Bewertung: 9

Review: #5.12 Das Geheimnis von Dual Spires

Foto: Sheryl Lee, Twin Peaks - Copyright: Paramount Pictures
Sheryl Lee, Twin Peaks
© Paramount Pictures

Das 20-jährige Jubiläum der einzigartigen Mystery-Horror-Crime-Serie "Das Geheimnis von Twin Peaks" hat die Macher von "Psych" zu einer ebenso liebevollen wie liebenswerten Hommage an die Serie verleitet, bei der sich diverse "Twin Peaks"-Darsteller die Ehre geben. "Psych", selbst eine Crime-Serie mit Comedy-Elementen, eignet sich hervorragend für dieses Thema, da all die skurrilen und nach 20 Jahren vor allem niedlich erscheinenden Details von "Twin Peaks" hier so eingebettet werden, dass man aus dem Lachen nicht mehr herauskommt.

So ist es zunächst eine E-Mail von me@underthenail.com, die Gus und Shawn erreicht, die direkt an jene Szenen aus "Twin Peaks" erinnert, bei der man lieber weggeschaut hat, nämlich als Special Agent Dale B. Cooper (Kyle MacLachlan) mit einer Pinzette einen Buchstaben auf Papier unter dem Fingernagel der toten Laura Palmer hervorzieht, der für ihn sofort eine gewisse Bedeutung hatte, die sich dem Zuschauer aber erst viel später erschloss. Gus und Shawn jedenfalls öffnen die der E-Mail angehangene Einladung und stellen fest, dass sie in die winzige Stadt Dual Spires kommen sollen. 'Dual Spires' heißt übersetzt so ziemlich dasselbe wie 'Twin Peaks' und steht für zwei Gipfel, nach denen die beiden fiktionalen Städtchen benannt sind. In Dual Spires soll ein Zimtfestival stattfinden, was es so zwar in Twin Peaks nicht gab, was aber wunderbar zu all den verschroben Eigenheiten des Örtchens passt.

Im Ort angekommen beginnt der sehr stark an "Twin Peaks" angelehnte Soundtrack, der für die richtige Atmosphäre sorgt. Gus und Shawn halten zunächst im einzig vorhandenen Diner, dem "Sawmill" (das Packard Sägewerk lässt grüßen) an, in dem sie vom Besitzer Bobby Briggs (ein mittlerweile ergrauter Dana Ashbrook) begrüßt werden, der hier Robert Barker heißt – (to bark = bellen) weil Bobby doch so gerne bellt, wenn er jemandem Angst einjagen möchte – und der auch noch sagt, man könne ihn Bob nennen, der Name des großen Mysteriösen in "Twin Peaks". Im Angebot hat Robert Barker natürlich was Heißes zu trinken und den besten Kuchen der Welt – allerdings nicht Kaffee und Kirschkuchen, sondern Apfelcidre und Zimtkuchen. Die Verzückung bei Shawn und Gus ist aber dennoch ebenso groß, wie sie bei Agent Cooper war. Verheiratet ist Robert Barker übrigens mit der jungen Dame, die sich früher so gerne ältere Herren ausgesucht hat, Lana Budding Milford aka Robyn Lively.

Das Auftauchen des Sheriffs ist die nächste große Überraschung, denn es steht niemand anders als der agoraphobische Orchideenzüchter Harold Smith (Lenny von Dohlen) vor Gus und Shawn, der hier Sheriff Andy Jackson heißt und damit auf den herzensguten Deputy Andy anspielt. Im Diner läuft übrigens die Music-Box und die Stimme ist unverkennbar als die von Julee Cruise zu identifizieren, jener Sängerin, die sowohl auf dem "Twin Peaks"-Soundtrack singt, sowie auch in der Serie zu sehen war. Beim anschließenden Zimtfestival zeigt Sheriff Andy Jackson das Stadtmaskottchen, das natürlich nichts anderes als eine Eule ist, die auch noch Leo heißt. Und wenn die Teenager eingeführt werden, braucht man sich schon gar nicht mehr zu wundern, dass der eine exakt in solchen Football-Klamotten gekleidet ist, wie es früher Bobby Briggs war, und der andere in schwarz wie James Hurley.

