Bewertung: 8

Review: #3.04 Von Tür zu Tür

Na also, geht doch! Nachdem sich das typische "Modern Family"-Feeling bei den ersten drei Folgen der dritten Staffel noch nicht so richtig einstellen wollte, hat das mit großartigen Gags gespickte #3.04 Door to Door endlich wieder (fast) all das zu bieten, was die Serie ausmacht: Hier ein bisschen was für's Herz, da ein wenig Slapstick, dazu noch ein paar popkulturelle Anspielungen und obendrauf einen zwar kurzen, aber äußerst gelungenen Gastauftritt.

"When I get home, I'm gonna scrub this place like a crime scene… which it is, because you've murdered joy."

Mitchell vermag mit seinem unverhohlenen Missmut über Cams chronische Unordentlichkeit vielleicht die Stimmung im Hause Tucker-Pritchett zu töten, dem Zuschauer kann er die Freude an der Folge aber Gott sei Dank nicht vermiesen. Denn er spielt eigentlich (und das nicht zu Unrecht) bloß eine kleine Nebenrolle in einer Storyline, die mit dem Auftauchen der Dame von der Adoptionsagentur zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt zwar recht vorhersehbar ist, es aber durch viel Liebe zum Detail (man denke bloß an das herabfallende Auge von dem Schlagsahne-Smileyface auf Cams Brust) trotzdem schafft, einem hier und da ein amüsiertes Schmunzeln abzuringen. Außerdem wohnt der nicht sonderlich originellen Schlussszene zumindest der Ansatz einer episodenübergreifenden Handlung inne, was in einer Serie, deren Anspruch auf Kontinuität sich bislang hauptsächlich auf Running Gags und subtile Anspielungen auf vergangene Folgen beschränkte, durchaus eine begrüßenswerte Entwicklung wäre. Man darf also gespannt sein, ob und wie der kleine Cliffhanger am Ende aufgelöst wird und was Cams und Mitchells Adoptionsbemühungen im Verlauf der Staffel humoristisch noch so alles zu bieten haben werden.

"STELLAAA!"

Die wahren Lacher der Folge hat Chaos-Queen Cameron aber in einem ganz anderen Kontext auf seiner Seite. Denn die Tatsache, dass Cam stark zur Prokrastination neigt und daher lieber Gloria beim Suchen der entlaufenden Stella hilft, als wie versprochen die Küche aufzuräumen, sorgt letztlich für eine absolute grandiose Szene, in der Cam sich völlig unerwartet in der Rolle seines Lebens wiederfindet. Und auch wenn der "STELLAAA!"-Gag mittlerweile wohl schon fast so alt ist wie "Endstation Sehnsucht" selbst, funktioniert er hier durch die herrlich übertriebende Inbrunst, mit der Cam sich in die pure Verzweiflung von Marlon Brandos Stanley Kowalski hineinwirft, als er sich seiner Rolle schließlich bewusst wird, trotzdem außergewöhnlich gut. Cams nahezu kindliche Begeisterung darüber, dass das kleine Mädchen, das Stella spazieren führt, auch noch Blanche heißt ("Shut up!") und er im Gespräch mit ihr ganz nebenbei das berühmte "kindness of strangers"-Zitat einstreuen kann, setzt dem Ganzen schließlich noch die Krone auf. Eine wunderbare, wahnsinnig witzige kleine Hommage, die Eric Stonestreet endlich mal wieder die Gelegenheit gab, so richtig zu glänzen.

"What's the difference between try and triumph?" – "A little umph?"

Das letzte Quäntchen "umph" fehlt der Storyline um Manny und Jay leider. Das hält die beiden aber nicht davon ab, hier und da trotzdem den ein oder anderen erfolgreichen Angriff auf unsere Lachmuskeln zu starten. Denn auch wenn die elendige Geschenkpapier-Thematik schon sehr abgenutzt ist und die Schlusspointe ihrer Verkaufstour in all der Tollheit drumherum etwas untergeht, ist es dennoch höchst amüsant, wie der sonst so überaus aufgeweckte Manny einfach nicht hinterherkommt mit dem Notieren von Jays ach so weisen Sprüchen oder auch kurzerhand auf Juden-Klischees zurückgreift, als er bei der Kundenakquise improvisieren muss. Letztlich ist es aber wie so oft das andere Vater-Sohn-Gespann der Familie, das für die ganz großen Lacher sorgt. Denn der großartige Ty Burrell hat so ein rares Slapstick-Talent und Luke so ein Feuerwerk an charmant-putzigen bzw. hier zur Abwechslung sogar mal herrlich fiesen Sprüchen zu bieten, dass man den beiden einfach stundenlang zuschauen könnte bei dem Versuch, Phils Glücks-Kopfballkorb zu reproduzieren und mit der Kamera festzuhalten. Spätestens in der Szene, als sie heimlich gegen Claire rebellieren, indem sie im wahrsten Sinne des Wortes die Hosen runterlassen, wenn sie nicht in der Nähe ist, oder später extra ein Kampagnenvideo für sie drehen, um ihr bei ihrem neuesten Feldzug im Namen der Verkehrssicherheit beizustehen, sollten sich wohl alle Zuschauer einig sein: Die beiden sind einfach nur zum Knutschen.

"Stop! In the Name of Life"

Dass "I do rock"-Claire viel daran gelegen ist, in ihrer Nachbarschaft für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, kam schon in #2.11 Slow Down Your Neighbors deutlich zur Geltung. Daher ist es im Endeffekt auch weniger ihre Besessenheit mit dem Thema selbst, die hier interessant ist, sondern vielmehr die Art und Weise, wie ihre Familie damit umgeht. Genervtes Augenrollen weicht nämlich schnell Wohlbehagen über die durch Claires Geschäftigkeit gewonnene Freiheit, bevor schließlich das schlechte Gewissen einsetzt und sich am Ende doch alle beim Treffen des Verkehrsausschusses versammeln, um ihrer Mutter bzw. Frau den Rücken zu stärken. Schließlich sind sie ein Team und müssen sich gegenseitig beschützen – wie in "Blind Side". Der oscarprämierte Film dient hier als Nährgrundlage für gleich mehrere, unheimlich clevere Gags, die perfekter nicht sitzen könnten. Den absoluten Vogel schießt letztendlich aber natürlich Gastdarsteller David Cross ab, der sich einfach nicht damit abfinden kann, dass ihm zum Geburtstag keine Eistorte serviert wird. Angesichts seiner so herrlich trotzigen Reaktion kann man eigentlich nur hoffen, dass Claire ihrem Charakter treu bleibt und sich nicht so einfach abwimmeln lässt, damit wir Duane Bailey in den kommenden Folgen nochmal zu Gesicht bekommen.

Insgesamt stellt #3.04 Door to Door definitiv das bisherige Highlight der dritten Staffel dar, denn den Autoren gelingt es, einen bereits im Episodentitel durchscheinenden Zusammenhang zwischen den einzelnen Storylines herzustellen, ohne dabei allzu verkrampft oder überambitioniert zu Werke zu gehen. Die Geschichten selbst bleiben zwar nach wie vor recht unspektakulär, aber so lange sie dennoch so viel Stoff für gute Gags liefern, gibt es eigentlich keinen Grund zu meckern.

Paulina Banaszek - myFanbase

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