Bewertung: 8

Review: #4.22 Heimlichkeiten

Foto: Chris Noth, Julianna Margulies & Josh Charles, Good Wife - Copyright: Paramount Pictures
Chris Noth, Julianna Margulies & Josh Charles, Good Wife
© Paramount Pictures

Es ist ein Tag der Entscheidungen bei "Good Wife". Gewinnt Peter die Gouverneurswahl? Und wird Alicia an seiner Seite stehen oder sich doch für Will entscheiden? Außerdem gibt es bezüglich Carys Kanzleigründung interessante Entwicklungen. Eins haben jedoch alle Handlungen gemeinsam, "Good Wife" steht durch die jeweiligen Auswirkungen vor möglicherweise tiefgreifenden Veränderungen.

"Do you still want to talk? Meet me at my apartment. I'll get away. Right now."

Es ist das Staffelfinale und da ist es doch wohl durchaus legitim, sich in der Review zunächst dem Cliffhanger zuzuwenden. Und der betrifft selbstverständlich Alicia. Da haben es die Autoren doch tatsächlich geschafft, mich auf die falsche Fährte zu locken. Es war ja nicht nur das Telefonat von Alicia, das eigentlich nur DEN einen Rückschluss zuließ. Als sie sich da allein in der Wohnung und voller Nervosität erst den Wein einschenkte, Musik anmachte, die Wäsche faltete und sich im Spiegel betrachtete ("Is this stupid?"), wirkte Alicia doch eher wie ein aufgeregter Teenager vor dem ersten Date. Also zumindest für mich sprachen da alle Anzeichen für eine Liebesentscheidung und in dem Fall dann eindeutig für Will, für den sie extra die Wahlparty ihres Mannes sausen ließ. Umso mehr war ich also überrascht, und zwar durchaus positiv, als Cary vor ihrer Tür stand und sie nur noch "I'm in" sagte und damit die Staffel ihr Ende fand.

Anzeichen für eine Trennung von Lockhart/Gardner gab es zuletzt schon genug. Ganz überraschend kam diese Entscheidung daher nicht. Dennoch ist es in Bezug auf Alicia unerwartet, dass sie offenbar endlich einmal ihrem Herzen folgt, auch wenn es auf den ersten Blick nicht in Sachen Liebe passiert. Es geht um ihre berufliche Zukunft und Weiterentwicklung. Doch wenn ich so darüber nachdenke, dann sagt dieser Schritt auch eine ganze Menge über Alicias Liebesleben aus. Würde sie wirklich voll und ganz hinter Peter stehen, dann hätte sie im Moment seines Wahltriumphs sicher an seiner Seite gestanden und ihre Zukunftsplanung in Sachen Arbeit erst einmal vertagt. Doch ihr Herz hängt in dieser Situation an ihrem Beruf. Es überrascht daher schon, dass auch Will nicht in ihre Lebensplanung zu passen scheint.

Zuvor haben wir noch die Szene gesehen, in der sie und Will sich im Auto küssten. Nebenbei bemerkt, war der Auftritt von Diane in diesem Moment eins meiner persönlichen (humorigen) Highlights. Ganz klar ist mir aber noch nicht, ob Alicia ihren Entschluss, mit Cary die Kanzlei zu gründen, nur als vermeintlich einfacheren Weg sieht, um so ihrem Dilemma in Sachen Liebe zu entgehen. Aber letztendlich ist die Lossagung von Will sowohl in beruflicher als auch privater Hinsicht doch ein zu wichtiges Ereignis, um es nur als "Notlösung" zu werten. Ich sage nur bravo Alicia! Endlich eine Tat, die ihrem persönlichen Wunsch zu entsprechen scheint.

"I have dedicated my life to not predicting what Jackie knows."

Eli ist rechtzeitig zum Finale zurück vom Broadway (also eigentlich dessen Darsteller Alan Cumming) und sorgt gleich einmal für den besten Spruch des Staffelfinales. Ich hab ihn in der Schlussphase des Wahlkampfes wirklich vermisst. Und natürlich ging es in der Folge auch um Gouverneurswahl, um die sich letztendlich dann auch der Rechtsfall der Woche drehte. Dass es hier ausgerechnet Zach ist, der bei seinem vorgezogenen Wahlgang die Beschädigung an der Wahlurne beobachtet hat, mag etwas gezwungen wirken. Dennoch gefiel es mir hier sehr gut, wie die Autoren damit einen durchaus gelungenen Bogen zum Staffelauftakt (#4.01 I Fought the Law) geschlagen haben, als Zach erstmals mit dem Gesetz in Konflikt oder besser Berührung geriet. Auch in dieser Folge hat Zach kein Problem damit, seinen Standpunkt bzw. seine Überzeugung von Recht und Unrecht zu vertreten.

Ich will aber gar nicht zu sehr in die Details des Eilverfahrens eingehen, sondern vielmehr noch zwei Punkte ansprechen, die meines Erachtens von Bedeutung gewesen sind bzw. die es in der Zukunft noch einmal werden können.

Kalinda hat bei ihren Ermittlungen herausgefunden, dass die Manipulation an der Wahlurne aus dem Lager um Peter initiiert wurde und hat dies auch Will mitgeteilt. Sein Aufeinandertreffen mit Peter stand dann auch unter einer großen Spannung und gefiel mir von der Inszenierung her gut. Dass Will sein Wissen um diesen Wahlbetrug nicht mit Alicia teilte, kann durchaus als eine Art Liebesbeweis zu ihr gesehen werden. Eventuell wollte er Alicia damit ihre vermeintliche Liebe zu Peter nicht zerstören und behält diesen Beweis damit zugunsten ihres Glücks für sich. Doch noch konnte er ja nicht ahnen, welche Entscheidung sie auch in beruflicher Hinsicht getroffen hat, so dass er dieses Wissen in der kommenden Staffel noch zum Einsatz bringen könnte.

