DVD-Rezension: Desperate Housewives, Staffel 2

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"Desperate Housewives" wurde zwar bereits abgeschlossen, hat jedoch über die Jahre hinweg einen besonderen Status in der Serienwelt erlangt. Sie ist eindeutig Kult und hat es am Ende bis auf acht Staffeln und 180 Episoden gebracht. Da in vielen Geschäften weiterhin verführerisch preiswert die Staffelboxen in den Regalen liegen, lohnt es sich, diese genauer unter die Lupe zu nehmen. Nach der rundum gelungenen Staffel 1 ist hiermit die entscheidende Frage: Kann Staffel 2 an den Erfolg anknüpfen?

Inhalt

Foto: Copyright: 2005 ABC Studios
© 2005 ABC Studios

Die Handlung der zweiten Staffel setzt direkt den Ereignissen aus dem Staffelfinale an. Bree van de Kamp muss sich nach dem Tod ihres Ehemannes Rex als Witwe zurecht finden. Das gestaltet sich alles andere als leicht, denn für die Verarbeitung des Todes und ihre Trauer bleibt ihr nicht die erforderliche Ruhe und Zeit. Bedingt durch Rex' plötzlich auftauchende Mutter, des im Raum stehenden Mordverdachtes an ihrem verstorbenen Mann, der Geschehnisse rund um den psychopathischen George Williams und den Kampf mit ihren Kindern, geht es im Hause van de Kamp hoch her.

Einfach hat es auch Susan nicht, die aufgrund von Zachs Geiselnahme um ihr und Mikes Leben bangt. Auch der weitere Staffelverlauf sollte für Susan Drama pur bereit halten, als sich ausgerechnet ihr unmoralischer Exmann Karl in der Wisteria Lane einnistet. Richtig verzweifelt ist auch die Hausfrau Gabrielle. Ihr Mann Carlos verschwand nach den Gewaltausbrüchen und dem Sklavenhandel-Skandal hinter schwedischen Gardinen. Dazu ist sie schwanger und trifft neben all den Problemen in der Ehe im weiteren Verlauf auf eine harte, scheinheilige Gegnerin. Das führt fast schon ins kriegerische Ausmaß.

Auch Edie Britt befindet sich in Staffel zwei immer wieder auf dem Schlachtfeld, während Lynette alles daran setzt, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Doch für eine liebende Mutter von vier Kindern und einem als Hausmann überforderten Ehemann ist das ein schwieriges Unterfangen.

Die zum Staffelende der ersten Runde zugezogene Familie Applewhite sorgt für einigen Wirbel in der Staffel zwei. Die seltsamen Ereignisse um Betty und Matthew häufen sich und deren düsteres Geheimnis hat große Auswirkung auf die Nachbarschaft. Die anderen Wisteria Lane-Bewohner werden zunehmend skeptisch, doch dies kann weitere Opfer nicht verhindern. Für Aufruhr sorgt vor allem auch wieder Felicia, die sich nach dem Unfall erneut in der Wisteria Lane niederlässt. Dabei hat sie nur eine Person im Visier: Paul Young.

Rezension

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© 2005 ABC Studios

Zugegeben, die erste Staffel hat es unglaublich schwer gemacht, an deren Qualität anzuknüpfen. Die Geschichten, die Charakterarbeit und die Integration des Staffelgeheimnisses wurden sehr gut durchdacht und das Gesamtergebnis ist eine sehr runde, überzeugende Angelegenheit. Mir als Zuschauer war schnell klar, dass womöglich die zweite Staffel etwas abfallen könnte und so kam es auch. Staffel 2 wirkt im Gesamtbild etwas schwächer und umgehend wurde mir klar warum: Man hat sehr viele Charaktere eingespannt, die allesamt - teils mehrere - Storylines zugeordnet bekamen. So wirkt die Staffel etwas überladen und diverse Storyelemente stören die gut angelegten großen Handlungen der Hausfrauen und des Staffelgeheimnisses.

Die großen Storylines überzeugen hingegen alle. Von allen Charakteren ist es Bree, die in der zweiten Staffel durchgehend mit guten Geschichten bedacht wird. Hier ist kein qualitativer Abfall zur ersten Staffel bemerkbar. Marcia Cross macht einmal mehr deutlich, welch großes schauspielerisches Talent sich in ihr verbirgt, allen voran in humorvollen Szenen. Sie punktet aber auch besonders wenn sie die Verzweiflung und Wut von Bree zur Geltung bringt. Das was sie nicht ausspricht und gefühlsmäßig versucht zu verbergen, blitzt immer wieder gekonnt in ihren Mimik hervor. Bree erlebt schwere Zeiten in der Staffel. Schon im Auftakt als Rex beerdigt wird und sich dessen Mutter dazugesellt, hat man Mitleid mit ihr. Man wünscht sich für sie, dass sie trauern und das hinter sich lassen kann und dazu ihr Glück findet.

