Bewertung: 8

Review: #15.17 Unity

Foto: Jensen Ackles, Supernatural - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Jensen Ackles, Supernatural
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Hier kommt endlich die Folge, auf die ich schon seit dem Start der letzten Episoden der Serie warte. Genug von Monster-der-Woche und Filler-Episoden – so kurz vor dem Serienfinale wird es höchste Zeit, dass man den Haupthandlungsstrang ins Zentrum rückt. Genau das ist in #15.17 Unity nun endlich geschehen, indem man mit Chucks Rückkehr wieder in die eigentliche Rahmengeschichte eintaucht, die man im Laufe der Folge immer rasanter erzählt.

Amara & Chuck

Amara genießt nochmal die Freuden der Erde in Form eines isländischen Spas, bis sich Chuck als Sternschnuppenschauer ankündigt. Ganz passend gewählt – das Licht, das die Dunkelheit durchbricht. Nur ungünstig, dass das Dunkel inzwischen um einiges netter ist als das Licht. Chuck will seinen Pfad der Zerstörung beenden und nun auch die Erde vernichten. Dass Amara alles versucht, um ihn doch noch einmal umzustimmen, war verständlich. Auch wenn sie sich in der letzten Folge einverstanden erklärt hat, den Winchesters bei ihrem Kampf gegen Chuck zu helfen, so tut sie das nicht gerne. Generell hat sich Amara im Laufe der Jahre stark verändert und ist mir inzwischen sogar sympathisch geworden. Ganz im Gegensatz zu Chuck, der nach wie vor auf schon nervige Art und Weise an seiner Trotzphase festhält und die Welt und die Winchesters vernichten will, wie ein Kind, das das Spielbrett umkippt, weil es am Verlieren ist. Das kennen wir schon. Interessant waren Chucks heutige geringschätzige Aussagen zu den Menschen, die ja so schlimm, zerstörerisch und langweilig wären. Ganz ähnliche Worte haben wir nämlich von Luzifer zu hören bekommen – recht ironisch, wenn man bedenkt, dass der damals dafür von seinem Vater aus dem Himmel verstoßen wurde. Auf jeden Fall reicht das Gespräch Amara, um zu erkennen, dass Chuck endgültig zum Bösewicht geworden ist und lässt die Falle zuschnappen.

Oder eben nicht. Man konnte sich schon denken, dass ihr Plan so nicht aufgehen wird. Tatsächlich hat Chuck natürlich schon alles vorhergesehen und eingeplant. Und während die Winchesters vor der Tür abgelenkt sind, weiht er Amara in die hässlicheren Teile ihres Plans ein – ihren Tod. Man konnte ihr deutlich ansehen, wie betrogen und verletzt sie war. Genau diesen Schmerz nutzt Chuck nun, um Amara doch noch gefügig zu machen. Erst klang es ganz danach, als wollte er so eine Art Wiederholung von #11.23 Alpha and Omega. Das dachte vermutlich auch Amara, als sie hoffnungsvoll seine Hand ergreift. Stattdessen wird sie von Chuck aufgesogen. Das war eine sehr beeindruckende und auch etwas einschüchternde Szene, als Chuck dann plötzlich mit zweifarbigen Augen triumphierend grinst. Bedeutet das nun, dass Amara mit ihm "verschmolzen" und quasi nicht mehr existent ist? Oder schlummert sie nur im Inneren, ähnlich wie bei einer Besessenheit? Dieser Unterschied könnte noch wichtig werden. Fürs erste hat Chuck aber auf jeden Fall doppelte Macht und damit kein Problem, den Winchesters einen Strich durch ihren Plan zu machen. In dieser Folge konnte Rob Benedict alle Facetten seines Charakters darstellen und das ist ihm besonders auch bei den einschüchternden Momenten von Chuck sehr überzeugend gelungen.

Die Winchesters

Auf der anderen Seite des Kampfes stehen die Brüder, und dabei so weit voneinander entfernt, wie schon lange nicht mehr. Am Schluss legt Chuck das Ganze als sein geplantes Ende für die beiden vor: Dean als Zweifler, der von Wut und Pflichtbewusstsein getrieben ist; Sam als Freidenker, der die Lösung nicht akzeptieren will. Diese Charakterisierungen kommen uns bekannt vor, sind sie doch Themen, die im Laufe der Serie immer wieder aufgetaucht sind. Themen, die nach neusten Erkenntnissen ja sozusagen von Chuck geschrieben wurden. Letztlich sind die beiden aber weit mehr als ihre Charaktergrundzüge und haben schon des Öfteren bewiesen, dass sie aus diesen Fesseln ausbrechen können und ihre eigenen Entscheidungen treffen. Meistens hatte das mit ihrer Familie zu tun und genau hier hat Chuck die beiden mal wieder unterschätzt.

Streitigkeiten und Geheimnisse sind nichts neues zwischen Sam und Dean. Sie begleiten die Brüder schon seit vielen Jahren und gerade dieses ewige Verheimlichen hat mich immer wieder aufgeregt, weswegen ich auch alles andere als froh war, dass das Ganze nun mit Dean Geheimniskrämerei noch einmal wiederkommen muss. Allerdings hat die Konfrontation der beiden gegen Ende der Folge fast alles gutgemacht, denn diese Szene war definitiv eine der stärksten der Staffel.

