DVD-Rezension: "Peaky Blinders - Gangs of Birmingham", Staffel 1

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Während in England bereits die dritte Staffel von "Peaky Blinders" in Arbeit ist, ist in Deutschland nun endlich die erste Staffel der britischen Produktion auf DVD erschienen. Mit durchschnittlich 2,4 Millionen Zuschauern feierte die von Steven Knight kreierte Historien-Serie ihre Premiere vom 12. September bis 17. Oktober 2013 Premiere auf dem Sender BBC Two. Neben dem bereits vor "Peaky Blinders" schon sehr erfolgreichen Hauptdarsteller Cillian Murphy, gibt es auch einige altbekannte Seriengesichter wie Sam Neill ("Die Tudors", "Alcatraz", "Crusoe") und Annabelle Wallis ("Die Tudors", "Pan Am"), zu entdecken.

Inhalt

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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts weht auf den Straßen der Industriestadt Birmingham ein rauer Wind und die Straßengang Peaky Blinders hat schon lange inoffiziell das Regiment übernommen. Als eine der ältesten Straßengangs der Welt kehren die männlichen Mitglieder nach ihrem Dienst an der Front im ersten Weltkrieg zurück auf die Straßen ihrer Stadt. Als Familienunternehmen steht eigentlich der älteste männliche Shelby an der Spitze der Gang, doch Arthur Shelby (Paul Anderson) lässt sich gerne von seinem jüngeren Bruder, dem ehrgeizigen Tommy (Cillian Murphy) etwas in den Hintergrund drängen. Tommy wiederum wird aber bei seinen Plänen, König der Unterwelt zu werden, von dem eigens von Winston Churchill (Andy Nyman) abkommandierten Inspektor Campbell (Sam Neill) gestört. Denn durch einen Zufall ist Tommy an eine große Ladung Waffen von der Regierung gelangt, die Inspektor Campbell nun zurück bekommen soll.

Rezension

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Peaky Blinders
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Da die Serie selber den Vergleich nicht scheut und auf der DVD-Box mit dem Aufdruck "Englands Antwort auf Boardwalk Empire" (The Guardian) wirbt, sind die Erwartungen natürlich ziemlich hoch gesetzt. Und obwohl "Peaky Blinders" längst nicht so glamourös, intrigant und brutal ist wie die HBO-Produktion "Boardwalk Empire", weiß die Serie einen doch zu fesseln und kann diesem Vergleich durchaus standhalten. In "Peaky Blinders" ist halt alles etwas einfacher, alleine schon deshalb, weil die Serie in einem völlig anderem Milieu spielt und die Gang rund um Tommy Shelby sich eher in einem sozial deutlich schwächeren Umfeld bewegt. Doch wenn man der Serie etwas Zeit gibt, sich rein zu finden, wird man zum Schluss mit drei absolut mitreißenden Episoden belohnt, die großes Potential offen lassen für die in England bereits gesendete zweite Staffel. Die Story zieht sich zwar Anfangs leider relativ zähflüssig, bekommt aber zum Ende hin deutlich mehr Schwung und Spannung. Und neben den kleinen und großen Gaunereien, thematisiert "Peaky Blinders" auch sehr einfühlsam und authentisch die diversen traumatischen Erfahrungen, die die Männer nach ihrer schweren Zeit im ersten Weltkrieg zu verarbeiten haben. Ebenso wird die Emanzipation in Schwung gebracht, indem sehr deutlich die Bedeutung der Frauen im Jahre 1919 zur Geltung kommt, die einige Jahre ohne ihre Männer das Leben auf den Straßen von Birmingham bestreiten mussten und nun, nach deren Rückkehr, nicht vor haben, wieder einen Schritt zurück zu gehen. Generell ist die Story der ersten Staffel zwar nicht gerade ein komplexes Meisterwerk, führt den Zuschauer aber sanft in die Geschichte ein, ohne sich zu verzetteln oder zu verwirrend zu werden. Es werden viele Themen angerissen, die noch viel Potential für kommende Staffeln offen lassen.

