Bewertung: 8

Review: #14.12 Prophet and Loss

Foto: Misha Collins, Supernatural - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Misha Collins, Supernatural
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Was "Supernatural" zur Zeit abliefert, kann mich wirklich überzeugen. Dabei geht es mir gar nicht so sehr um die Rahmenhandlung mit Michael, sondern vielmehr um die Charaktermomente, die aus dieser Geschichte heraus entstehen. Denn ähnlich wie in den letzten Folgen sind es diese Momente, die hervorstechen, wobei man in #14.12 Prophet and Loss definitiv noch einen draufgesetzt hat, was emotionale Szenen angeht.

Wie bereits gesagt, es waren die Charaktere, die diese Folge dominiert haben, trotzdem hat das Setting der Episode ihren Teil dazu beigetragen, diesen Szenen gewissermaßen eine passende Bühne einzurichten. Denn einige stilistische Elemente hat man deutlich erkennen können: Die Folge war düster und dunkel, sowohl vom Inhalt als auch von der Cinematographie her. Mit einer fast schon bedrückenden Aura beobachten wir Dean in der Box oder verfolgen den verirrten Propheten beim Morden. Irgendwie fühlt man sich teilweise sehr distanziert von der Geschichte, man kommt sich so vor wie der Beobachter, der sich die Szene hinter einer Glasscheibe anschaut; anwesend, aber eben nicht so richtig dabei. Diesen fast schon bedrohlichen Effekt hat man ganz geschickt damit erreicht, dass einige Szenen sich recht lange gezogen haben und man da auf die übliche schnelle Action verzichtet hat. Und dann ist da noch das allgegenwärtige Wasser, das ganz automatisch bedrückend wirkt, ganz besonders, wenn darin gerade jemand umgebracht wird.

"You chose Lucifer. You wanted him. You still do."

Ansonsten war der Fall eher nebensächlich. Gut möglich, dass wir noch einmal darauf zurückkommen werden, nachdem es sich ja nicht um einen klassischen Fall der Woche gehandelt hat, sondern Propheten und Donatello eine Rolle gespielt haben. Trotzdem kann man die ganze Sache fürs Erste wohl vergessen. Ähnlich unsicher bin ich mir dabei, was ich von der ganzen Nick-Storyline halten soll. Wo genau möchte man damit hin? Lange bin ich fest davon ausgegangen, dass Luzifer doch noch irgendwo in Nick schlummert und nur auf seine Chance wartet. Doch anscheinend ist es tatsächlich nur Nick, der unter den Nachwirkungen von Luzifer zu leiden hat. Wobei sich die Frage stellt, wie viel Leid hier wirklich vorhanden ist. Er scheint hin und hergerissen zu sein: Auf der einen Seite der Teil seiner Selbst, der auf Vergeltung für das Unglück seiner Familie aus ist, auf der anderen der Teil, der sich nach Luzifer sehnt. Es ist das erste Mal, dass wir so deutlich gezeigt bekommen, worauf Nick tatsächlich aus ist, nachdem er bis jetzt doch sehr ziellos durchs Land gestreift ist. Und das ist nicht seine Frau, obwohl die ihm in Geisterversion doch direkt gegenübersteht und zur Rede stellt. Ich glaube fast, dass Nick in diesem Moment selbst erst die Augen geöffnet werden, wo seine wahren Prioritäten liegen. Nämlich bei Luzifer. Seine Frau ist ihm vielleicht noch eine Träne wert, doch letztlich wendet er sich eben doch von ihr ab und macht sich lieber wieder auf die Suche nach dem Teufel. Wobei mich das schon ein bisschen stutzig macht. Immerhin war Nick dabei, als Luzifer getötet wurde. Wie genau will er ihn dann bitteschön finden? Oder befindet sich Luzifer nach seinem Tod ebenfalls in der mysteriösen Leere, in der die Engel landen?

"So then this is goodbye?"

