Bewertung
Kyle Balda

Glennkill: Ein Schafskrimi

Leonie Swanns Roman "Glennkill" wurde verfilmt und erweckt damit die zu Detektiven werdenden Schafe zum Leben.

Foto: Glennkill - Ein Schafskrimi - Copyright: 2026 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
Glennkill - Ein Schafskrimi
© 2026 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Inhalt

George Hardy (Hugh Jackman) ist mit Leib und Seele Schäfer und verbringt den ganzen Tag mit der Pflege seiner Tiere, was sogar soweit geht, dass er ihnen jeden Abend als Gute-Nacht-Geschichte einen Krimi vorliest, obwohl er nicht davon ausgeht, dass sie ihn verstehen können. Als er eines Nachts selbst zum Mordopfer wird, will seine Herde - angeführt von der klugen Lily und dem verfressenen Mopple - den Fall aufklären, denn aus all den Geschichten wissen sie nur zu gut, dass die Polizei dazu nicht in der Lage ist. Sie beginnen damit, Hinweise zu sammeln und alle Verdächtigen genauer unter Lupe nehmen, um den ahnungslosen Dorfpolizisten Tim Derry (Nicholas Braun) auf mögliche Beweise für den Mord hinzuweisen.

Kritik

Fast 20 Jahre ist es her, dass ich den Roman "Glennkill" von Leonie Swann gelesen habe. Zugegeben, meine Erinnerung daran ist nicht mehr sonderlich detailliert, aber ich weiß noch, dass ich mich über die naive Sichtweise der Schafe auf die Menschenwelt doch wunderbar amüsiert habe. So sehr, dass ich auch Band 2 "Garou" einige Jahre später sofort gelesen habe.

Nun ist es dank der rasant fortschreitenden technischen Entwicklung inzwischen möglich, täuschend echt animierte Schafe auf die Kinoleinwand zu schicken und sie den Mord an ihrem Schäfer George ermitteln zu lassen. Als ich davon hörte, dass die Geschichte verfilmt wird, war meine Vorfreude groß, wollte ich diese lustigen Schafcharaktere doch nur zu gerne mal "live" erleben. Daher muss ich zugeben, dass es mich erstmal etwas irritiert hat, dass sie im Film teilweise andere Namen haben als im Buch. Aus Miss Maple - ich fand die Anspielung auf die berühmte Detektivin Miss Marple eigentlich immer ganz süß - wurde nun Lily und aus Othello wurde Sebastian, den ich im Buch aber nicht als Einzelgänger in Erinnerung habe. Ob das nun allein urheberrechtliche Gründe hatte oder eben eine der Überraschungen des Films damit besser verpacken konnte, wollte sich mir nicht so recht erschließen. Dem Sehvergnügen hat diese Irritation aber keinen Abbruch getan.

Die Änderung der Schafnamen war nicht das einzige, woran man sich als Buchkennerin direkt gewöhnen musste. Aus Schäfer George Glenn wurde hier George Hardy, was den doppeldeutigen Titel "Glennkill" im Deutschen wieder etwas zurückstuft. Da der Film im Original aber "The Sheep Detectives" heißt, war man sich dieser Tatsache aber vielleicht gar nicht so bewusst. Naja, und auch der Mord an besagtem George war weit weniger spektakulär als ich ihn aus dem Buch in Erinnerung habe. Steckte dort eines Morgens ein Spaten in der Brust des toten Schäfers lag er im Film nur leblos da. Diese Anpassung kann ich mir nur mit der FSK-6-Einstufung erklären, da man mit einer Reihe sprechender Schafe wohl einfach ein jüngeres Publikum ansprechen bzw. dieses nicht ausschließen wollte.

