Bewertung: 4

Review: #3.17 29. Februar

Es ist schon erstaunlich, wie dem Phänomen des Schalttags gleich in so vielen Serien (u.a. "30 Rock", "Parks and Recreation" und "The Middle") eine eigene Episode gewidmet wird, wo es doch eigentlich – sind wir doch mal ehrlich – ein Tag ist, der humoristisch kaum mehr zu bieten hat, als jeder andere, nachdem der Gag mit dem Schalttag-Geburtstagskind doch schon so schrecklich abgenutzt ist. Und dennoch wird man im TV-Universum einfach nicht müde, immer wieder auf ihn zurückzugreifen.

"Happy birthday to me! I'm TEN!"

Das eigentlich Erschreckende an #3.17 Leap Day ist jedoch, dass Camerons 10. Geburtstag eigentlich noch den mit Abstand gelungensten Handlungsstrang der Folge darstellt. Denn auch wenn die Idee an sich sicherlich nicht die originellste ist und es auch nicht das erste Mal ist, dass Mitchell etwas verbockt, daraufhin improvisieren muss, aus diesem Grund für große Enttäuschung bei seinem Partner sorgt und am Ende doch noch eine rührende Versöhnung folgt (man denke nur zurück an die vergessenen Einladungskarten aus #2.16 Regrets Only), schaffen es insbesondere der wundervoll beiläufige "Hey!" - "Hey!" - "We're the monkeys."-Begrüßungsgag (trotz überaus unglücklichen Timings aufgrund des wenige Stunden zuvor verstorbenen Monkees-Sängers Davy Jones) sowie die großartige Szene vor dem Haus samt Mitchells absolut herrlichen Ablenkungsmanövern ("I'm doing the 'I love you' dance") dennoch, einem das ein oder andere Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Von der schauderhaft klischeehaften Dunphy-Storyline kann man das leider beim besten Willen nicht behaupten.

"You're all monsterating!"

Mal ganz davon abgesehen, dass zumindest ein Großteil des weiblichen Publikums die Art und Weise, wie die Dunphy-Frauen hier in ihrem PMS-Wahn porträtiert werden, zurecht als unverschämt und viel zu überzogen (um nicht zu sagen: frauenfeindlich) empfinden dürfte, wird dem Zuschauer damit auch noch ein unheimlich müßiges Thema aufgetischt, das bereits viel zu häufig in Sitcoms abgehandelt wurde (darunter auch auf sehr ähnliche Weise in Ed O'Neills früherer Erfolgsserie "Eine schrecklich nette Familie) und schon damals nur selten wirklich zu amüsieren wusste. Und gerade weil es sich in den vergangenen Jahren als so ein schwieriges und heikles Thema erwiesen hat, ist es so fatal, dass die Autoren hier absolut jegliches Fingerspitzengefühl vermissen lassen und stattdessen lieber über weite Strecken auf billige Gags auf Kosten der Glaubwürdigkeit setzen, die nicht nur weiblichen Zuschauern sauer aufstoßen sollten. Lediglich das naive Nesthäkchen Luke kann mit dem ein oder anderen Oneliner und blutendem Finger für Lichtblicke sorgen, aber das im Grunde auch nur, weil man eben weiß, dass er noch jung und naiv ist. Ansonsten dominieren angesichts dieses größtenteils eher Fremdscham als Gelächter erregenden Plots eindeutig Reaktionen des genervten, ja stellenweise fast schon geschockten Augenrollens. Da kann nicht einmal mehr das wenigstens ein klein bisschen versöhnliche Ende mit Phils emotionalem Ausbruch samt kollektiver Umarmung am Dock und darauffolgendem Besuch des Vergnügungsparks wirklich Wiedergutmachung leisten.

"If I thought there was a fight worth fighting, I'd fight it."

Bei Jay und Gloria ist die Ausgangslage nicht ganz so katastrophal, aber wie so oft wird diesem C-Plot viel zu wenig Screentime eingeräumt, so dass man wieder nur an der Oberfläche eines keinesfalls uninteressanten und durchaus auch konfliktträchtigen Wesensunterschieds zwischen den beiden kratzen kann. Glorias Temperament und Jays Gelassenheit bieten für den aufmerksamen Zuschauer zwar weiß Gott keine neuen Erkenntnisse, aber mit etwas mehr Zeit und Elan hätte man daraus sicherlich eine recht spannende Storyline stricken können. Im Gegensatz zu dem himmelschreienden Handlungsstrang über sich angleichende Menstruationszyklen entschädigt hier jedoch zumindest die absolut köstliche Schlusspointe für das unausgegorene Drehbuch, als die überaus empörte Gloria zwecks Ehrenrettung ihres Mannes ("Nobody call him Grandpa!") handgreiflich wird und dem geschockt, aber irgendwie auch fasziniert dreinblickenden Naseweis Luke daraufhin nichts Besseres einfällt, als zu protestieren: "I do!". Wer bei seiner großartigen Geruchsmetapher "It smells like puke married poop and had the ceremony in my nose." noch nicht schallend loslachen musste, wird spätestens mit dieser so wahren und witzigen Widerrede erleichtert feststellen, dass auf Luke glücklicherweise selbst dann noch Verlass ist, wenn der Rest seiner Familie massiv ins Straucheln gerät.

Die Faszination der TV-Autoren dieser Welt mit dem 29. Februar erschließt sich einem nach #3.17 Leap Year genauso wenig wie ihre aus unerfindlichen Gründen einfach nicht abklingen wollende Besessenheit mit dem weiblichen Zyklus. Ersteres mag man ihnen ja vielleicht noch verzeihen und letzteres mögen ja vielleicht wenigstens die Männer der Schöpfung zumindest annähernd unterhaltsam finden, einen extrem bitteren Nachgeschmack hinterlässt die Folge aber dennoch, ist man von "Modern Family" und seinen Autoren doch wirklich weitaus Besseres gewohnt. Vielleicht sollte man eine solche Folge aber auch einfach nicht rezensieren, wenn man gerade selbst an PMS leidet. Wer weiß?

Paulina Banaszek - myFanbase

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