Bewertung

Review: #4.06 Sackgassen

Foto: Wentworth Miller & William Fichtner, Prison Break - Copyright: Twentieth Century Fox Home Entertainment
Wentworth Miller & William Fichtner, Prison Break
© Twentieth Century Fox Home Entertainment

Inzwischen fast schon wieder gewohnt temporeich geht es auch in dieser sechsten Episode zu. Allerdings schrecken die Autoren auch weiterhin nicht vor maßloser Übertreibung zurück. Immerhin können die Charakterkonstellationen die Fahne hochhalten.

Die nächste Karte

Mit einem unglaublich komplizierten Plan, der innerhalb von Minuten angefertigt worden sein müsste, machen sich Michael und Co. auf der Pferderennbahn an den nächsten Cardholder heran. Was Schwierigeres ist ihnen wohl nicht eingefallen? Das waren ganz schön viele Annahmen, die sie hier getroffen haben. Geht der eine Sicherheitsbeamte wirklich einfach von seiner Position? Lässt sich der andere von Sara wirklich ein Ohr abquatschen? Die Fragen-Liste könnte man endlos fortsetzen. Was aber alles andere in den Schatten stellt, ist die Tatsache, dass man doch sicherlich auch ganz einfach in die Nähe des Cardholders gekommen wäre, selbst wenn er eine Privatbox hat. Dass es dann beim Kopiervorgang mal wieder auf die Millisekunde gerade so reicht, mag zwar irgendwie spannend sein, ist aber immer wieder dasselbe und hat mich irgendwie kalt gelassen. In der Zeit kann man auch getrost in die Küche gehen und sich was zu trinken holen. Positiver Aspekt dieser Abschnitt war der Ausraster von Bellick. Seit langer Zeit mal wieder hat er eine Szene, die richtig Spaß gemacht hat. Grinsen musste man vor allem, als er der Mitarbeiterin vorwarf, direkt aus dem Knast zu kommen. Außerdem führte diese Kartenjagd einen weiteren Handlungsstrang ein, der zu gefallen wusste.

One man down

Alexander Mahone wurde festgenommen, weil dann zum Glück doch nicht alles in Michaels Plan funktionierte und Mahone sich auch nicht einfach hinausbegleiten lässt, sondern den Aggressivling spielt. Aus polizeipolitischen Gründen ist es Self dann auch nicht möglich, Mahone da einfach rauszuholen, also ist jetzt die Frage, wie man hier weiter verfährt. Überlässt man Mahone seinem Schicksal? Diese Frage bietet natürlich einigen Diskussionsstoff, weil jeder spürt, wie schnell es vorbei sein kann. Wenn man der Gruppe aber nicht mehr vertrauen kann, weil jeder letztlich doch nur Einzelkämpfer ist, kann man das Projekt gleich an den Nagel hängen. Insofern war es die einzige, sinnvolle Variante, sich erst um Mahone zu kümmern. Wie man für dessen Ausbruch allerdings so schnell schon wieder einen Plan parat hat, es auch so schnell zur Anhörung kommt usw. lässt auch wieder Zweifel zu. Die zeitliche Ebene wird stark außer Acht gelassen. Die gesamte Episode kann nicht mehr als zwei Tage umfassen, weil T-Bag sonst schon tot wäre. Geschickterweise geben die Autoren aber auch kaum Hinweise zur Orientierung. Ein Satz wie: "Morgen ist die Anhörung" würde da schon helfen. Gekonnt wird Alex jedenfalls befreit und dieser kann sich nun wieder seiner zweiten Aufgabe widmen.

