Bewertung: 8

Review: #1.24 Familienfoto und andere Schwierigkeiten

Nach der zweiteiligen Hawaii-Urlaub-Sache war ich gespannt darauf zu sehen, was uns nun im eigentlichen Staffelfinale erwartet. Immerhin hatte man damit schon eine gute Gelegenheit entdeckt, die gute erste Staffel schön abzurunden. Mit #1.24 klappt dies ebenfalls hervorragend, in der Claires Besessenheit für ein Familienfoto im Mittelpunkt steht. Dadurch haben die Macher wieder eine passende Situation gefunden, um die gesamten Familien-Mitglieder in ein Spektakel zusammenzuführen - ein Element, das in der gesamten Debütstaffel immer wieder für erinnerungswürdige, schöne Momente sorgte. Zwar wirken hier die Streitigkeiten stellenweise zu plötzlich entwickelt und aufgeblasen, dennoch können auch diese nicht verhindern, dass diese Finalfolge einen tollen Abschluss der Staffel darstellt.

Die kaputte Stufe

Schön finde ich vor allem, dass die Autoren manche Details immer wieder zur Geltung bringen. Ziemlich häufig sah man bereits besonders Phil über die kaputte Stufe stolpern. Mit dem Vorhaben stets darauf diese endlich mal zu reparieren. Tja und nun ist sie es noch immer nicht und Claire treibt das auf die Palme. Überhaupt ist es die Story um das Familienfoto und die perfektionistische, zwanghafte Claire, die der Episode den Stempel aufdrückt. Es macht einfach viel Spaß ihr zuzusehen, wie sie mehr und mehr ausflippt. Die Entwicklung hier empfinde ich zudem als authentisch. Immerhin wurde uns Claire schon von Beginn an als der Charakter vorgestellt, welcher gerne alles kontrolliert und viele Vorhaben nach eigenem Kopf durchbringen möchte. Hintergrund der Absicht, das Familienfoto sofort zu schießen, ist die Angst davor, dass die Familie zeitnah auseinanderbricht und man auf das Foto verzichtet. Claires Begründung ist verständlich und bringt sie eben in die zwanghafte Lage. Doch ihr Umfeld zieht da nicht immer automatisch mit, was Claire ziemlich häufig gereizt erscheinen lässt.

Ihre Sprüche hier sind der Hammer. Sei es bezüglich Haleys Pickel, ihre hässlich gestrichene Wand Zuhause oder Jay, der seine Möbel gerade zeitlich unpassend frisch anstreicht. Auch die Aktion Luke einzuwickeln, damit die Klamotten weiß bleiben, oder eben die Panikattacken sind gelungen. Die Frau unterhielt mich super und ich hoffe, dass Claire weiterhin die empfindliche, leicht reizbare Perfektionistin bleiben wird, die genau mit diesen Eigenschaften ihre Leute um sich in Atem hält. Bezüglich des Familienfotos selbst bin ich letztendlich froh darüber, dass es nicht ganz so steif und öde umgesetzt wurde. Es hätte nicht gepasst, diese chaotische Familie strahlend weiß und perfekt abzulichten. Die Idee mit der Schlammschlacht dazu und die lebhafte Pose passt viel besser. Immerhin ist auch die Familienkonstellation recht lebhaft gestrickt; inklusive mancher skandalösen Momente. Es ist letztendlich ein ganz hübsches Bild geworden.

Die Kisscam

Die Situation zwischen Gloria und Phil im Basketball-Spiel finde ich gelungen zur Geltung gebracht. Sehr oft wurde uns Zuschauern bereits seit Serienbeginn deutlich gemacht, dass Phil heimlich scharf auf Gloria ist. Man nahm es ihm bei seiner naiven, kindlich-tollpatschigen Art als Erwachsener bisher nicht übel. Dennoch haben die Autoren hier auch eine Grundlage geschaffen, die irgendwann möglicherweise verschärft werden und dann eskalieren könnte. Das Potential ist definitiv da, doch hier in der Finalfolge wird das Ruder rumgerissen. Oder besser gesagt die Sache entschärft. Diesmal gehen dazu die Avancen nicht von Phil aus. Gloria ist es, die ihn spontan küsst und dies als unwichtig abtut. Nur, dass sie Phil damit in eine schreckliche Gewissenskrise stürzt, ahnte sie da wohl nicht. Somit bleibt der Eindruck zurück, dass man hier eine Geschichte im Hinterkopf behält, die sich irgendwann mal eventuell zuspitzen und in Vordergrund rücken könnte.

Phils Verstecktrick mit den Süßigkeiten, seine hohle Ansage an den Profi-Basketballer oder auch seine Bemerkungen im Bezug auf Claire treffen hier ins Schwarze. Er hat einfach immer wieder den genau passenden Spruch auf Lager, um die Zuschauer zu amüsieren. Außerdem sehe ich Phil so gerne in direkten Konfrontationen mit seiner Frau zu. Seine Mimik verrät dabei oft mehr, als er sagt. Und immer wieder wird man auch Zeuge davon, wie schwer es ihm fällt, Claire zu verstehen und ernstzunehmen. Umgekehrt bleibt Claire natürlich auch oft genug mit diesem "was soll das jetzt"-Gesicht zurück. Ein wirklich gelungen inszeniertes Paar. Ich würde es den Autoren wirklich schwer verzeihen, würden sie die Zwei zukünftig mal auseinander reißen. Obwohl das wiederum auch ordentliches Potential birgt. Am besten ich beschreie es nicht.

