Bewertung: 9

Review: #5.13 Für Immer

Bevor ein Serienfinale stattfindet, macht man sich oft Gedanken, wie die Serie perfekt enden würde. "Friday Night Lights" hat es geschafft, meinen Vorstellungen ziemlich nahe zu kommen. Nicht nur, dass Tami und Eric sich das erste Mal in den letzten fünf Jahren für Tamis Karriere entscheiden, auch die Endzeitstimmung und die emotional untermalende Musik machten das Finale zu einem würdigen Abschied.

Es fällt mir schwer, eine Review zu dieser Folge zu schreiben. Obwohl mir tausend Gedanken durch den Kopf gehen, so läuft es nur auf eine Schlussfolgerung hinaus: Das war's. "Friday Night Lights" ist zu Ende. Nie wieder "Clear eyes, full hearts, can't lose". Nie wieder Matts schüchternes Gestammel. Nie wieder Eric und Tami, deren Umgang miteinander einzigartig ist - deren Umgang miteinander einzigartig war. Im Grunde genommen wäre es fast egal, was in dieser letzten Folge passiert, sie hätte von mir immer die volle Punktzahl bekommen, schon vom Prinzip her - für fünf Staffeln, die mich abgesehen von einigen kurzen Durststrecken immer überzeugen konnten. Nun habe ich die letzte Folge gesehen und bin mir sicher, dass sie die volle Punktzahl auch verdient hat.

Vor allem durch einen Ausblick, der dem Zuschauer zeigt, wie wohl die nächste Staffel begonnen hätte. Dieser Ausblick hat mich sehr glücklich gestimmt. Emotional, und ohne dabei in die Kategorie kitschig abzurutschen, wurde dem Zuschauer gezeigt, wie die Zukunft der Charaktere nach weitreichenden Änderungen aussieht. So sehr ich die Charaktere gern weiterverfolgt hätte, so bin ich doch froh, dass man sich in Ruhe auf das Serienende einstellen konnte, da es von langer Hand geplant und somit rund und zufriedenstellend war.

"Clear eyes, full hearts - we'll deal with that later."

Erics Entscheidungsprozess für seine Position als Coach in Dillon oder Tamis Karriere wurde bereits in den letzten Folgen thematisiert und kam in dieser Folge zum finalen Höhepunkt. Unterstrichen von Tamis Forderungen nach seiner Unterstützung für ihre Karriere sowie Erics Rede über Kompromissbereitschaft entschied er sich letztendlich für seine Frau. Obwohl man als Zuschauer sehr auf diese Entscheidung gehofft hatte und auch ein wenig damit rechnen konnte, so war es doch Erics Weg, der den Zuschauer gefesselt hat. Denn wäre es wirklich möglich gewesen, Eric nach einer Entscheidung für Dillon zu verzeihen? Hätte Tami ihm jemals verzeihen können? Im Inneren bin ich mir sehr sicher, dass Eric und Tami nach einer solchen Entscheidung auf das Ende ihrer Ehe zugesteuert wären.

Diese letzte Folge repräsentiert die Ehe der beiden, die wir schon in den letzten fünf Jahren beobachten konnten. Es stehen immer wieder schwere Entscheidungen an, doch die beiden machen am Ende alles, um ihrer Ehe gerecht zu werden. Und wenn eine solche Entscheidung für den anderen getroffen wird, so wird dies ohne Gegenwünsche getan. Wie Tami am Ende der ersten Staffel und so oft in ihrem Leben ihre Karriere für Erics zurückstellte, so hat dies nun Eric durchgeführt. Und als die Entscheidung einmal getroffen wurde, so führte er diese mit ganzem Herzen aus.

Football spielte in dieser Folge eine untergeordnete Rolle. Obwohl man die ganze Zeit wusste, dass die Meisterschaft noch kommt, sind in der Zwischenzeit so viele andere Dinge passiert, dass ich für mich zumindest entschieden hatte, dass der Ausgang der Meisterschaft auf einmal gar nicht mehr so wichtig war. Es war der Weg, auf dem wir die Lions begleitet haben, der die Staffel ausgemacht hat - ob sie am Ende gewinnen oder verlieren, es hätte keinen Unterschied gemacht. Jason Katims sah das ähnlich und hatte seine eigene Idee für die Umsetzung. Die Spieler sowie jeder Lions-Anhänger, ob im Stadion oder vor dem Fernseher, beobachten hoffnungsvoll Vinces langen Pass und sind dabei ein letztes Mal vereint in einem Gefühl von unendlicher Anspannung und Dramatik. Und zum letzten Mal wird dem Zuschauer verdeutlicht, dass dieses Gefühl die Grundlage von "Friday Night Lights" ist, nicht das Footballspiel an sich. Ob der Pass ankommt oder nicht, scheint uninteressant. Stattdessen folgt der Schnitt in die Zukunft.

"You guys have made it work. So, you guys are my inspiration."

