Bewertung: 8

Review: #5.09 Machtspiele

Langsam, aber sicher nähert sich "Friday Night Lights" dem Ende. Noch vier Folgen und dann gilt es für immer Abschied zu nehmen von dieser so außergewöhnlichen Serie. Von Abschiedsschmerz ist aber noch nicht so viel zu merken, viel mehr wird die Hauptstory der Staffel konsequent weiter vorangetrieben und da sich diese größtenteils mit dem Charakter des Vince beschäftigt hat, steht dieser auch diesmal wieder im Zentrum des Geschehens. Er gerät immer mehr ins Abseits, Coach Eric Taylor und auch Jess beginnen dem jegliche Bodenhaftung verlierenden Vince den Rücken zuzukehren und glücklicherweise scheint es so, als ob Vince langsam den Ernst der Lage zu erkennen scheint. Aber glücklicherweise ist diese Folge nicht eine reine Vince-Show, denn auch die Wiedervereinigung von Julie und Matt, Tamis Engagement für ihre schwierige Schülerin Epyck und das niedliche Paar Becky und Luke bekommen genug Aufmerksamkeit und dann steht da auch noch eine Schwangerschaft im Raum. Genug Stoff also, der zu einer stimmigen Folge zusammengerührt wird.

You’re benched for Friday

Die Geschehnisse um Vince spitzen sich weiter zu. Nachdem das Team die erste Saisonniederlage einstecken musste, beginnt die Situation zu eskalieren. Die Spieler zerfleischen sich gegenseitig, von der einstigen Einheit ist nicht mehr viel zu spüren. Coach Taylor macht das einzig richtige und schickt die heißblütigen Spieler nach Hause. Der Zusammenbruch hängt eng mit Vince zusammen, der als Quarterback ein Team führen sollte, sich momentan aber nur um sich und seine eigene Karriere kümmert. Vince ist sicherlich momentan der unsympathischste, anstrengendste Charakter der Serie. Sein unbedingter Wunsch seinem Vater zu gefallen, seine Uneinsichtigkeit und Arroganz sind streckenweise wirklich schwer zu ertragen, was auch Jess ähnlich sieht und sich kurzerhand von Vince trennt. Diese Trennung zeichnete sich ab und Jess tut hier das einzig richtige: In dieser Situation kann sie ihrem Freund nicht mehr helfen, er muss erst mal mit sich selbst klar kommen und die Trennung weckt Vince hoffentlich endlich auf. Auch Coach Taylor verpasst Vince einen Denkzettel, suspendiert ihn für das kommende Spiel am Freitag und stellt Luke als Quarterback auf.

Wenn Vince der Unsympathieträger dieser Folge ist, dann ist Jess definitiv der Sympathieträger und eine Person, die wirklich Stärke zeigt. Wie sie sich von Vince, auch wenn es ihr merklich schwer fällt, trennt, damit er endlich realisiert was für ein Mensch aus ihm geworden ist und wie sie gleichzeitig Luke bei der Spielvorbereitung hilft, ist wirklich beeindruckend. Wenn jemandem die Lions wirklich am Herzen liegen, dann ist es ohne Zweifel Jess. Meine persönliche Heldin dieser Folge! Erst zum Helden gemacht wird Luke, der als Übergangs-Quarterback plötzlich große Verantwortung übernehmen muss und daran fast zerbricht. Aufgrund der brillanten Motivations-Fähigkeiten vom Coach, gelingt es ihm aber schließlich doch maßgeblich zum umjubelten Sieg der Lions beizutragen.

