Bewertung: 5

The Bubble

Foto: The Bubble - Copyright: 2022 Netflix, Inc.
The Bubble
© 2022 Netflix, Inc.

Inhalt

Mitten in der Pandemie: die Menschheit sehnt sich nach Ablenkung, weswegen ein großes Produktionsstudio ein beliebtes Film-Franchise um eine sechste Verfilmung erweitern will. Dafür soll der alte Cast mit einigen neuen Ergänzungen in einer Blase im ländlichen England zusammenkommen, um dort unter sicheren Bedingungen den Film abzudrehen. Doch nach der anfänglichen 14-tägigen Quarantäne und weiteren Rückschlägen leidet die Motivation von Cast und Crew zusehends. Während das Studio unbedingt an dem Endergebnis festhalten will, gibt es im Inneren einen Aufstand.

Kritik

Als ich zunächst die Prämisse von "The Bubble" gelesen habe, war ich zuerst wenig angetan, denn ja, eine gewisse Pandemie-Verdrossenheit ist definitiv nicht zu leugnen. Dennoch sind wir eben noch mittendrin, wenn auch wesentlich weiter als vor zwei Jahren, weswegen verständlicherweise nun die Phase der humorvollen Aufarbeitung eingeleitet wird. Letztlich hat mich vor allem aber die Prämisse überzeugt, weil es ein Film im Film ist, was bereits ein hohes Maß an Selbstreflexion erfordert und ich mag Komödien, wo so viel mehr drin ist, als ein derbes Abfackeln von haltlosen Witzen. Zudem ist es eine Persiflage auf die Filmbranche an sich und über sich selbst lachen zu können, ist ebenfalls eine Kunst, die nicht zu unterschätzen ist. Auftritt also für Judd Apatow, der schon bei Komödien wie "Beim ersten Mal", "Wie das Leben so spielt", "Dating Queen" und vielen mehr Regie geführt hat. Er hat aus "The Bubble" wie so oft eine Familienzusammenführung gemacht, denn neben seiner Ehefrau Leslie Mann ist auch wieder seine Tochter Iris Apatow als Influencerin Krystal Kris an Bord. Wie schlägt sich also diese Persiflage auf die Pandemie, die sich vor allem auf die Filmproduktionen dieser Zeit bezieht?

Den emotionalen Fokus des Films bildet Carol Cobb (Karen Gillan), die die erfolgreiche Film-Reihe "Cliff Beasts" nach der vierten Verfilmung entnervt verlassen hat, um ihr Profil mit anderweitigen Produktionen zu schärfen, doch dabei hat sie kein gutes Händchen bewiesen, denn ihr Ruf liegt in Scherben und nun sind wegen der Pandemie auch noch alle Dreharbeiten abgebrochen worden. Als ihr Agent Marti (Rob Delaney) ihr also die sechste Verfilmung ans Herz legt, da diese in einer sicheren Blase abgedreht werden soll, hat sie eigentlich keine andere Wahl. Doch sie wird nicht gerade mit offenen Armen empfangen, weil sie das Franchise freiwillig verlassen und es damit etwas diffamiert hat. Das ist also die Ausgangslag für Carol, die in dem doch großen Cast uns kontinuierlich durch das Geschehen gleitet, auch weil sie insgesamt die menschlichsten Züge erhält. Die anderen sind eher stereotyp angelegt, das aber sicherlich auch ganz bewusst, denn jede Figur steht eben für gewisse Vorurteile, die man der Filmindustrie immer wieder nachsagt. Dennoch zeigt auch schon Carols Umgang mit beliebten Franchises eine typische Kritik auf und das zieht sich wie ein langer roter Faden durch den Film, so sicherlich auch besonders deutlich am (Ex-) Schauspielpaar Lauren (Mann) und Dustin (David Duchovny) zu sehen, die beide riesige Egos haben und deswegen eigentlich Gift füreinander sind, aber dennoch bei jeden Dreharbeiten wieder zusammenfinden. Wer hier nicht ein paar echte Stars erkennt, der kennt sich in der Branche wohl einfach nicht aus. Am Ende spitzt sich alles auch bei dem Gastauftritt von James McAvoy zusammen, der sich selbst mit doppeltem Augenzwinkern reinlegen lässt und das beweist doch auch, dass alle Beteiligten sich bewusst sind, dass sie selbst diese Maschinerie sind und dass sie einfach dazu bereit waren, sich selbst und die ganze Branche aufs Korn zu nehmen.

