Bewertung: 9

Review: #5.08 Ein letztes Mal

Foto: Caterina Scorsone, Private Practice - Copyright: 2012 ABC Studios
Caterina Scorsone, Private Practice
© 2012 ABC Studios

Nach dieser Episode musste ich erstmal tief durchatmen. All die Emotionen haben mich sehr mitgenommen und ich war teilweise richtig erschrocken. Normalerweise bekommt man solche Situationen im besten Fall nicht zu sehen, doch "Private Practice" ist dafür bekannt, extreme Ereignisse realitätsnah darzustellen, genau so wie es mit Charlotte und ihrer Vergewaltigung damals war. In diesem Fall steht Amelia im Vordergrund und das hat mich sehr gefreut, weil mir ihre Storyline in dieser Staffel bisher sehr gut gefallen hat. Es ist mal etwas anderes, auf dieses Thema von dieser Seite aus ranzugehen und ich denke, dass es wichtig ist, dieses Thema darzustellen, denn es gibt sicherlich einige Familien, die mit dem gleichen Problem kämpfen. Ich bin überrascht, wie gut mir die Umsetzung gefallen hat, weil es wirklich detailgetreu zeigt, welche Auswirkungen die Drogensucht haben kann. Wenn man sich jetzt überlegt, dass man eine ganze Folge damit verbracht hat, zu zeigen, dass Amelia an einem Tiefpunkt angelangt ist, könnte man sich fragen, ob das zuwenig Story für eine Episode ist, doch ich finde das ganz und gar nicht, denn ich war gefesselt und die Konzentration auf diesen Charakter hat mir sehr zugesagt.

Telling the truth?

Amelia verschwindet also für zwölf Tage und niemand weiß, wo sie ist. Dann spaziert sie plötzlich in die Praxis, als ob nichts wäre. Ich hätte, glaube ich, genauso wie Addison reagiert und ihr erstmal eine Ohrfeige verpasst. Sie ist sich in ihrem Zustand wahrscheinlich nicht klar darüber, was sie angestellt hat, doch die anderen mussten Ängste durchstehen, die man nicht einfach so hinnehmen kann. Vor allem Addison nicht, die mit Amelia so viel verbindet und die für sie eine Schwester ist. Ich wäre wahrscheinlich an Addisons Stelle durchgedreht und ich finde es wirklich toll, dass sie dann bereit ist, Amelia zu helfen. Was mich hier etwas erschrocken hat, war die Akzeptanz der Ärzte, dass Amelia keine Drogen nimmt. Nur Charlotte, die das alles schon durchgemacht hat, erkennt, welches Problem Amelia hat. Das hat mich in dem Sinne erschrocken, weil es deutlich zeigt, dass man oft nicht wahrnimmt, wenn jemand ein Problem mit Drogen hat. Die Person kann einem dann alles erzählen und sich verstellen, sodass man ihr glaubt. Doch in Wirklichkeit ist alles viel schlimmer. Das fand ich sehr gut gelöst von den Autoren, weil es einem das Gefühl vermittelt, dass es in Wirklichkeit auch so abläuft.

Die ganze Intervention ging mir sehr zu Herzen, weil ich Amelia nicht gerne so leiden sehe, aber weiß, dass sie da durch muss, sonst schafft sie es nicht. Ich glaube, ich wäre genauso verzweifelt und ahnungslos, wie unsere lieben Ärzte, die nicht wissen, wie sie sich in dieser Situation verhalten sollen. Am besten hat mir hierbei Cooper gefallen, der einfach nur weiterspricht, ohne auf Amelia zu achten. Sie flippt vollkommen aus und er redet einfach weiter, weil er nicht weiß, was er sonst machen soll. Das wäre mir wahrscheinlich in diesem Moment auch so gegangen.

Am meisten Leid getan, hat mir Addison, die die geballte Ladung von Amelia abbekommen hat. Und wir alle wissen, wie verletzlich Addison ist, gerade auch, weil das Thema Baby bei ihr so eine große Bedeutung hat. Amelia trampelt darauf herum und bekommt nicht einmal mit, was sie anrichtet. Ich finde es aber bewundernswert, dass Addison einfach weitermacht. Man hat zwar schon gesehen, dass ihr die Worte nahe gehen, doch Amelia ist ihr in diesem Moment einfach wichtiger, weshalb sie weitermacht und ihr helfen will. Richtig krass fand ich dann, als sie tatsächlich eine Tablette holt, damit Amelia nicht von ihrem Trip runterkommt. Damit hätte ich nie gerechnet und ich glaube, ich wäre auch einer der Ärzte gewesen, die sich dagegen aussprechen. Irgendwie war mir das ein Schritt zuviel, denn als Arzt sollte man doch wissen, dass es nicht das Beste für sie ist. Doch ich weiß auch nicht, wie man Amelia sonst beruhigen könnte. Vielleicht war es doch die richtige Entscheidung. Zumindest hat das die Situation danach mit Sheldon gezeigt, der auf sie einspricht. Eine ganz wunderbare Szene, in der auch Amelia zusammenbricht. Doch da wird schon sehr deutlich, welche Gefühle Sheldon ihr gegenüber hat und es enttäuscht mich so sehr, dass sie ihm danach ins Gesicht sagt, dass sie ihn nie lieben würde. Das war richtig hart, besonders weil ich Sheldon so gerne mag und er das nicht verdient hat. Normalerweise würde ich mir wünschen, dass er doch noch Glück hat, aber ich denke nicht, dass Amelia sich je auf ihn einlassen wird und vielleicht ist das mit ihrem Hintergrund einfach das Beste. Das wird man sehen.

