Bewertung: 6
Jennifer Yuh Nelson

Kung Fu Panda 2

"You guys see that? It's called being awesome."

Foto: Copyright: Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Inhalt

Po (Jack Black) lebt als Drachenkrieger seinen Traum und kämpft gemeinsam mit seinen Freunden und den Furiosen Fünf für Frieden. Doch als ein Bösewicht auftaucht, der mit einer neuartigen Waffe droht, China und Kung Fu zu zerstören, ist es vorbei mit der schönen Idylle. Po muss seine eigene Herkunft erkunden, um in der Lage zu sein, den scheinbar unbesiegbaren Feind zu schlagen.

Kritik

Es gibt Namen, die man im Normalfall nie mit Familienunterhaltung in Form von Animationsfilmen in Verbindung bringen würde. Einer davon ist sicherlich Charlie Kaufman ("Being John Malkovich", "Vergiss mein nicht!", "Adaptation"), einer der zweifellos begnadetsten Drehbuchautoren unserer Zeit, der mit "Synecdoche, New York" 2008 auch schließlich sein von der Kritik gefeiertes Regiedebüt lieferte. Und dennoch hat eben jener Kaufman das Drehbuch zu "Kung Fu Panda 2" an einigen Stellen umgeschrieben. Eine weitere Person, die man im ersten Schritt nur bedingt mit einem massentauglichen Animationsfilm in Verbindung bringen würde, ist Guillermo del Toro, der mit "Pans Labyrinth" einen modernen Fantasyklassiker erschuf und mit der "Hellboy"-Reihe bewies, dass er auch Publikumsmagneten abdrehen kann. Trotzdem war Guillermo del Toro als einer der ausführenden Produzenten des Filmes nicht unerheblich am kreativen Prozess involviert.

Während Kaufmans Filme von Identitätskrisen seiner Protagonisten und der Verquicking zwischen Realität und Traumwelt handeln, hat sich del Toro einen Namen gemacht mit optisch hervorragend umgesetzten Mischungen aus Fantasy und Horror. Wenn zwei derart gewichtige Herrschaften an einer Animationskomödie mitarbeiten, ist das auf den ersten Blick ungewöhnlich. Auf den zweiten Blick offenbart sich beim Sehen von "Kung Fu Panda 2" jedoch, dass er eine Spur düsterer ist als sein Vorgänger (wohl der Einfluss del Toros) und gleichermaßen deutlich mehr Wert auf die Sinnkrise seines Hauptcharakters legt, als es andere Animationsfilme bisher taten (wohl der Einfluss Kaufmans). Die Bösewichte wirken allesamt nochmal ein Quäntchen furchteinflößender als im ersten Teil und vor allem die Vorgeschichte Pos ist alles andere als zimperlich, in dieser Form sogar nur bedingt zu empfehlen für Kinder. Po, der aus der recht simplen (und offensichtlichen!) Frage, wie eine Gans sein (leiblicher) Vater sein könne, heraus beginnt, seine eigenen Wurzeln zu erkunden, befindet sich schneller als er möchte in einer Krise und wird von vereinzelten Erinnerungen geplagt. Wenn man es darauf anlegt, kann man also durchaus die Handschrift del Toros und Kaufmans entdecken.

Nun ist es aber beileibe nicht so als wäre "Kung Fu Panda 2" reine Erwachsenenunterhaltung, denn natürlich muss das üppige Budget in Höhe von etwa 150 Millionen US-Dollar wieder eingespielt werden (der Fall ist übrigens bereits eingetreten), was genau dann am besten geschieht, wenn man eine möglichst breite Bevölkerungsschicht anspricht, auch oder vielleicht gar vor allem Kinder und Jugendliche. Entsprechend ist auch der Film aufgebaut, der versucht, für Groß wie Klein gleichermaßen attraktiv zu sein. Po ist immer noch der Tollpatsch schlechthin, der um keinen aberwitzigen Spruch verlegen ist, und auch sonst kann man als Zuschauer einige Male herzlich lachen. Vielleicht kann man es als ein Manko auslegen, dass der Fokus so stark auf Po gelegt wurde, dass die anderen Charaktere auch in Sachen Humor in keiner Sekunde dem Film ihren Stempel aufdrücken können. Man kann es aber auch an der Genialität Jack Blacks festmachen, der als die Originalstimme Pos einmal wieder beweist, dass er ein großartiger Voice Actor ist und ihm die Rolle auf den Leib geschneidert ist.

Denn es ist mitnichten so, als hätte man für die anderen Stimmen ungeübte Amateure an Bord geholt. Nicht nur, dass alle Hollywoodgrößen aus dem ersten Teil wieder mit dabei sind, darunter Angelina Jolie, Jackie Chan, Lucy Liu oder Dustin Hoffman. Für die Stimme des Antagonisten hat man darüber hinaus niemand geringeren als Gary Oldman gewinnen können, dazu kommt jemand wie Dennis Haysbert ("24") aka eine der wenigen Stimmen weltweit, die man immer erkennen würde, egal in welchem Zusammenhang. Und selbst Jean-Claude van Damme himself übernahm eine Sprechrolle. Eines steht jedoch fest: Jack Black ist und bleibt das große Highlight und schafft es, Po zu einem der witzigsten Charaktere zu machen, die es je in einem Animationsfilm gab. Das ist bei der Konkurrenz durchaus bemerkenswert.

Die Handlung ist erwartungsgemäß simpel aufgebaut, der ultimative Bösewicht ist schnell gefunden und natürlich ist absehbar, wie der Film endet. Das bedeutet aber nicht, dass sich nicht die eine oder andere Überraschung in den Plot schleichen würde, und insbesondere die angesprochene Sinnkrise Pos hebt sich wohlwollend von der teils oberflächlicheren Handlung der Genrevertreter ab. Nichtsdestotrotz hat insbesondere das Pixar Studio eindrucksvoll bewiesen, dass es noch eine Spur vielschichtiger geht. Was den Soundtrack angeht, bleiben keine Wünsche offen. Ein Blick auf den Hauptverantwortlichen verrät auch warum, denn schließlich hatte Hans Zimmer die Finger im Spiel und das hört man auch. Die ruhigen Momente werden genauso gut musikalisch umspielt wie rasante Actionszenen, am Ende gibt es für jede Situation die passende Untermalung, also genau das, was von jemandem wie Zimmer erwarten konnte.

Fazit

"Kung Fu Panda 2" konzentriert sich sehr viel stärker als der erste Teil auf seinen Hauptcharakter. Dadurch werden die anderen Figuren zu Randerscheinungen, die im schlimmsten Fall lediglich Stichwortgeber sind, aber Jack Black ist derart hervorragend und haucht Po so viel Leben und Humor ein, dass dies nicht sonderlich ins Gewicht fällt. Am Ende ist der Film der Beweis, dass Sequels mindestens genauso gut bzw. in diesem Fall sogar besser als der Vorgänger sein können. Eine Erkenntnis, die heutzutage nur noch extrem selten eintritt.

Andreas K. - myFanbase
06.06.2011

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