Den Aufbau hin zur Szene hat man betont getrennt gehalten. Auf der einen Seite Dean, der Jack gewissermaßen zur Schlachtbank führt. Er sieht keinen anderen Ausweg aus der Situation und auch, wenn er mehr als vehement für diesen Weg kämpft und dabei harte Worte benutzt, merkt man, wie sehr er unter dieser Entscheidung leidet. Dabei macht es es sicher auch nicht einfacher, dass Jack brav seine Rolle spielt und Dean verzeiht. Auf der anderen Seite ist Sam, der sich mit Cas zusammentut und nach einer anderen Lösung sucht. Ähnlich unkompliziert wie auch bei Adam und dessen Rippe stellt sich Sams Weg zu Billie per mysteriösem Schlüssel des Todes heraus. Hier wurden zwar jeweils ganz interessante Ideen verwendet, trotzdem waren sie deutlich einfach nur Weg zum Ziel. So kommt Sam recht schnell und unkompliziert direkt in die Bibliothek des Todes. Überraschenderweise trifft er dort aber auf die Leere – der eine Charakter, den ich bis jetzt noch absolut gar nicht einschätzen kann. Kann auch die Leere von Gott gesteuert werden oder ist sie das Ding, die Existenz, die über allem schwebt und komplett neutral agiert? Auf jeden Fall verrät sie Sam Billies wahren Plan (falls auch das nicht nur wieder ein Trick ist, um die Weichen richtig zu stellen).

Tatsächlich ist Billies Plan jedoch aber recht sinnvoll. Ohne Chuck, Amara und Jack fehlt deutlich eine tragende und mächtige Komponente in der übernatürlichen Welt. Abwegig ist es also nicht, dass Billie nach Macht streben könnte. Auch die Idee mit dem ursprünglichen Gleichgewicht ergibt Sinn. Von Anfang an, seit wir Billie als normalen Sensenmann kennengelernt haben, ist sie danach aus, die Winchesters ein für alle Mal sterben zu lassen, ohne Hintertürchen, ohne Trickserei. Wie es eben gehört. So sollen jetzt also alle an ihren eigentlichen Ort zurückgebracht werden, fast ein bisschen so, als würden Himmel und Hölle immer noch im Hintergrund schlummern und all das Wiederbeleben, die Deals und übernatürlichen Machenschaften nicht existieren. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr klingt das nach einem möglichen Serienfinalszenario. Chuck wird vernichtet, somit wird sein Spielfeld – die Erde – nicht zerstört. Stattdessen wird das Spielfeld allerdings auf seinen Originalzustand zurückgesetzt. Ein Reset. Was tot sein sollte, ist auch tot. Engel kommen in den Himmel zurück, Dämonen in die Hölle. Keine Besucher mehr aus anderen Welten. Es würde passen. Nur was wird dann aus den Charakteren? Gehen wir mal davon aus, dass alle vier Hauptcharaktere überleben: Jack… naja, der schwankt wohl zwischen Himmel und Hölle. Castiel müsste in den Himmel zurück. Und die Winchesters? Die sind zwar Menschen, aber eigentlich sind sie mehr als oft genug gestorben. Sollte hier also keine spezielle Regelung gelten, wie damals, als es um den nächsten endgültigen Tod ging, so würde das für die beiden ebenfalls einen Trip in ihren Himmel bedeuten. Durchaus eine Möglichkeit, wobei ich noch nicht glaube, dass es so simpel enden wird.

"I’d trade them all for Chuck in a heartbeat!" – "What about me? Would you trade me?"

Aber zurück zur eigentlichen Szene. Sam, Dean, Cas und Jack stehen kurz vorm großen Showdown mit Chuck. Alles ist bereit, Jack ist aktiviert, es könnte also gleich losgehen. Und dann stellt sich Sam Dean in den Weg. Der Kampf der Brüder war schwer anzuschauen, ebenso als Dean die Waffe auf Sam richtet. Die pure Verzweiflung ist beiden deutlich anzumerken. Keiner will hier stehen, keiner will das tun. Wie schon so oft ist es aber eben doch Sam, der zu Dean durchdringen kann. Die Bindung der Brüder war schon immer das zentrale Element der Serie, das Zünglein an der Waage, das sie immer wieder auf die rechte Spur gebracht hat. Man konnte viele Parallelen zum Staffelfinale #8.23 Sacrifice sehen, als die Rollen vertauscht waren, Sam sich gerade opfern wollte und Dean in letzter Sekunde zu ihm durchgedrungen ist. Genau so trifft Sam nun den Nerv, der Dean zum Umdenken bewegt. Es war eine sehr emotionale Szene, sowohl durch die Worte als auch durch die mitreißende Darstellung der beiden Schauspieler.

Fazit

Mit einer spannenden und emotional aufgeladenen Folge kann die Serie endlich wieder ihr Können beweisen. Es scheint ganz so, als hätte "Supernatural" nun endlich die Zeit der Filler-Episoden hinter sich gelassen und kümmert sich nun vollständig um den Hauptplot. Gut so, denn es gibt noch viel zu tun, in diesen letzten paar verbliebenen Folgen.

Denise D. - myFanbase

Diese Serie ansehen:


Vorherige ReviewÜbersichtNächste Review

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier mit anderen Fans von "Supernatural" über die Folge #15.17 Unity diskutieren.