Gus und Shawn erfahren dann endlich, dass ein junges Mädchen verschwunden ist, und wie heißt dieses Mädchen? Paula Merral – ein herrliches Anagramm von Laura Palmer, der bekanntesten Wasserleiche der TV-Geschichte. Es ist dann natürlich auch niemand geringeres als die echte Laura Palmer (Sheryl Lee), die als Dr. Gooden die Plastikfolie vom Gesicht der Leiche wegzieht, und es ist, als würde sie in einen Spiegel schauen, der ihr die Vergangenheit zeigt. Gus übernimmt die Rolle des Deputy Andy und weint beim Anblick der Leiche bitterlich, genauso wie Michelle Barker das verzweifelte Schreien der Sarah Palmer übernimmt und Robert Barker den herzerweichenden Zusammenbruch des Leland Palmer. Die Klavierbegleitung im Hintergrund ist fast so schön wie das "Laura Palmer Theme", und als dann auch noch ein Verschnitt des Deputy Hawk auftaucht, kann man sich nicht mehr halten vor Lachen. Dann interpretiert Julee Cruise das "Psych Theme" neu und man steckt mitten in der erneuten Suche nach dem Mörder der Laura Palmer ...pardon, Paula Merral.

In der Praxis von Dr. Gooden wartet natürlich der Beo Waldo auf seine Behandlung und die echte Laura Palmer bietet beim Gespräch über Paula Merral eine Nacherzählung ihrer eigenen Geschichte des Mädchens, das mit dem Tod gespielt hat, und im Gespräch mit Paulas Freund Randy Jackson bricht dieser in einen Heulkrampf aus wie einst schon Bobby Briggs. Auf der Straße läuft Shawn und Gus die Log Lady über den Weg, und bei den Nachforschungen in der Stadtbücherei erwartet uns endlich Audrey Horne (Sherilyn Fenn), die hier Maudette heißt und anstatt sich damit zu beschäftigen, einen Kirschstiel im Mund zu einem Knoten zu formen, nun einfach auf Kirsch-Cola umgestiegen ist. Nachdem Shawn und Gus ein Buch von Windom Earle, Verzeihung, Earl Wyndam gefunden haben, begegnet ihnen beim nächsten Besuch im Diner ein Greis, der ihnen permanent den hochgestreckten Daumen zeigt, bevor Carlton Lassiter als 1a-Imitation von Agent Cooper hereinschneit. Zuvor hatten die "Psych"-Ermittler bereits auf eine ganz besondere Weise von dieser "Twin Peaks"-Hommage profitiert, denn wahrscheinlich hatten sie bisher nie eine solch wahnwitzige Menge an Donuts zum Frühstück.

Auf einen aber wartet man am gespanntesten und das ist Leland Palmer (Ray Wise). Er taucht hier als Pater auf, der Shawn und Gus bei der Lösung des Falls hilft und sie sogar aus einem brennenden Haus rettet. Hach, es ist so schön, wenn man im Vergleich an Leland Palmers Ende denkt. Fast schon zuviel des Guten ist es, als Leland Palmers Haar wiedermal von der einen Szene auf die nächste obligatorisch weiß geworden ist, er dies als Malheur beim Haarefärben erklärt und sich einen Spaß daraus macht.

Am Ende sind die alten Opfer hier die Täter und fast alle "Twin Peaks"-Darsteller in einer Szene vereint. Das Finale der Folge bringt nochmal ein großes Aufgebot an Anspielungen auf "Twin Peaks": einen bellenden Randy, Audreys Tanz, den Riesen, den roten Zwerg, der hier kein Zwerg ist, Nadines Augenklappe und verdammt heißen ...Apfelcidre.

Nicole Oebel - myFanbase


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