Bewertung: 8

Review: #5.02 Bisou (2)

Foto: Christina Hendricks & John Slattery, Mad Men - Copyright: Michael Yarish/AMC
Christina Hendricks & John Slattery, Mad Men
© Michael Yarish/AMC

[Hinweis an alle Leser: Da die Staffelpremiere über zwei Episoden ausgestrahlt wurde, die auch inhaltlich eine Einheit bilden, bezieht sich diese Review auf beide Folgen. Den ersten Teil der Review findet ihr hier.]

Dissatisfaction is a symptom of ambition. It’s the coal that fuels the fire.

Besonders für Pete und Trudy hoffe ich aber, dass sie nicht in den unvermeidlichen Fängen einer solchen Ehe gefangen werden. Petes Pendlerkollegen wollen ihm dies einreden, er selbst verweigert sich dem noch. Der Anfang ihrer Ehe war damals in Staffel 1 jedoch nicht viel besser als der von Don und Betty. Seither haben sie sich aber in eine ganz andere Richtung entwickelt und ich hoffe sehr, dass es dabei bleibt. Zumal sich Pete auch auf beruflicher Ebene weiter sehr gut macht, auch wenn er dabei immer noch von dem Gefühl mangelnder Anerkennung getrieben ist, welches hier vor allem von der Konkurrenz zu Roger ausgelöst wird. Und Recht hat er, denn während er wichtige Arbeit leistet, wichtige Klienten an Land zieht und mit seinem unstillbaren Ehrgeiz ein wichtiger Antrieb für den Erfolg der Agentur ist, versucht Roger eigentlich nur seinem alten Glanz hinterher zu rennen. Roger steht in der Bedeutung der Firma eigentlich nur noch über Bert Cooper und droht, zu einem reinen repräsentativen Aushängeschild zu verkommen. Und er wehrt sich mit Händen und Füßen, Pete den wohlverdienten Aufstieg zu gönnen, denn das würde das Eingestehen seiner eigenen Nutzlosigkeit bedeuten. Pete muss darauf natürlich keine Rücksicht nehmen und ich vermute, dieser Konflikt wird uns noch eine Weile beschäftigen. Wenn er weiterhin so hoch ämusant ausgetragen wird, und vor allem mit solcher Finesse, dann steht uns eine unterhaltsame Staffel bevor. An dieser Stelle muss ich auch einmal auf die raffinierte und dadurch vielschichtig aussagekräftige Kameraarbeit in dieser Folge eingehen. Denn allein durch die Einstellung, als Roger und Don in Petes Büro kommen und sofort hinter dessen Betonsäule verschwinden, demonstriert man ohne viele Worte die Situation. Die witzige Szene mit den vier Partnern auf Petes Couch tut dann ihr Übriges. Roger schafft es, den Konflikt hier durch einen Kompromiss rund um Harry zu entspannen, aber dies ist sicher nur eine kurzfristige Lösung.

You love stirring the shit

Auch Joan hat mit den Veränderungen ihres Lebens zu kämpfen. Das Baby ist da und sie befindet sich im Mutterschaftsurlaub, bekommt dabei Unterstützung von ihrer Mutter und durchlebt eine der schwierigsten und ungewöhnlichsten Phasen im Leben einer Frau. Die Situation als frischgebackene Mutter ist sicher für jede Frau etwas anders und das Spektrum des Erlebens reicht dabei von purem Glück bis zu tiefer Verzweiflung. Aber die Variante, die hier auf Joan zutrifft, dass sie irgendwie zwischen diesen beiden Welten feststeckt, der ihres alten Lebens, welches sich um SCDP dreht, und dem neuen, als Mutter, ist durchaus eine faszinierende. Wieder einmal ist Joan verfolgt von Einsamkeit, denn auch wenn sie in ihrem Leben einen Partner hatte, ob dies ihre Affäre mit Roger war, ihre Ehe mit Greg oder nun eben die Gesellschaft ihrer Mutter, Joan blieb dennoch immer allein. Und ein Neugeborenes ist nicht wirklich ein Mensch, mit dem man das Leben teilt. Sie klammert sich an das, was ihr Kraft und Halt gibt, und das ist ihre Arbeit bei SCDP. Die Szene, in der sie in Lanes Büro zusammenbricht, ist meine absolute Lieblingsszene der Episode, denn sie zeigt beide Protagonisten so verwundbar und liebevoll, wie wir es nur selten erleben. Und spätestens als Lane Joan den Tanz von Megan vorführt, hatte er mich vollkommen um den Finger gewickelt.

Eingerahmt wird dieser kleine Moment der Vertrautheit und Zuversicht von einem Meisterwerk ohne viele Worte. Denn wie Joans Baby im Büro die Runden macht und dabei all die komplizierten Beziehungen dieser Charaktere untereinander kommentiert und angesprochen werden, ohne dass auch nur einer von ihnen ein Wort darüber verliert, ist atemberaubend genial. Ob das Megans Reaktion auf Joans Auftauchen im Hintergrund ist (nachdem einem zuvor klar wurde, dass Joan Megan durchaus als direkte Bedrohung sieht), Peggys verständliche Zurückhaltung dem Baby gegenüber, die durch Petes offensichtliches Unbehagen in dieser Situation noch verstärkt wird, oder eben das Auftauchen des Kindsvaters mit den Worten: "Well, well, well, there's my baby." Das ist effektiver und einzigartiger als jedes Was zuvor geschah… und demonstriert eindrucksvoll das Genie dieser Serie.

