Bewertung: 7

Review: #7.07 Hochzeit zwischen Freund und Feind

Foto: Maggie Lawson & James Roday, Psych - Copyright: 2015 Universal Pictures
Maggie Lawson & James Roday, Psych
© 2015 Universal Pictures

Irgendwann musste es ja einmal soweit kommen. Es war eigentlich unumgänglich, dass Shawns Lügen ans Tageslicht kommen. Aber jetzt da es endlich soweit ist, beschleicht mich ein komisches Gefühl. War es die richtige Entscheidung von Steve Franks, gerade jetzt diese Bombe platzen zu lassen und die gesamte Prämisse der Serie in Frage zu stellen? Nicht erst die aktuelle Staffel hat den Fokus weg von Shawns angeblich medialen Fähigkeiten hin auf seine Leistung als Detektiv gelegt. Daher war es eigentlich ein logischer Schritt, endlich die Lüge aufzudecken. Und dennoch bin ich im Moment sprachlos, dass man es gewagt hat. Und das weit vor dem Serienfinale. Damit hätte ich nie im Leben gerechnet.

"Are you telling me this is all a lie?" "Please don't make me answer that."

Nun stellt sich die Frage, wie Juliet mit Shawns Geständnis umgehen kann. Für sie war und ist Ehrlichkeit eine unglaublich wichtige Sache in ihrem Leben. Das wurde mehr als einmal in der Serie thematisiert. Es kommt für Juliet also einem Weltuntergang gleich, dass ihre ganze Beziehung zu Shawn, ihre Professionelle wie auch ihre Persönliche, auf einer gigantischen Lüge basiert.

Die Szene zwischen den beiden Charakteren ist wirklich sehr intensiv inszeniert und für "Psych"-Verhältnisse absolut untypisch, denn es wird mit einem Mal ernst. Die ausgelassene, heitere Stimmung kippt mit einem Mal, als Juliet ihn auf eine angebliche Vision anspricht und Shawn sich entscheidet, keine Ausflüchte mehr zu suchen, sondern die Flucht nach vorne anzutreten. Er macht ihr klar, dass er damals keine Wahl hatte und irgendwann Gefallen daran gefunden hat, als Medium aufzutreten. Und irgendwann war es zu spät für ihn, allen die Wahrheit zu sagen. Vielmehr genoss er, dass er mit seiner Masche Erfolg hat. Juliet tröstet dies natürlich nicht darüber hinweg, dass Shawn sie all die Jahre hintergangen hat, so dass es ein logischer Schritt für sie ist, erst einmal auf Abstand zu gehen.

Im Moment sehe ich für das Paar, das so lange gebraucht hat, um zueinander zu finden, keine reelle Chance, diesen Vertrauensbruch irgendwie zu verarbeiten. Natürlich stellt sich die Frage, ob Juliet tatsächlich all die Jahre ehrlich geglaubt hat, dass Shawn tatsächlich übersinnliche Kräfte hätte. Eine Frau, die so intelligent und taff ist wie sie kann doch unmöglich einer solchen Schmierenkomödie aufsitzen. Aber ihre Reaktion lässt vermuten, dass die ganze Sache mit einem flotten Spruch und einem "wusste ich es doch!" nicht getan ist.

Die Hoffnung stirbt bekanntlicherweise zuletzt und ich hoffe inständig, dass James Roday und Steve Franks einen Plan für die beiden haben. Denn eine endgültige Trennung zu einem solch späten Zeitpunkt in der Serie ist eigentlich vollkommen undenkbar. Vielleicht also kommt es gar nicht zu der Trennung und Juliet und Shawn versöhnen sich schon bald wieder. Ich wünsche es mir, denn eine Trennung wird sowohl Shawn, als auch Juliet schwer treffen und der Serie einen unnötigen, ernsten Touch verleihen, den ich bei "Psych" einfach nicht sehen will.

"I mean, I am getting married tomorrow, so no funny business, like slipping me an illegal substance as they did in The Hangover."

"Psych" muss witzig und spannend sein. Abgedreht und verrückt. Ungewöhnlich. Leichtfüßig. Eben purer Spaß. Und genau das bot man mit den beiden Junggesellenabschiedparties eigentlich. Lassiter wird von Shawn, Gus, Woody und Henry in ein Casino entführt, wo sie mal so richtig die Sau raus lassen wollen und Lassiter sich selbst den Spaß nicht verderben lässt, als ihnen ein gesuchter Buchhalter eines Mafiabosses vor die Füße stolpert. Es acht richtig viel Spaß, zuzusehen, wie glücklich Lassiter im Moment ist und sich von nichts und niemanden seine Vorfreude auf eine gemeinsame Zukunft mit Marlowe trüben lässt. Er akzeptiert sogar Shaws Verrücktheiten und Visionen. Marlowe ist das beste was ihm passieren konnte und ich bin froh, dass es für die beiden am Ende ein Happy End gab, sie sich das Ja-Wort geben konnten und sie nun voller Vorfreude in ein gemeinsames Leben tanzen.

Die komplette Geschichte strotzt nur vor wundervollen Einfällen, angefangen von dem Partybus mit nachträglich installierter Stripperstange, über eine betrunkenen Polizeichefin bis hin und einem strippenden McNab bis hin zu einem wie (fast) immer genialen Woody, der zur Trauung eben in einem Badeanzug erscheint, weil Lassiter nicht klar definiert hat, was für einen Anzug er bei seinen Gäste sehen will. Selbst die Anspielung auf "Hangover" war absolut genial in die Story eingebunden, so dass ich wirklich Willens gewesen wäre, dieser Episode aufgrund so vieler toller Szenen die volle Punktzahl zu geben. Hätte, ja hätte es nicht dies letzte Szene gegeben, die all das zunichte gemacht hat, was man zuvor aufgebaut hat.

Fazit

Dieses unerwartete Ende trübt die Freude an einer ansonsten wirklich tollen Episode schon sehr und hinterlässt ein sehr ungutes Gefühl. Vergessen sind die grandiosen Szenen zuvor und auch die Freude darüber, dass Lassiter endlich seine Seelenverwandte gefunden hat. Vergessen ist das schöne Gespräch zwischen Vater und Sohn oder der Face-Off zwischen Limousine und Partybous. Am Ende bliebt nur diese dunkle Wolke über den Köpfen der Zuschauer. Das hätte wirklich nicht sein müssen.

Melanie Wolff - myFanbase

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