DVD-Rezension: Chicago P.D., Staffel 9

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Die neunte Staffel von "Chicago P.D.", die in der TV-Season 2021/2022 bei NBC zu sehen war, hat wieder eine übliche Staffellänge anzubieten und obwohl so vom Papier her wieder alles normal wirkt, hat die Corona-Pandemie immer noch Nachwirkungen, denn ein großes Crossover mit "Chicago Fire" und "Chicago Med" gibt es weiterhin nicht. Auch das Ermittlerteam bleibt stabil in der Besetzung und es gibt auch nur wenige Nebenrollen. Lässt sich damit eine gute Staffel erzählen?

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Inhalt

Nach einem turbulenten Jahr der Krise und des Wandels stellt ein Geheimnis die Beziehungen innerhalb der Einheit auf die Probe und veranlasst einige Mitglieder, die Autorität auf bisher noch nie dagewesene Weise in Frage zu stellen. Doch auch wenn die Meinungen über die Richtung der Abteilung auseinandergehen, bleibt die Einheit fest entschlossen, die Stadt zu schützen… und sich gegenseitig.

Rezension

Foto: Marina Squerciati, Jason Beghe & LaRoyce Hawkins, Chicago P.D. - Copyright: Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; Lori Allen/NBC
Marina Squerciati, Jason Beghe & LaRoyce Hawkins, Chicago P.D.
© Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; Lori Allen/NBC

Diese Staffel von "Chicago P.D." steht mehr denn je unter dem Zeichen von klaren Figurenkonstellationen und es gibt nur wenige Überschneidungen, wobei wir sicherlich beim größten Kritikpunkt dieser Staffel auch schon direkt angekommen sind. Auch wenn es inhaltlich weiterhin genug Überraschungen gibt, so tut sich die Cop-Serie aber keinen Gefallen damit, dass sie in dem Punkt, wer mit wem am meisten agiert, so berechenbar geworden ist. Es gab schon immer klare Tendenzen, wer mit wem am besten kann, aber dennoch war nie ohne Grund von einer Familie zu sprechen und das sprach eben auch dafür, dass es genug Verwicklungen untereinander geben kann, ohne sich ständig zu wiederholen. Diesmal haben wir mit Adam Ruzek (Patrick Flueger) und Kim Burgess (Marina Squerciati) sowie Makayla (Ramona Edith Williams) und dann auf der anderen Seite mit Hank Voight (Jason Beghe), Hailey Upton (Tracy Spiridakos) und Jay Halstead (Jesse Lee Soffer) sehr klare Fraktionen und Kevin Atwater (LaRoyce Hawkins) steht wie üblich eher für sich alleine, wobei er eher zu der ersten Fraktion tendiert. Ich kann in dem Punkt nicht zu kritisch werden, da dahinter natürlich auch Erfolgsrezepte stecken, entweder weil sie schon immer funktioniert haben oder jetzt erst so richtig entdeckt werden, dennoch ist eine latente Gefahr da.

Foto: Marina Squerciati & Patrick John Flueger, Chicago P.D. - Copyright: Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; Lori Allen/NBC
Marina Squerciati & Patrick John Flueger, Chicago P.D.
© Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; Lori Allen/NBC

Bei Adam und Kim kann man das bereits sehr gut erkennen. Makayla hat ihnen als Beiwerk eine ganz neue Art von Tiefe geboten und ich fand über den Staffelverlauf hinweg, dass die beiden viele sinnige Handlungsbögen bekommen haben. Wie sie sich entscheiden zusammenzuziehen, da sie sich ohnehin beide um sie kümmern, wie vor allem Adam den Schritt in die Richtung macht, sich als Vater zu sehen, auch wenn er es auf dem Papier offiziell nicht ist, aber auch wie sie mit Makaylas Traumata umgehen lernen müssen. Das war alles behutsam erzählt und hat ihnen beiden als Einzelfiguren sehr viel mitgegeben, wobei Adam definitiv den größeren Sprung gemacht hat. Dennoch war in vielen Episoden auch ein Unterton dabei, der letztlich nach und nach auf die katastrophale Episode #9.17 In der Schwebe hinführt, in der Kim völlig entgegen ihres Charakters eine Entscheidung trifft, die alldem widerspricht, was sie mit Adam verbindet und was er in Bezug auf Makayla schon längst bewiesen hat. Hier merkt man deutlich, dass die Serie etwas erzählen wollte und wenn man sich so darauf verlässt, nur diese drei als Kleinfamilie zu zeigen, dann wird es schnell künstlich und das ist schade, weil es beide als Figuren nicht verdient haben. Schade ist auch weiterhin, dass Adam und Kim immer noch kein Paar sind. Es mag irgendwie modern daherkommen, aber diese beiden haben sich ein großes Shipperherz in der Fangemeinde erarbeitet und es erklärt sich nicht, warum sie bewusst von dieser finalen Ebene ferngehalten werden.

