Bewertung: 9

Review: #1.04 Meine Lieblingspatientin

Das war für mich die erste Episode, in der man so richtig die Klasse der Serie erkennen konnte. Sie hatte genau die richtige Mischung aus Humor und Emotionen, die die Serie in all ihren Jahren so auszeichnete und es gab das typische "Scrubs"-Feeling. Auch konnten wir bei den noch so jungen Ärzten erste Entwicklungen sehen.

Bereits der Teaser war sehr viel versprechend und konnte mit einer von J.D.ís typischen Visionen aufwarten. Carla und Elliot geraten erneut in einen Streit und J.D. unterbricht die beiden, was sie nur noch wütender macht. Danach wünscht er sich, er könne die Zeit zurückdrehen, nur um zu erkennen, dass er in dieser Fantasie wieder genau dasselbe tut. Sehr amüsant und auch ganz niedlich. Die Zeit kann man eben nicht zurückdrehen und was gesagt ist, ist gesagt. Und das muss auch nicht immer schlecht sein... Die lustigste Vision war für mich in dieser Folge jedoch, als J.D. gegen den Tod beim "Vier gewinnt" verliert. Das war der typische "Scrubs"-Humor und konnte eine ernste Angelegenheit amüsant verpacken.

Danach lernen wir, dass von drei Patienten, die ins Krankenhaus kommen (Entbindungsstation und Notfallambulanz ausgenommen), im Durchschnitt einer stirbt. Im Anschluss daran werden uns die Patienten jeweils für J.D., Elliot und Turk vorgestellt. Ich wette, so gut wie jeder Zuschauer hat während der Folge versucht zu rätseln, welcher der Patienten es am Ende nicht schaffen wird. Doch "Scrubs" wäre nicht "Scrubs", wenn es nicht eine überraschende Wendung am Ende geben würde: Alle drei Patienten überstehen die Folge nicht. Der eine bleibt mehr, der andere weniger emotional zurück. Mich persönlich hat J.D.ís Fall am meisten berührt, aber dazu gleich mehr...

Carla und Elliot nähern sich endlich über eine hispanische Patientin an. Es war wirklich sehr schön zu sehen, wie Elliot sich Sicherheit bei Carla sucht und ihre teilweise überhebliche Attitüde ablegt, um mit der Patientin kommunizieren zu können. Doch genau wie die anderen Ärzte hat auch Elliot ihre Zweifel und schafft es zunächst nicht, eine Entscheidung zu treffen. Das ist das erste Mal, dass einem als Zuschauer so richtig bewusst gemacht wird, unter welchen starken Selbstzweifeln Elliot leidet. Sie kann sich nicht entscheiden und das nicht nur in wichtigen Belangen. Carla kann damit zunächst nichts anfangen, doch dann tut sie etwas Unerwartetes. Sie erklärt Elliot, dass der Grund, warum sie sie nicht mag, der ist, dass sie ein wenig eifersüchtig ist, dass sie nicht mehr die einzige Frau im Krankenhaus ist, die viel Ahnung hat. Das ist ein erster richtiger Durchbruch zwischen den beiden und sehr schön anzusehen.

Am besten war jedoch noch die Szene, in der beide sich über ihre Tricks bei den Männern unterhalten und Elliot Carla gegenüber gesteht, dass sie nicht gerade die selbstsicherste ist, was das Thema angeht... oder auch was jedes Thema angeht.

Auch gut war in dieser Folge natürlich wieder Dr. Cox. Wie er zu Elliots Patientin kommt und dann verärgert auf den unnötigen Ruf reagiert, aber dennoch immer mit einem gespielten Lächeln auf die Lippen "Barbie" klarmacht, dass sie das in Zukunft unterlassen soll. Am Ende noch ein fröhliches Lachen und die Patientin ist beruhigt. Trotzdem kann er am Ende Elliot die ruhige Gewissheit geben, dass sie das Richtige getan hat. Das war sehr schön von ihm und sicherlich sehr wichtig für Elliot, für die er noch nicht wirklich viel übrig zu haben scheint. Wenn man die späteren Folgen bereits kennt, fällt hier besonders auf, wie unsicher Elliot noch wirkt und wie viel überdrehter sie über die Jahre wirkt. Sie wirkt hier noch etwas bodenständiger, später jedoch humorvoll-überspitzt. Mir gefallen beide Versionen von ihr.

