Heartstopper Forever - Review Abschlussfilm

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Ein finales Kapitel ist nicht jeder fiktiven Produktion gegönnt. Wer weiß, mit welchen Erwartungen Alice Oseman und das Team von See-Saw Film im April 2022 an den Start von "Heartstopper" gegangen sind. Aber sie haben sicherlich nicht fest eingeplant, dass sie alle Ideen, die Oseman mit ihren insgesamt sechs Volumes der Graphic-Novel-Reihe entwickelt hat, würden erzählen dürfen. Demut ist in dem unberechenbaren Geschäft wohl die richtige Einstellung. Und auch wenn "Heartstopper" sich als unerwarteter Erfolg entpuppte, sind die Abrufzahlen trotzdem keinesfalls mit den großen Serienhits von Netflix zu vergleichen. Also war jede weitere Staffel ein riesiges Geschenk. Nach Staffel 3 wurde die Wartezeit dann fast schon unerträglich, bis dann doch noch angekündigt wurde, dass es ein festes Ende geben wird. Zwar als Film und nicht als Staffel 4, aber das ist im Grunde auch egal, weil sich die Serie als Binge-Erlebnis ohnehin immer wie ein Film schauen ließ. Hauptsache, Charlie und Nick bekommen ihr letztes Kapitel.

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Foto: Heartstopper Forever - Copyright: 2026 Netflix, Inc.
Heartstopper Forever
© 2026 Netflix, Inc.

In den fast zwei Stunden Laufzeit wird uns ein ganzes Jahr erzählt. Es ist das letzte Schuljahr für Nick (Kit Connor), Imogen (Rhea Norwood) und andere, die danach an die Universitäten wechseln oder andere Zukunftspläne verfolgen können. Schon zu Ende von Staffel 3 war dieser sich nähernde neue Lebensabschnitt ein neuer Schatten, was nun konsequent fortgesetzt wird. Interessant fand ich, dass sich das Gleichgewicht zwischen Nick und Charlie (Joe Locke) einmal komplett gedreht hat. Charlie war zwar stets auch ein Jahr jünger, aber auch so war er derjenige, der durch seine Unsicherheiten und seine Erkrankung Unterstützung und eine führende Hand brauchte. Nick stand vielleicht in dem Sinne zurück, dass er erst nach Charlie seine sexuelle Identität erkundet hat, aber trotzdem war er immer als starke Schulter gefragt. Davon sehen wir in diesem Film sehr wenig und das hat mir gut gefallen. Egal in welchem Genre ich eine Liebesgeschichte erzählt bekomme, ich bin kein Fan davon, wenn diese von einseitigen Abhängigkeiten geprägt ist. Das hat einen toxischen Charakter, der zu oft romantisiert wird. Dementsprechend ist es wohltuend mitzuerleben, wie Charlie seine Rolle immer mehr findet, während umgekehrt Nick dafür in eine Krise stürzt.

Charlie bewirbt sich als Schulsprecher und auch wenn seine Kampagne zugegeben einseitig durch seinen Einsatz gegen Mobbing gestaltet war, aber ich fand es mitreißend, wie selbstbewusst und freudig er die neue Verantwortung angestrebt hat. Dass es keine Eintagsfliege war, wurde dann über das Schuljahr auch deutlich, indem er dem jüngeren Alfie (Caleb Evers) geholfen hat und schließlich auch gegen den Willen des Direktors einen Club für queere Menschen durchsetzt. Bei Nick wiederum wurde schon deutlich, dass die Uni in Leeds das Ziel seiner Träume ist, aber er tut sich schwer, dafür einzutreten und seine Bewerbung zu formulieren. Ich konnte Nicks inneren Kampf sehr gut nachvollziehen, weil das Bedürfnis nach Sicherheit und die Verantwortung anderen gegenüber schwer wiegen kann, gerade wenn es wichtige Absicherungsnetze sind, die durch die eigene Vergangenheit aufgebaut wurden. Damit ist Nicks Vater angesprochen und welchen Ballast er vor allem seinen beiden Söhnen hinterlassen hat. Olivia Colman konnte zwar nach Staffel 3 auch für den Abschlussfilm nicht verpflichtet werden, aber wenigstens wurde hier mit Anna Maxwell Martin ein Recast vorgenommen, denn ab einem bestimmten Punkt wäre es unrealistisch gewesen, sie nicht mehr zu sehen. So haben wir Sarah, die Nick erneut eine wichtige Lebensstütze wird. Allgemein fand ich gut, dass alles bei Familie Nelson rund abgeschlossen wurde, denn auch die Entwicklung der Brüder war wichtig. David (Jack Barton) und Nick werden sicherlich nie enge Brüder, aber sich mal ein paar Wahrheiten schenken zu können, ist ein riesiger Schritt.

