Bewertung

Review: #1.03 Schule des Mondes

Foto: Sam Retford & Séamus McLean Ross, Outlander: Blood Of My Blood - Copyright: 2025 Sony Pictures Entertainment. All Rights Reserved.; 2024 Starz Entertainment, LLC; Sanne Gault/Starz/Sony Pictures Television
Sam Retford & Séamus McLean Ross, Outlander: Blood Of My Blood
© 2025 Sony Pictures Entertainment. All Rights Reserved.; 2024 Starz Entertainment, LLC; Sanne Gault/Starz/Sony Pictures Television

#1.03 School of the Moon konnte mich erstmals nicht ganz so überzeugen wie die beiden Vorgänger. Das bedeutet keineswegs, dass wir es hier mit einer schlechten Episode zu tun haben, denn es gibt weiterhin tolle Charaktermomente und gerade Ellen darf einmal mehr zeigen, was in ihr steckt. Allerdings steht diesmal die Politik sehr stark im Vordergrund und damit geht für mich ein wenig von jener Magie verloren, die mich in den ersten beiden Episoden so begeistert hat. Hinzu kommt ein Problem, das ich bereits nach #1.02 S.W.A.K. befürchtet hatte, denn nachdem wir uns dort fast vollständig Julia und Henry gewidmet haben, schwenkt die Serie nun wieder zu Ellen und Brian beziehungsweise den MacKenzies zurück.

Clan MacKenzie

Nach Red Jacobs Tod muss endlich geklärt werden, wer den MacKenzie-Clan zukünftig anführen soll und eigentlich scheint alles auf einen Kampf zwischen Colum und Dougal hinauszulaufen. Dass dabei ausgerechnet Ellen diejenige ist, die politisch am geschicktesten agiert, überrascht nach den bisherigen Episoden wohl niemanden mehr. Sie weiß ganz genau, dass sie als Frau offiziell keinerlei Macht besitzt, lässt sich davon aber keineswegs abhalten, im Hintergrund die Fäden zu ziehen. Sie kennt ihre Brüder gut genug, um zu wissen, welche Knöpfe sie drücken muss und schafft es letztendlich, eine Lösung herbeizuführen, mit der beide leben können: Colum wird Laird und Dougal Kriegshäuptling. Das ist clever und erinnert mich einmal mehr daran, was Red Jacob über seine Kinder gesagt hat: Colum kann nicht laufen, Dougal kann nicht denken und Ellen wäre eigentlich diejenige gewesen, die alle Voraussetzungen für seine Nachfolge mitgebracht hätte, naja vielleicht hat er es etwas drastisch ausgedrückt. Allerdings frage ich mich langsam auch, ob Ellen nicht ein wenig zu kompetent dargestellt wird. Sie durchschaut ihre Brüder, versteht die politischen Zusammenhänge besser als so mancher Mann, der seit Jahrzehnten mit Clanpolitik beschäftigt ist, und findet letztendlich auch noch die Lösung für ein Problem, an dem sich alle anderen die Zähne ausbeißen. Auf Dauer wäre es vielleicht ganz schön, wenn auch sie einmal eine Situation falsch einschätzt oder eine Entscheidung trifft, die nicht wie geplant funktioniert. Ein paar Ecken und Kanten würden ihrem Charakter sicherlich nicht schaden.

Hinzu kommt, dass die eigentliche Frage nach Red Jacobs Nachfolger als "Outlander"-Zuschauer natürlich kaum Spannung besitzt. Das ist das grundsätzliche Problem eines Prequels, denn nicht das Ergebnis muss uns überraschen, sondern der Weg dorthin. Gerade deshalb hätte ich mir gewünscht, dass die Episode weniger darauf setzt, wer am Ende welche Position bekommt, und sich noch stärker damit beschäftigt, was dieser Konflikt emotional mit den Geschwistern macht.

Interessanter fand ich daher alles, was wir über die Beziehung zwischen Colum und Dougal erfahren haben. Gerade die Flashbacks machen noch einmal deutlich, wie sehr Red Jacob seine beiden Söhne geprägt hat und dass hinter ihrer Rivalität wesentlich mehr steckt als der bloße Wunsch nach Macht. Die Flashbacks zeigen, dass Red Jacob eigentlich nur in Bezug auf Ellen ein großartiger Vater war und seine Söhne um einiges härter behandelte als seine Tochter. Wir lernen hier einen Mann kennen, dessen Erwartungen und Enttäuschungen bei Colum und Dougal tiefe Spuren hinterlassen haben.

Neben all der Politik darf natürlich nicht vergessen werden, dass Ellen mittlerweile Malcolm Grant versprochen wurde. Dass sie davon alles andere als begeistert ist, dürfte niemanden überraschen. Viel interessanter finde ich, wie sie damit umgeht. Ellen könnte sich einfach gegen Colum stellen, aber sie weiß ganz genau, dass sie damit vermutlich nicht weit kommen würde. Stattdessen versucht sie erneut, die Situation zu ihren Gunsten zu beeinflussen und sich vor allem Zeit zu verschaffen. Man merkt immer deutlicher, wie viel Ellen bereit ist zu tun, um ihre eigene Zukunft selbst bestimmen zu können. Ein kleines Problem habe ich dabei allerdings noch mit Malcolm selbst. Bislang ist er weniger eine eigenständige Figur als vielmehr das Hindernis, das zwischen Ellen und Brian steht. Gerade weil ihre mögliche Ehe für die politische Handlung so wichtig ist, würde ich gerne etwas mehr darüber erfahren, wer dieser Mann eigentlich ist. Spannend wird ihre Situation nämlich erst dann, wenn Malcolm gar kein vollkommen unsympathischer Kandidat wäre. Ellen müsste sich dann nicht einfach zwischen dem Mann, den sie liebt, und dem Mann, den sie auf keinen Fall heiraten möchte, entscheiden, sondern tatsächlich zwischen ihrem persönlichen Glück und einer vielleicht gar nicht so schlechten Verbindung, die ihrer Familie helfen könnte. Das würde ihrem Konflikt noch einmal deutlich mehr Gewicht verleihen.