Foto: LaRoyce Hawkins, Chicago P.D. - Copyright: Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; Lori Allen/NBC
LaRoyce Hawkins, Chicago P.D.
© Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; Lori Allen/NBC

Kevin ist wie bereits erwähnt vor allem wieder auf sich alleine gestellt, aber ich fand es bei ihm diesmal wirklich toll, dass er auch in Liebesdingen mal etwas in Ansätzen Fortlaufendes hatte. Denn Kevin hat ganz klar Liebe verdient und wenn man ihm so bei Flirten zugesehen hat, dann hat sich auch deutlich gezeigt, dass es ihm großartig steht. Dementsprechend muss Gastfigur Celeste (Amanda Payton) noch nicht der Vergangenheit angehören. Aber auch sonst merkt man bei Kevin die gereifte Persönlichkeit. Auch wenn man von seinen Geschwistern nun schon länger nichts mehr mitbekommt, so wird diesmal betont, wie verwurzelt er mit seiner Gemeinschaft ist und dass er mit dem Kauf eines Gebäudes auch etwas wiedergeben will. Das steht ihm gut und eröffnet sicherlich auch Potenzial für weitere Staffeln.

Foto: Jesse Lee Soffer, Tracy Spiridakos & Jason Beghe, Chicago P.D. - Copyright: Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; Lori Allen/NBC
Jesse Lee Soffer, Tracy Spiridakos & Jason Beghe, Chicago P.D.
© Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; Lori Allen/NBC

Bei den anderen dreien ist für die erste Staffelhälfte das große Thema, dass nur Hailey und Hank wissen, dass Roy Walton tot ist und wer ihn getötet hat. Dieser Handlungsbogen hatte definitiv Vor- und Nachteile. Ein Nachteil war sicherlich, dass man diesen Handlungsbogen sicherlich mit einem leichten Augenbrauenheben begutachten muss, denn es ist schon absurd, wie viel Erzählzeit aufgewendet wird, um einen Mord begangen von der Polizei zu vertuschen. Aber es war schon immer der Stil von "Chicago P.D.", gewisse Grenzen auszutesten. Im Grunde war auch die logische Fortsetzung davon, dass Hailey immer mehr wie Hank wurde, was sogar ihn selbst besorgt hat und letztlich hat sie auch eine typische Tat wie er begangen. Das war also nur der logische Höhepunkt dieses Ansatzes. Dennoch war ich überrascht, dass es im Grunde die gesamte Staffel unterschwellig präsent ist, wobei es in der zweiten Staffelhälfte nur noch für einige Handlungsmuster hinzugezogen wird. Der klare Vorteil dieser Episode war aber die Entwicklung, die Hailey durchleben musste und da hat sie meiner Meinung nach sogar Adam noch geschlagen, denn Ende Staffel 9 ist sie wahrlich nicht mehr die, die sie Ende Staffel 8 war. Besonders die Darstellung, wie Hailey in eine Abwärtsspirale gedrängt wird, da sie ein Geheimnis vor Jay bewahren musste, war auch von Tracy Spiridakos großes Kino. Das hat sie später auch noch einmal in #9.13 Stille Wasser bewiesen. Es war weder das Midseason-Finale noch das Staffelfinale, aber es war ohne Frage mein persönlicher Höhepunkt, bei dem ich mich an alle Einzelheiten noch erinnern kann und auch hier war die Hailey-Darstellerin der Hauptfaktor, warum diese Episode so mit Nachhall gewirkt hat. Aber zurück zur Entwicklung der Figur, denn sie musste sich emotional mit den Konsequenzen ihrer Tat auseinandersetzen und erkennen, dass ihre Art, wie sie Polizeiarbeit zwischendurch verstanden hat, gefährlich ist. Dementsprechend hat sie sich sehr konträr zu Hank entwickelt.