Etwas seltsam mutet abseits des eigentlichen Wahlgeschehens, aber im Umfeld von Peters Wahlbüro, die Handlung um Jackie und ihre bereits bekannte, attraktive Pflegekraft Cristian an. Meines Erachtens haben wir Jackie in dieser Staffel viel zu wenig zu Gesicht bekommen, von daher ist mir jeder Auftritt von ihr ohnehin willkommen. Es war sehr amüsant mit anzusehen, wie Peter mit seinem Plan, sich Cristians mit einer finanziellen Abfindung zu entledigen, kläglich scheiterte. Zudem fing er sich von seiner Mutter noch einen eindringlichen Rüffel ein, sich nicht in ihr Leben einzumischen. Gut so, Jackie! Ob Peter mit seinen Vorbehalten recht behalten wird, sehen wir dann wohl in Runde fünf von "Good Wife". Zumindest wurde mit diesem Handlungsstrang doch recht viel Zeit zugebracht, so dass dies im weiteren Serienverlauf sicher nicht einfach unter den Tisch fallen wird.

Leider haben wir Mike Krestiva als unmittelbaren Gegner von Peter gar nicht zu Gesicht bekommen. Matthew Perry hatte da wohl noch Verpflichtungen bei "Go On". Da seine Sitcom aber inzwischen von NBC eingestellt wurde, bietet sich ja nun vielleicht die Möglichkeit für einen Einsatz als wiederkehrender Gastdarsteller. Das würde mich freuen.

"Is that in your opinion?"

Erwähnenswert ist in dieser Episode auch die hohe Dichte an bekannten und zumeist auch wiederkehrenden Akteure. Besonders seien an dieser Stelle eine Reihe von weiblichen Sitcom-Gästen erwähnt, die mir und damit wohl auch allen geneigten Serienfans, mit ihrem Auftritt eine große Freude bereiteten. Die aus "Roseanne" bekannte Estelle Parsons spielt die leicht senile, aber sehr liebenswerte Wahlhelferin Nana Joe aus Zachs Wahlstätte. Daneben haben auch Martha Plimpton ("Raising Hope") alias Patti Nyholm und Ana Gasteyer ("Suburgatory") als Richterin Patrice "in my opinion" Lessner einen wiederholten Auftritt in der Serie. Abgerundet wird dies zusätzlich noch durch den nicht minder verschrobenen Richter Charles Abernathy, der ebenfalls für den Humor in der Folge zuständig war. In den Gerichtsfall war zudem auch noch ein weiterer Auftritt von T.R. Knight involviert.

Abgesehen von der Wahl und den Entscheidungen um Alicia spielte sich auch noch eine kleine, erwähnenswerte Nebenhandlung um Cary und seine Kanzleigründung ab. Abgesehen von Alicia könnte diese nun auch Auswirkungen auf einige Figurenkonstellationen haben. Weil Carys Verbündeten die Gehaltsforderung von Kalinda zu hoch ist, wird der Job Robyn angeboten. Hier droht für die Zukunft wohl eine erhebliche Eiszeit zwischen Cary und Kalinda. Zuletzt war das Verhältnis der beiden doch recht unklar definiert. Lief da auch abseits des Büros etwas? Kleine Anzeichen dafür gab es meines Erachtens durchaus. Wie auch immer, das dürfte sich mit dem Angebot an Robyn erst einmal erledigt haben. Kalindas Verbleib bei Lockhart/Gardner könnte aber auch Auswirkungen auf die ohnehin immer noch schwierige Freundschaft zwischen ihr und Alicia haben. Schon über die ganze Staffel hinweg gab es ja kaum noch gemeinsame Szenen zwischen den beiden, insbesondere privater Natur. Und um die Gastauftitte zu komplettieren, gibt sich auch noch Colin Sweeney die Ehre, der sich als Klient der neuen Kanzlei anschließen will. Eine weitere Kampfansage an Lockhart/Gardner.

Oder sollte ich nicht besser an Gardner & Associates sagen? Denn eines scheint sicher. Mit den Entwicklungen des Staffelfinales scheinen der Serie große Veränderungen bevorzustehen. Die größte Spannung verspreche ich mir hier von der Entstehung der neuen Kanzlei. Diane dürfte mit Peters Wahlsieg der Richterstuhl am Supreme Court nicht mehr zu nehmen sein und somit wird es auch interessant, wie Will die alte Kanzlei allein am Laufen halten wird und kann. Ich kann den Staffelstart im Herbst schon jetzt kaum erwarten.

Fazit

Die mit Gaststars gespickte Folge stellt mit einer wohldosierten Form an Humor die Weichen für eine spannende Staffel 5. Alicia folgt zumindest in beruflicher Hinsicht ihrem Herz und ich hoffe, dass damit auch das von leichten Ermüdungserscheinungen geprägte Liebesdreieck nun erst einmal ein Ende gefunden hat. Das Potential für vielversprechende Storylines ist auch so mehr als ausreichend vorhanden und ich wünsche mir von den Autoren, dass sie die neu aufgemachten Handlungsstränge nun auch konsequent weiterführen und keinen Rückzieher machen werden. So gerne ich Jackie auch sehe, dennoch gibt es einen Punkt Abzug für ihren Handlungsbogen, der mir hier zu viel Raum eingenommen hat und nach der langen Pause auch zu sehr aus dem Nichts kam. Das hätte man jetzt nicht auch noch ins ohnehin schon vollgepackte Finale quetschen müssen.

Jan H. – myfanbase

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