Insgesamt muss ich aber festhalten, dass ich den Film für Sechsjährige dann stellenweise vielleicht doch etwas zu gruselig (bspw. der Ausflug auf die Nachbarwiese) oder auch zu traurig empfunden habe. Bei meinem Kinobesuch gab es zumindest einige Schluchzer auch unter den Erwachsenen, als sich die Schafe - insbesondere Lily - näher mit dem Thema Tod und Trauer beschäftigt haben. Egal, ob nun Schaf oder Mensch, es geht wohl jeder anders damit um, aber das Erinnern an Verstorbene und der Umgang mit der eigenen Trauer sind neben den Ermittlungen in dem Mordfall, die eher für Lacher sorgen, die emotionalen Highlights dieses Films. Er hat dadurch sehr viel an Tiefe gewonnen und ist daher auch für das erwachsene Publikum durchaus sehenswert. Es konfrontiert einen damit, dass wir schlimme Ereignisse gerne verdrängen und die Schafe können dies sogar auf Kommando - man muss nur bis Drei zählen - aber der Film führt einem vor Augen, dass es manchmal wichtig ist, sich mit so schwierigen Erfahrungen auch auseinander zu setzen, daher fand ich Mopples Worte tröstend, dass am Ende nur die schönen Erinnerungen bleiben.

Ansonsten präsentiert sich hier eine klassische Whodunnit-Geschichte, bei der das Publikum genauso miträtseln kann, wer George auf dem Gewissen hat, wie die Schafe und der Polizist. Wenn man aber gut zuhört und die Hinweise aus Georges Krimi-Geschichten oder Lilys Informationen zur Ermittlungsarbeit zusammenbringt, kommt man doch recht schnell auf den Täter oder die Täterin und das Motiv. Dennoch hat man Spaß daran, wie das Geheimnis nach und nach ans Licht kommt und wie auch die Nebengeschichten rund um die ominösen Bezeichnungen aus Georges Testament aufgeklärt werden.

Und auch die Besetzung schien Spaß an diesem Projekt zu haben, sonst hätte man wohl kaum so hochkarätige Stars wie Hugh Jackman oder Emma Thompson dafür verpflichten können. Auch die Originalstimmen der Schafe sind mit Brett Goldstein, Patrick Stewart, Regina Hall, Bella Ramsey, Chris O'Dowd, Rhys Darby, Bryan Cranston und Julia Louis-Dreyfus durchaus bekannte Gesichter, die hier mal ihre Stimmen zur Geltung bringen konnten. Serienfans werden darüber hinaus auch Conleth Hill aus "Game of Thrones" oder Hong Chau aus "The Night Agent" wieder erkennen. Dazu spielt Nicholas Galitzine aus Prime Videos "Royal Blue" eine zentrale Rolle, der demnächst auch in der Realverfilmung von "Master of the Universe" die Titelfigur spielt. Und auch in der deutschen Fassung darf sich das Publikum auf die Stimmen von Comedystars wie Anke Engelke und Bastian Pastewka freuen, die als Lily und Mopple bereits in den Promo-Teasern für einige Lacher gesorgt haben.

"Glennkill: Ein Schafskrimi" ist definitiv ein Film für die ganze Familie und ich kann mir gut vorstellen, dass Themen wie Tod, Trauer und Ausgrenzung, die hier thematisiert werden, auch durch Gespräche von Eltern mit ihren Kindern aufgefangen werden können. Man muss sich nur bewusst machen, dass man mit diesem Film auf eine Art Achterbahn der Gefühle geschickt wird, da neben großer Freude und Spaß auch einige Momente für Tränen in den Augen sorgen - einerseits weil man sich mit dem Thema Trauer auseinander setzt, andererseits, weil man tief gerührt ist. Der Film schafft es aber, hier die perfekte Mischung zu finden, so dass man das Kino mit einem positiven Gefühl wieder verlässt.

Fazit

"Glennkill: Ein Schafskrimi" wird vielleicht keine Preise gewinnen, dennoch kann man einen wunderschönen und kurzweiligen Kinoabend mit diesem Film verbringen. Neben den humorvollen Ermittlungen der Schafe, die auch den Trailer dominieren, geht der Film auch erstaunlich in die Tiefe und berührt das Herz. Für mich bleibt zu hoffen, dass man auch "Garou" noch verfilmen wird, so dass man die lustige Schafherde noch besser kennenlernt.

Roman: "Glennkill" von Leonie Swann

Catherine Bühnsack - myFanbase
27.05.2026

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