Bewertung: 3
Nicole Kassell

Kein Mittel gegen Liebe

"Kannst du nicht wenigstens dieses eine Mal etwas ernst nehmen?"

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Inhalt

Marley Corbett (Kate Hudson) genießt ihr Leben in vollen Zügen. In ihrem Job könnte es nicht besser laufen und auch privat hat Marley tolle Freunde und kostet ihr Single-Dasein voll aus. Bis die plötzliche Diagnose kommt: Sie hat Krebs und ihr bleibt nur noch wenig Zeit. Marley muss ihr verbleibendes Leben umkrempeln und merkt, dass sie doch nicht so glücklich ist, wie sie es immer geglaubt hatte. Dann trifft sie auf ihren behandelnden Arzt Dr. Julian Goldstein (Gael García Bernal) und ihre Lebenseinstellung ändert sich schlagartig.

Kritik

Der Inhalt kommt einem doch bekannt vor. Ja richtig, da kam vor kurzem ein Film namens "Love and Other Drugs - Nebenwirkungen inklusive", der doch fast eine identische Handlung hat. Da muss sich "Kein Mittel gegen Liebe" arg anstrengen, um nicht im Schatten der wunderbaren und herzerwärmenden Tragikkomödie zu stehen. Es fängt aber schon an mit einem oberflächlichen Hauptcharakter.

Marley ist zu überdreht, so dass man sich kaum mit ihr und ihrem vermeintlich sorgenfreies Leben identifizieren kann. Sie feiert, macht, was sie will, und schläft, mit wem sie will, ohne jegliche Konsequenzen daraus zu ziehen. Ihre Philosophie und Lebensvorstellung erinnert mehr an das eines pubertierenden Teenagers und ihr Gekicher ebenso. Zudem wirken ihre Anmachtaktiken an vielen Stellen sehr unpassend, so dass es fast schon peinlich wird. Man könnte meinen, dass sich das ändert und sie beginnt zu begreifen, wie wertvoll das Leben sein kann, als sie von ihrer Krankheit hört. Aber auch diese Nachricht lässt Marley kalt und sie macht weiter wie bisher. Man kann nicht viel mit dieser Figur anfangen, vor allem weil es ihr an jeglichem Tiefgang fehlt. Kate Hudson scheint sich in dieser Rolle sehr wohlzufühlen, kann aber bei bestem Willen nicht überzeugen. Ob es an der mangelnden Charakterführung oder an ihrer unnatürlichen Darstellung scheitert, ist fraglich. Fest steht aber, dass ihre Leistung bei weitem nicht ausreichend ist und sie kein Stück dazu beiträgt, ihren Charakter sympathischer zu finden.

Die mangelnde Tiefgründigkeit der Hauptfigur spiegelt sich auch in der Handlung wieder. Es wird generell mit dem Thema Krebs zu leicht umgesprungen, was sehr schade ist und den Patienten, die im reellen Leben an Krebs leiden, schlichtweg nicht gerecht wird. Auch die Reaktionen in Marleys Freundeskreis sind nicht nachvollziehbar, nur mit Freundin Renee (Rosemarie DeWitt) kann man sich halbwegs anfreunden. Kaum eine Szene kann bewegen oder berühren und wenn man sich dann an eine ernstere Szene wagt, wirkt diese zu aufgesetzt, als würde man auf die Tränendrüse drücken wollen. Richtig traurig macht nur der Schluss, nicht aber, weil man mit Marley mitfühlt, sondern, weil man das Ende nicht hätte geschmackloser gestalten können.

Auch sonst kann die Handlung wenig mitreißen. Dass Marley in ihrem Leben unglücklich ist und einen festen Partner braucht, weiß der Zuschauer schon ab der ersten Minute, sie aber will es nicht wahrhaben und braucht zudem sehr lange, um dann doch herauszufinden, dass sie sich in ihren Arzt verliebt hat. Dieses ständige Hin und Her seitens Marley kann einem richtig auf die Palme bringen und es ist nicht verständlich, wieso sie den einzigen, der sich wirklich um sie kümmert, so vor den Kopf stößt. Einzig und allein Julian Goldstein kann die Zuschauer für sich gewinnen. Der Arzt ist anfangs genau so, wie man es sich vorstellt. Kühl, zurückgezogen und sehr förmlich. Wie er allerdings durch Marley dem Zuschauer zugänglicher wird, ist gut inszeniert und es macht ihn nur noch sympathischer. Seine Szenen sind ohne Zweifel die gelungensten des gesamten Films, vor allem weil er im Gegensatz zu Marley für seine Liebe kämpft und sich nicht durch ihre Krankheit abbringen lässt. Trotzdem merkt man, dass Kate Hudson und Gael García Bernal keine Chemie ausstrahlen und man ihnen ihre Liebesgeschichte keinesfalls abkaufen möchte, was überwiegend dem grottenschlechten Charakter Marley Corbett zu verdanken ist (man kann es nicht oft genug erwähnen). Die Beziehung zwischen Jake Gyllenhaal und Anne Hathaway kam wesentlich authentischer und liebevoller rüber.

Das einzig Interessante ist die Begegnung mit der gottähnlichen Gestalt in Form von Whoopi Goldberg, auch wenn diese deutlich unter ihrem Niveau bleibt. Marley darf bei ihr drei Wünsche äußern, die dann so oder so ähnlich auch geschehen und der Story etwas Magisches verleihen. Wenn schon die Funken bei den Charakteren nicht sprühen, so kann wenigstens die Storyline etwas aufgepeppt werden. Außerdem können einige wenige Gags zünden, welche drohende Längen gerade noch so abwenden können. Aber das ist nur ein schwacher Trost verglichen mit den unsäglichen Mängeln. Man kann leider wenig Positives über "Kein Mittel gegen Liebe" sagen.

Fazit

"Kein Mittel gegen Liebe" kann weder als Komödie noch als Drama überzeugen, um es mal anständig auszudrücken. Wen der Inhalt angesprochen hat, sollte zu "Love and Other Drugs - Nebenwirkungen inklusive" greifen und ist damit um Meilen besser beraten. Es fehlt nicht viel und aus diesem Film wäre ein Totalschaden geworden.

Tanya Sarikaya - myFanbase
09.10.2011

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