Bewertung: 9

Review: #8.06 Meine tolle Liebesnacht

J.D. erkennt, dass der Umgang von Denise mit den Patienten auch etwas Positives hat, Elliot will J.D. einen unvergesslichen Abend bescheren und Cox besetzt eine freie Stelle.

Neuer Chef

Gleich zu Beginn der Episode wird klar, dass der neue Chefposten wieder besetzt werden muss, denn ohne Führung gibt es keine richtige Kontrolle und so geht alles den Bach runter. Erster Beschwerdeführer ist natürlich Cox, der solche Umstände überhaupt nicht leiden kann, zumal er sich dann nicht mal bei irgendjemandem aufregen kann. Plötzlich erhält ausgerechnet Cox einen Anruf vom Vorstand, der ihm die Chefstelle anbietet. Jordan ist begeistert und hat einen wunderbar amüsanten Auftritt. In gewisser Hinsicht macht es auch absolut Sinn, Cox die Chefstelle anzubieten. Er ist schon lange im Sacred Heart, gibt eigentlich immer hundert Prozent, macht kaum Fehler und zeichnete sich schon immer als Führungsperson aus. Andererseits ist Cox nun gar nicht für dieses Stelle geeignet, die er doch so abgrundtief hasst, weil sie zwangsläufig den Charakter versauen muss. Man erinnere sich an die Episode 4.17 Meine Sitcom, in der Cox die Finanzen übernehmen will, damit niemand gefeuert werden muss. Schließlich kapituliert auch Cox und muss die geplante Entlassung bestätigen. Insofern ist das für Cox durchaus ein hohes Risiko, was aber auch viele gute und neue Geschichten in der Serie zur Folge haben könnte. Somit kann man die Entscheidung der Autoren also nur gutheißen.

Damit die Geschichte nicht ganz aalglatt abläuft, hat man in dieser Episode aber noch einen kleinen Spannungsbogen aufgebaut, der sowohl Cox’ Respekt vor der Stelle verdeutlicht hat, als auch für einige witzige Momente sorgen konnte. Kelso macht Cox den Job mies, sodass er zunächst ablehnt. Das bringt Jordan auf die Palme und den Hausmeister in Szene. Tolle Szene geht – tolle Szene kommt. Kelso überredet Cox schließlich, die Stelle doch anzunehmen, weil er eben sehr geeignet ist und seine Befürchtungen eh schon eingetroffen sind. Dass Kelso selbst den Vorschlag gemacht hat, Cox für den Chefposten zu besetzen, ist ein weiteres Zeichen, wie ähnlich sich beide doch sind. Für eine herzliche Umarmung reicht es zwar noch nicht ganz, aber seit die beiden sich nicht mehr in diesem Chef–Chefhasser-Verhältnis befinden, steigen die Symphatien immer weiter. Was daraus wohl noch werden wird?

Pro und Contra

Wie schon in der Vorfolge ist J.D. erneut mit Denise beschäftigt und versucht, ihr irgendwie eine Einfühlsamkeit auzuzwingen. Dass die Geschichte sofort wieder aufgegriffen wird, macht absolut Sinn, weil das Problem konstant ist und jetzt nicht einfach mal für zwei Wochen verschwinden kann. Zudem kann ich nur nochmal betonen, dass ich es schön finde, dass man diesen Neulingen viel Zeit einräumt, sie ordentlich vorstellt und nicht so schnell verschwinden lässt. Und über Denise erfährt man in dieser Episode wirklich viel. Sie ist Ärztin geworden, weil sie schon immer vom menschlichen Körper begeistert gewesen ist und dafür ein großes Interesse zeigt. Der Mensch selbst ist für sie aber völlig uninteressant und so kann sie auch keinerlei Emphatie empfinden. Schon das Sorgen für die Bequemlichkeiten eines Patienten erfordert von ihr höchste Konzentration.