Is it just me or is the lobby full of negroes?

Einer der wenigen ernstzunehmenden Kritikpunkte an "Mad Men" war bis dato immer die fehlende Thematisierung der Rassenproblematik in den USA, ist doch dieser Abschnitt der Geschichte einer der ersten, der einem einfällt, wenn man an die 60iger Jahre denkt. Aber dies scheint sich nun zu ändern, zumindest ist dies nach diesem Auftakt anzunehmen. Dass das Thema bisher nicht viel Beachtung fand und nur ganz nebenbei am Rande aufgetaucht ist, war aber durchaus im Leben unserer Protagonisten begründet. Denn für diese gesellschaftliche Schicht wurde das Problem der Rassentrennung bis zu diesem Zeitpunkt wohl noch kein dringendes Problem. Aber die Zeiten ändern sich immer schneller und wir sind nun in einer Epoche angekommen, in der auch die Elite in der Madison Avenue nicht mehr unberührt bleibt von den Problemen der Unterschichten in Amerika.

Matthew Weiner wählt dafür einen ungewöhnlichen Ansatz, in dem er eine wahre Begebenheit dieser Zeit zum Einstieg in die Staffel macht. Seine Darstellung eines Vorfalls, bei dem Männer der Werbeagentur Young & Rubicam Wasserbomben auf demonstrierende Afroamerikaner werfen und mit den Worten "And they call us savages." bestraft werden, ist eine enorme Abweichung von der Norm in der Serie. Noch nie sind wir so weit weg von unseren Protagonisten eingestiegen und nur selten sehen wir die Serienwelt durch andere Augen als deren. Dies scheint doch anzudeuten, dass Weiner dem Thema besondere Aufmerksamkeit widmen will, zumal auch das Ende der Folge wieder dorthin zurückkommt. Da ich zu denen gehöre, die die bisherige subtile Thematisierung der Rassenfrage durchaus gelungen fand, denn manchmal ist der direkte Hinweis auf die schiere Ignoranz aus der eigenen Arroganz heraus wirkungsvoller als Hinweise mit dem erhobenen Zeigefinger, bin ich gespannt, ob und wie sich die Verschiebung des Fokus auf die Geschichte auswirken wird.

Wenig zu sagen gibt es momentan noch zu dem kleinen Handlungsstrang rund um Lane und die verlorene Brieftasche. Ob sich aus seiner kleinen Schwärmerei für die unbekannte Delores wirklich eine Geschichte entwickeln wird, ist noch nicht absehbar. Wir wissen nur, dass seine Frau Rebecca wieder an seiner Seite ist und die Ehe zumindest oberflächlich wieder intakt scheint. Aber wenn uns "Mad Men" eines gelehrt hat, dann dass ein oberflächlicher Eindruck niemals den wahren Zustand wiedergibt.

I just want to take my pants off and slide my ass on the carpet.

An dieser Stelle führen wir wieder die alte Tradition der stichpunkthaften Aussagen ein, wie immer eingeleitet von einem weiteren treffenden Zitat aus der Folge, damit diese Texte nicht zu sehr aus dem Ruder laufen. Zumal auch einige Dinge durchaus der Erwähnung wert sind, aber nicht immer einen eigenen Absatz voller tiefgründiger Betrachtungen rechtfertigen:

  • Peggy war hier eher im Hintergrund und diente mehr als Resonanz für einen Teil der Megan-Geschichte. Dennoch haben wir einen Einblick in ihre Stellung in der Agentur erhalten und wissen, dass sie immer noch mit Abe liiert ist. Und sie sieht Dons momentanes Glück als Bedrohung für dessen beruflichen Ehrgeiz.
  • Betty war in diesen beiden Folgen überhaupt nicht zu sehen. January Jones hat für Staffel 5 einen geringeren Arbeitsaufwand, denn sie war während den Dreharbeiten schwanger. Ich erwarte aber dennoch, sie bald wieder zu sehen, schließlich ist auch Christopher Stanley aka Henry Francis nun Mitglied im Hauptcast. Außerdem befördert wurde Jay R. Ferguson, was wohl bedeutet dass uns Stan Rizzo weiterhin erhalten bleibt.
  • Im Gegensatz zu ihrer Mutter hatten Dons Kinder einen kurzen Auftritt im Staffelauftakt. Dabei liegt der Fokus natürlich wieder besonders auf Sally, durch deren Augen wir das neue Apartment von Don und Megan erkunden. Dabei fällt auf, dass Megan als die offizielle Stiefmutter nun eher Abstand zu den Kindern hält.
  • Ein weiteres Detail der Don-Megan-Beziehung, auf das ich oben noch nicht eingegangen bin: Sie weiß von seiner wahren Identität. Wieviel sie weiß ist nicht ganz klar, aber der Name Dick Whitman ist ihr geläufig und sie kennt einige Einzelheiten, vielleicht sogar mehr als der Zuschauer.
  • Ich liebe es, dass Bert Cooper nach seinem dramatischen Abgang in der letzten Staffel einfach kommentarlos wieder zurück ist, und das natürlich immer noch funktionslos.


Fazit

"Mad Men" is back und das in gewohnter Qualität, voller geistreicher Geschichten, viel tiefsinnigem Humor und einfach rundum genialer Unterhaltung. Der Traum eines jeden Serienfans.

Cindy Scholz - myFanbase

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