Bewertung: 6
Michael Mann

Public Enemies

"They ain't tough enough, smart enough or fast enough. I can hit any bank I want, any time. They got to be at every bank, all the time."

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Inhalt

USA in den 30er Jahren: Die Stimmung unter den Amerikanern ist wegen der große Weltwirtschaftskrise schwer angeschlagen. Die große Depression ist noch nicht vorüber, da schafft es der Bankräuber John Dillinger (Johnny Depp) zu großem Ruhm. Die Banken, die einst für die große Krise sorgten, werden von ihm ausgeraubt und der charismatische Mann schafft es immer wieder zu entkommen und die Polizei zum Narren zu halten. Gemeinsam mit seinen Jungs, unter anderem John "Red" Hamilton (Jason Clark), Baby Face Nelson (Stephen Graham), Pretty Boy Floyd (Channing Tatum) und Homer Van Meter (Stephen Dorff) räumt er Bank um Bank aus, während ihm die stille Bewunderung des einfachen Volkes zukommt. In einem Amerika, in dem es noch keine nationale Ermittlungsbehörde gibt, ist es für die gewitzten Jungs nicht schwer, einmal unterzutauchen, um wenig später in einem neuen Staat wieder zuzugreifen.

Doch das Bureau of Investigation, das spätere FBI, ist ihnen auf der Spur. Leiter J. Edgar Hoover (Billy Crudup) will den mittlerweile zum Staatsfeind Nr. 1 aufgestiegenen Bankräuber dingfest machen und setzt seinen besten Agenten Melvin Purvis (Christian Bale) auf den Fall an. Unterdessen hat Dillinger in der schönen Verkäuferin Billie Frechette (Marion Cotillard) seine Liebe gefunden. Doch wird ihm diese schließlich zum Verhängnis? Dillinger glaubt sich in Sicherheit als Purvis unerwartet erste Erfolge in seinen Ermittlungen erzielt...

Kritik

"Gangster waren meine Helden," sagt Johnny Depp heute bei der Promotion zu seinem neuen Film und meint damit, dass er schon früher immer davon geträumt hat, einmal einen großen Gangster spielen zu können. Während ein Pirat wohl kaum als Gangster galt und Depps Rollenwahl sonst auch nicht unbedingt dem klassischen Gangster entsprach, so tut dies John Dillinger in "Public Enemies" allemal. Der in der 30er-Jahren zu großem Ruhm gekommene Bankräuber ist noch heute eine Legende. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise war er ein Held. Beraubte er doch die Einrichtungen, die laut den Leuten an allem Schuld waren, die Banken.

Im Zuge der heutigen Finanzkrise können wir in den Kinos nun die der 30er Jahre miterleben. Gleichzeitig mit der Jagd auf Dillinger thematisiert der Film nebenbei auch die Entstehung des FBIs unter J. Edgar Hoover. Doch das Hauptthema ist Dillinger. Und wie es sich für einen guten Mann-Film gehört, wird geschossen und gemordet. Dabei fällt dem Zuschauer direkt die etwas konfuse Kameraführung des Films auf. Während die gleiche Technik im Jahr 2006 bei "Collateral" hervorragend funktionierte, irritiert sie nun mehr und lenkt den Zuschauer oftmals vom Geschehen ab. Es dauerte teilweise einige Minuten, bis man in einem Dialog erkennt, wer gerade mit wem spricht und die oftmals angewandten "Close-Ups" und die absichtlichen "Verwacklungen" bei Verfolgungsjagden haben auch nicht immer die gewünschte Wirkung. Dennoch zeigt sich gerade in den Nachsequenzen ab und an ein herausragendes Bild.

Ein weiterer noch gravierender Kritikpunkt des Films sind die Charaktere. John Dillinger, ebenso wie die anderen Charaktere, ist zwar nachvollziehbar und die Tatsache, dass der Film auf einer wahren Begebenheit beruht, macht alles etwas realistischer, dennoch fehlt beim Zuschauer der Zugang zu den Charakteren. Egal was passiert, die Verbindung zum Zuschauer bleibt über den ganzen Film hinweg leider auf der Strecke. So baut der Zuschauer keine Beziehung auf und es interessiert ihn somit herzlich wenig, wer gerade liebt, leidet oder stirbt. Gerade das ist sehr schade, würde die richtige Wirkung der Charaktere doch dazu führen, dass einem das Schicksal von Dillinger und Co. nahe geht. Doch so ist es einem eigentlich egal, was den ohnehin schon oftmals etwas langatmigen Film über weite Strecken ein Stück langatmiger macht. Leider zieht sich dies durch den gesamten Film, so dass man auch an der Entwicklung der Charaktere wenig Anteil nimmt.

Das aber liegt nicht unbedingt an den Darstellern. Gerade Johnny Depp zeigt als modischer und sympathischer Bankräuber einmal mehr, was er drauf hat. Ebenso wie Cotillard, die einmal mehr ihre Schauspielqualitäten beweist, auch wenn diese Vorstellung für einen Oscar wohl nicht reichen wird. Christian Bale überzeugt nicht weniger als Jäger des Trupps und neben den drei Superstars des Films geben sich hochkarätige Darsteller die Klinke in die Hand und überzeugen.

Fazit

Eine großartige, wahre Geschichte, ein noch besseres Ensemble und doch schafft es Michael Mann nicht, die Qualitäten all dessen komplett auszunutzen. Dennoch ist "Public Enemies" ein ansehnlicher Film geworden, der die Aufmerksamkeit des Publikums erfordert und ihn dafür mit einigen wirklich herausragenden Szenen belohnt.

Eva Klose - myFanbase
12.08.2009

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