Doch Denise ist auch sehr selbstbewusst und widersetzt sich J.D.s Anweisung, der dem Patienten eine schmerzhafte Untersuchung ersparen will. Doch Denise behält recht und die Untersuchung war mehr als notwendig. J.D will sich entschuldigen und wird mit Denises nächster Charakterstärke konfrontiert. Sie ist nämlich auch sehr strebsam und will so behandelt werden, dass man ihre Schwächen anklagt und sie zur Verbesserung zwingt. J.D. hat aber genau das nicht gemacht. Er wollte ihre eigentliche Schwäche plötzlich als Stärke auszeichnen und sie von nun an nicht mehr fordern. Dass Denise sich darüber beschwert, muss man ihr wirklich enorm hoch anrechnen. So viel Selbstreflexion und Ehrlichkeit muss man erst einmal an den Tag legen. Andere (Katie zum Beispiel) hätten sich lieber in dem Erfolg gebadet, doch für Denise war es nur Glück. Sie müsse trotzdem weiter hart an sich arbeiten. Das Gespräch zwischen J.D. und Denise war sehr intensiv und sehr gelungen. Besonders toll war der Moment, als J.D. wieder die Oberhand bekam. Denise will eine Lösung für ihr Problem, doch J.D. sagt nur, dass sie das selbst hinbekommen müsse. Das war eine sehr reife Antwort. Er kann nicht alles machen. Jeder muss einen Weg für sich finden und Denise versucht es auch gleich. Tolle Momente!

Unvergesslicher Abend

Elliot will der frischen Beziehung mit J.D. eine besondere Note verleihen und ihm dem besten Sex seines Lebens bereiten. Doch Versprechungen sorgen häufig für Panik, gerade wenn solche Superlative durch die Gegend geschmissen werden. Carla ist nicht zu erreichen, also muss Turk helfen. Immerhin kennt er J.D. in und auswendig. Doch Turk war noch nie besonders offen für solche Gespräche und Elliot muss sehr lange betteln bzw. nerven, um überhaupt etwas aus Turk herauszubekommen. Die Worte sind dann aber auch der Mühe wert gewesen und so einfach, dass man erstmal darauf kommen muss. Das Besondere liegt darin, dass man nicht versucht, es besonders zu machen, sondern einfach den Moment genießt. Das muss Elliot erstmal schlucken, doch sie zieht es knallhart durch und wird von J.D. dann genau richtig begrüßt. Auch das war einfach eine tolle Szene, die ein ganz neues Paar J.D. und Elliot zeigt. Die beiden sind erwachsen geworden, auch was Beziehungen angeht. Sie wirken richtig häuslich in ihrem Umgang, sehr unaufgeregt, sehr bedacht und reif. Es gibt keinerlei Ansätze, dass die beiden wieder ein ständiges Hin und Her durchmachen. Sie scheinen sich endlich gefunden zu haben und vertrauen derart einander, dass sie nichts mehr aus dem Gleichgewicht bringen kann. Das gönnt man den beiden richtig und wenn dies der Kompromiss von Bill Lawrence sein soll, den er eingegangen ist, dann bin ich damit sehr glücklich. Ein Hin und Her zwischen den beiden würde nur nerven, sie aber getrennt zu lassen, würde mir auch nicht gefallen. Eine unaufgeregte, reife Beziehung, die einfach ist und keinen Fokus in der Serie mehr benötigt, gefällt mir ausgesprochen gut.

Und witzige Geschichten lassen sich trotz allem mit den beiden noch erzählen. Elliots Cookie-Plan ist so typisch, J.D.s Angst vor Turks Diebstahl so idiotisch wie angemessen und Turk bleibt eben einfach Turk, der sich auch noch als toller Pianist offenbart. Man benötigt also keine kindische Beziehung, um die Eigenarten der Charaktere herausstellen zu können.

Fazit

Eine in jeder Hinsicht gelungene Episode, die die volle Punktzahl verdient hat. Turks Hinweis an Elliot gilt auch für die Episode. Sie versucht nicht besonders zu sein und ist es gerade deshalb.

Emil Groth – myFanbase

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