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Doch Phyllis ist der wahr gewordene Albtraum einer Schwiegermutter. Sie drängt sich stets in den Mittelpunkt, zeigt sich egoistisch und hinterhältig. Dazu setzt diese weitere Entwicklungen in Gang, die Bree in weiteres Drama verstricken. George mischt auch wieder mit und das Chaos ist perfekt. Dass George eine dunkle Seite und Rex auf dem Gewissen hat, weiß der Zuschauer schon längst. Doch sein psychopathischer Charakter und die Einmischung in Brees Leben verleiht dem weiteren Storyverlauf hier ordentliche Spannung. Als Zuschauer fiebert man richtig mit, dass Bree den Mistkerl endlich los wird. Roger Bart spielt den durchgeknallten George wirklich überzeugend, doch die absolut beste und emotionalste Storyline rund um Bree ergibt sich mit ihrem Sohn Andrew. Da geht es richtig deftig zur Sache und Andrew hat definitiv nicht mit seinen Racheplänen aus der Staffel Eins untertrieben. Shawn Pyfrom schafft es Andrew dermaßen fies darzustellen, sodass man als Zuschauer einen richtigen Hass auf ihn entwickelt. Man versteht zwar, warum er so agiert und, dass er letztendlich einfach auch Hilfe benötigt. Dennoch hat man einen Kloß im Hals, wenn man sieht, wie er mit seiner Mutter umspringt.

Gar nicht so weit hinter Bree würde ich Gabrielle mit ihren Storys qualitativ einstufen, denn auch mit ihr und natürlich auch ihrem Mann Carlos hat man viel Freude in der zweiten Staffel. Sie sorgen einfach mit bissigen Sprüchen, tollem Humor und ihren feurigen Streitigkeiten für den richtigen Schwung in "Desperate Housewives". Die Szenen im Gefängnis, als Gabrielle ihren Mann zur Versöhnung regelmäßig besucht, sind ein Paradebeispiel dafür. Doch der weitere Staffelverlauf hat noch weitaus größere Highlights rund um die Solis parat. Der Kampf mit Schwester Mary Bernard gilt bereits als legendär. Kritisch kann man jedoch Carlos' plötzliche religiöser Entwicklung gegenüberstehen. Der große Handlungsbogen dreht sich aber hauptsächlich um den Erhalt der zerbrechlichen Ehe und dem Kinderwunsch.

Foto: Felicity Huffman, Desperate Housewives - Copyright: 2005 ABC Studios
Felicity Huffman, Desperate Housewives
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Lynette und Susan können hier jedoch nicht mit ihren Geschichten mithalten, denn beide bekommen oft einfach nur sogenannte Filler-Geschichten. Lynettes Situation im Arbeitsumfeld hat soviel versprochen und das große enthaltene Potential wird stellenweise auch verwertet und sorgt für erinnerungswürdige Szenen. Doch insgesamt ist das Ergebnis doch mehr ernüchternd. Sehr gute Momente ergeben ihre Auseinandersetzungen mit den Vorgesetzten Nina Fletscher und Ed Ferrara. Doch viele Durststrecken dazwischen erschweren es, nicht gelangweilt zu werden. Keinen interessiert es wohl sehr, wenn Lynette darum kämpft eine Kindertagesstätte in der Firma zu eröffnen oder sie einer stillenden Mutter das Handwerk legen will. Vielleicht wurde man auch bereits zu sehr mit spektakulären Storys verwöhnt, sodass diese belangloseren Themen einen eben öde erscheinen. Ich finde aber auch, dass man Lynettes schwierige Situation, aufgrund der Arbeit von den Kindern oft getrennt zu sein, zu wenig seriös vertiefte. Gegen Ende hin machen die Autoren jedoch alles richtig, denn dann kommt Toms großes Geheimnis ins Spiel und sorgt für Drama pur.

In Susans Situation verhält es sich ähnlich. Im Dreiergespann zusammen mit Karl und Edie ergeben sich viele wunderbare Szenen und besonders toll ist die Chemie zwischen Susan und Karl. Es ist eine wahre Bereicherung für Staffel zwei Richard Burgi in der Rolle des Karl so verstärkt zu integrieren. Es hätte ausgereicht, einfach diesen Handlungsbogen und den rund um Mike über die gesamte Staffel zu spannen. Aber nein, leider gibt es immer wieder belanglose Storylines zwischendurch, bei denen ich mit dem Gähnen kämpfen musste. Zwar haben die allesamt ihre gelungenen Momente inne, da Teri Hatcher Susan einfach irre skurril und liebenswürdig in Szene setzt. Aber ich hatte kein Interesse, Susans Agent Lonny oder verschollenen Vater kennenzulernen. Obwohl Addison Prudy mit seinen coolen Sprüchen dennoch punkten kann. Auch bezüglich des blassen Charakters des Dr. Ron McCready, und der Situation rund um die Wandermilz, wurde ich nicht sonderlich mitgerissen. Zumal einfach die notwendige Tiefe fehlt. Letztendlich merkt man, dass es nur als Übergangsmaterial diente, was eben nicht notwendig gewesen wäre.