Neben dieser branchenspezifischen Kritik ist nun auch noch die Pandemie verarbeitet, wenn auch deutlich untergeordnet, was ich angesichts des Filmtitels so nicht erwartet hätte. Immer wieder wird vor allem mit der Quarantäne gespielt und wie verrückt man in dieser Zeit werden kann, was sicherlich auch das beliebteste Motiv darstellt. Ansonsten geht es viel um sichere Bedingungen am Set, was aber leider nicht wirklich konsequent umgesetzt wird. Ein paar Witze darüber, dass nur Zone A wirklich von Bedeutung ist, während der Rest eher als 'unter ferner liefen' gelten, aber so etwas wird immer nur ins Bewusstsein gerufen, wenn die Handlung gerade mal wieder einen pandemiebedingten Wendepunkt braucht. Ansonsten geht es tatsächlich mehr um die Branche an sich und prototypische Charaktere vorzuführen. Das ist auch nicht grundsätzlich falsch, aber ich hätte mir dennoch ein konsequenteres Vorgehen bei der Darstellung der Pandemie gewünscht, denn ich glaube, dass man gerade auch die Vorgänge vor der Kamera hätte intensivieren können, denn da war Corona eigentlich völlig vergessen. Bereits mit diesem Abschnitt und dem vorherigen dürfte klar geworden sein, dass der Film nicht so ausgeglichen erzählt ist, wie es wohl intendiert war. Zudem verschärft die etwas einseitige Kritik dann auch das Problem der langen Laufzeit. Über zwei Stunden für eine Komödie finde ich per se schon sehr ungewöhnlich, aber eine, die sehr einseitig geworden ist, die zieht sich dann leider wie ein Kaugummi. Eine halbe Stunde hätte man gut und gerne wegkürzen können.

Dass die Laufzeit aber auch so lang erscheint, liegt an dem Aspekt, dass aus dem großen Cast zu wenig gemacht wird. Das ist dann doppelt traurig, wenn man sich die ganzen Namen mal durchliest. Es mag jetzt nicht das Starkaliber von "Don't Look Up" sein, aber dennoch sind genug an Bord und eben auch einige, die sich wie McAvoy auch nur für kurze Cameo-Auftritte haben begeistern lassen. Die abseits von Carol so stereotyp angesprochenen Figuren habe ich bereits angesprochen und das will ich für so eine Komödie auch nicht per se konzentrieren, denn es hat eben seinen Zweck, aber dennoch bleibt so unheimlich viel Potenzial liegen, was fast schon traurig macht. Da sich auch zwischendurch Charaktere wie Lauren und Ronjon (Vir Das) aus dem Geschehen verabschieden, geht auch immer wieder die Dynamik verloren, weil ihr Ausscheiden auch nicht wirklich thematisiert wird. Das soll vermutlich als Stilmittel diesen permanenten Druck unterstreichen, dass der Film wirklich fertig gestellt werden soll, aber es betont andererseits auch, wie austauschbar letztlich auch alle sind und damit nicht nur die Figuren, sondern leider auch die Darsteller*innen.

Kommen wir abschließend neben den Schwächen des Drehbuchs noch zum zweitwichtigsten Aspekt einer Komödie, dem Humor. Der ist ähnlich ambivalent wie die anderen Bestandteile des Films gelungen. Die Darstellung der Quarantäne und was es generell mit vielen Menschen gemacht hat, das ist fast noch nicht mal übertrieben dargestellt, denn so ist es vielen wirklich entgangen. Auch die vermeintliche Todesszene von Dieter (Pedro Pascal) war in geballter Form komisch, denn dort sind wichtige Teile des Casts zusammengekommen und haben sich gegenseitig mit ihrem Verhalten hochschaukeln können. Das waren die Momente, die verdeutlicht haben, warum es sträflich ist, das ansonsten liegen gelassen zu haben. An anderen Stellen war der Humor dann aber wieder in einer Weise drüber, was nicht zum Rest gepasst hat. Bestes Beispiel ist dafür definitiv die Sequenz, als bei den Klippenmonstern die Weichteile als tödlich auserkoren werden, um diese dann quallenartig in Szene zu setzen. Völlig absurd und eben losgelöst vom restlichen Humor des Films. Da ist definitiv der Humor besser, für den man um ein paar Ecken denken muss, um die ganzen Bezüge zur echten Branche herauszufinden, denn diese sind dann wesentlich intelligenter verpackt.

Fazit

"The Bubble" ist als selbstreflexive Kritik auf die Geldmaschinerie der Filmproduktion gelungen, jedoch ist die Parodie auf die Pandemie dadurch zu kurz gekommen. Trotz langer Laufzeit (wenn auch viel zu viel!) bekommt der durchaus beeindruckende Cast nicht genug Raum, die eigenen Fähigkeiten vorführen zu dürfen. Neben gut gelingendem Humor wird auch mal deutlich daneben gegriffen, was insgesamt den Eindruck eines Films auf mittlerem Durchschnittsniveau bestätigt, so dass letztlich wohl individuelle Geschmäcker das finale Urteil fällen werden.

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Lena Donth - myFanbase
04.04.2022

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