Die Szene, in der Dr. Cox sich über J.D. mit einem gespielten Heulanfall lustig macht, war ebenso gut. Auch wenn er so tut, als würde es ihn nicht scheren, schafft er es schon zu so früher Zeit, seinen Schützlingen auf seine eigene Art und Weise begreiflich zu machen, worum es beim Arztsein geht. Außerdem ist es natürlich immer wieder sehr amüsant anzusehen und das muss ja auch was wert sein.

Nachdem wir in den vergangenen Episoden bereits mit der Arbeitsweise der Chirurgen bekannt gemacht wurden, wird in dieser Folge viel Wert auf Charaktertiefe bei unserem Hauptchirurgen Turk gelegt. Er ist auch einfach ein viel zu guter und liebenswerter Mensch, als dass er sich auf Dauer von seinen Patienten distanzieren könnte. Wie er sich mit dem Jungen angefreundet hat, hat mir sehr gut gefallen und besonders die Szene, in der ihm der Vater dafür dankt, hat mich sehr berührt. Auch wenn so eine Situation sicher eher selten ist, dass Eltern sich so bald mit dem Tod eines Kindes abfinden können und die intensive Arbeit des Arztes so früh zu schätzen wissen. Der Patient hat mir auch erst ein wenig Leid getan, wie keiner ihm Beachtung geschenkt hat, denn er kam eigentlich recht sympathisch rüber.

Dann wäre da auch noch J.D.ís Patientin, die alte Mrs. McCluskey. Gut, vielleicht habe ich mir nicht wirklich gemerkt, wie sie in dieser Folge hieß. Aber wer kennt die gute Frau denn bitte nicht als die resolute Babysitterin von Lynette aus "Desperate Housewives"? Die Patientin war unheimlich sympathisch und auch wenn J.D. sicherlich bei jedem seiner Patienten so reagiert hätte, war es doch bei dieser Frau erst recht verständlich. Wie er versucht hat, sie mit seinen Dingen, die man vor dem Tod gemacht haben muss, zu überzeugen, war ganz niedlich und hat mich daran erinnert, dass ich so etwas auch unbedingt noch mal machen muss. Aber absolut bewegend und gleichzeitig lustig war dann die Szene, in der die Frau J.D. in den Arm nehmen musste, weil er selbst viel größere Probleme mit ihrem baldigen Tod hatte als die gute Frau selbst. Es kommt selten vor, dass ich gleichzeitig lachen und weinen muss, aber "Scrubs" schafft das immer wieder. Dazu absolut passend eines meiner Serienlieblingslieder "Hallelujah". Traumhaft schön und einfach perfekt. Endlich konnte ich bei einer Serie mal wieder so richtig schluchzen. Krankenhausserien sind da natürlich prädestiniert für mit ihren traurigen Patientengeschichten. Und wie es in diesen Serien so ist, konnten ja auch alle Hauptcharaktere etwas aus diesen traurigen Ereignissen für sich mitnehmen.

Auch der Hausmeister war in dieser Folge ganz gut, allerdings noch nicht auf dem Top-Niveau, auf dem wir ihn später noch sehen werden. Aber es ist ja auch erst die vierte Folge und, obwohl die Serie sich noch steigern kann und wird, habe ich keine Möglichkeit, außer der Folge neun Punkte zu geben. Sie war einfach zu perfekt und rührend und brachte sehr viel Charakterentwicklung. So kann es weitergehen...

Nadine Watz - myFanbase

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