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Dem großen Staffelgeheimnis stehe ich persönlich gar nicht mal sehr kritisch gegenüber. Mir gefällt es gut, was sich die Autoren bezüglich der Applewhites ausgedacht haben. Der Charakter der Betty wurde mit Alfre Woodard auch ganz toll besetzt. Und auch Matthew gefällt mir als Nebencharakter sehr gut. Schade bei der Situation ist jedoch sehr, dass man sich dazu entschied, die Familie Applewhite so sehr am Rande zu platzieren. Es ist natürlich von logischer Natur, dass wenn man ein düsteres Geheimnis zu hüten hat, sich eventuell lieber verdeckt halten will, doch der Spannungskurve bezüglich dieser Story hat es definitiv geschadet. Der rote Fade wurde sozusagen immer mal wieder - oft zu ungünstigsten Momenten - fallen gelassen. Immer wieder sorgt die Applewhite-Story zwar für einen ordentlichen Spannungsschub, doch daraufhin ist zwischendurch oft gar nichts mehr von ihnen zu sehen. Entschädigt für die Durststrecken wird man zum Ende hin jedoch allemal. Da verstehen es die Autoren die Geschichte so richtig in Fahrt zu bringen, vor allem auch durch die Verstrickung mit den Van de Kamps. Ein äußerst gelungener Twist im Staffelgeheimnis sorgt für den größten Spannungsschub in der Handlung. Ich gebe es zu, dass ich nachdem ich das Staffelfinale der zweiten Staffel gesehen habe, einen richtigen Kloß im Hals hatte. Es hat mich sehr ergriffen. Hier hat man spätestens die Messlatte von Staffel eins definitiv wieder erreicht.

Die gefühlte Neverending-Story rund um die verbliebenen Youngs und Felicia Tilman, geht ein wenig auf die Nerven. Prinzipiell empfinde ich es schöner, wenn man pro Staffel große Handlungsbögen zu Ende bringt. Doch manchmal entdecken Autoren Storys mit soviel Zündstoff, sodass es dann berechtigt ist, da noch mehr daraus zu machen. In Staffel zwei eine absolute Weise Entscheidung. Denn an den Stellen, wo die Applewhites-Handlung brach liegt und nur Bree/Gabrielle mit ihren Storys punkten, sorgt Felicia mit ihren Rachegelüsten für die notwendige Spannung.

Specials

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Die DVD-Box ist mit einigen Extras ausgestattet. Praktischerweise hat man alles auf eine separate Disk gepackt, sodass man alles beeinander hat. Dabei ging man über den üblichen Standard hinaus und die Macher hab sich sichtlich Mühe gegeben, interessantes Zusatzmaterial zur Verfügung zu stellen. Die zusätzlichen Szenen sind okay und bei manchen wünschte ich mir, diese wären in die regulären Episoden gepackt worden. Übrigens befinden sich noch zwei extra Storylines von Susan und Lynette auf der Box. Bei der von Susan bin ich relativ froh, dass man sie nicht in den Staffelverlauf hinein gepackt hatte, denn sie wirkt doch relativ belanglos. Füllerstorys gibt es um Susan in Staffel zwei wirklich genug. Lynettes dagegen ist so emotional ergreifend, dass es schade ist, dass man dafür keinen Platz in der Staffelhandlung gefunden hatte.

Am meisten gespannt sah ich mir beim zusätzlichen Material die genannten Lieblingsszenen von Marc Cherry an. Da werden Hintergründe angesprochen, welche die Szenen nochmals schlüssiger erscheinen lassen. Auch der Part "Von der Idee bis zur Ausstrahlung einer Episode" verfolgte ich mit großem Interesse. Die Hausfrauen im Interview zu sehen macht auch Freude. Lediglich mit dem Zusatz "Desperate Styling" konnte ich mich nicht anfreunden. Modeexperten dürfte das aber sehr interessieren, da hier sämtliche Outfits unserer Housewives besprochen werden. Marc Cherrys Mutter gibt es ebenfalls zu sehen und einen gelungenen Promotion Spot.

Technische Details

Erscheinungstermin: 12.06.2008 (Komplettbox)
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: ca. 991 Minuten (24 Episoden)
Bildformat: 1,78:1, 16:9
Sprache (Tonformat): Deutsch, Englisch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Italienisch

Fazit

Es loht sich definitiv in die zweite Staffel der "Desperate Housewives" hineinzuschauen. Die Van de Kamps-Geschichten sind herzzerreißend, das Solis-Paar sorgt für feurige Stimmung und Emotionen, genauso das Susan/Karl/Edie-Gespann und Toms großes Geheimnis. In Richtung Staffelfinale hin nehmen sämtliche Handlungen ordentlich Fahrt auf, ebenso das Applewhites-Geheimnis. Doch erst an dieser Stelle schafft man es, wieder das Niveau der ersten Staffel zu erreichen. Zwischendrin sind viele Füllerstorys enthalten, welche die großen Handlungen ausbremsen.

Samuel W. - myFanbase