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Cillian Murphy, Peaky Blinders
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Einige Schwierigkeiten hatte ich leider mit dem Hauptdarsteller Cillian Murphy, der meiner Meinung nach bisher eine glatte Fehlbesetzung in der Rolle des Peaky-Blinders-Anführers Tommy Shelby ist. Mir fehlt einfach die charismatische Ausstrahlung, die man von so einem Charakter erwartet, und Cillian Murphy wirkt oft sehr steif und schafft es nicht die diversen Emotionen wirklich glaubhaft rüber zu bringen. Für mich sollte von dem Oberhaupt der Peaky Blinders einfach mehr Macht und Autorität verkörpert werden und eine faszinierende Anziehung ausgehen, was Cillian Murphy einfach nicht gelingt. Ein wahrer Lichtblick sind dagegen Paul Anderson und Sam Neill die in ihren Rollen als Arthur Shelby und Inspektor Campbell völlig aufzugehen scheinen. Auch die Frauenfront ist mit den Schauspielerinnen Helen McCrory (Tante Polly), Annabelle Wallis (Grace Burgess) und Sophie Rundle (Ada Shelby) mehr als gut besetzt. Besonders Annabelle Wallis schafft es schnell den Zuschauer, als geheime Agentin die im Laufe der Serie die Seiten wechselt, zu verzaubern und mitleiden zu lassen. Zudem ist die Rolle der Grace äußerst komplex und bietet noch unglaublich viel Spielraum für kommende Staffeln, bei denen sie hoffentlich noch dabei sein wird.

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Cillian Murphy, Peaky Blinders
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Auch die teilweise bedrückenden Kulissen und passenden Kostüme der Serie bringen diese längst vergangene Ära mehr als glaubwürdig rüber. Mit verschiedenen Einstellungen und Farbspielen wird dem Zuschauer symbolisiert, in welchem sozialen Umfeld er sich gerade befindet. So sind die meisten Einstellungen, Kostüme und Kulissen meist in eher dunklen und düsteren Farben gehalten, um dem Zuschauer die trostlose und leichte Hoffnungslosigkeit der sozial schwachen Menschen Anfang des 20. Jahrhunderts näher zu bringen. Erst in Umgebungen, wie auf der Rennbahn oder auf der Party von Billy Kimber (Charlie Creed-Miles) wird mit Farbexplosionen gespielt, um sinnbildlich den Wechsel aus dem Armenviertel zu den Reichen und Schönen darzustellen. Generell wirken die kompletten Kulissen unheimlich gut durchdacht und transportieren durch die diversen Kameraeinstellungen eine unglaublich tolle Stimmung. Auch der Soundtrack, der hauptsächlich von Nick Cave und The White Stripes bestritten wird und damit eher aktuell und nicht der damaligen Zeit entsprechend ist, schafft es hervorragend Emotionen hervorzurufen und Stimmungen einzufangen.

Specials

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Cillian Murphy, Peaky Blinders
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Als Extra ist auf der DVD ein kleines Making-Of enthalten, dass einem einen Einblick in die Entstehung von "Peaky Blinders" gewährt. Hauptsächlich geht es dabei um die Entwicklung und Konzeption der einzelnen Figuren und des Sets. Das Making-Of ist zwar das klassische Standart-Extra, wie man es häufig auf den DVD-Boxen findet, allerdings gerade bei historischen Serien doch meistens recht interessant. Denn so erfährt man, wie es die Macher der Serie geschafft haben, die Umgebung und Atmosphäre einer völlig anderen Zeit zu kreieren.

Technische Details

Erscheinungstermin: 9. Oktober 2014
FSK: ab 16 Jahren
Laufzeit: ca. 344 Minuten (6 Episoden)
Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
Sprache (Tonformat): Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch

Fazit

Trotz einiger Kritikpunkte bekommen die "Peaky Blinders" von mir eine absolute Kaufempfehlung, da ich noch unheimlich viel Potential für weitere Staffeln sehe und mich in jeder Sekunde beim Anschauen gut unterhalten gefühlt habe.

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Nina V. - myFanbase

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