Jäger

Wyatt ist der Gruppe immer noch auf den Fersen. Zunächst knöpft er sich Agent Self vor und ist dabei überraschenderweise sehr lieb. Wieso nimmt er ihn nicht einfach mit und foltert ihn, so wie er es bei allen anderen Menschen auch machen würde? Hat er die Ausreden denn tatsächlich geglaubt? Hat die Company noch nicht herausfinden können, wer Self ist und woran er arbeitet? Das ist mager, aber die Company hat eben ihre Schwächen. Self hat jetzt auch endlich mal Angst, was Michael in erster Linie amüsiert. Der Dialog löste selbiges Gefühl bei mir aus. Immerhin. Wyatt ermittelt weiter und stößt so auf Mahone, der darüber ebenfalls nicht begeistert ist. Ich hatte erst erwartet, dass sich Mahone darauf freut. Sein Hass ist so tief, dass er Wyatt auch mit bloßen Händen töten könnte. Der Respekt ist aber durchaus da. Er glaubt sich im starken Nachteil und fleht Michael gar an, sich darum zu kümmern, dass Wyatt sterben wird. Michael verspricht also, jemanden zu töten, dabei hatte er bei Gretchen schon nicht abdrücken können. Da war es dann doch besser, Alex zu befreien, damit dieser sich selbst um seine Rache kümmern kann. Das Duell Wyatt – Mahone gefällt mir wirklich gut, weil sich zwei etwa gleichstarke Gegner gegenüber stehen und schon Kleinigkeiten die Kräfteverhältnisse verändern. Da Mahone auch nicht wegrennt, befindet sich in dieser Story eine hohe Intensität.

Auf eigene Faust

Gretchen besucht ihre Schwester, um ihre Wunden zu lecken und sich neu zu formieren. Nach der durchlebten Folter hat sie sicherlich genügend Hass gesammelt, um jetzt ganz in ihrem Stile richtig aufzuräumen. Der Wille ist da, die Möglichkeit dank der Post aus Deutschland auch. Waren die Waffe, das Geld und der Ausweis schon immer da drin. Wie konnte das nur durch den deutschen Zoll gehen! Interessant an dieser Storyline waren dafür die neuen Informationen, die man über den Charakter Gretchen erhalten hat. Sie ist also eigentlich schon Mutter, hat das Kind aber ihrer Schwester gegeben und sich diesem gegenüber nur als Tante ausgegeben. Der kurze emotionale Moment konnte wirklich berühren und kann als gelungen bezeichnet werden. Die Frage bleibt nach den Umständen. Wer ist der Vater? Warum fühlte sie sich nicht in der Lage, das Kind groß zu ziehen? War sie da schon in der Company? Gretchen ist und bleibt ein interessanter Charakter, der jetzt endlich wieder richtig ins Spiel kommt und auf jeden Fall großes vorhat.

Hoppla, Tür

T-Bag sitzt weiterhin in dem Büro rum und versucht das Buch zu entschlüsseln. Da fällt ihm doch spontan die weitere Tür in seinem Büro auf. Vielleicht finden sich dort Antworten? Leider rennt ihm aber auch die Zeit davon. Er hat nicht nur die Morddrohung der Asiaten im Nacken, auch seine Kollegen haben es auf ihn abgesehen und offenbar nichts besseres zu tun, als mal eben alle Dokumente und Verträge von Pfeiffer durchzugehen. Prinzipiell wäre das etwas gewesen, was ich als Chef schon gemacht hätte, bevor ich ihn ins sonnige Los Angeles versetzt hätte. Nun gut, jetzt kommt es heraus und es wird immer enger für T-Bag. Also nichts wie weg. Schnell noch alle Fingerabdrücke beseitigen und dann schauen, wohin die Beine einen tragen. Das könnte der Moment sein, wo sich T-Bag wirklich ärgert, dass er nicht einfach in Panama geblieben ist, sich mit seiner Nonne ein schönes Leben gemacht hat und Michael einfach sich selbst überließ. Statt Michael also mit seinen Problemen allein zu lassen, wollte er Blutrache und stolpert nun selbst von einem Problem ins nächste. Aktuell ist es jetzt Gretchen, wobei sich hier gewiss eine Basis für die Zusammenarbeit finden lässt. Man darf gespannt sein.

Fazit

Neben vielen Dingen, die einfach nur lächerlich sind, gibt es doch auch immer wieder Ansätze, die zeigen, dass es möglich wäre, zur einstigen Qualität zurück zu gelangen. Ob man diesen Sprung aber schafft, wenn man weiter blind auf eine möglichst spannende Haupthandlung baut, wage ich aber zu bezweifeln.

Emil Groth - myFanbase

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