I could take your shift

Neben der neuen Verantwortung als Quarterback muss sich Luke auch noch als guter Freund behaupten, zeigt aber auch diesem Bereich zunächst Schwächen. So lädt er Becky nicht zum Abendessen mit seinen Eltern ein, aus Angst, dass diese Becky als seine Freundin nicht akzeptieren könnten. Dabei ist Becky ist dieser Folge sehr engagiert darin, eine gute Freundin zu sein. So übernimmt sie eine Schicht als Kellnerin im Striplokal, um Geld für ein Geschenk für Luke dazuzuverdienen. Was für eine besondere Freundin Luke da eigentlich hat, wird ihm dann aber doch noch klar und er entscheidet sich schließlich doch dafür Becky seinen Eltern formell als seine Freundin vorzustellen. Eine nicht wirklich bedeutungsschwere Storyline, die eher durch kleine Momente zu überzeugen weiß. Und das Becky jetzt im Striplokal arbeitet, könnte noch für einige Turbulenzen sorgen.

I love you

Nachdem sich Ende der letzten Folge herausstellte, dass Julie nicht ans College zurückkehrte, sondern zu Matt nach Chicago gefahren ist, war die Überraschung, aber auch gleichermaßen die Freude groß: Endlich erscheint eines der Urgesteine und einer der sympathischsten Charaktere in der Serienhistorie wieder auf der Bildfläche. Matt war neben Tami und Eric immer auch das Herz der Serie und das Paar Julie und Matt zählte wohl zu den schönsten Pairings überhaupt. Und warum das so ist, zeigt diese Folge überdeutlich: Wie die Beiden miteinander umgehen, sich alles sagen können und verständnisvoll auf vergangene Fehltritte reagieren ist schlicht wunderschön. Hier hat man es definitiv mit einer ganz besonderen Form von Seelenverwandtschaft zu tun. Und zu einer ganz besonderen Verbindung gehört auch, dass man das persönliche Glück des Partners über sein persönliches Glück stellt. Genau das macht Matt hier, in dem er Julie deutlich zu verstehen gibt, dass sie ihr eigenes Leben wieder auf die Reihe bekommen und ans College zurückkehren muss. Die letzte Szene, in der Julie wegfährt, dann aber von Matt gestoppt wird und die Beiden sich ihre Liebe gestehen, ist gleichermaßen kitschig, wie herzerwärmend und schlicht wunder-wunderschön. Hier schaffen es die Autoren wieder ganz besondere Momente zu kreieren - typische FNL-Momente.

I peed on that

Was sonst noch geschah: Tami versucht weiterhin ihrer Problemschülerin Epyck zu helfen und es scheint auch, als mache sie Fortschritte, bis sich herausstellt, dass Epyck das Portemonnaie eines Lehrers entwendet hat. Bei der anschließenden Konfrontation eskaliert die Situation und Epyck wird in Handschellen abgeführt. Ein trauriger Moment und ein persönlicher Rückschlag für Tami, die schließlich an Grenzen stößt, die für sie kaum zu überwinden sind. Eric überlegt einen neuen Job anzunehmen, da er es langsam Leid hat, sich ständig mit kindischen Teenagern herumzuschlagen. Ob dies nur ein Resultat aus der angespannten Situation ist oder ob es Eric damit wirklich ernst ist, wird die Zukunft zeigen. Ganz sicher ist aber eines: Tami und Eric bleiben das absolute Traumpaar dieser Serie. In dieser Folge gibt es zwar nur eine kurze Zweierszene, die ist aber wieder so süß und schön und voller Herzlichkeit, dass es nur so eine Freude ist. Zu guter Letzt noch die Schwangerschaft: Mindy stellt fest, dass sie ihr zweites Kind von Billy Riggins erwartet. Schön. Noch schöner und vor allem witziger ist aber die Reaktion von Billy darauf. Wie er wie ein kleines Kind, völlig aus dem Häuschen ist, ist auch ein kleiner, liebevoller Moment.

Fazit

Die Folge war vollgestopft mit kleinen und großen Ereignissen. Liebe, Hass, Wut und Enttäuschung, diese Folge bot alles, führte die Hauptstory konsequent weiter voran, vergaß dabei aber auch nicht die Wichtigkeit der kleinen, zärtlichen Momente. Insgesamt also eine äußerst gelungene Folge, bei der einzig wieder einmal Vince negativ auffiel.

Moritz Stock - myFanbase

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