Bewertung: 7

Review: #5.01 Alles geht zu Ende

Foto: Julianna Margulies, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Julianna Margulies, Good Wife
© Paramount Pictures

Nach einer gefühlt nicht enden wollenden Sommerpause ist "Good Wife" zurück und wir erfahren endlich, wie es um die Gründung der neuen Kanzlei rund um Alicia und Cary bestellt ist. Nur wenig Bewegung gibt es dagegen in Alicias Liebesleben, und während sich über Peter vermeintliches Unheil zusammenbraut, bleibt die Geschichte um die Florrick-Geschwister noch ziemlich undurchschaubar.

"Kind of weird, everything is ending."

Der Staffelauftakt knüpft direkt an die letzte Folge an und wir erleben, in einer wirklich schönen Szene, Alicia und Cary in freudiger, gelöster und leicht angeheiterter Stimmung. Und wer will ihnen das auch verübeln, schließlich gibt es mit der Gründung der eigenen Kanzlei auch einen triftigen Grund zum Feiern. Vor allem rückblickend ist es einfach schön zu sehen, wie aus den einst erbitterten Rivalen um ein und denselben Job nun Partner werden, die sich noch dazu so gut verstehen. Ich freue mich wirklich schon auf mehr solch gemeinsamer Szenen und mir kann es gar nicht schnell genug gehen, bis die beiden ihren Abschied bei Lockhart/Gardner nehmen.

Doch bis dahin könnte es durchaus noch spannend zugehen, denn David Lee hat bereits Verdacht geschöpft. Und ehrlich gesagt verwundert einen das angesichts des laxen und auffälligen Verhaltens der Anwälte, inklusive Robyn, in der Kanzlei auch nicht. Ein wenig mehr Vorsicht wäre hier wirklich angebracht. Interessant ist dabei auch das Verhalten von Kalinda, die bekanntermaßen von Carys Plänen weiß. Während sie gegenüber David zunächst auf unwissend macht, setzt sie sich seinem Auftrag zur Überprüfung der Telefondaten aber dann nicht zur Wehr. Über die Gründe ihres Schweigens lässt sich nur spekulieren. Sind es Gefühle für Cary? Ihre zugegeben leicht angeknackste Freundschaft mit Alicia? Oder gar die Spekulation, doch noch mit wechseln zu können? Vielleicht eine Mixtur aus allem. Wir werden es sicher noch erfahren.

Die Rolle von Alicia in der ganzen Sache ist natürlich sehr prekär, schließlich ist sie immer noch Partnerin in der Kanzlei und somit eigentlich der Gemeinschaft verpflichtet. Dass sich die Neugründung dann auch noch um drei Wochen verzögern soll, liegt Alicia schwer im Magen. Doch sie muss sich der Mehrheit der zukünftigen Kollegen beugen. Das führte nebenbei zu einem sehr witzigen Aufeinandertreffen in der Tiefgarage, übrigens auch wieder recht auffällig in der großen Gruppe, bei dem ich mir ob Alicias Worten in Anspielung auf das gleichnamige Musical ("What's going on, West Side Story?!") das Lachen nicht verkneifen konnte. Richtig undankbar wird es für Alicia aber erst durch den Auftrag von Will und Diane, sich umzuhören, ob es unter den Kollegen und Klienten Abwanderungsgedanken gibt. Es ist förmlich sichtbar, wie unangenehm ihr diese Lage bzw. Aufgabe ist. Eigentlich würde sie wohl stattdessen lieber endlich mit der Wahrheit herausrücken, vor allem auch gegenüber Will. Doch darauf komme ich gleich noch einmal zu sprechen.

Zwischendurch hatte wahrscheinlich nicht nur ich, sondern auch Alicia noch einmal Zweifel und es stand zu befürchten, dass sie ihre Entscheidung entweder bereuen oder zumindest in Frage stellen könnte. Carys schon in Folge #4.20 Rape: A Modern Perspective herangezogener Vergleich ("Alicia, you and I are the new Will and Diane.") bringt Alicia aber zurück auf den Weg. Wie im Serienverlauf schon vielfach unter Beweis gestellt, ist Alicia nun einmal eine sehr loyale Person. Bei sie selbst betreffenden Entscheidungen hat sie sich stets schwer getan. Das durch die Verzögerung entstandene Mehr an Zeit könnte sie durchaus wieder zum Nachdenken anregen, aber letztendlich scheint sie mir nun ihren Entschluss gefasst zu haben. Dass sie inzwischen auch Peter und Eli in ihre Pläne eingeweiht hat, spricht ebenfalls gegen einen Rückzug in letzter Minute.

