Bewertung: 7

Review: #1.07 Kindheitstrauma-Taten

Es geht sportlich zu in dieser siebten Episode der größtenteils begeisternden Comedyserie. Das nimmt teilweise sehr skurrile Züge an, bleibt aber immer sehr unterhaltsam.

We were called Fire and Nice

Beginnen wir doch gleich mit dem Geschwisterpaar außer Konkurrenz. Claire und Mitchell entpuppen sich als jugendliche Eislaufmeister, die im Paarlaufen große Erfolge gefeiert hatten, Claire dann aber plötzlich aufgehört hat. Neben der bis dato fehlenden Aussprache zu den Beweggründen von Claire steht auch die Gunst des anspruchsvollen Vaters auf dem Themenplan, denn Jay hatte es wie gewohnt nicht geschafft, seine wahren Gefühle so zu äußern, dass es auch ankommt. Das kann man sich bei dessen Nüchternheit durchaus sehr gut vorstellen, auch wenn sein Anfeuern von Manny fast einen Bruch zu seinem Charakter darstellt, weil er hier plötzlich sehr engagiert wirkt, was Claire und Mitch nur eifersüchtig macht. Im Alter taut Jay also etwas auf.

Claire und Mitchell nutzen die auflebenden Erinnerungen (mit einem grandiosen Bild der beiden als Eislaufduo) um sich auszusprechen. Leider wird hier nicht die Chance genutzt, das Für und Wider des Leistungssports zu besprechen, die rein persönliche Betrachtung war aber auch sehr durchdacht inszeniert. Das Geschwisterpaar hat also dieses gemeinsame Erlebnis genossen, obwohl sie die Sportart gar nicht so sehr geliebt hatten. Dass Claire aus Rücksicht auf Mitch aufgehört hat, weil sie ihre körperliche Überlegenheit für die Hebungen als Gefahr betrachtete, dass Mitch gemobbt werden könnte, ist zwar eine sehr nette Erklärung, die viel über das Geschwisterpaar aussagt, greift in dem Sport allerdings etwas kurz, denn der Sport ist ohne Trainer nicht erfolgreich zu schaffen und gerade im Paarlauf wird intensiv auf ein körperliches Gleichgewicht geachtet. Insofern wäre der Impuls von den Trainern gekommen. Sieht man aber darüber hinweg, kann man ganz in dieser Storyline aufgehen, die insbesondere durch die Trockenübung am Ende ihr emotionales Highlight erhält. Überrascht war ich dabei vor allem von der unglaublich professionellen Ausstrahlung, die Claire und Mitch hier zu bieten hatten. Ich hatte erst vermutet, dass sie sich lächerlich machen könnten, weil sie es nicht mehr können. Kleines Sahnehäubchen war Cams Sehnsucht, selbst Teil einer Hebefigur sein zu dürfen. Köstlich! Insgesamt hat der Zuschauer also eine wunderbare Geschichte mit tollen Geschwistermomenten bekommen. Davon darf es gerne mehr geben.