Foto: Tracy Spiridakos, Chicago P.D. - Copyright: Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; Lori Allen/NBC
Tracy Spiridakos, Chicago P.D.
© Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; Lori Allen/NBC

Während Adam und Kim bekanntlich noch auf einer ziemlich undefinierbaren Ebene verharren, gehen Jay und Hailey einen entscheidenden Schritt weiter und nachdem ich in Staffel 8 die beiden noch gar nicht reif für so etwas empfunden habe, weil es zu viel Unehrlichkeit gab, fand ich durchaus, dass es in dieser Staffel speziell Hailey sehr gut getan hat, weil sie sich mehr fallen lassen konnte. Jay war vorher schon in sich ruhend und an seiner tiefen Liebe für Hailey gab es auch nie einen Zweifel, weswegen ich es auch verstanden habe, dass er für sie alles gewagt hätte, um sie vor dem Gefängnis zu retten. Der Konflikt mit Hank war ebenfalls vielversprechend, denn er hat einen eigenwilligen Stil und es wurde innerhalb der Serie immer schon besonders spannend, wenn die Dynamiken herausgefordert werden. Ich fand die Aussicht daher großartig, dass Jay Hank richtig auf die Füße treten würde. Letztlich kam alles ganz anders und es war eher enttäuschend, dass Jay in Muster verfiel, die nicht zu ihm passten. Es war grundsätzlich interessant, dass er von Hank Rechenschaft verlangt hat, aber es wäre in der Konsequenz besser gewesen, ihn moralisch herauszufordern und nicht genauso wie er zu handeln. Das wiederum hat auch die Dynamik von Jay und Hailey wieder verändert, denn nun hat sich das Bild gewandelt. Ihre Entwicklung wird dadurch schön unterstrichen, denn Hailey ist es jetzt, die den aktiven Posten in ihrer Beziehung inne hat. Auch wenn es vielversprechend ist, sie mal so intensiv für die Liebe kämpfen zu sehen, tröstet es nicht über die falsche Richtung bei Jay hinweg.

Foto: Jason Beghe, Chicago P.D. - Copyright: Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; George Burns Jr/NBC
Jason Beghe, Chicago P.D.
© Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.; George Burns Jr/NBC

Hank ist nicht nur wie üblich mit dem Vertuschen eines Verbrechens beschäftigt, sondern er bekommt neben Makayla mit Anna Avalos (Carmela Zumbado) die wichtigste Nebenfigur als seine Informantin an die Seite gestellt. Die beiden gaben eine interessante Paarung ab, denn Hank hatte immer schon einen Hang dazu, sich Zöglinge auszusuchen und in diese seine Fürsorge zu investieren. Anna ist eine davon, aber sicherlich sein ungewöhnlichstes 'Projekt', denn sie ist sehr kratzbürstig und mitten im Leben stehend mit ihren eigenen Überzeugungen. Die beiden wissen zwar schnell viel mehr übereinander als ihnen lieb ist, aber ihre professionelle Zusammenarbeit ist von einem Hin und Her geprägt, das erst nach und nach durch mehr Vertrauen ausgebaut wird. Auch wenn Anna für sich stehend Interesse bei mir ausgelöst hat, fand ich es in Bezug auf Hank spannend, denn es wurden viele alte Wunden aufgerissen und ich hatte den Eindruck, dass ihm so ein runder Abschied geboten wurde. Da die Staffel eben viel von bekannten Handlungsbögen geprägt war, habe ich gespannt hierauf geblickt, denn ich hätte Hanks Ausstieg aus der Serie gut verkraften können, auch weil es Platz für etwas ganz Neues schaffen würde. In vielen Punkten hat diese Richtung auch gestimmt, so gekommen ist es aber nicht und vielleicht wird genau das in der Zukunft die vertane Chance sein.

Specials & Technische Details

Foto: Chicago P.D. (Vorläufiges Cover) - Copyright: Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.
Chicago P.D. (Vorläufiges Cover)
© Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.

Extras werden leider gar nicht angeboten.

Erscheinungstermin: 24. November 2022
FSK: ab 16 Jahren
Laufzeit: ca. 880 Minuten
Bildformat: 16:9 – 1.78:1
Sprachen (Tonformat): Deutsch, Englisch, Französisch (alle Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch

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Fazit

"Chicago P.D." hat in der neunten Staffel weiterhin einen unveränderten Cast und das merkt man der Serie inhaltlich doch deutlich an. Es gibt immer noch klare Highlights, die entweder aus schauspielerischer Höchstleistung heraus entstehen oder die darauf beruhen, dass man die Charaktere nun aus dem Effeff kennt, aber die Figurenkonstellationen sind immer dieselben, viele Konflikte werden in alten Mustern aufgelöst und so entsteht ein etwas zäher Eindruck, der den Wunsch nach frischem Wind verstärkt.

"Chicago P.D." ansehen:

Lena Donth - myFanbase

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