Foto: Kit Connor, Heartstopper Forever - Copyright: Netflix
Kit Connor, Heartstopper Forever
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Aber das neue Gleichgewicht zwischen Nick und Charlie hat natürlich auch ihre Beziehung beeinflusst. Nick hat sich immer mehr in seinen Gefühlen vergraben und hat sich dank der Erziehung seines Vaters seinem Freund nicht so anvertrauen können, wie es nötig gewesen wäre. Umgekehrt wurde aber genauso deutlich, dass Charlie trotz seiner ganzen Siege in den Zwischenetappen dennoch noch krank ist. Dementsprechend waren seine Phasen mit seiner Essstörung wieder evident, weswegen auch die Einbindung von Therapeut Geoff (Eddie Marsan) wieder gut war. Aber man hat gerade im Vergleich zu Staffel 3 doch gemerkt, dass Charlie ein ganzes Stück weiter ist. Ich fand die Entwicklung des Paares auch über die Intimität gut rübergebracht. Aus vielfältigen Gründen haben die beiden sich mit dem ersten Sex viel Zeit gelassen und auch wenn das mit dem Ende von Staffel 3 abgehakt war, so war es doch angemessen, wie es hier im Film eingebunden war. Es ist eine Ausdrucksform ihrer Gefühle füreinander, aber man hat auch die Konflikte bzw. auch Charlies Erkenntnis, dass Nick es als Ablenkung nutzt, gut eingebaut. Gleichzeitig waren die kritischen Phasen der beiden auch sehr typisch jugendlich gestaltet, was auch wieder unterstrichen hat, wie zielgruppengerecht Oseman schreibt.

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Während ich diesen Charlie & Nick-Teil einmal ausschneiden und feierlich hochhalten möchte, so muss ich aber auch sagen, dass mir allen anderen Figuren viel zu kurz kamen. Speziell die Graphic Novels waren sehr eng am Paar entlang erzählt, weswegen ich es bei der Serie umso schöner fand, dass auch Elle (Yasmin Finney), Darcy (Kizzy Edgell) und die anderen ihre Geschichte bekommen haben. Das hat aber diesmal im Film nur marginal Raum eingenommen und das habe ich doch sehr bedauert. Elle hat noch einmal eine Ansprache bekommen, die verdeutlich hat, wie sehr sich die Trans-Rechte in Großbritannien verschlechtert haben, aber umgekehrt war ihre Beziehung zu Tao (William Gao) über das Jahr nervig dargestellt. Wir haben immer nur mitbekommen, ah, mal wieder getrennt, weil sie sich mit einer gemeinsamen Zukunft nicht einig werden, aber da kam nur wenig von ihrer Chemie rüber. Isaac (Tobie Donovan) hätte man fast komplett streichen können und auch bei Tori (Jenny Walser) fand ich es dann schade, dass sie sich nur in einem Nebensatz als asexuell outen darf. Zwar hatten wir die Thematik durch Isaac schon repräsentiert, aber da Osemans Buch über Tori und Michael (Darragh Hand), "Solitaire" (Buch bestellen), wie alles andere so toll und wichtig war, hätte die Botschaft mehr verdient gehabt.

Foto: Heartstopper Forever - Copyright: 2025 Netflix, Inc.; Samuel Dore/Netflix
Heartstopper Forever
© 2025 Netflix, Inc.; Samuel Dore/Netflix

Auch wenn ich jetzt nicht sagen könnte, was ich von Nick und Charlie rausgestrichen hätte, aber ich bin überzeugt, dass in diesem Film noch mehr Raum für die Figuren drin gewesen wäre. Abseits dieser Kritik möchte ich aber auch festhalten, dass die Nebenfiguren für viele nostalgische Momente genutzt wurden. Das war dann zwar mehr funktional als charakterlich sich entwickelnd, aber wenn Charlie mit Elle, Tao und Isaac mal wieder einen Filmabend hatte oder wenn Nick mit Imogen in Erinnerungen schwelgt oder wenn Mr. Ayaji (Fisayo Akinade) seine Zeit mit Charlie im Kunstraum rekapituliert oder wenn Charlie und Nick die wichtigen Meilensteine ihrer Beziehung rekapitulieren, dann waren all die Gefühle da, die ich mir vom Film erhofft hatte. Und gerade im letzten Kapitel mit Blick in die Zukunft, da war auch für alle ein Abschluss da. Denn das "Heartstopper"-Universum hat wegen allen funktioniert.

Fazit

"Heartstopper", meine kleine Serienperle, findet mit dem fast zweistündigen Abschlussfilm ein würdiges Ende. Die Stärken der Serie sind noch einmal ausgespielt worden, sodass wir alle viel von dem bekommen haben, was wir uns im Vorfeld erhofft haben. Ja, vielleicht hätte ich mir für die Laufzeit noch etwas mehr Raum für die Nebenhandlungen gewünscht, aber alles in allem wurde der finale Haken gesetzt. Die Wehmut des Abschieds wird dann in den kommenden Jahren wenigstens auch durch den großen Bruder "Heated Rivalry" gestillt, da dort ähnliche Themen anders und doch genauso mitreißend erzählt werden.

Die Serie "Heartstopper" ansehen:

Lena Donth – myFanbase

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