Bewertung: 8
Michael Engler

Downton Abbey

Foto: Copyright: 2019 Universal Pictures International
© 2019 Universal Pictures International

Inhalt

Die Crawleys und ihre unerschrockenen Bedienstete bereiten sich auf den größten Moment ihres Lebens vor. Ein royaler Besuch vom König und der Königin von England offenbart Skandale, Romantik und Intrigen, die die Zukunft von Downton Abbey beeinflussen werden.

Kritik

2015 ist die sechste und letzte Staffel der Historienserie "Downton Abbey" ausgestrahlt worden und alles endete in der traditionellen Weihnachtsfolge, die einen wehmütig, aber auch froh gemacht hat, dass man eine so lange Zeit voller Auf und Abs mit den Bewohnern von Downton Abbey verleben dufte. Relativ schnell wurden danach Gerüchte laut, dass es noch einen Abschlussfilm geben könnte, der schließlich im letzten Jahr bestätigt wurde. Die Aufregung hierauf war von Anfang an groß, da man den gesamten Cast (mit Ausnahme von Lily James) wieder gewinnen konnte. So wirkte die Produktion von Anfang an nicht wie eine weitere Geldmacherei, sondern wie eine Anerkennung für ein Teil TV-Geschichte, der nun auch die große Leinwand erobern darf.

Für diesen Abschlussfilm hat man sich nun wirklich auch noch einmal einen Höhepunkt einfallen lassen, da sich der König und die Königin von England für eine Übernachtung auf der Durchreise ankündigen. Diese Idee ist wirklich perfekt, da sie Gelegenheit genug bietet, noch einmal zentrale Handlungsstränge von sechs Staffeln "Downton Abbey" in Erinnerung zu holen und zu würdigen. Die Königsfamilie war in der Serie stets präsent, sei es nun durch eine historische Ansprache über das Radio oder einfach als Mittelpunkt zeitgemäßer Diskussionen. Den König und die Königin nun auch mal in persona auftreten zu lassen, ist da nur logisch. Zumal so auch unter den Bediensteten noch einmal das Für und Wider der Königsfamilie, aber auch die irische Abstammung von Tom Branson (Allen Leech) thematisiert werden können. Zudem geht man weiterhin mit der Zeit und thematisiert für das Jahr 1927 einmal mehr, wie wohl die Zukunft von Downton Abbey sein wird, wo doch immer mehr herrschaftliche Häuser den Entwicklungen in der Gesellschaft zum Opfer fallen. Gerade dieses Thema war ebenfalls perfekt gewählt, da man so mit viel Pathos die Bedeutung von Downton Abbey rekapitulieren konnte und eben auf Sätze kommt wie "Downton Abbey wird auch in 100 Jahren noch von Bedeutung sein." Da es sich ohnehin nur um ein fiktives Anwesen handelt, ist ja klar, dass sich der Ausspruch auf die Serie und den Film bezieht, da schließt sich dann wirklich ein Kreis.

Vorab habe ich in einigen Kritiken gelesen, dass viele den Film als zerstückelt empfunden haben, weil jede Figur ihre eigene Geschichte bekommt. Das war jedoch der Aspekt, den ich genauso erwartet habe, da man als Fan der Serie natürlich wissen will, wie es all den bekannten Figuren in den vergangenen zwei Jahren ergangen sind. Und bei dem riesigen Cast fordert das nun mal Zeit und Raum. Ich freue mich zu sehen, dass Anna (Joanne Froggatt) und Mr. Bates (Brendan Coyle) ein glückliches Familienleben führen. Es ist wunderbar, dass auch Daisy (Sophie McShera) mit Andy (Michael Fox) endlich ihr Glück gefunden zu haben schein und es gehört auch dazu, wie sich Thomas Barrow (Robert James-Collier) als neuer Butler schlägt und wie er damit umgeht, wenn Mr. Carson (Jim Carter) für den königlichen Besuch in den Dienst zurückkehrt. All diese Nebengeschichten werden rund um die Haupthandlung gruppiert, manches ist geschickter integriert als anderes, aber alle Nebenhandlungen haben ihre Daseinsberechtigung.

Eine Ausnahme möchte ich zur Überflüssigkeit dann doch noch nennen. Mit dem königlichen Besuch tauchen auch eine große Menge an neuen Figuren auf. Die meisten gehören dort zum Personal am Hof und diese sind mit dem Kampf gegen das angestammte Personal von Downton Abbey perfekt involviert worden. Auch das Auftauchen von Hofdame Maud Bagshaw (Imelda Staunton), die eine Cousine von Robert Crawley (Hugh Bonneville) ist, ist gelungen, da Violet Crawley (Maggie Smith) sicherstellen will, dass deren Erbe wieder an ihre Familie geht (auch hier ein guter Bogen zum Inhalt von Staffel 1, wo es ebenfalls um die Sicherung des Erbes ging). Reichlich überflüssig war es dagegen, dass auch der unglücklichen Ehe von Prinzessin Mary (Kate Phillips) so viel Zeit gewidmet wurde. Dort hat man sich zwar um historische Genauigkeit bemüht, aber es war doch ein Störelement, weil es sich eben um ausschließlich um neue Figuren drehte. Diese Zeit hätte man dann für zentralere Figuren aufwenden können.

Aber abgesehen davon ist der Film voll von Highlights, aber vermutlich überwiegend nur für die, die auch schon die Serie gesehen haben. Es ist eben ein eigener Kosmos, in dem über sechs Staffeln hinweg Geschichten und Beziehungen aufgebaut wurden, die von typischen Merkmalen geprägt waren, so dass sich die vollständige Brillanz eben nur entfalten kann, wenn man bereits ein Teil davon war. Sicherlich werden auch Neulinge Spaß an dem Film haben, aber ich wage zu bezweifeln, ob hier jede Pointe, jeder Wink zwischen den Zeilen verstanden wird. So fiebert man eben regelrecht darauf hin, dass Lady Violet und Lady Isobel (Penelope Wilton) ihre Wortgefechte führen, bei denen dennoch deutlich wird, wie sehr sie einander schätzen. Auch Barrows Entdeckung des schwulen Nachtlebens ist nur verständlich, wenn man weiß, was er wegen der Unterdrückung seiner Sexualität alles bereits erlebt hat. Auch die Andeutungen auf das komplizierte Schwesternverhältnis von Mary (Michelle Dockery) und Edith (Laura Carmichael) sind nur so zu verstehen. Jedem Fan kann ich diesen Film also nur wärmstens ans Herz legen, denn es ist wirklich der nahezu perfekte Abschluss eines Serienuniversums.

Fazit

"Downton Abbey" hat mit diesem Abschluss auf der großen Leinwand genau die Anerkennung erhalten, die diese detailverliebte und schauspielerisch herausragende Serie verdient hat. Mit dem Königsbesuch ist eine Rahmenhandlung gefunden worden, die das Tüpfelchen auf dem I bildet und hierum kommen alle Charaktere in Nebenhandlungen nicht zu kurz. Die volle Faszination dieses Films wird sich nur für Serienkenner entfalten, aber auch Neulinge bekommen einen grundsoliden Film geboten.

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Lena Donth - myFanbase

Lena Donth - myFanbase
26.09.2019

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