I just don't wanna fight a girl

Manny entpuppt sich in dieser Episode als erfolgreicher Fechter. Das kommt insofern überraschend, weil Fechten für mich jetzt keine Sportart ist, die ich mit Manny assoziiert hätte (nach seiner eher desolaten Vorstellung im Fußball im Piloten lag eine generelle Assoziation von Sport in Verbindung mit Manny sowieso fern). Es fehlt also so ein wenig die Motivation für Mannys erfolgreiches Fechten, aber wenn schon Sport, dann ist eine Einzelsportart, die nicht ganz so viel mit Laufen zu tun hat, für Manny natürlich naheliegend. Koordinativ und feinmotorisch ist er in seiner Altersklasse jedenfalls etwa ebenso überlegen wie ins seiner emotional-geistigen Entwicklung. Seine moralischen Bedenken, gegen ein Mädchen fechten zu müssen, werden vom erfolgshungrigen und stolzen Jay zur Abwechslung mal in Übereinstimmung mit Gloria schnell zunichte gemacht. Manny wird das Siegergen injiziert und animiert von seinen Eltern legt er dann auch richtig los und deklassiert seine Gegnerin. Statt Mannys doch teilweise sehr hässliche Arroganz zu thematisieren und eventuell zu betrachten, wie der Erfolg zu Kopfe steigt, geht man lieber im Zuschauerraum auf die Geschichte der armen Gegnerin ein, die es sehr schwer in ihrem Leben hatte. Hier übertreibt man es für meine Begriffe dann aber doch maßlos, nur um den Schwerpunkt von Manny weg auf Gloria und Jay zu legen, denen es von Minute zu Minute unangenehmer wird, dass sie Manny bei einem Wettkampf eine sportliche Einstellung nahe gelegt haben.

Für meine Begriffe inszenierte man hier die Geschichte in eine falsche Richtung, denn beim Sport geht es eben nur um Gewinnen und Verlieren. Natürlich darf (und sollte) es Jay und Gloria etwas unangenehm sein, wie Manny sich verhält, aber das war dann einfach zu einseitig und übertrieben dargestellt. Das Mädchen war dann auch viel zu schlecht, um ernsthaft glaubhaft zu machen, dass sie bis ins Finale kommen konnte, und es gab auch keinerlei Anzeichen, dass sie den Wettkampf anders sieht und man sie deshalb gewinnen lassen müsste. Vielleicht sehe ich das zu sportlich, aber Rücksicht sollte hier nicht das Thema sein, sondern eben Arroganz beim Siegen. Das kam mir dann aber deutlich zu kurz. Schade.

Last year, you said basketball is my sport.

Die Dunphys versuchen derweil Talente bei ihrem jüngsten Sprössling Luke auszumachen, der in erster Linie tollpatschig und etwas zurück geblieben dargestellt wird. Phils Versuche, eine Sportart für ihn zu finden, scheitern zunächst kläglich, weil die Erwartungen viel zu hoch sind. Das Zusammenspiel von Erwartungen und Überraschung wird dann sehr gelungen fortgeführt. Als Phil ein Haus zu verkaufen versucht, bringt Luke sich ganz unerwartet so gut ein, dass Phil die Kundin zu einer Meinungsänderung bringen kann. Seine Freude darüber, dass Luke doch Talent für etwas habe, war niedlich, aber gleichzeitig auch eine Art Eigentor, weil er überhaupt nicht verstanden hat, dass Luke einfach nur ehrlich war und überhaupt keine Absichten verfolgte. Phil ist also auch nicht immer auf der Höhe. Mit großen Erwartungen geht es also zum nächsten Verkaufsgespräch und hier ist Luke wieder einfach nur ehrlich und enttäuscht quasi, weil seine Aufrichtigkeit nicht dem Ziel von Phil dient. Die Story gefällt mir vor allem deshalb so gut, weil Luke so wunderbar sympathisch als grundgütiger, ehrlicher Mensch daher kommt, der noch gar nicht von der Welt verdorben wurde. Das ist eine viel schönere Tatsache, als irgendeine Sportart besonders gut zu können. Kinder sind eben ehrlich. So schön ich Phils Naivität finde, so schön finde ich auch Lukes bisherige Beschränktheit, die man auf keinen Fall als dümmlich interpretieren sollte. Einen richtig schönen Vater-Sohn-Moment gab es zum Abschluss dann auch noch, als Luke tatsächlich sportlich etwas gelingt. Kleine Schritte sind eben doch die schönsten.

Fazit

Diese Episode weist in ihren Geschichten zwar ein paar Defizite auf, kann aber vor allem durch schöne Momente zwischen Claire und Mitch sowie Phil und Luke Punkte sammeln. Es geht aber auf jeden Fall noch besser.

Emil Groth – myFanbase

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