Bonding because of experience.

Wer mir bei Amelias Intervention auch besonders gut gefallen hat, war Charlotte, die einfach erkannt hat, dass Amelia immer noch Drogen nimmt und das alles von ihrer Seite aus nachvollziehen kann. Somit kann sie wertvolle Erfahrungen mit den anderen Ärzten teilen und ihnen verdeutlichen, dass es nicht so einfach ist, wie sie sich das vielleicht vorstellen. Großartige Leistung, die sehr hervorgestochen ist. Am schlimmsten fand ich ihre Körperhaltung und die Verzweiflung, als Amelia tatsächlich die Tablette geschnupft hat. Das hat richtig weh getan, Charlotte und auch Amelia so zu sehen. Wirklich schön umgesetzt.

A propos dargestellt. Caterina Scorsone hat mich in dieser Folge umgehauen. Ich bin wirklich begeistert darüber, wie sie Amelia gespielt hat. All die Emotionen, ihr Verhalten, wurden wunderbar umgesetzt und man kann sich sehr gut vorstellen, wie es Amelia in dieser Folge ging. Ein großes Lob an die schauspielerische Leistung. Dieses Lob muss ich auch direkt an Jake weitergeben, der für mich ebenfalls in dieser Folge hervorgestochen ist. Jetzt wissen wir auch endlich etwas über seine Vergangenheit und warum er so reagiert hat, wie er reagiert hat. Er war verheiratet und hat seine Frau wegen Drogen verloren. Das hat mir beinahe das Herz gebrochen, doch für mich war bereits klar, dass er jemanden verloren hat, als er auf Amelia am Anfang der Episode eingeredet hat. Dennoch war es noch viel schlimmer, das alles zu sehen. Da hätte ich ihn am liebsten in den Arm genommen und bin jetzt noch viel mehr dafür, das er eine ganz tolle Storyline bekommt. Das hat er sich verdient.

Doch der Höhepunkt der Folge war definitiv das Ende. Plötzlich steht Ryan im Raum und all der Fortschritt, den Charlottes und Sheldons Worte gemacht haben, wurde zerstört. Eigentlich kann man sich kaum vorstellen, dass eine Person eine solche Wirkung auf jemanden haben kann, doch es wurde schön dargestellt, dass es wirklich so sein kann und ich kann mir nun richtig vorstellen, dass Ryan diese Wirkung auf Amelia hat. Für sie ist er der Retter, die Person, mit der sie alles teilt und sobald er auftaucht, zählt nur noch er. Schade, dass das mit soviel Drama geschehen musste und Addison Amelias Worte über sich ergehen lassen musste, doch letztendlich ist er derjenige, der Amelia zeigt, dass sie ihren Tiefpunkt erreicht hat. Schade, dass er sterben musste, weil ich ihn eigentlich richtig gern hatte, doch sein Tod ist letztendlich die Lösung für Amelias Situation. Denn wenn ich ehrlich bin, würde sie sonst niemals aus diesem Tief herauskommen. Trotz all ihren Plänen, hätten die beiden das alleine nie geschafft, allein deswegen schon nicht, weil es immer ein letztes Mal geben würde. Das kann man sich zwar schön reden, aber in der Realität hätten sie immer weiter Drogen genommen, bis es tatsächlich mit einer Überdosis geendet hätte. Deshalb war Ryans Tod von Nöten, um zu zeigen, dass es nie gut ausgeht, wenn man immer weitermacht. Ein sehr emotionaler und bewegender Moment, der mich ebenso umgehauen hat, wie die gesamte Episode. Shonda Rhimes weiß, wie man themenbezogene Folgen umsetzen muss und sie schafft es eigentlich immer, dass die Episoden grandios sind. Hut ab, auch an alle Darsteller, von deren Leistung ich großen Respekt habe.

Alex Olejnik - myFanbase

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