Bewertung: 3
Tim Burton

Dark Shadows

"Are you stoned?"
- "They tried stoning me. It did not work."

Foto: Copyright: Warner Bros.
© Warner Bros.

Inhalt

Amerika, 1972: Eine Reihe von brutalen Mordfällen erschüttert die idyllische Küstenstadt Collinsport. Täter ist niemand anderes als der blutdurstige Vampir Barnabas Collins (Johnny Depp), der über 200 Jahre eingesperrt in einem Sarg auf seine Befreiung wartete. Der Sohn eines einflussreichen Fischereiunternehmers brach seinerzeit viele Herzen so auch das der schönen Hexe Angelique Bouchard (Eva Green), die prompt die gesamte Familie Collins mit einem Fluch belegte und ihn zum Vampir werden ließ.

Bei seiner Rückkehr unter die "Lebenden" muss der Edelmann alter Schule nun schnell erkennen, dass die Welt nicht mehr dieselbe ist: Verfolgt von Lavalampen, VW-Bussen und kiffenden Hippies der blühenden 70er Jahre findet er nur Zuflucht bei den letzten Verbliebenen seiner einstmals so mächtigen Familie - Elisabeth Collins (Michelle Pfeiffer) und ihr Bruder Roger (Jonny Lee Miller), die zusammen mit ihren jeweiligen Kindern und der alkoholabhängigen Psychologin Dr. Julia Hoffman (Helena Bonham Carter) im stark verfallenen Schloss Collinwood Manor leben. Diese sind nicht gerade begeistert von den Besitzansprüchen ihres ungewöhnlichen Gastes und dessen Alltagsgewohnheiten.

Doch gerade jetzt braucht Barnabas seine Familie nötiger denn je, muss er doch erneut seiner Erzfeindin Angelique gegenübertreten, die das Städtchen in ihrer Gewalt hält und nicht zögert, den Vampir wieder in seine Kiste zu sperren...

Kritik

"Dark Shadows" ist das mittlerweile dritte Remake der gleichnamigen Erfolgsserie aus den Siebzigern, die über fünf Jahre im US-Fernsehen ausgestrahlt wurde. Die Annahme liegt nahe, es handle sich hier um eine besonders originelle Idee, deren Potential auch bei wiederholter Neuauflage noch die Massen ins Kino locken würde. Tatsächlich verspricht auch der Trailer der Horror-Trash-Komödie einen unterhaltsamen Abend und der Film ein neues Element in der Reihe zeitloser Meisterwerke von Altmeister Tim Burton zu werden. Doch jener unbestreitbar talentierte Filmemacher, der uns so fantastische Horrorszenarien wie "Sleepy Hollow" oder "Sweeney Todd" bescherte, uns die Schokoladenfabrik und das Wunderland zeigte und auch im Bereich Animation gerne die Puppen tanzen lässt, liefert hier leider ein äußerst enttäuschendes Resultat ab.

Der Film kann nämlich, trotz Starbesetzung und potentiell brauchbarer Ideengrundlage, eben jener Erwartungshaltung angesichts früherer Erfolge Burtons nicht ansatzweise gerecht werden. Während zu Beginn und im Mittelteil noch ein Hauch erwartungsvoller Spannung das Geschehen überlagert und schließlich auch die verzweifelten Versuche von Vampir Barnabas Collins, sich in der bunt schillernden Welt der 70er zurechtzufinden, für einige Lacher sorgen können, hat der Film nun seine besten Minuten hinter sich: Die Geschichte wird merklich immer brüchiger und führt ins Leere, Charaktere bekommen keine Tiefe, bleiben blass und undurchsichtig. Dafür nimmt sich Burton Zeit für langwierige und letztendlich extrem nervenaufreibende Effekthascherei, lässt eine Vielzahl von Fabelwesen und Monstern aus dem Boden sprießen, ohne dass sie dem Geschehen einen tieferen Sinn verleihen können.

Der ewige Kampf Barnabas gegen die Hexe - hätte auch bereits nach Minute 60 in so vorhersehbarer Weise enden können, zieht sich jedoch gleichförmig und unbedeutend durch die komplette zweite Hälfte des Films. Dass dann die Figuren schnell noch mit großen Wörtern wie Liebe, Verrat und Familiensinn um sich werfen, hilft auch keinem mehr. Wie immer war es natürlich nicht Burton allein, der dieses Projekt verpfuscht haben muss: Kein guter Film mit schlechtem Drehbuch, wie man so schön sagt, und wahrlich wurde genau an diesem Drehbuch bei "Dark Shadows" wohl ein wenig zu viel gespart. Das einzig Positive am Film ist der gut gelaunte Johnny Depp, der wieder einmal voll in seiner Rolle aufgeht und selbst die abgedroschensten Szenen noch mit etwas Leben zu füllen vermag. Helena Bonham Carter und Michelle Pfeiffer dagegen, die sonst auch für Qualität stehen, stechen leider nicht wirklich heraus und langweilen schnell.

Ob die Serie ihrer Zeit mit mehr Witz und Originalität aufwarten konnte? Die Quoten sprechen für sich und geben deutlich zu verstehen, dass Manches eben nach dem dritten Mal aufwärmen leider nur noch fade schmeckt.

Fazit

Lieber Mr. Burton! Wir tun einfach so, als sei nichts gewesen und freuen uns auf den nächsten (hoffentlich) Geniestreich ihrerseits!

Vinona Wicht - myFanbase
14.05.2012

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