfall, allerdings musste ich mich dabei die ganze Zeit fragen, wer dafür wohl herausgeflogen ist...
  • Die kurze Szenen, in der Reddington sich von Dembe verabschiedet, die beiden Männer sich flüchtig umarmen, zeigt ohne große Worte, wie nahe die beiden sich stehen. Es wurde immer wieder thematisiert, doch mich hat diese Szene berührt, denn auch sie hatte etwas endgültiges. Die beiden wissen, dass ihr Leben so, wie es war, nun vorbei ist.
  • Fürs Protokoll: Liz' richtiger Name lautet Masha Rostova.



Fazit

Das Staffelfinale beendet die stellenweise durchwachsene zweite Staffel mit einem wahren Feuerwerk. "The Blacklist", wie wir es kennen, nämlich mit einem gesuchten Verbrecher, der dem FBI Fälle zuschustert, ist jetzt vorbei und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie die dritte Staffel aussehen wird. Die Vorzeichen sind komplett anders und ich bin gespannt, wie ein Flitzebogen, wie es nun weitergehen wird.

Melanie Wolff - myFanbase

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