Bewertung: 6

Review: #15.01 Zurück und wieder in die Zukunft

Nach all den Jahren ist es nun doch soweit: "Supernatural" geht in seine letzte Runde. Fünfzehn Staffeln sind wirklich eine stattliche Leistung, was alle Beteiligten wohl genauso sahen und den Zeitpunkt nutzen wollten, die Serie zu beenden, solange sie noch funktioniert. Dabei soll sie passend und ordentlich zu Ende gebracht werden, nachdem man schon im Vorherein weiß, dass dies die letzte Staffel sein wird.

Ein bisschen Abschiedsstimmung schwingt in #15.01 Back and To the Future tatsächlich mit, doch obwohl der finale Storyarc mal wieder apokalyptische Endstimmung verspricht, ist das doch nicht viel anders, als die meistens anderen Staffelauftakte, in denen mal wieder Himmel und Hölle auf dem besten Weg dahin waren, die Erde zu vernichten.

"Welcome to the end."

Der zentrale Knackpunkt an dieser Katastrophe ist Chuck. Nachdem im letzten Staffelfinale enthüllt wurde, dass Chuck – also Gott – gewissermaßen der große Bösewicht der Serie ist, hat sich dieser (wie üblich) mal wieder ebenso schnell aus dem Staub gemacht. Kein allzu großer Verlust, immerhin war Chuck alles andere als hilfreich und hat die Zeit lieber damit verbracht, die Winchesters zu beobachten. Jetzt stellt sich nur die große Frage: Wie sieht eine gottlose Welt aus? Einen Vorgeschmack haben wir ja schon mit der Apokalypsenwelt bekommen, die uns die ganzen Parallelwelt-Versionen bekannter Charaktere gebracht hat. Die hat ihrem Namen alle Ehre gemacht und war letztlich auf dem besten Weg in Richtung Weltende. Nur hatte die eben auch keine Winchesters, die – wie so oft – mal wieder als Zünglein an der kosmischen Waage herhalten müssen. Was folgt ist eine größtenteils unterhaltsame Mischung aus typischem Winchester-Apokalypsen-Alltag und Erinnerungen aus früheren Staffeln. Bereits der Kampf ganz am Anfang war um einiges gigantischer, als es normalerweise der Fall ist. Horden von zombiemäßigen Seelen, die sich auf Sam, Dean und Castiel stürzen.

In der Krypta kommt dann die erste Überraschung der Folge: Belphagor, der Dämon, der sich kurzerhand Jacks Körper angeeignet hat. Ein cleverer Schachzug, um Alexander Calvert zwischenzeitlich zu beschäftigen, bis Jack zurückkehrt. Denn machen wir uns nichts vor – nachdem der schon so demonstrativ in der Leere und mit Billie gezeigt wurde, ist es klar, dass Jack früher oder später wieder mit von der Partie sein wird. Auf welcher Seite? Nun wir werden sehen. Auf jeden Fall ist Belphagor in vielerlei Hinsicht komplett anders als Jack und bringt somit eine amüsante neue Dynamik in die Gruppe. Belphagor ist ein ziemlich cooler und gelassener Dämon, der einfach nur wieder sein altes Leben in der Hölle zurückwill. Von dem her ist es ein logischer Schritt, dass er sich den Winchesters anschließt. Trotzdem ist es schon ein großer Zufall, dass sich genau zum Zeitpunkt der Not Rettung in Form von einem netten Dämon präsentiert. So richtig traue ich der Sache noch nicht und es wundert mich schon sehr, dass die Winchesters Belphagor so schnell akzeptiert haben. Klar, sie brauchten seine Hilfe, aber ein bisschen Skepsis wäre zu den gegebenen Umständen eigentlich Pflicht. Mindestens ebenso merkwürdig ist, wie schnell sie über Jacks Tod hinweggekommen sind (Castiel mal ausgeschlossen). Ihre Beziehung zu Jack war in letzter Zeit besonders bei Dean zwar etwas angeschlagen, trotzdem hätte ich mir da mehr erwartet. Mehr Trauer, mehr Verwirrung, mehr Reaktion, mehr Irgendetwas. Naja, dafür bekommen wir immerhin einige herrlich amüsante Szenen zwischen Belphagor und Team Free Will zu sehen, bei denen man richtig gespürt hat, mit wie viel Spaß Alexander Calvert in seine neue Rolle geschlüpft ist.

"So you and me vs. every soul in hell? I like those odds."

