Bewertung: 7

Review: #13.22 Gottes Wille

Foto: Justin Chambers, Grey's Anatomy - Copyright: 2017 ABC Studios
Justin Chambers, Grey's Anatomy
© 2017 ABC Studios

Langsam werden alle Weichen für das Staffelfinale gestellt. Dabei wird #13.22 Leave It Inside dafür genutzt, schnell noch ein paar kleinere Storylines einzuführen, die uns wohl bis in die neue Staffel hinein begleiten werden. Die großen Handlungsstränge werden überraschend ruhig gefahren – bei "Grey's Anatomy" wohl ein deutliches Anzeichen für die Ruhe vor dem Sturm.

The Sorting Hat

Anscheinend hat man sich wieder daran erinnert, dass die ganze Eliza Minnick-Krise eigentlich ja mit dem Assistenzarztprogramm zu tun hatte und nicht mit einem Kräftemessen zwischen den Ärzten. Während die Assistenzärzte in den letzten Folgen wieder eher in den Hintergrund gerückt sind, steht jetzt plötzlich die Vergabe der Fellowships an. Und auf einmal sehen wir Eliza, Richard und Bailey professionell und respektvoll zusammensitzen. Wer hätte das am Anfang der Staffel gedacht?

Irgendwie ist es fast ironisch, dass ausgerechnet Ben so weit hinten zu liegen scheint, obwohl der in den letzten Folgen doch eigentlich immer so einen professionellen Eindruck gemacht hat. Gerade in der Minnick-Krise konnte er überall als Stimme der Vernunft vermitteln. Wobei das wahrscheinlich genau das Problem an der Sache ist. Denn vermitteln und dort helfen, wo man gerade gebraucht wird, ersetzt eben keine OP-Erfahrung. Von dem her freut es mich, dass Richard ihn da etwas vorgewarnt hat und ich bin gespannt, ob Ben sich tatsächlich mehr reinhängen wird.

Der essentielle Punkt in dieser ganzen Geschichte dürfte aber wohl weder Ben noch Jo gewesen sein, sondern Stephanie. Wer die News verfolgt hat, dürfte mitbekommen haben, dass Jerrika Hinton nach Staffel 13 wegen einer neuen Serienverpflichtung aussteigen wird. Jetzt stellt sich also weniger die Frage ob, sondern wie Stephanie die Serie verlassen wird. Ihr Charakter hat in der letzten Zeit mit dem Tod von Kyle und einigen komplizierten Patientenfällen schon herbe Rückschläge einstecken müssen. Der Fall rund um Liam ist also nur der nächste Treffer. Ich finde Elizas Verwunderung an dieser Stelle sehr verständlich, denn wie kann es sein, dass Stephanie nach Kyles Tod keine psychologische Betreuung bekommen hat? Wir hatten jetzt doch schon mehrere Katastrophen-Fälle, bei denen alle Ärzte dazu gezwungen wurden, zumindest ein paar Therapiestunden wahrzunehmen. Und auch wenn Stephanie weiterhin gut und fähig gearbeitet hat, hat man ihr doch bei den Fällen immer wieder angemerkt, dass etwas nicht ganz stimmt. Eben genau wie Eliza gesagt hat: Teils ist sie viel zu sehr involviert, teils lässt sie der Patient total kalt. Assistenzarzt-Burn-Out-Syndrom. Trotzdem war Stephanies Verhalten in diesem Fall wirklich verständlich und es wäre den meisten wohl ähnlich ergangen.

"I prayed and prayed. God didn't help me. Will you help me?"