Der Heiratsantrag von Matt an Julie war mehr als überraschend. Ich hätte nie damit gerechnet und war im ersten Moment auch ziemlich geschockt. Doch wenn ich zurück denke, waren die beiden nach Eric und Tami doch das Paar, das die Serie geprägt hat. Vielleicht ist es etwas verfrüht, an eine Hochzeit zu denken, doch nach längerem Überlegen finde ich es nicht unpassend. Und wir hätten diese bezeichnende Szene zwischen Matt und Eric verpasst, Matts schüchternes Stottern und Erics spöttisches Lachen.

Matt und Julie haben einen langen gemeinsamen Weg hinter sich. Julie war in der Vergangenheit zumeist der Grund, weshalb die Beziehung zwischenzeitlich endete. Doch nach ihrem Start am College und ihrer Affäre mit Derek scheint sie nach etwas zu suchen, was ihr Kraft gibt und auf das sie sich verlassen kann. Aus diesem Grund hatte sie Matt schon in #5.08 Fracture in Chicago aufgesucht. Matt hingegen wusste schon in dem Moment, als er Julie das erste Mal sah, dass sie die Partnerin seines Lebens sein kann. Von daher finde ich die Konsequenz durchaus schlüssig und kann mit diesem Ausblick sehr gut leben.

"We are family. You're my sister."

Zu Beginn der vierten Staffel wurden neue Charaktere eingeführt und es ging schneller als gedacht, dass man diese ins Herz geschlossen hat. Mein absoluter Lieblingscharakter in den letzten beiden Staffeln war Becky. Sie musste mit Schicksalsschlägen kämpfen, der Abtreibung ihres Babys und dem Fortgang ihrer Mutter, doch das alles konnte ihrem fröhlichen Gemüt nichts anhaben. Ihre Annäherung mit Mindy hat mich in dieser Staffel sehr berührt und der Abschied der beiden in dieser Folge war herzzerreißend. Doch wir können uns sicher sein, dass Beckys Umzug nach Hause die Beziehung zwischen ihr und Mindy nur bedingt beeinflusst. Obwohl die beiden zunächst lernen mussten, miteinander umzugehen, wurden aus ihnen Freundinnen, die sich auch in Zukunft aufeinander verlassen können. Auch der Beziehungsstreit zwischen Luke und Becky wurde sehr schön gelöst. Ich gönne es beiden, endlich glücklich zu sein.

Währenddessen gehen Vince und Jess ihre eigenen Wege. Jess muss nach Dallas umziehen, wo sie ihren Traum vom Football-Coach weiter leben kann. Vince bleibt in Dillon und wird der Star der neuen "Supermannschaft". Auch Billy schafft es, einen Job als Co-Trainer in der Mannschaft zu bekommen. Und Buddy fährt wieder in seinem Golfwagen und wacht erneut über die Dillon Panthers. Wenn man ihn ansieht, könnte man denken, es hätte sich nichts geändert und die vergangenen fünf Jahre sind nicht passiert.

"Texas Forever"

Zum Ende der Staffel können wir endlich wieder unseren Tim Riggins sehen. Er hat seine Bitterkeit abgelegt und schaut endlich wieder nach vorn. Nachdem er in der letzten Folge erfahren hat, dass Mindy erneut schwanger mit Zwillingen ist, wurde ihm schnell klar, dass sich seine Ziele im Leben nicht geändert haben. Denn schon immer galt sein Leben seiner Familie und einem Leben in Texas. Alaska war nur ein Gedanke, um Billy zu verletzen und nicht wirklich das, was Tim für sein Leben wollte. Er war nicht zufrieden mit Billys Entwicklungen im vergangenen Jahr und wollte weg. Mit dem Wachsen von Billys und damit auch Tims Familie sieht er jedoch nicht mehr alles schwarz und weiß - er kann die Fortschritte von seinem Bruder endlich erkennen und ihm verzeihen. Der Bau des Hauses mit einem Bier und "Texas forever" - der perfekte Abschied von den Riggins-Brüdern.

Die Andeutung von Tim und Tyra ging mir jedoch etwas zu schnell. "Friday Night Lights" legt im Allgemeinen ein sehr langsames Tempo vor, doch die beiden sind sofort zusammen ins Bett gesprungen und suchen bei einem romantischen Sonnenuntergang Gründe, nichts miteinander anzufangen. Es ist natürlich ein schöner Kreis zum Beginn der Serie, dennoch kommt es aus dem Nichts. Da hätte ich lieber noch einmal Tyra zusammen mit Landry gesehen, den man leider nur kurz gesehen hat, dafür jedoch in seiner bekanntesten Rolle: Als Ratgeber für Matt in Bezug auf Julie. Doch mit diesen beiden Punkten kann ich sehr gut leben, da sie in keinster Weise negativ auf das Gesamtbild der letzten Folge einwirken können.

Fazit

Emotional. Perfekt. Schön. Traurig. Always.

Sophie Blumengarten - myFanbase

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