Bewertung

Review: #1.20 Der letzte macht das Licht an

Foto: David Lyons, Revolution - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
David Lyons, Revolution
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Eines lässt sich nach diesem Staffelfinale ganz klar sagen: Die Karten sind komplett neu gemischt. Am Ende der Folge haben wir eine ganz neue Ausgangslage für die zweite Staffel und niemand befindet sich in dem Zustand, in dem er sich zu Beginn der Staffel befand. Obwohl diese Aussichten sehr vielversprechend sind, muss man doch mit einem weinenden Auge zurückblicken, denn die Folge hat Nora das Leben gekostet, was den Autoren nicht sehr einfach zu verzeihen ist.

"Everything I have ever done was for you. The only thing I ever cared about was watching your back."

Aber mal ganz von vorne. Der ganz große Showdown zwischen Miles und Bass hat leider nicht wie erhofft stattgefunden. Beide sind mit dem Leben davongekommen und anstatt einer wirklichen Auseinandersetzung sieht man, wie eng die beiden miteinander verbunden sind. Trotz allem sind sie Brüder und das werden sie auch immer bleiben. Für viele mag dies ein Schwachpunkt der Serie sein, da der gewünschte Tod des anderen die Staffel vorangetrieben hat, doch hier bekommt man statt einem actionreichen Showdown einige sehr wertvolle und besondere Szenen geboten. Es wird deutlich, wie sehr Bass an Miles hängt und dass er diesen niemals umbringen würde. Dafür liebt er seinen langjährigen Freund viel zu sehr und die beiden verbindet eine ereignisreiche Vergangenheit. Als Bass unbedingt mit Miles kämpfen wollte, musste man an der ein oder anderen Stelle doch sehr schmunzeln, doch die Botschaft wurde am Ende umso stärker vermittelt. Die beiden werden sich nie gegenseitig umbringen und Miles würde Bass trotz allem wieder das Leben retten. Und das ist auch gut so! Die Beziehung der beiden geht so tief, so dass es noch sehr viel mehr zu entdecken und zu erzählen gibt. Die Dynamik zwischen den beiden Charakteren passt wunderbar und auf weitere solcher Szenen sollte nicht verzichtet werden. Besonders Billy Burke und David Lyons schaffen es einen vollkommen einzunehmen und man ist fasziniert, wie die Kommunikation zwischen ihnen verläuft. Ganz besonders muss hier der Anfang der Folge erwähnt werden, als beide einen einzigen Blick austauschen und damit vermitteln, dass sie Seite an Seite kämpfen werden, auch wenn sie sich gerade in diesem Moment hassen. Großes Kino! Es bleibt spannend, jetzt wo Miles Bass das Leben erneut gerettet hat und Bass eigentlich nichts mehr hat, wohin er zurückkehren kann. Er ist quasi der einsamste Mensch der Welt und muss nun schauen, wo er bleibt. Hoffentlich spielt hier Miles eine große Rolle, denn diese beiden Charaktere tragen die Serie ungemein. Vielleicht werden sie von nun an gemeinsam kämpfen, oder weiterhin Feinde bleiben. Beide Möglichkeiten sind vielversprechend und die Freude auf die nächste Staffel ist definitiv vorhanden.

"Sir, I could never say this under your employ, but you have become foolish and erratic and you have a borderline erotic fixation on Miles Matheson. There, I said it. I feel better."

Bass' aktuelle Situation ist der Tatsache geschuldet, dass Tom die Miliz um den Finger gewickelt hat. Er war in dieser Folge skrupelloser als je zuvor und sein Verhalten zeigt deutlich, dass er sich in etwas hineinsteigert, das ihm das Genick brechen kann. Tom ist noch nicht soweit, um als alleiniger Anführer zu fungieren, doch das sieht er anders. Es war spannend mitanzusehen, wie er mit der Zeit alle menschlichen Gefühle abstellt und nur noch nach mehr Macht aus ist. Selbst seinem Sohn Jason gegenüber empfindet er kein schlechtes Gewissen und demonstriert damit, dass er genau so geworden ist, wie der Mann, den er aktuell verabscheut - Monroe selbst. Tom hat in dieser Staffel eine große Entwicklung gemacht und sein Händchen zur Manipulation hat nur gezeigt, das man bei ihm mit allem rechnen muss. Sollte Julia sich tatsächlich in Atlanta aufhalten und durch die Bombe sterben, wird man Tom in einem Zustand vorfinden, in dem man ihm nicht begegnen möchte. Giancarlo Esposito hat hier eine tolle Leistung gezeigt und könnte sich in der nächsten Staffel als weitaus größerer Feind herausstellen. Obwohl seine Entwicklung in dieser Folge positiv zu betrachten ist und seine Worte an Monroe eine sehr starke Wirkung hatten, so ist doch zu bemängeln, dass er und Miles nicht noch einmal aufeinander getroffen sind. Eine Konfrontation der beiden wäre hier noch sehr wünschenswert gewesen.

"Look at me. I am not leaving you."