Die Geschichte um den kleinen Liam war zwar hauptsächlich dazu da, um Stephanies Storyline ins Rollen zu bringen, trotzdem war es ein toller Fall. Denn so konnte man eine wunderbare Dilemma-Situation der Ärzte zeigen: Sie sehen ein krankes Kind, dem sie helfen könnten und dürfen das nicht, weil die Eltern es aus religiösen Gründen verbieten. Das gab es zwar jetzt auch schon öfter, jedoch war es diesmal besonders emotional. Die rechtliche Lage dazu ist klar: Sie müssen sich nach dem Wunsch der Eltern richten. Doch das ist eben nicht so einfach, wenn der Junge selbst um Hilfe bittet (und wie sich später herausstellt auch die Mutter). Von dem her kann ich Alex' Entscheidung, sich mit einem vorgegaukelten Notfall über die Eltern hinwegzusetzen, vollkommen verstehen, auch wenn es eine moralische Grauzone ist. An dieser Stelle fand ich es toll, dass er die Schuld auf sich nimmt und Minnicks Methode sozusagen gegen sie verwendet. So können sie Liam das Leben retten. Darum geht es ja auch eigentlich, wie Stephanie ganz richtig sagt. Und trotzdem haben sie jetzt natürlich jede Menge Ärger am Hals. Da hat es nicht geholfen, dass Stephanie Liams Vater all das an den Kopf geworfen hat. Denn wahr oder nicht, so verhält sich nun mal kein professioneller Arzt. Dennoch hat es viel Mut und Stärke von Stephanie gebraucht, danach bei Bailey, Eliza und Richard vorbeizuschauen und ihr Verhalten zu erklären. Keine Ausflüchte, keine Entschuldigungen. Nur die Einsicht, dass sie die Kontrolle verloren hat und das nicht hätte passieren dürfen. Die komplette Folge über hat Jerrika Hinton einfach fabelhaft gespielt und ich bin sehr gespannt, wie es weitergehen wird.

"Grab your new life by the hand and go out there and live it."

Wie gehofft ist Maggies Schock über die Merthan-Enthüllung in dieser Folge schon verschwunden. Ganz im Gegenteil, Maggie findet sogar, dass sie und Amelia die Sache unterstützen sollten. Und so konnte die Beziehung zwischen den Schwestern wieder ins Zentrum rücken und war wie immer einfach toll anzusehen. Sei das nun Maggie, die unauffällig den Abend freiräumt oder Amelia die mal eben ganz zufällig lauscht und enttäuscht feststellt, dass eben doch nichts aus dem Date geworden ist. Es ist einfach schön zu sehen, wie sehr sich die beiden um Meredith sorgen. Ich will mal nicht kleinkariert sein und erwähnen, dass wir das schon viel früher hätten haben können, wenn Meredith mal mit der Sprache rausgerückt wäre. Aber naja, besser spät als nie.

Von der Seite der Schwestern ist nun alles klar, jetzt fehlt eigentlich nur noch Meredith, die immer noch dabei ist, mit Derek abzuschließen. Auch wenn sich ihre (Nicht-) Beziehung mit Nathan dadurch schrecklich zieht, gefällt mir dieser Aspekt eigentlich sehr gut. Schließlich war Derek ihre große Liebe und einer der Grundpfeiler der Serie. Ganz abgesehen davon war es auch nett, mal wieder die berühmte Tumorzeichnung und die Post-It-Heirat zu sehen. Auch wenn beide zögerlich weggeräumt werden. Es ist nun mal Zeit mit Vergangenem aufzuräumen und neu zu beginnen. Das neue Leben bei der Hand zu nehmen... oder eben in diesem Fall Nathan.

Randnotizen

  • Warum genau man jetzt unbedingt noch so eine erzwungene Liebesgeschichte mit Jo und Andrew einbauen musste, ist mir schleierhaft. Gerade, weil die ja von Jos Seite aus unerwidert zu sein scheint. Das ist beiden Charakteren gegenüber nicht fair, die doch einfach mal eine richtige, ordentliche Storyline bekommen sollten.
  • Die große Frage ist doch: Wen hat Alex da vor dem Krankenhaus angerufen? Seinen Anwalt? Und nach wem sucht er da?
  • So romantisch Arizonas Mini-Liebeserklärung an Eliza im Aufzug auch war – wie genau stellen sich die beiden eine Zukunft vor, wenn sie nicht mal ansatzweise über ihren Beruf reden können, weil sie überall anderer Meinung sind? Oder schaffen sie das, was Ben und Bailey gemeistert haben – Kirche und Staat?


Fazit

Dank der plötzlichen Vergabe des Fellowships und den Geschehnissen rund um Stephanie bekommen auch die Assistenzärzte vor dem Staffelfinale noch schnell eine Storyline. Jetzt stellt sich die Frage, welche Handlungsstränge in diesen beiden letzten Folgen noch aufgelöst werden und welche sich in Staffel 14 ziehen werden. Das Leben von vielen Charakteren scheint am Wendepunkt zu stehen und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir uns noch auf einige Überraschungen gefasst machen können.

Denise D. - myFanbase

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