"Don't end up hating me."

Neben der Neugründung bleibt natürlich auch noch die Frage nach dem Stand der Dinge in Sachen Liebesdreieck um Alicia, Will und Peter. Dass Alicia Wills Anruf am Wahlabend während ihres Gesprächs mit Cary weggedrückt hat, ließ für mich erst einmal den Schluss zu, dass Alicia ihren Fokus auf ihre berufliche Zukunft legen und Will keinen Platz haben wird. Und auch Will scheint für sich damit abgeschlossen zu haben. Während Alicia das Thema wohl gerne noch einmal zur Sprache bringen will, gibt er ihr doch recht unmissverständlich, aber durchaus in einem normalen Ton zu verstehen, dass die Sache für ihn erledigt ist. In beruflicher Hinsicht verhalten sich dazu beide höchst professionell und arbeiten mit dem Rest des Teams einvernehmlich am Fall um den Todeskandidaten. Doch es bleibt für mich der Eindruck, dass Alicia ihre Beziehung zu Will noch nicht final abgeschlossen hat. Am Ende der Folge unternahm sie wohl noch einen Anlauf, Will von der neuen Kanzlei zu erzählen, was er allerdings als Versuch fehlinterpretierte, sie wolle noch einmal über den Wahlabend reden. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Alicia einfach Angst davor hat, dass die Tür zum gemeinsamen Glück mit Will nun endgültig geschlossen sein könnte. Ihre von Will nicht verstandenen Worte zeigen auf jeden Fall, dass er ihr nach wie vor sehr wichtig ist und sie auf sein Verständnis hofft. Alica und Will, ja oder nein, das wird uns zumindest aus ihrer Perspektive wohl auch weiterhin begleiten. Ich wäre den Autoren allerdings dankbar, wenn das jetzt nicht wieder in jeder Folge zum Thema wird, um uns nach all dem Hin und Her auch einmal eine Pause zu gönnen.

"I can't fire someone because they are too pretty."

Ein neuer Handlungsstrang wird rund um den gerade frisch zum Gouverneur gewählten Peter eröffnet. Und die Einführung von Melissa George als Ethikexpertin Marilyn verspricht auch direkt Ärger für ihn und nimmt außerdem Bezug auf seine (weiblichen) Fehltritte in der Vergangenheit. Natürlich ist es erst einmal etwas seltsam, dass Eli wegen ihres zu guten Aussehens Bedenken gegenüber Peter äußert und für eine Versetzung votiert. Ich habe ja schon von vielerlei Diskriminierung am Arbeitsplatz gehört, aber das ist mir noch nicht untergekommen. Andererseits kann ich Eli seine Gedankengänge auch nicht verübeln. Er kennt Peter und dessen Vergangenheit sehr gut und als sein Berater und wohl künftiger Stabschef muss er möglichst jedwede schlechte Presse über den Gouverneur im Keim ersticken. Da muss Peter ja nicht einmal ernsthaftes Interesse an Marilyn zeigen, auch wenn der ein oder andere Blick von ihm durchaus bereits einen anderen Schluss zuließe. Allerdings will ich Peter auch zugute halten, dass er letztlich der Versetzung, oder besser gesagt Beförderung, zustimmt. Auslöser war sicher auch Alicia mit ihrer Entscheidung für eine neue Kanzlei und damit auch gegen Will. Während Peter zwar noch zweifelt, was der wahre Beweggrund Alicias war, will er es ihr offenbar nachtun und entscheidet sich für seine Ehe und geht damit dem vermeintlichen Risiko in Gestalt von Marilyn aus dem Weg. Jedoch scheint sich diese nicht ohne Weiteres wegloben lassen zu wollen. Ihr "you guys are making a mistake" hörte sich doch sehr nach einer Drohung an. Die Frage ist nur, was es damit auf sich haben könnte? Was genau hätte sie gegen Eli und Peter in der Hand und vor allem, was verspricht sie sich davon?