Stattdessen trifft Miles auf eine sterbende Nora und dies ist ein Punkt der Episode, der nicht zu verzeihen ist. Nora war definitiv einer der Lieblingscharaktere und ihren Tod kann man nicht so leicht verarbeiten. Es wurde hier deutlich, dass die Autoren auf eine Liebesbeziehung zwischen Rachel und Miles aus sind und das haben Noras Worte an Rachel gut gezeigt. Doch Nora hat eine viel positivere Wirkung als Rachel und sie war immer ein Teil der Serie, der die gesamte Paranoia ausgeglichen hat. Rachel hatte immer nur eines im Sinn und ist unberechenbar, denn sie macht nur das, was sie will und denkt dabei nicht an andere. Selbst ihre eigene Tochter hatte keine Chance gegen ihren Plan. Nora hingegen konnte immer für etwas Frieden sorgen und ihre Chemie mit Miles hat einfach gepasst. Zumindest haben die Autoren ihr einen sehr schönen Abschied beschert und somit das Beste aus Billy Burke herausgeholt, doch damit abfinden kann man sich trotzdem noch nicht. Dafür hat die Geschichte von Nora noch viel zu viele Lücken, die noch gefüllt werden sollten. Es ist fraglich, was mit Miles passieren wird, denn Noras Tod hat stark gezeigt, dass dieser Mann in diesem Moment gebrochen ist. Die gesamte Staffel konnte ihn nichts aus der Bahn bringen, er hatte immer ein Ziel vor Augen. Noras Tod bringt all seine Emotionen vom Vorschein und Miles weiß in dem Moment nicht mehr, was er tun soll. Dies könnte positiv für den Charakter werden, könnte ihn aber auch in eine Richtung formen, die wir noch nicht zu Gesicht bekommen haben.

Neben Noras Tod gibt es eine Kleinigkeit, die ebenfalls nicht zufriedenstellend ist. Zu Beginn der Staffel konnte die Serie mit der Beziehung von Charlie und Miles punkten. Bis zum Schluss hin habe ich gehofft, dass diese Beziehung wieder aufgegriffen wird und man mehr davon zu sehen bekommt. Leider hat auch das Staffelfinale keinen Moment geboten, in dem deutlich wurde, dass Miles alles für seine Familie tun würde. Zwar konnte er bei den Szenen mit Bass und Nora punkten, doch die Momente der Familie Matheson gingen hier komplett unter. Das ist schade, vor allem wenn man sieht, welche Richtung Mutter und Tochter einschlagen. Charlie hat ihr deutlich gezeigt, dass sie ihr Handeln nicht nachvollziehen kann und da muss man sich tatsächlich auf Charlies Seite stellen, denn alles was Rachel in dieser Folge deutlich gemacht hat, war die Bedeutung ihres Sohnes für sie. Anstatt sich auf ihre Tochter und ihre Familie zu konzentrieren, will sie weiterhin Dannys Tod rächen, der eigentlich keine Rolle mehr spielen sollte. Dafür gibt es viel wichtigere Dinge, mit denen sich Rachel auseinandersetzen sollte.

"It's time to go home, Mr. President."

Dazu zählen vor allem die Konsequenzen, die der wieder verfügbare Strom mit sich bringt. Es gelingt Rachel und Aaron tatsächlich, die Elektrizität zurückzuholen, ohne die Erde dabei zu verbrennen. Doch was folgt ist eine komplett neue Ausgangssituation, denn dieser Schritt war von Anfang an geplant. Randall hat zuerst dafür gesorgt, dass der Strom überall abgestellt wird und dann Jahre später wieder angeht. Der Grund dafür ist der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der immer noch lebt, die Auslöschung des östlichen Teils von Amerika ordert, um daraufhin das Land wieder neu aufzubauen - WOW! Damit hätte man wirklich nicht rechnen können und dies ist ein Schritt, der sehr gewagt ist, denn wie bereits erwähnt, bedeutet das komplett neu gemischte Karten. Man hat nicht die geringste Ahnung, was in Staffel zwei passieren wird, wer an welcher Seite kämpft, welche Absichten der Präsident hat und wie alle alten Charaktere da hineinfließen. Man kann praktisch von Anfang an beginnen und eine komplett neue Story erzählen. Dies kann natürlich nach hinten losgehen, bietet aber unendlich viele Möglichkeiten, auf die man sich aber nach dieser Staffel freut. "Revolution" hat mit dieser ersten Staffel nicht enttäuscht und man kann fast sicher sein, dass Eric Kripke sich für die zweite Staffel etwas ganz besonderes ausgedacht hat. Die Frage ist nur, ob man das Potential der Charaktere und ihrer Beziehungen nicht verschenkt, so wie es bei Miles und Charlie der Fall war.

Was man den Autoren bei diesem Finale auch hoch anrechnen muss, sind die Antworten auf all die Fragen, die uns seit langer Zeit beschäftigen. Die Story mit dem Tower wurde aufgeklärt und es wurde deutlich, weshalb der Strom abgestellt wurde. Nun ist man gespannt, welche Konsequenzen das alles haben wird und in welche Richtung sich die Charaktere entwickeln. Die Neugier ist da, ebenso wie die Freude auf Staffel zwei, auch wenn Noras Tod immer noch ein ungutes Gefühl in der Magengegend hinterlässt.

Fazit

Nach diesem Staffelfinale sind die Karten komplett neu gemischt und man hat nicht die geringste Ahnung, auf welcher Seite die Charaktere nun stehen. Auch Bass' Zukunft steht in den Sternen, sowie Miles Zustand. Dies kann sehr vielversprechend sein, ebenso wie eine Staffel, in der der Strom wieder vorhanden ist. Das Staffelfinale hatte zudem sehr viele starke Momente zu bieten, ganz besonders zwischen Miles und Bass, sowie dem neuen Anführer der Miliz, Tom. Sehr negativ fällt der Tod von Nora auf, sowie die fast nicht vorhandene Interaktion der Familie Matheson. Dennoch ist die Freude auf Staffel zwei vorhanden und man kann nur sagen: Weiter so!

Alex Olejnik - myFanbase

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