So ganz erschließt sich mir diese neue Katastrophe noch nicht. Die Hölle ist offen, alle Seelen aus der Hölle befreit und nun munter auf der Erde dabei, sich neue Hüllen zu suchen, bevor sie mit ihrem Spuk fortfahren können. Was genau sind das eigentlich für Wesen? Irgendwie waren sie von ihren Fähigkeiten her eine Mischung aus Dämon und Geist. In dieser Folge haben Sam, Dean und Cas es geschafft eine "Under The Dome"-mäßige Glocke über den Ursprungsort zu hängen, und somit die Seelen kurzfristig einzusperren. Das hält aber nur wenige Tage. Demnach müssten sie ja in kürzester Zeit die Höllentore geschlossen bekommen? Nur was dann? Apokalypse vorbei und das war's? Sind die freigelassenen Höllenbewohner vielleicht nur ein Thema für ein paar Folgen?

Eine wichtige Sache wurde nur betont kurz gezeigt: Sams Verletzung. Durch den Schuss mit der Waffe, mit der er Chuck höchstpersönlich getroffen hat, hat Sam die gleiche Schusswunde erhalten. Nur scheint die um einiges mehr zu sein als nur eine andauernde Markierung, wie es beispielsweise Castiels Handabdruck auf Dean war. Denn dieser Augenblick, in dem Castiel Kontakt mit der Verletzung aufgenommen hat, hat uns eine kurze Szene gezeigt: Sam im roten Licht (vermutlich der Bunker?), mit einem Gesichtsausdruck, der so gar nicht Sam, sondern viel eher Luzifer ist. Wenn man noch dazu bedenkt, dass mit der Hölle auch der schon erwähnte Käfig (samt Original Michael und Adam) offen ist und Luzifer sich wohl immer noch in der Leere (eventuell mit Jack) befindet, dürfte es äußerst spannend werden, wohin sich diese Geschichte entwickelt. Womöglich versteckt sich hier ein Handlungsstrang, der sich tatsächlich über den Rest der Serie hinweg ziehen könnte. Nachdem schon so viele Ideen und Handlungsstränge von früher wieder aufgegriffen werden, wäre die klassische Michael vs. Luzifer bzw. Dean vs. Sam Geschichte nach wie vor ein Favorit von mir.

Während die langfristigen Storylines vielversprechend gestartet haben, schwächelte der Fall der Woche dafür ganz schön. Dabei war die Idee mit den Monstern von früher, die erneut ihr Unwesen treiben, echt super. Nur war der Kampf von Sam und Cas gegen Clown und Co dann doch etwas langgezogen und chaotisch. Hier hat man auch wieder gemerkt, dass die Folge streckenweise etwas gehetzt und sprunghaft gewirkt hat. Erst der riesige Kampf auf dem Friedhof, der so abrupt beendet wurde, dann Szenenwechsel zu den einzelnen Monsterbegegnungen, die dann zwar zusammenlaufen, aber trotzdem eher lieblos mit einer Barriere beendet werden. Nachdem sie hier schon extra die alten Monster wieder hervorgezaubert haben, hätte ich erwartet, dass man noch viel mehr mit diesen früheren Geschichten spielt.

Zuletzt gab es dann noch den klassischen Abschluss einer ordentlichen "Supernatural"-Folge: Das Brüdergespräch, am besten noch am/im Impala. Das ließ einen dieses Mal richtig nostalgisch werden. Nicht nur die Kindheitserinnerung und das "We got work to do", auch ein kurzes Flashback hin zur letzten Szene des Piloten, als die noch viel jüngeren Sam und Dean ebenfalls den Kofferraum schließen. Gänsehaut pur. Ich liebe solche Rückblenden ja, von dem her bin ich absolut begeistert, dass man die für die letzte Staffel wohl unauffällig einbauen wird.

Fazit

Die Serie startet mit einer durchaus soliden, wenn auch nicht überragenden Episode in ihre finale Staffel. Der Fall der Woche (wenn man ihn denn so nennen kann) war zwar mit den bekannten Monstern eine nette Erinnerung an die Vergangenheit, doch die Umsetzung war nicht allzu spannend. Insgesamt merkte man der Folge deutlich an, dass sie den Rahmen für die große Abschiedsrunde aufbauen sollte: Mit Belphagor wurde ein unterhaltsamer neuer Charakter eingeführt, die Storyline mit dem Ende der Welt, die beim letzten Staffelfinale noch mehr als nebulös war, hat inzwischen zumindest schon mal ein bisschen Form angenommen und allem übergeordnet haben wir natürlich wieder das zentrale Element der Serie: Sam und Dean zusammen gegen den Rest der Welt. Ich für meinen Teil bin mehr als gespannt, wie man diese Serie wohl zu Ende bringen will.

Denise D. - myFanbase

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