"10 Hottest Politicians' Daughters"

Wohin uns die Geschichte mit Zach und Grace zukünftig führen soll, erschließt sich mir noch nicht wirklich. Zunächst einmal finde ich eine solche Liste mit Politikertöchtern nicht besonders ungewöhnlich. Ähnliche Rangreihen gibt es im Internet wohl zuhauf, und ich sehe derzeit einfach nicht, wie sich hieraus eine spannende Geschichte entwickeln soll. Dass Grace durch die Bekanntheit von Peter mehr Aufmerksamkeit, insbesondere des männlichen Geschlechts, zuteil wird, ist da fast schon normal. Dennoch war es schön zu sehen, wie Zach den großen Bruder spielen durfte, dem es zum einen zuwider war, mit Freunden über seine attraktive Schwester reden zu müssen, und der zum anderen versucht, sie vor dem Gerede zu schützen. Übrigens hat sich Grace inzwischen wirklich zu einer hübschen, jungen Frau entwickelt, und auf dem Foto macht sie in ihrer Schuluniform Blair Waldorf und Serena van der Woodsen aus "Gossip Girl" echte Konkurrenz. Da noch keine Storyentwicklung abzusehen ist, stehe ich der ganzen Sache jedoch vorsichtig optimistisch gegenüber und harre der Dinge, die da kommen.

"This is torture. This is the definition of torture."

Natürlich sollen auch zum Fall der Woche um den Todeskandidaten ein paar Worte gesagt werden. Der war nämlich durchaus spannend, wendungsreich und dringlich, was vor allem auch durch die Inszenierung gut zum Ausdruck kam. Das enorme Tempo der Entwicklungen ließ kaum Zeit zum Durchatmen, und zwischendurch hatte ich wirklich ein paar Schwierigkeiten, dem ganzen Treiben folgen zu können. Unterstützt wurde die Dringlichkeit auch durch die überall in der Kanzlei vorhandene Hektik der Anwälte und Angestellten sowie die musikalische Untermalung der Szenen, die mir auf Dauer persönlich aber zu aufdringlich war. Bereits der Einstieg in die Handlung mit der Hinrichtungsszene wusste mit seinen Bildern zu überzeugen. Zunächst die anrührenden letzten Worte des Todeskandidaten, auf die dann die beklemmenden und mitunter schockierenden Bilder der versuchten Hinrichtung folgten. Da wurde man als Zuschauer direkt emotional in den Fall hineingezogen. Dagegen wirkte die anschließende Szene mit der "rollenden" Anwältin fast schon wohltuend befreiend. Leider Gottes wurde dieser Running Gag im Laufe der Folge aber derart zu Tode geritten, dass es einfach nicht (mehr) lustig war. "Good Wife" wusste ja schon immer mit Humor zu punkten, aber das ging hier meines Erachtens ziemlich schief. Dem geneigten CBS-Zuschauer war der Gag ohnehin bereits aus "The Big Bang Theory" bekannt. Dass der Klient letztendlich seiner Hinrichtung entkam, war zwar erfreulich, aber die Serie hat sich bislang nie davor gescheut, auch einmal harte und unpopuläre Urteile zu zeigen. Ein weniger positives Urteil hätte dem eindringlichen Fall sicher keinen Abbruch an Spannung und Mitgefühl getan.

Fazit

Dem Staffelauftakt gelingt es direkt, die Auflösung der wichtigsten Fragen aus dem Staffelfinale und die Einführung neuer Geschichten mit einem spannenden Fall der Woche zu verknüpfen. Ich freue mich wirklich sehr auf Cary und Alicia als die neuen Will und Diane und bin gespannt, wie alle Beteiligten die Sache aufnehmen und dadurch bestehende Konstellationen Veränderungen erfahren werden. Melissa George könnte als Femme Fatale neuen Ärger für Peter heraufbeschwören, wohingegen die Handlung um Zach und Grace noch kein klares Ziel vor Augen hat. Mit einem noch im Raum stehenden, möglichen Wechsel von Diane an den Supreme Court und der Geschichte um Jackie und Cristian hat man zudem noch weitere Storylines in der Hinterhand, die uns eine spannende und abwechslungsreiche fünfte Staffel versprechen.

Jan H. – myfanbase

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