NCIS: Hawai'i - Review des Piloten

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Im Mai 2021 ist mit "NCIS: New Orleans" ein Ableger des NCIS-Franchises nach sieben Staffeln geendet. Wer dachte, dass damit langsam aber sicher wohl das Ende einer Ära eingeläutet wird, der hat sich aber getäuscht, denn mit Neustart "NCIS: Hawai'i" ist wieder auf drei Serien aus dem NCIS-Franchise bei CBS aufgestockt worden. Damit spielen auch wieder zwei Crime-Serien auf Hawaii. Nach dem Ende von "Hawaii Five-0" war nur noch "Magnum P.I." übrig geblieben, das nun mit der entspannten Atmosphäre der Insel aufwarten kann. Zudem ist "NCIS: Hawai'i" etwas vom Image von CBS weg inszeniert worden. Denn erstmals wird einer der Ableger von einer Frau angeführt, in diesem Falle Vanessa Lachey. Aber wie weiblich und wie eigenständig ist "NCIS: Hawai'i" wirklich?

Mein erster Eindruck nach dem Pilot ist, dass das neue Spin-Off zu bemüht ist. Es ist eigentlich offensichtlich, dass das Team unter der Führung von Special Agent Jane Tennant (Lachey) ein ziemlich zusammengewürfelter Haufen ist, der eher über Individualisten als durch ein Team glänzt. Einzig sie und Computernerd Ernie (Jason Antoon) scheinen sich schon länger zu kennen, da er mit ihren Kindern Alex (Kian Talan) und Julie (Mahina Napoleon) bestens vertraut zu sein scheint. Doch ansonsten haben wir Frischling Lucy (Yasmine Al-Bustami), die sich immer und überall beweisen will, wir haben Großstädter Jesse (Noah Mills), der noch lange nicht so entspannt ist, wie es Hawaii eigentlich erfordert und der eigentlich selbst wie eine Führungspersönlichkeit erscheint und wir haben Kai (Alex Tarrant), der mit seiner Familie Hawaiiner durch und durch sind. Die Holmans stehen also für das Lokalkolorit, das ich für eine solche Serie auch wichtig finde. Angesichts dieser Voraussetzungen fand ich es doch sehr störend, wie die ganze Zeit auf Familie gemacht wurde. Wenn wir es tatsächlich mit einem eingeschworenen Team zu tun gehabt hätten, dann hätte man das auch merken müssen, aber der Auftakt war eben genau darauf angelegt, dass sich noch nicht alle bestens kennen, so dass schon einige Eigenarten auf dem Silbertablett präsentiert werden konnten, denn erste Begegnungen offenbaren oft auch viel Ungewolltes. Bei diesem Stil hätte man auch gerne bleiben können, aber dann bitte nicht am Ende die heile Familie präsentieren.

Was "NCIS: Hawai'i" zum Start schadet, ist sicherlich auch die Tatsache, dass es hier nie einen Backdoor-Pilot gegeben hat, wie das in der Praxis für ein Franchise oft üblich ist. So steht der Neustart auf völligen eigenständigen Beinen und für mich hat sich leider kein Aspekt aufgezeigt, wo ich das Gefühl hatte, das wird der individuelle Charakterzug von "NCIS: Hawai'i". Dass angesichts der immer noch vorherrschenden Pandemielage Hin- und Herreisen nicht problemlos möglich ist, geschenkt und doch hätte man aus Washington, L.A. oder auch aus New Orleans ein bekanntes Gesicht via Videocall hinzuziehen können. Zumindest irgendetwas dieser Art, das demonstriert, dass "NCIS: Hawai'i" wie die anderen Ableger auch funktionieren kann. Vielleicht bietet sich für die Zukunft auch ein Crossover mit "Magnum P.I." ein, aber Hauptsache etwas, dass eine emotionale Bindung entstehen lässt.

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Sicherlich ist die Produktion von "NCIS: Hawai'i" in einigen Punkten bemüht, etwas anzubieten, aber mit einer Frau an vorderster Front und mit einer potenziellen lesbischen Liebesgeschichte (was für NCIS übrigens auch nicht neu ist, siehe "NCIS: New Orleans") ist es einfach nicht getan. Das wirkt doch zu auffällig wie einige essenzielle Punkte abarbeiten, aber das dann ohne Sinn und Verstand. Es ist löblich, Diversität auf und neben dem Bildschirm zu repräsentieren, aber dem kommt man nur wenig nach, wenn es mehr nach einem MUSS als nach einem WILL aussieht. Deswegen muss Lachey wirklich noch viel, viel mehr als zentrale Hauptfigur anbieten. Sie ist bislang in ihrer ganzen Art zu aalglatt. Die Produktion ist händeringend darum bemüht, das Bild einer Super Woman zu installieren. Gerade noch als Trainerin auf dem Fußballfeld, im nächsten Moment schon auf dem Weg via Helikopter zu einem Mordfall, um sich dort gleich mal mit Navy Captain Joe Milius (Enver Gjokaj) anzulegen. Wenigstens ist das nicht auf eine biestige Art und Weise erfolgt, stattdessen war es ein Schlagabtausch auf intellektueller Augenhöhe und dennoch habe ich die wahre Jane Tennant nicht zu greifen bekommen. Sie muss einfach ganz schnell Fehler bekommen, sonst wird das nichts.

Neben ihr liegt der Fokus des Pilots vor allem auf Kai, was auch deutlich besser klappt, denn er steht für so vieles von Hawaii und gleichzeitig bekommt man bei ihm auch alle Ecken und Kanten, die man sich wünschen kann. Einiges aus seinem Privatleben wird bereits angedeutet und doch ist noch genug im Unklaren, dass man für ihn definitiv am ehesten wieder einschalten würde. Ansonsten war es eben das obligatorische Abklappen der restlichen Teammitglieder verbunden mit einem sehr, sehr durchschnittlichen Fall zum Auftakt. Ein spektakuläres Bild gleich zu Anfang sorgt dann nicht gleich dafür, dass auch die Ermittlungen daran anschließend gleich geritzt sind. Für mich war das inhaltlich leider so eher zum Gähnen.

Fazit

"NCIS: Hawai'i" muss von Tag 1 an auf eigenen Füßen stehen und das erweist sich als riesige Herausforderung, denn zum Auftakt wird kaum etwas geboten, das wirklich reizt, einem weiteren NCIS-Ableger eine Chance zu geben. Die geniale Kulisse kann man sich in wöchentlicher Dosis auch bei "Magnum P.I." abholen und die Fälle mit Involvierung von Navy-Mitglieder*innen, die gibt es eben bei den anderen auch schon und das eben besser, weil da schon längst etwas entstanden ist, dem man sich nicht entziehen kann. Eine Frau, die allem voransteht und eine lesbische Beziehung reichen jedenfalls nicht aus, um CBS etwas weiblicher wirken zu lassen.

Lena Donth – myFanbase

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