Das wahre Highlight der Folge waren definitiv die Charaktermomente, die so mitreißend waren, wie schon lange nicht mehr. Es beginnt schon in der allerersten Szene, in der Dean (vermeidlich) schon in der Box Unterwasser gefangen ist und mit der Beherrschung kämpft. Dieses Gefühl, lebendig begraben zu sein, dürfte in Dean noch Erinnerungen an Staffel 4 geweckt haben, als er sich nach seinem Abstecher in die Hölle aus dem Grab gezogen hat. Und so kann man beobachten, wie Dean tapfer sein will und dann doch langsam aber sicher die Fassung verliert und die Panik überhandnimmt. Auch hier gibt es die Parallelen zu seiner Zeit in der Hölle, als er ebenfalls verzweifelt nach Sam gerufen hat. Aber es stellt sich ja doch alles als Traum heraus und nur die Kratzspuren an den Wänden bleiben zurück. Im darauffolgenden Gespräch mit Sam ist Dean ungewöhnlich ehrlich, was seine Gefühle angeht. Er gibt offen zu, dass er sehr wohl Angst davor hat, was mit ihm passieren wird, nur bleibt ihm eben keine andere Wahl. Damit befinden wir uns wieder im üblichen "Supernatural"-Territorium: Einer der Brüder will sich fürs größere Wohl opfern, der andere will alles dafür tun, dass es nicht soweit kommt. In diesem Fall ist es Sam, der die Hoffnung noch nicht aufgeben will, auch wenn Dean links und rechts mit dem Zaunpfahl winkt, dass es mit ihm bald zu Ende gehen wird. Castiel hat auch nicht mehr Glück bei dem Versuch, Dean von seinem Vorhaben abzubringen. Trotzdem merkt man, wie schwer es Dean fällt, stark zu bleiben. Alleine sein Blick, als Cas von Abschied angefangen hat, sprach Bände.

"I believe in us. I believe in all of us."

Letzten Endes ist es aber doch Sam, der Dean zum Umdenken bringt. Diese letzte Szene am Impala hat mal wieder deutlich gezeigt, was die wahre Stärke dieser Serie ist. Nicht die Fälle, nicht die übernatürlichen Elemente – es ist die Beziehung zwischen den Brüdern, die "Supernatural" von Tag 1 an getragen hat. Eine Beziehung, deren Intensität und Authentizität zu großen Stücken Jared Padalecki und Jensen Ackles zu verdanken ist. Es ist immer wieder beeindruckend, zu welchen Leistungen die beiden zusammen auflaufen können. In diesem Fall war das besonders bei Sam der Fall, der endlich die Nase voll von Deans Kommentaren hatte und seiner Wut ob der Aussichtlosigkeit der Sache und Deans unkooperativen Verhalten Luft macht. Er fühlt sich von Dean betrogen, der nicht für sein Leben und für seine Familie kämpfen möchte. Will noch nicht aufgeben. Hat den Glauben noch nicht aufgegeben. Den Glauben an ein Wunder, den Glauben an sie selbst. Während seiner kleinen Rede sprudelt die Wut und die Verzweiflung immer mehr aus Sam heraus und endet schließlich darin, dass er Dean schlägt, der es über sich ergehen lässt. Eine starke Performance. Und scheinbar war das das Zeichen, das Dean gebraucht hat, um wachgerüttelt zu werden. Inwieweit er selbst tatsächlich an ein Happy End glaubt, sei mal dahingestellt, aber zumindest möchte er es Sammy zuliebe noch einmal versuchen.

Fazit

Das war eine Folge, die vor allem mit ihren intensiven emotionalen Szenen zwischen den Hauptcharakteren überzeugen konnte, die mitreißend waren, wie schon lange nicht mehr. Dabei konnte man erneut miterleben, wie perfekt die Darsteller aufeinander abgestimmt sind. Mit schnellen Schritten geht es jetzt auf die nächste Jubiläumsfolge zu: Die 300. Episode.

Denise D. - myFanbase

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