Achtung Gefahr: Eine Taube im Haus

Die Mitch-und-Cam-Story wirkt etwas überzogen. Das heißt aber keinesfalls, dass ich die Szenen hier schlecht finde. Im Gegenteil: Ich finde sie sogar richtig interessant und sehr gelungen inszeniert. Besonders als in Zeitlupe Mitchs Kampf mit der Taube gezeigt wird und parallel dazu Cams Gesang erklingt. Was jedoch dezent stört, ist der so geringe Grund für diese heftige Eskalation. Oder ist dafür wirklich alleine die Taube schuld? Hat Mitchell wirklich so eine krasse Phobie gegen Tauben? Es ist davon auszugehen, dass das lediglich der Auslöser ist. Der Wurm selbst liegt wohl mehr im Verborgenen und könnte von den Machern besser ausgearbeitet werden. Cam ist derjenige, der diesmal verärgert ist, da ihn Mitch nicht zum Hochzeits-Auftritt als Sänger begleitet. Doch warum sollte das so negative Schwingungen auslösen? Ist doch okay, wenn Partner nicht alles gemeinsam machen. Offenbar sehen die Zwei das nicht so.

Die gesamte erste Staffel stritten sie sich immer wieder, wegen unterschiedlicher Interessen. Erstaunlich ist es da, dass das Mitch/Cam-Gespann trotzdem felsenfest zu sein scheint. Hatte ich zuletzt in #1.22 noch die Befürchtung, die Autoren arbeiten möglicherweise auf eine Trennung hin, habe ich das nun weniger. Wahrscheinlich gehören diese Streitigkeiten zu den Zweien einfach dazu. Ich muss aber sagen, dass diese nicht notwendig sind, um deren Beziehung interessant wirken zu lassen. Dazu sind andere Punkte überzeugend genug. Ich liebe die Dialoge der Beiden sehr. Oder wie sie sich als Väter arrangieren. Ebenso auch, wenn sie sich an einem Strang ziehend Herausforderungen stellen. Die Streitigkeiten laufen auch häufig nach dem selben Schema ab. Es gibt einen minimalen Auslöser dafür, dann ein Rumgezicke, bis sich die Balken fast verbiegen. Und am Ende fallen sie sich wieder in die Arme. Nur diesmal eigentlich nicht. Ich bin echt gespannt, wie es mit den Beiden in der nächsten Staffel weitergeht. Sie stellen definitiv durch ihre gut inszenierten Charaktereigenschaften und die Sprüche eine Bereicherung für die Serie dar.

Hausaufgaben-Erledigung

Wieder einmal ist es Luke, der diesmal ausnahmsweise richtig gewissenhaft, eine Hausaufgabe angeht. Dafür benötigt er Hilfe von seinem Opa, der interessante Dinge aus den 60ern erzählt. Lustig ist der Moment, als Luke beinahe wegdöst, so wenig aufregend sind Opas Berichte. Der schnallt schnell, was Sache ist, um darauf ordentlich über das Ziel hinaus zu schießen. Nur mal ehrlich, interessiert es Leute wirklich, ob er einst einer Berühmtheit die Haare geschnitten hatte? Gut, Kinder sind sowieso von vielen Sachen schnell begeistert. Und wenn natürlich der Promi-Faktor dabei ist, Erwachsene ebenso. Nur kann ich mir Jay als Friseur gar nicht vorstellen. So grob und ungehobelt wie der wirkt. Insgesamt mündet diese süße, aber nebensächliche Storyline in einen sehr schönen Abschlussmonolog. In diesem fasst Jay herrlich zusammen, was man auch als Zuschauer denkt. Man hat diese tolle Familien-Fraktion so sehr in sein Herz geschlossen. Und dazu die ganze Serie gleich mit, da sie prächtig unterhält und schöne Storys aus dem Alltagsleben zeigt. Da will man gleich mit Staffel 2 loslegen und weitergucken.

Einziger großer Wunsch für die nächste Staffel: Alex mehr einbringen, denn ihr Spruch bezüglich Manny hier hat das ganz deutlich gemacht. Sie kommt viel zu wenig zur Geltung. In dieser Finalfolge trifft dies auch auf Gloria und Manny zu. Lustige, spitze Bemerkungen zur Unterwäsche-Ververwechslung der Putzfrau und Glorias Kleid zählen hier zu den Höhepunkten.

Fazit

Eine gelungene Finalepisode, die gut den Gesamteindruck von Staffel 1 widerspiegelt. Man fühlt sich prächtig unterhalten, lacht viel und liebt die Charaktere. Die Alltagsgeschichten, wie hier der Kampf um das Schießen des Familienfotos, sind gut inszeniert. Es fehlt nur teilweise der Feinschliff in den Storys und es ist noch Potential vorhanden zur Weiterentwicklung. Ich freue mich definitiv auf die Fortsetzung und bleibe an der Serie gerne dran.

Samuel W. - myFanbase

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