Bewertung: 8

Review: #12.18 Code Pink

Foto: Ellen Pompeo, Grey's Anatomy - Copyright: 2017 ABC Studios; ABC/Mitch Haaseth
Ellen Pompeo, Grey's Anatomy
© 2017 ABC Studios; ABC/Mitch Haaseth

Mit #12.18 There's A Fine, Fine Line kann "Grey's Anatomy" mal wieder beweisen, dass es jenseits von Beziehungsgeschichten auch ganz auf die medizinischen Fälle fokussierte, mitreißende Episoden hervorbringen kann. Nachdem sich die meisten Beziehungen der Ärzte des Grey + Sloan Memorial in den letzten Episoden eher festgefahren haben und man als Zuschauer eigentlich immer ähnliches serviert bekommen hat, wurde das Ganze in dieser Episode einfach mal komplett weggelassen. Das hat richtig gutgetan. Dafür geht es jetzt scheinbar einem der letzten funktionierenden Paare der Serie, nämlich Bailey und Ben, an den Kragen. Aber der ganze Fall wurde so spannend aufgezogen, dass ich da gar nicht richtig böse sein kann (naja, ein bisschen vielleicht schon).

"We just have to cut and pray to god we know what we're doing."

Eine chaotische Szene im Gang, Unmengen von Blut am Boden. Diese Szenen sind uns bei "Grey's Anatomy" mehr als bekannt. Neu war, wie einem der Fall präsentiert wird. So springt der Zuschauer nicht wie sonst von einer Handlung zur nächsten, sondern verweilt zu großen Teilen bei Bailey, die in dieser Folge etwas Detektiv spielen darf, um herauszufinden, was passiert ist. Gerade diese Herangehensweise hat der Story ihren Reiz gegeben, als wenn wir von Vornherein gewusst hätten, wie es dazu kommen konnte. So fühlt man sich fast ein bisschen in einen Krimi hineinversetzt, wo man auf der Suche nach Beweisen ist und Stück für Stück den Tathergang rekonstruiert.

Überhaupt war das Ganze ziemlich clever geschrieben, denn fast die komplette Folge lang sieht es so aus, als hätte Ben völlig richtig gehandelt. Deswegen wurde sich ja noch extra viel Mühe gegeben zu betonen, wie fähig und toll Ben doch ist. Dass Assistenzärzte in Notfallsituationen drastische Maßnahmen ergreifen müssen und dabei dann eben glänzen oder scheitern, haben wir ja oft genug gesehen. Da fällt es leicht, sich in Sicherheit zu wiegen und davon auszugehen, dass Ben die richtige Entscheidung getroffen hat, wenn auch mit traurigen Konsequenzen.

Denn natürlich ist es mal wieder die sympathische Familie, die abrupt auseinandergerissen wird. Natürlich mit mehreren Kindern und einer tapferen großen Schwester, die Bailey ganz herzzerreißend nach Geld für die Zahnfee fragt. Was wäre die Serie auch ohne Emotionen.

Aber so einfach ist die Sache dann eben doch nicht. Dafür wurden in den vergangenen Episoden zu viele Hinweise platziert, die in eine ganz andere Richtung deuten. Zum Beispiel in #12.13 All Eyez on Me als Ben ohne auf Verstärkung zu warten einen Patienten aufschneidet und eben gerade noch einmal Glück hat. Oder aber auch die Spannungen, die sich automatisch in einer Beziehung aufbauen, wenn man auf der Arbeit in einem Machtgefüge ist.

Gerade als Bailey die Geschehnisse komplett zurückverfolgt hat und ich mich schon eine halbe Stunde lang gefragt habe, wo Ben denn bitteschön einen Fehler gemacht haben könnte, wird die Sache aufgedeckt. Der Fahrstuhl hat sich geöffnet. So ein kleines Detail mit so großer Wirkung. Denn der Lockdown ist vorbei und Ben hätte einfach nur warten müssen, nachdem er ja vermutlich eh die halbe Ärzteschaft angepiept hat. Aber er schneidet trotzdem und macht sich damit von jetzt auf gleich zum Hauptschuldigen.

"You're the chief now. This is your call. It's your job. Do your job."

Während es Ben ist, dem hier das Wasser bis zum Hals steht, ist es doch Bailey, die mir bei Weitem mehr Leid tut. Denn sie steht jetzt zwischen den Stühlen. Als Boss, der mit einem Assistenzarzt zu tun hat, der durch eine zweifelhafte Handlung gleich zwei Todesfälle auf sich gezogen hat, muss sie Konsequenzen ziehen. Erst recht, nachdem eh schon gemunkelt wird, dass Ben als ihr Mann Sonderrechte hätte. Aber er ist eben nun mal auch ihr Ehemann, was die Sache zwar nicht weniger klar, aber dafür umso schwerer für sie macht.

Schon die ganze Episode hindurch konnte man beobachten, wie Bailey immer verzweifelter Informationen von den verschiedenen beteiligten Ärzten einholt. Immer in der Hoffnung, dass vielleicht doch noch eine Antwort kommt, die Ben entlasten könnte. Hier hat Chandra Wilson mal wieder richtig überzeugend gespielt und ein gutes Stück Drama in den spannenden Fall gebracht. Da konnte man einfach nur mitfiebern. Und doch ist ihr wohl schon von Anfang an klar, wie die ganze Sache ausgehen wird, auch wenn sie es noch nicht wahrhaben will. Da braucht es Richards Ansprache eigentlich nur noch als letzten Schubs. Denn er hat Recht. Ben ist außer Kontrolle, oder zumindest zu selbstsicher und muss gestoppt werden.

"You are certain" - "Yeah. That's what Dr. Warren said."

Während es zwar Ben ist, der in dieser Geschichte klar im Zentrum steht, sollte man nicht vergessen, dass auch Andrew mit dabei war. Überhaupt war ich ein bisschen überrascht, dass der nur zum Ablauf befragt, sonst aber komplett in Ruhe gelassen wurde. Okay, er hat aktiv nichts getan, aber andererseits hat er Ben auch nicht von seiner Aktion abgehalten. Natürlich konnte man sehen, wie überfordert Andrew mit der ganzen Situation war und dass er sich da automatisch dem autoritären Ben angeschlossen hat. Trotzdem bin ich gespannt, welche Rolle DeLuca in der wahrscheinlich folgenden Anhörung haben wird.

Fazit

Man hat im Laufe der Folge zwar eigentlich alle Charaktere zu Gesicht bekommen, doch die Handlung hat sich klar um Ben gedreht. Es war wirklich erfrischend mal ein bisschen Pause von all den Beziehungsgeschichten zu bekommen, auch wenn durch diese Episode nur noch ein weiterer Krisenherd entstanden ist. Jetzt stellt sich die Frage, was Ben für Konsequenzen erwarten muss und vor allem, was das für seine Beziehung mit Bailey bedeutet.

Denise D. - myFanbase

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