Bedauerlicher finde ich es, dass Brian in dieser Episode vergleichsweise wenig zu tun bekommt. Nach der wunderbaren Chemie zwischen den beiden in #1.01 Providence hätte ich gerne etwas mehr von ihm und Ellen gesehen.

Murtagh

Für ein bisschen Auflockerung sorgt Murtagh, der weiterhin davon überzeugt ist, Ellen für sich gewinnen zu können. Ich weiß nicht, ob ich darüber lachen oder Mitleid mit ihm haben soll, wir wissen schließlich längst, dass seine Bemühungen nicht von Erfolg gekrönt sein werden. Dabei hoffe ich, dass Murtaghs Gefühle für Ellen nicht ausschließlich zur amüsanten Nebenhandlung werden. Gerade weil wir aus "Outlander" wissen, wie lange ihn diese unerwiderte Liebe begleiten wird, steckt dahinter eigentlich etwas ziemlich Tragisches.

Und was ist mit Julia und Henry?

Genau diese Frage habe ich mir während der Episode mehrfach gestellt. Nach der letzten Episode war ich vollkommen in der Geschichte von Julia und Henry angekommen und wollte unbedingt wissen, wie es für die beiden nach ihrer unfreiwilligen Zeitreise weitergeht und dann werden sie dieses Mal schon wieder fast vollständig an den Rand gedrängt. Henry taucht zwar im Zusammenhang mit den Grants auf, doch von seiner Suche nach Julia bekommen wir kaum etwas mit. Bei Julia sieht die Sache zumindest ein wenig anders aus und gerade ihre wenigen Szenen haben es in sich. Ihre Schwangerschaft lässt sich nicht mehr lange verbergen und damit wird ihre Situation bei Simon Fraser immer gefährlicher. Julias Entscheidung am Ende ist dann eine ziemlich harte Nummer. Sie weiß, dass sie ihr ungeborenes Kind nur schützen kann, wenn Lord Lovat glaubt, selbst der Vater zu sein, also entscheidet sie sich dazu, genau diesen Eindruck zu erwecken. Dass sie dabei gedanklich Henry um Vergebung bittet, macht die ganze Situation nur noch bitterer. Man kann ihre Entscheidung absolut nachvollziehen, denn Julia befindet sich in einer Zeit, in der sie als Frau ohnehin kaum Möglichkeiten besitzt, und zusätzlich ist sie vollkommen auf sich allein gestellt. Sie tut also das, was notwendig ist, um sich und ihr Kind zu schützen. Gerade deshalb ist es schade, wie schnell dieser Entschluss abgehandelt wird. Immerhin entscheidet Julia hier nicht einfach über ihren nächsten Fluchtversuch, sondern trifft eine Wahl, die ihren Körper, ihre Ehe mit Henry und möglicherweise sogar die Zukunft ihres Kindes betrifft. Dafür hätte ich mir deutlich mehr Raum gewünscht. Wenn zuvor so viel Zeit für die politischen Machtspiele der MacKenzies vorhanden ist, hätte man Julia ruhig ein paar zusätzliche Minuten zugestehen können. Genau hier zeigt sich für mich erneut das Problem mit der Trennung der beiden Geschichten. Julias Situation ist unglaublich spannend, bekommt aber nur wenige Minuten Aufmerksamkeit und kaum ist man wieder vollkommen bei ihr angekommen, ist die Episode auch schon vorbei.

Wenig überzeugt bin ich bislang von Lord Lovat selbst. Er erfüllt seine Rolle als Antagonist ohne Frage sehr effektiv und man versteht sofort, weshalb Julia in seiner Nähe permanent auf der Hut sein muss. Gleichzeitig ist er momentan aber auch ziemlich eindeutig als grausamer, machtgieriger und sexuell bedrohlicher Mann gezeichnet. Die Mutterserie hat mehrfach gezeigt, wie wirkungsvoll Antagonisten sein können, wenn sie trotz all ihrer schrecklichen Taten Charisma oder zumindest widersprüchliche Seiten besitzen. Ein wenig mehr davon würde ich mir auch für Lord Lovat wünschen, damit er auf Dauer nicht zum ziemlich eindimensionalen Bösewicht wird.

Fazit

Dies ist für mich die bisher schwächste Episode von "Outlander: Blood of My Blood", denn die Clanpolitik nimmt diesmal zu viel Raum ein, während ausgerechnet Julia und Henry nach ihrer starken Episode weitgehend an den Rand gedrängt werden. Hinzu kommt, dass einige Konflikte aufgrund unseres "Outlander"-Vorwissens nur bedingt Spannung besitzen und sich die Serie stellenweise etwas zu sehr darauf verlässt, dass uns die beteiligten Figuren ohnehin bereits interessieren. Die politischen Weichen für die kommenden Ereignisse sind nun jedenfalls gestellt und für die nächste Episode wünsche ich mir wieder etwas mehr von der emotionalen Magie der ersten Folgen.

Marie Müller - myfanbase

Die Serie "Outlander: Blood of My Blood" ansehen:

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